Aus der Rubrik LAND IN SICHT: Global Challenges Foundation

Aus der Rubrik LAND IN SICHT der aktu­el­len Aus­ga­be BEFREIUNG. In der Rubrik stel­len wir Unter­neh­men oder zivil­ge­sell­schaft­li­che Pro­jek­te vor, die öko­no­mi­sches und gesell­schaft­li­ches Neu­land betre­ten.

GLOBAL CHALLENGES FOUNDATION

 

Bio­lo­gi­sche, che­mi­sche und nuklea­re Mas­sen­ver­nich­tungs­waf­fen, der Kli­ma­wan­del und die Aus­beu­tung natür­li­cher Res­sour­cen, Pan­de­mi­en und mul­ti­re­sis­ten­te Kei­me, Aste­ro­iden, Geo­en­genee­ring, Super­vul­ka­ne sowie künst­li­che Intel­li­gen­zen sind nur eini­ge Gefah­ren­quel­len, die in kür­zes­ter Zeit den gesam­ten Pla­ne­ten ins Cha­os stür­zen könn­ten. Dar­über hin­aus dro­hen immer wei­te­re gro­ße huma­ni­tä­re Kata­stro­phen, die durch poli­ti­sche Gewalt und Armut aus­ge­löst wer­den. Kin­der unter fünf Jah­ren ster­ben jedes Jahr auf­grund von Man­gel­er­näh­rung oder Dehy­drie­rung, wie László Szom­bat­fal­vy in sei­nem Buch Die größ­ten Her­aus­for­de­run­gen unse­rer Zeit schrieb.

Bedro­hun­gen, die unse­ren gesam­ten Pla­ne­ten betref­fen, kön­nen nur mit Ent­schei­dun­gen abge­wen­det wer­den, über die welt­weit Einig­keit besteht – davon ist Szom­bat­fal­vy über­zeugt. Die Ver­ein­ten Natio­nen als glo­ba­le inter­na­tio­na­le Orga­ni­sa­ti­on brin­gen zwar 193 Mit­glied­staa­ten an einen Tisch, das Veto-Recht und die gegen­sätz­li­chen Zie­le der Län­der ver­hin­dern es aber, schnell Beschlüs­se tref­fen zu kön­nen. Es geht also um nichts Gerin­ge­res als die Suche nach einer neu­en glo­ba­len Regie­rungs­struk­tur, die hand­lungs­fä­hig ist.

Szom­bat­fal­vy flüch­te­te 1959 wäh­rend des Volks­auf­stan­des von Ungarn nach Schwe­den, wo er als erfolg­rei­cher Geschäfts­mann und Inves­tor ein Mil­lio­nen-Ver­mö­gen auf­bau­te. Heu­te will der 91-jäh­ri­ge mit sei­nem Geld den Pla­ne­ten ret­ten. Im März 2013 grün­de­te er die Glo­bal Chal­len­ges Foun­da­ti­on (GCF) mit dem Ziel, glo­ba­le Kon­zep­te zum Umgang mit gesell­schaft­li­chen und öko­lo­gi­schen Risi­ken fin­den. Im Mai 2018 ver­gab die Stif­tung den „A New Shape“-Preis, der ein Modell der neu­ar­ti­gen, glo­ba­len Koope­ra­ti­on und Ent­schei­dungs­fin­dung küren soll. Es geht dabei weni­ger um Lösun­gen für ein­zel­ne Pro­ble­me, als viel­mehr um neu­ar­ti­ge Abläu­fe der glo­ba­len Ent­schei­dungs­fin­dung. Der Preis war mit 1,8 Mil­lio­nen US-Dol­lar dotiert und erhielt 2.702 Anmel­dun­gen aus 122 Län­dern. Der stell­ver­tre­ten­de Vor­sit­zen­de Mats Anders­son ist über­zeugt: „Wir müs­sen uns ändern, wenn wir die Risi­ken die wir haben, abwen­den wol­len. Sonst ver­lie­ren wir wahr­schein­lich die­sen Glo­bus oder die Mög­lich­keit, auf ihm zu leben.“

Mehr dazu unter globalchallenges.org

Die Model­le der drei Gewin­ner des „A New Shape“-Preises sol­len in den ncähs­ten Mona­ten wei­ter­ent­wi­ckelt und im Novem­ber auf dem Pari­ser Frie­dens­fo­rum vor­ge­stellt wer­den.

