Leserbriefe zur Ausgabe EINFACH LEBEN: “Ich will mein Problem zurück!”

Herz­li­chen Dank für Ihre Leser­brie­fe zur Aus­ga­be 03/2017 EINFACH LEBEN:

 

 

Die aktu­el­le Aus­ga­be ver­schi­cken wir ver­sand­kos­ten­frei 🙂

Sehr geehr­ter Herr Augus­tin,

die ein­zel­nen Bei­trä­ge zum The­men­schwer­punkt sind her­vor­ra­gend und haben gro­ßes Selbst­re­fle­xi­ons­po­ten­zi­al. Doch was lese ich am Schluss des Hef­tes: eine tota­le Kon­ter­ka­rie­rung des davor Gele­se­nen. Die Begrün­dung von A.W. für die Nut­zung von Daten ist ein Hor­ror-Sze­na­rio, das ich nicht erle­ben möch­te. Das hat mit Frei­heit nichts mehr zu tun, es ist nur noch ein Reagie­ren auf Fremd­be­ein­flus­sung! Wenn das die Lösung für heu­ti­ge Defi­zi­te und Pro­ble­me ist , dann will ich sofort mein Pro­blem zurück!

Mit freund­li­chen Grü­ßen
H. Klöt­zer

 

 

Hal­lo,

ich lese die Zeit­schrift mit gro­ßem Inter­es­se. Das Inter­view mit Andre­as Wei­gend bringt mich dazu einen Leser­brief zu schrei­ben.

Mei­ner Mei­nung nach ist es ein Wider­spruch, dass die Nut­zung von Daten das Leben ein­fa­cher macht. Wenn Herr Wei­gend sagt, dass der Kühl­schrank selbst­stän­dig Milch nach­be­stellt, er nicht mehr selbst ein­kau­fen muss, sich ver­mes­sen lässt usw. heißt das für mich nicht ein­fa­cher leben. Für mich heißt das, ich gebe die Ver­ant­wor­tung für mein Leben ab und las­se die Zah­len bzw. Daten über mich bestim­men. Da ich als Men­sch aber wider­sprüch­li­ch und zum Glück nicht bere­chen­bar bin und auch nicht sein möch­te, ist das für mich kein ein­fa­ches Leben, son­dern ein kon­trol­lier­tes, über­wach­tes und fremd­be­stimm­tes gegen das ich mich ent­schie­den weh­ren wür­de.

Ein gutes Heft, es hat mich zum Nach­den­ken und Wider­spre­chen ange­regt.
Freund­li­che Grü­ße
M. Wink­ler

 

Blockchain & Bitcoin – was noch gesagt werden musste, Teil 3

Blockchain & Bitcoin

 Weiterentwicklung der Blockchain

Eine Fra­ge, um die man nicht her­um­kommt zu stel­len, wenn man sich mit dem The­ma Block­chain beschäf­tigt ist: Wird die Block­chain die Welt ver­än­dern?

 

Die­se Fra­ge ist nahe­lie­gend, wenn man sich nur mal ansieht, wer sich gera­de alles inten­siv mit dem The­ma beschäf­tigt. Die Bank of Eng­land ist ein pro­mi­nen­tes Bei­spiel, wobei die ande­ren Inter­es­sen­ten an der Tech­no­lo­gie nicht weni­ger pro­mi­nent sind. So tüf­teln der­zeit 42 Ban­ken – dar­un­ter die Deut­sche Bank und die Com­merz­bank – gemein­sam an einem tech­ni­schen Stan­dard für Block­chains, weil die­se ihre Arbeit wesent­li­ch erleich­tern könn­ten. Und die aus­tra­li­sche Bör­se hat gera­de ver­lau­ten las­sen, dass sie die Tech­no­lo­gie tes­ten wird, um letzt­li­ch den gesam­ten Betrieb auf eine decen­tra­li­sed led­ger tech­no­lo­gy (DLT) umzu­stel­len. Das Inter­es­se für die­se Tech­no­lo­gie ist nicht wei­ter ver­wun­der­li­ch, wenn man sich ansieht, dass die Bit­co­ins zahl­rei­che zen­tra­le The­men der Finanz­welt betref­fen: z.B. das Mono­pol der Zen­tral­ban­ken der Geld­schaf­fung, die Mög­lich­keit Geld zu trans­fe­rie­ren, usw.

