Jede Konzentration ist eine Gefahr für die Demokratie – Interview mit Frank Simon

„Wir laufen Gefahr, erpressbar zu werden“

Interview mit Frank Simon, Mitglied im Vorstand des Deutschen Netzwerk Wirtschaftsethik (DNWE)
BerechnendHerr Simon, welcher Widerspruch ist für Sie der bedeutsamste?
Der für mich bedeutsamste Widerspruch ist die Diskrepanz zwischen „vernünftigem“ und tatsächlichem Handeln.

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Sinn und Unsinn der ökonomischen Bildung in Schulen

Gesellschaft für sozioökonomische Bildung & Wissenschaft

Gesellschaft für sozioökonomische Bildung & Wissenschaft

Erdkundebücher seien zu marktskeptisch und Globalisierung werde im Schulunterricht zu negativ dargestellt – das behaupten Unternehmensverbände und fordern schon lange ein eigenes Schulfach „Wirtschaft“. Sie erhoffen sich dadurch auch, unternehmensorientiertes Denken inklusive Gründergeist in Deutschland zu stärken.
In Nordrhein-Westfalen wird ihr Wunsch womöglich bald in Erfüllung gehen. In Baden- Württemberg unterrichten Lehrkräfte bereits Wirtschaft, Berufs- und Studienorientierung (WBS). Das Fach Wirtschaft soll ökonomisches Wissen vermitteln und Kontakte mit Unternehmen ermöglichen. Einen Modellversuch hierzu gab es an Realschulen in NRW bereits von 2010 bis 2014. Das interessante Ergebnis: An den teilnehmenden Schulen hat eine Verdrängung der Fächer Sozialwissenschaften und Politik stattgefunden.
Die Gesellschaft für sozioökonomische Bildung & Wissenschaft (GSÖBW) wurde im Oktober 2016 gegründet, um der Entkopplung ökonomischer Fragestellungen von anderen gesellschaftswissenschaftlichen Disziplinen an Schulen und Hochschulen entgegenzutreten. Sinn und Unsinn der ökonomischen Bildung in Schulen weiterlesen

Was ist die Krise und wer sind wir danach?

Was ist die Krise und wer sind wir danach?

von Wolfram Bernhardt und Frank Augustin

Immer klarer tritt zutage, dass wir uns am Ende einer Epoche befinden. Einer Epoche, die getragen war von dem Glauben daran, dass durch technischen Fortschritt (mithin dem Fortschritt der Wissenschaften, der Vernunft) wirtschaftliches Wachstum geschaffen werden kann und dass dieses Wachstum zu steigendem materiellen Wohlstand wie auch zu einem insgesamt freieren, besseren Leben für alle führt. Stichworte: Vormarsch der Demokratien, Rechtsstaatlichkeit, freie Medien etc.
Inzwischen treten jedoch die Schattenseiten des technischen Fortschritts und des wirtschaftlichen Wachstums deutlich zutage (Stichworte: Erderwärmung, Umweltzerstörung, Ungleichverteilung, Zunahme psychischer Krankheiten). Zudem ist überhaupt nicht mehr so klar wie früher, was Wohlstand meint. Bedeutete er lange Zeit ein Mehr an materiellen Gütern (und gleichzeitig auch immer bessere Güter), so treten inzwischen andere Faktoren in den Vordergrund: beispielsweise mehr Zeit zu haben, weniger abhängig zu sein, saubere Luft, saubere Böden, sauberes Wasser etc.

Die Krise ist eine Orientierungskrise. Sie ist also nicht bloß eine Wirtschafts- oder Demokratiekrise, sondern eine Krise, die unser Weltbild betrifft.

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„Das darf man den Menschen nicht sagen.“ – Editorial zur Ausgabe 1/2018

Editorial von Frank Augustin zur Ausgabe „Wirtschaft im Widerspruch“

„Das darf man den Menschen nicht sagen.“

Frank Augustin ist Mitgründer und Magazinmacher des philosophischen Wirtschaftsmagazins agora42.

Das höre ich in letzter Zeit ziemlich oft, gleich ob von Politikern, Wissenschaftlern, Intellektuellen oder auch von Unternehmensvertretern. Was man ihnen nicht sagen darf? Erstens, dass die Demokratie seit den frühen 80er Jahren dem (Finanz-)Kapital folgt und insofern eigentlich keine mehr ist. Zweitens, dass der unvermeidliche Übergang vom Wachstum zu einer Postwachstumsgesellschaft nicht fließend verlaufen, sondern per Crash erfolgen wird. „Das darf man den Menschen nicht sagen.“ – Editorial zur Ausgabe 1/2018 weiterlesen

Das Ende des Hoffens – Kann ein Leben ohne Zukunft Qualität haben?

Das Ende des Hoffens – Kann ein Leben ohne Zukunft Qualität haben?

von Gilbert Dietrich

Wir kennen die Phasen der Trauer, die solche Patienten durchmachen, deren Krankheit unausweichlich zum Tode führt: Wut, Leugnen, Feilschen, Depression und schließlich Akzeptanz. In der Phase der Akzeptanz tritt man einen Schritt zurück und überlegt sich, wie man die Zeit, die einem noch bleibt, verbringen möchte und wie man sie mit etwas Würde durchstehen kann. Ich denke darüber inzwischen auch öfter nach. Was ist mit Ihnen?