1. Vorschlag: Neue globale Institutionen für das 21. Jahrhundert

Augus­to Lopez-Claros, Arthur Lyon Dahl und Maja P.C.E. Groff prsä­en­tier­ten ihre Idee, die Char­ta der Ver­ein­ten Natio­nen zu über­ar­bei­ten: Ers­tens könn­te die UN-Gene­ral­ver­samm­lung künf­tig direkt von der Bevöl­ke­rung gewählt und ihre Befug­nis­se und Zustän­dig­kei­ten im Lau­fe der Zeit schritt­wei­se erwei­tert wer­den. Zwei­tens könn­te eine neue Kam­mer gegrün­det wer­den, die die Anlie­gen der Zivil­ge­sell­schaft auf­nimmt und Fra­gen von glo­ba­lem Inter­es­se the­ma­ti­siert. So könn­ten glo­ba­le Bedrüf­nis­se der Zivil­ge­sell­schaft neben der natio­nal­staat­li­chen Poli­tik abge­bil­det wer­den. Ein Exe­ku­tiv­rat von 24 Mit­glie­dern, der von der Gene­ral­ver­samm­lung der Ver­ein­ten Natio­nen gewählt wird, knön­te den UN-Sicher­heits­rat erset­zen, eine all­ge­mei­ne Auf­sicht gewähr­leis­ten und Trans­pa­renz, Effi­zi­enz und Kohä­renz des neu­en UN-Sys­tems sicher­stel­len.

2. Vorschlag: Echte globale Partnerschaft mit Hilfe der UN

Nata­lie Sama­ra­sing­he schlägt vor, die ver­al­te­te Aus­rich­tung der Ver­ein­ten Natio­nen den heu­ti­gen Anfor­de­run­gen anzu­pas­sen: die UN kon­zen­trie­re sich der­zeit zu sehr auf die Ver­tei­di­gung der indi­vi­du­el­len und gegen­sätz­li­chen Bedürf­nis­se ein­zel­ner Staa­ten und die Ent­wick­lungs­ar­beit – die ande­re Akteu­re oft bes­ser leis­ten kön­nen. Statt­des­sen soll ihre eigent­li­che Auf­ga­be wie­der ins Zen­trum gerückt wer­den, die Ent­schei­dungs­fin­dung über wich­ti­ge glo­ba­le Fra­gen vor­an zu brin­gen. Sama­ring­he schlägt des­halb eine Neu­struk­tu­rie­rung der UN vor: Sie könn­te künf­tig Unter­neh­men, NGOs und jun­ge Men­schen an einen Tisch brin­gen, indem sie Auf­ga­ben der Ent­wick­lungs­ar­beit aus­schreibt und an den geeig­nets­ten Bewer­ber über­trägt. Gleich­zei­tig hät­ten die UN mehr Zeit, um sich auf die zwi­schen­staat­li­che Kon­flikt­lö­sung und glo­ba­le Ent­schei­dungs­fin­dung zu kon­zen­trie­ren, die es für glo­ba­le Pro­ble­me benö­ti­ge.

3. Vorschlag: Globale Entscheidungsfindung unterstützt durch Künstliche Intelligenz und Blockchain

Soushi­ant Zanganeh­pour will eine KI-basier­te digi­ta­le Abstim­mungs­platt­form ent­wer­fen, die jedem Men­schen eine auf der Block­chain­tech­no­lo­gie basie­ren­de Iden­ti­tät zuweist und somit dezen­tra­li­sier­te glo­ba­le demo­kra­ti­sche Abstim­mun­gen ermög­licht. Künst­li­che Intel­li­gen­zen könn­ten die Ide­en­fin­dung und Kon­sens­bil­dung der Bür­ger för­dern und dabei hel­fen Ide­en zu erwei­tern und kon­kur­rie­ren­de Vor­schlä­ge zu tes­ten, poli­ti­sche Maß­nah­men und Bud­gets fest­zu­le­gen, sowie Kos­ten-Nut­zen-Abwä­gun­gen und Mei­nungs­bil­der bereit­zu­stel­len.
Dar­an anschlie­ßend könn­ten, so Zanganeh­pour, neue Insti­tu­tio­nen gegrün­det wer­den, etwa ein Minis­te­ri­um für Ide­en, eine glo­ba­le Biblio­thek, die poli­ti­sche Doku­men­te aller Staa­ten sam­melt, Bür­ger­par­la­men­te auf loka­ler, natio­na­ler und glo­ba­ler Ebe­ne oder ein glo­ba­les Bür­ger­meis­ter­par­la­ment, das als gemisch­tes inter­na­tio­na­les Gre­mi­um inter­net­ba­sier­te Wahl­krei­se abbil­det. Die Bür­ger­rech­te könn­ten dezen­tral durch ein rechts­ver­bind­li­ches Open-Source-Sys­tem gewahrt wer­den, das Algo­rith­men nutzt, um Kor­rup­ti­on früh­zei­tig zu erken­nen und zu ver­hin­dern.

wbernhardt