 

Man sieht also, dass die Block­chain im Main­stream ange­kom­men ist und zahl­rei­che wich­ti­ge Akteu­re sich mit der Anwen­dung die­ser Tech­no­lo­gie für ihre jeweils ganz spe­zi­fi­schen kon­kre­ten Anwen­dungs­fel­der beschäf­ti­gen. Doch was man nicht ver­ges­sen darf: Längst beschäf­ti­gen sich zahl­rei­che Per­so­nen mit der Weit­ent­wick­lung die­ser Tech­no­lo­gie. So haben bereits 2014 eini­ge jun­ge Pro­gram­mie­rer eine neue Block­chain-Tech­no­lo­gie ent­wi­ckelt, die weit über die Anwen­dung für eine Kryp­towäh­rung hin­aus­geht. Die­se neue Block­chain-Tech­no­lo­gie wur­de als Platt­form für soge­nann­te Dapps (Dis­tri­but­ed Apps), die aus Smart Con­tracts bestehen, ent­wi­ckelt.

 

Die Idee der „Smart Con­tract“ ist es, gewis­ser­ma­ßen die old-fashio­ned Ver­trä­ge in Papier­form durch ein Com­pu­ter­pro­gramm zu erset­zen, der auto­ma­ti­sch die vor­her fest­ge­leg­ten Bestim­mun­gen über­prüft und ent­spre­chen­de Aktio­nen ver­an­lasst. Dies ermög­licht es (sofern eine vor­her defi­nier­te Ver­trags­be­din­gung erfüllt ist), dass bestimm­te Aktio­nen (zum Bei­spiel Aus­zah­lun­gen) auto­ma­ti­sch aus­ge­führt wer­den kön­nen. Wenn man das kon­se­quent vor dem Hin­ter­grund des Inter­net 4.0 zu Ende denkt, also berück­sich­tigt, dass bald mehr als 50 Mil­li­ar­den Maschi­nen unter­ein­an­der ver­netzt sein sol­len, für deren “Kom­mu­ni­ka­ti­on” unter­ein­an­der die Block­chain ein “Betriebs­sys­tem” sein könn­te, dann sieht man schnell, dass Smart Con­tracts den erlauch­ten Kreis der durch die Block­chain vom Aus­ster­ben bedroh­ten Insti­tu­tio­nen und Beru­fe (Zen­tral­ban­ken, Ban­ken) um zahl­rei­che wei­te­re ergän­zen muss (z.B. Nota­re, Bör­sen­händ­ler, Ver­wal­tungs­mit­ar­bei­ter in sämt­li­chen Tätig­keist­fel­dern).

 

Doch so unglaub­li­ch das Poten­zi­al die­ser Smart Con­tracts ist, so müs­sen all die­se Anwen­dun­gen erst noch pro­gram­miert wer­den, müs­sen sich Kun­den fin­den, die für die­se Anwen­dun­gen auch bezah­len. Denn von irgend­et­was müs­sen all die Pro­gram­mie­rer ja leben. Da dies jedoch nicht so ein­fach ist, kamen Anfang 2016 eini­ge Pro­gram­mie­rer auf die Idee, eine vir­tu­el­le Betei­li­gungs­fir­ma zu grün­den, die via Crowd­fun­ding Geld von Inves­to­ren ein­sam­melt. Die so kapi­ta­li­sier­te Betei­li­gungs­fir­ma soll­te dann als Investor selbst die Pro­jek­te ihrer Erfin­der finan­zie­ren. Der Clou an der Sache war, dass die­se Betei­li­gungs­fir­ma selbst als Block­chain ange­legt war. Als Investor an die­ser Betei­li­gungs­fir­ma unter­schrieb man kon­se­quen­ter Wei­se auch kei­nen Ver­trag,  der durch einen Notar beglau­bigt und dann im Han­dels­re­gis­ter archi­viert wur­de – nein, viel­mehr erklär­te man durch die Benut­zung die­ser Block­chain-Tech­no­lo­gie sei­ne Zustim­mung zum Gesell­schafts­ver­trag, der nichts ande­res war als der Pro­gramm­code. Die­se Idee ist nicht ganz abwe­gig, denn letzt­li­ch kann man einen Ver­trag wie einen Pro­gramm­code lesen. Defi­niert ein Ver­trag doch wie ein Code, was zu tun ist, wenn ein vor­her defi­nier­ter Fall ein­tritt. Der Unter­schied ist jedoch (und die­ser wur­de im Zuge des DAO Hacks, den ich wei­ter unten schil­de­re, inten­siv dis­ku­tiert) dass man sich bei der Pro­gram­mie­rung die­ser Betei­li­gungs­fir­ma nicht am gel­ten­den Recht ori­en­tier­te, son­dern an dem, was tech­ni­sch mach­bar war und als rele­vant für sol­ch ein Unter­fan­gen erach­tet wur­de. Und so hat man sich im Vor­feld auch nicht mit der Fra­ge beschäf­tigt, ob das BGB oder der Pro­gramm­code gilt, wenn ein “Ver­trags­pas­sus” des Pro­gramm­codes für eine Funk­ti­on miss­braucht wird, für die sie nicht beab­sich­tigt war. Viel­leicht wur­de die­se Fra­ge­stel­lung zwar bedacht aber letzt­li­ch als irrele­vant erach­tet, weil die “Gesell­schaf­ter” die­ser Betei­li­gungs­fir­ma völ­lig anonym sind.