Die Menschheit, so könnte man meinen, ist in einer ähnlichen Situation wie ein Todkranker: Uns wird zunehmend klar, dass unsere Existenz als Gattung auf diesem Planeten zu einem Ende kommt. Wir sind sieben Milliarden Menschen und werden noch mindestens zwei Milliarden mehr werden. Die Erde wird zunehmend wärmer, ohne dass wir unseren Kohlendioxidausstoß reduzieren können. Die Eismasse der Arktis schrumpft zusehends. Das Aussterben von Tier- und Pflanzenarten beschleunigt sich trotz WWF und Greenpeace. Das Ende des Hoffens – Kann ein Leben ohne Zukunft Qualität haben? weiterlesen

Democracy or capitalism – von Wolfram Bernhardt

Democracy or capitalism

von Wolfram Bernhardt

Folgenden Vortrag hat Wolfram Bernhardt am 27. Oktober 2017 in der Main Public Library of Copenhagen im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Europe – Manifesto!“ gehalten. Diese Veranstaltungsreihe wird organisiert von der Main Public Library of Copenhagen, dem ATLAS Magasin, dem Goethe Institut Dänemark und dem Institut Francais.

The point I want to make is straightforward and effective. We are in a situation where we have to decide between democracy and capitalism. Democracy or capitalism – von Wolfram Bernhardt weiterlesen

Kunstausstellung WA(H)RE ANGST in Pforzheim öffnet

Kunstausstellung WA(H)RE ANGST eröffnet in Pforzheim

Kunstausstellung
Die Neonschrift der Künstlerin Kathrin Borer wird in Pforzheim ausgestellt. © Kathrin Borer „Don’t sell me fear“, 2016. Foto: Andreas Hagenbach

„Wa(h)re Angst“ – das ist der Name der Kunstausstellung, die vom 6. bis zum 29. Oktober 2017 im EMMA – Kreativzentrum Pforzheim stattfindet und von agora42 dokumentiert wird. Kunstausstellung WA(H)RE ANGST in Pforzheim öffnet weiterlesen

Gefährliche Liebschaften – Selbstverwirklichung als Social Fracking

Ralf Damitz
von Ralf M. Damitz

Als Max Weber 1917 in der Münchener Buchhandlung Steinicke seinen berühmten Vortrag „Wissenschaft als Beruf“ hielt, endete er mit einer nietzscheanisch anmutenden Empfehlung für die dort größtenteils anwesenden jungen Studenten: Jeder müsse den „Dämon“ finden, so die pathetischen Schlussworte, „der seines Lebens Fäden hält“. In dieser kurzen Formel steckt ein Programm zur Persönlichkeitsentwicklung und es scheint aktueller denn je. Vielleicht allerdings in anderer Hinsicht, als es der Zeitgeist heute vorsieht: Es geht um das prekäre Verhältnis von Erfolg und Scheitern im Kapitalismus der Gegenwart. Gefährliche Liebschaften – Selbstverwirklichung als Social Fracking weiterlesen

Mensch trifft System – Interview mit Georg Tafner

Mensch trifft System

Interview mit Georg Tafner

Tafner
Georg Tafner ist Hochschulprofessor für Bildungsforschung und sozioökonomische Bildung an der PH Steiermark und Leiter des Bundeszentrums für Professionalisierung in der Bildungsforschung. Er lehrt an der Karl-Franzens-Universität Graz und der Humboldt-Universität zu Berlin.

Herr Tafner, abstrakte komplexe Gebilde werden heute schnell als Systeme bezeichnet, ohne zu wissen, was darunter genau zu verstehen ist. Ganze Wissenschaften erforschen Entstehung, Entwicklung, Einfluss und Beeinflussung von Systemen. Was bringt uns das Nachdenken über Systeme? Mensch trifft System – Interview mit Georg Tafner weiterlesen

PAЯADOX 16 – Widersprüche ins Zentrum rücken

Die Veranstaltungsreihe PAЯADOX 16 in Stuttgart startete ausgebucht

Die Widersprüche unserer Zeit scheinen auswegslos und frustrierend. Wie soll die Wirtschaft wachsen und dabei nachhaltig bleiben? Wie kann man Dinge nicht ausbeuten und trotzdem nutzen? Wie kann man neue Möglichkeiten im Betriebsablauf berücksichtigen und sich trotzdem auf ein Verfahren festlegen? Und, wenn es um die Jüngsten geht: Wie können wir die Bildung zurück in ein System bringen, dass auf Wissensanhäufung ausgerichtet ist?
Auf diese Fragen gibt es keine abschließenden Antworten und dennoch müssen sie gelöst werden. Genau deswegen sind sie spannend – sie regen das Denken an, das Diskutieren, die eigene Meinung, den freien Geist. In diesen Fragen entsteht Gesellschaft. PAЯADOX 16 gibt den großen Widersprüchen unserer Zeit den Raum, den sie brauchen: Persönlich, gastlich, anregend, außergewöhnlich und hochkarätig. PAЯADOX 16 – Widersprüche ins Zentrum rücken weiterlesen