 

Gedacht getan. Die Idee war in der Welt und bis zum 28. Mai 2016 konn­te die Betei­li­gungs­fir­ma mit dem Namen Decen­tra­li­zed Auto­no­mous Orga­ni­sa­ti­on (DAO) ca. 150 Mil­lio­nen US-Dol­lar von über 11.000 Inves­to­ren ein­sam­meln. Was nun folg­te, war ein Wirt­schafts­kri­mi aller­ers­ter Güte. Denn nur drei Wochen spä­ter, am 17. Juni 2016, muss­ten die Grün­der und Inves­to­ren der DAO fest­stel­len, dass durch einen Hack der Soft­ware Geld­er von der DAO abge­zo­gen wur­den. Ins­ge­samt han­del­te es sich um rund 50 Mil­lio­nen US-Dol­lar. Der Hacker hat­te dabei eine Funk­ti­on in der DAO als Sicher­heits­lü­cke ent­deckt, die die Inves­to­ren eigent­li­ch schüt­zen soll­te. Doch zum Glück gab es eine wei­te­re Schutz­funk­ti­on, die der Com­mu­ni­ty 28 Tage Zeit gab, um das Geld zurück­zu­ho­len. Erst wenn die­se 28 Tage ver­stri­chen wären, hät­te der Hacker auf das abge­zo­ge­ne Geld zugrei­fen kön­nen.

Wäh­rend die Com­mu­ni­ty noch berat­schlag­te, tauch­te ein anony­mes Beken­ner­schrei­ben auf, in dem der Hacker dar­auf ver­wies, dass er ledig­li­ch im Rah­men des von der Tech­no­lo­gie Erlaub­ten gehan­delt habe. Und auch wenn er damit irgend­wie recht hat­te: Das Geld war erst mal weg. Wich­ti­ger noch waren die Fol­gen des Hacks: Denn die Reak­ti­on der DAO hat gezeigt, dass es – auch wenn bis­lang Gegen­tei­li­ges gesagt wur­de – doch mög­li­ch ist, eine Block­chain zu mani­pu­lie­ren (zumal wenn die­se noch so jung ist wie die, auf der die DAO auf­bau­te und wenn die­se von einer zen­tra­len Stel­le wie der Ethe­reum Foun­da­ti­on ent­wi­ckelt wird). Denn kurz vor Ablauf der 28 Tage ent­schied man sich, die Block­chain zu mani­pu­lie­ren und so das Geld der Inves­to­ren zu sichern.

 

Damit wur­de zwar das Ver­spre­chen der Block­chain-Tech­no­lo­gie – die Unmög­lich­keit der Mani­pu­la­ti­on von Daten – gebro­chen, aber so para­dox es klin­gen mag, damit wur­de zugleich gezeigt, dass die Block­chain für zahl­rei­che kom­mer­zi­el­le Anwen­dun­gen ver­wen­den lässt. Schließ­li­ch ist es manch­mal klar von Vor­teil, wenn es eine Instanz gibt, die Feh­ler revi­die­ren kann und gene­rell die Kon­trol­le behält.

 

Wird die Block­chain also die Welt ver­än­dern? Auf die­se Fra­ge will ich hier kei­ne abschlie­ßen­de Ant­wort geben, aber man soll­te die­se Fra­ge bei den fol­gen­den Blog­bei­trä­gen stets im Hin­ter­kopf haben …

 

von Wolf­ram Bern­hardt, der sich über Feed­back wie immer freut  (wbernhardt(at)agora42(Punkt)de), den 30. Mai 2017

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ALGORITHM WATCH — Beobachtungsplattform für digitale „Entscheider“

Aus der Rubrik LAND IN SICHT der Aus­ga­be DGITALISIERUNG 2/17

Egal ob selbst­fah­ren­de Autos, per­so­na­li­sier­te Online­n­ach­rich­ten oder auto­ma­ti­sier­ter Hoch­fre­quenz­han­del an der Bör­se – wenn Maschi­nen ent­schei­den, basiert dies auf Algo­rith­men. Obwohl dem Wort ein fast mys­ti­scher Klang anhaf­tet, ist ein Algo­rith­mus nichts wei­ter als eine genaue Hand­lungs­an­wei­sung, um ein Pro­blem zu lösen. In der Grund­schu­le begeg­nen wir Algo­rith­men wie der schrift­li­chen Sub­trak­ti­on. Im All­tag hel­fen sie uns in Form von Bedie­nungs­an­lei­tun­gen, um Auf­ga­ben wie den Auf­bau von Ikea-Rega­len zu bewäl­ti­gen. Auf die glei­che Wei­se bestim­men Algo­rith­men, dass ein selbst­fah­ren­des Auto bei einem Hin­der­nis aus­weicht, wel­che Nach­richt weit oben im News­feed erscheint oder wel­che Aktie inner­halb von Mil­li­se­kun­den gekauft und wie­der ver­kauft wird.

Was aber, wenn ein selbst­fah­ren­des Auto jeman­den tötet? Wenn spe­zi­fi­sch abge­stimm­te Bot­schaf­ten im News­feed Men­schen dazu bewe­gen, extre­me poli­ti­sche Par­tei­en zu wäh­len oder wenn Hoch­fre­quenz­han­del zu insta­bi­len Märk­ten führt? Maschi­nel­les Ent­schei­den auf der Basis von Algo­rith­men  ndet in immer mehr Berei­chen Anwen­dung. Die gesell­schaft­li­che Debat­te dar­über, wie damit umzu­ge­hen ist, wenn die ursprüng­li­chen Pro­blem­lö­ser selbst Pro­ble­me ver­ur­sa­chen, kommt jedoch nur lang­sam hin­ter­her.

Algo­rithm Watch möch­te das ändern. Eine Phi­lo­so­phin, eine Natur­wis­sen­schaft­le­rin und zwei Jour­na­lis­ten grün­de­ten die­se Platt­form im Mai 2016 auf der re:publica:. In ihrem Mani­fest heißt es, algo­rith­mi­sche Ent­schei­dungs­pro­zes­se sei­en nie­mals neu­tral und müss­ten nach­voll­zieh­bar sein, damit sie demo­kra­ti­scher Kon­trol­le unter­wor­fen wer­den kön­nen. Von Algo­rith­men unter­stütz­te Ent­schei­dun­gen sol­len aber nicht ver­teu­felt wer­den. Es geht den vier Grün­dern viel­mehr dar­um, dass Bür­ger­rech­te geach­tet wer­den. So beschäf­ti­gen sie sich unter ande­rem mit Pre­dic­tive Poli­cing, bei dem die Poli­zei mit­hil­fe von Algo­rith­men ver­sucht, aus gro­ßen Daten­men­gen vor­her­zu­sa­gen, wo zukünf­ti­ge Ver­bre­chen wie Ein­brü­che pas­sie­ren. Auf­grund der kom­ple­xen und tech­ni­schen Natur algo­rith­mi­scher Ent­schei­dungs­pro­zes­se will Algo­rithm Watch ihre Aus­wir­kun­gen nicht nur beob­ach­ten, son­dern auch für eine brei­te Öffent­lich­keit erläu­tern. Sie wol­len Exper­ten zusam­men­brin­gen und mit­ge­stal­ten, wenn es dar­um geht, geeig­ne­te Auf­sichts­or­ga­ni­sa­tio­nen zu ent­wer­fen.

Mehr dazu unter: algorithmwatch.org

Wie wür­den Sie einem Kind erklä­ren, was ein Algo­rith­mus ist?
In Situa­tio­nen, in denen man selbst gera­de kei­ne Zeit oder kei­ne Lust hat, eine Ent­schei­dung zu tref­fen, kann man die­se an jemand ande­ren abge­ben, von dem man denkt, dass er oder sie eine gute Ent­schei­dung tref­fen wird. Die­ser jemand schreibt die Ent­schei­dung dann auf einen Zet­tel und tut sie in eine Kon­ser­ven­do­se. Wenn ich nun die Dose auf­ma­che, dann kommt die Ent­schei­dung her­aus – wie bei einem Algo­rith­mus.

Wann sind Maschi­nen die bes­se­ren Ent­schei­der?
Zunächst ein­mal ent­schei­den Maschi­nen nicht, da sie kei­ne Absich­ten haben. Nur Men­schen kön­nen han­deln und Ent­schei­dun­gen tref­fen. Men­schen han­deln aber nicht immer kon­se­quent. Ein Rich­ter ent­schei­det etwa vor dem Essen anders als nach dem Essen. Bei unse­ren Ent­schei­dun­gen spie­len Sym­pa­thien eine Rol­le und manch­mal ein­fach nur das Wet­ter. Algo­rith­men hin­ge­gen sind kon­se­quent – und das kann ein Vor­teil sein.

Ihr Name deu­tet auf eine Nicht­re­gie­rungs­or­ga­ni­sa­ti­on (NGO) hin. Ist das die Rol­le, in der Sie sich sehen?
Ja, prin­zi­pi­ell schon. Bei man­chen „Watch“-Organisationen ent­steht jedoch der Ein­druck, dass sie dem Objekt der Beob­ach­tung gegen­über eher skep­ti­sch ein­ge­stellt sind. Das ist bei uns nicht der Fall. Wir sehen im Gebrauch von Algo­rith­men einen Mehr­wert für die Gesellschft. Des­halb sehen wir uns in einer ähn­li­chen Rol­le wie die Orga­ni­sa­ti­on Food­watch, die auch nicht prin­zi­pi­ell etwas gegen Essen hat.

War­um haben Sie sich kri­ti­sch zum Vor­schlag für eine EU-Char­ta digi­ta­ler Grund­rech­te geäu­ßert, die unter ande­rem von Mar­tin Schulz, Sascha Lobo und Juli Zeh initi­iert wur­de?
Unser Haupt­kri­tik­punkt ist, dass es Men­schen­rech­te unab­hän­gig vom Medi­um gibt. Sie vom Medi­um abhän­gig zu machen, wie die EU-Char­ta digi­ta­ler Grund­rech­te es sug­ge­riert, bedeu­tet, dass die Grund­rech­te, die wir jetzt haben, online nicht mehr gel­ten. Das scheint mir sowohl aus ethi­schen als auch aus juris­ti­schen Grün­den frag­wür­dig.

Digipolis: Die Beste aller Welten – Interview mit Petra Grimm

Digipolis: Die Beste aller Welten

Inter­view mit Petra Grimm vom Insti­tut für Digi­ta­le Ethik

 

Rafa­el Capur­ro, der auch Bei­rats­mit­glied des Insti­tuts für Digi­ta­le Ethik ist, spricht in unse­rer aktu­el­len Aus­ga­be von einem glo­ba­len Cyber­ta­ri­at, das sich frei­wil­lig zum Skla­ven der IT-Gigan­ten gemacht hat. Sieht er die Situa­ti­on zu kri­ti­sch?

Prof. Dr. Petra Grimm ist Lei­te­rin des Insti­tuts für Digi­ta­le Ethik an der Hoch­schu­le der Medi­en in Stutt­gart.

Ich wür­de ergän­zend dazu von einer digi­ta­len Olig­ar­chie spre­chen, bei der sich die Markt­macht bezüg­li­ch digi­ta­ler Ange­bo­te, Infra­struk­tur und Ent­wick­lung auf weni­ge Unter­neh­men kon­zen­triert. Dass die Nut­zer sich nicht gegen die Data­fi­zie­rung ihrer Pri­vat­sphä­re auf­leh­nen und sich kei­ne Gedan­ken über den zuneh­men­den Ver­lust ihrer Hand­lungs- und Ent­schei­dungs­frei­heit machen, hängt zum einen mit der man­geln­den Auf­klä­rung über die Fol­gen und zum ande­ren mit der man­geln­den daten­öko­lo­gi­schen Ver­ant­wor­tung der Unter­neh­men und Poli­tik zusam­men. Zum Bei­spiel habe ich ges­tern mit einem Gym­na­si­as­ten der 11. Klas­se über das The­ma Daten­schutz und Digi­tal­kom­pe­tenz gespro­chen, er hat­te in der Schu­le noch nie davon gehört. Das zeigt recht gut, dass wir noch einen hohen Bedarf an Auf­klä­rung haben und Pri­vat­heits­kom­pe­tenz brau­chen.

 

Eine der zen­tra­len The­men der Tagung „In pur­suit of (vir­tual) hap­pi­ness?“ ist die Fra­ge, ob wir eine Ethik der Algo­rith­men brau­chen. Was kann man sich unter einer Ethik der Algo­rith­men vor­stel­len?

Eine Ethik der Algo­rith­men befasst sich mit den Aus­wir­kun­gen von Big Data und Künst­li­cher Intel­li­genz (KI) auf den Ein­zel­nen und die Gesell­schaft. Intel­li­gen­te Sys­te­me wer­den zukünf­tig in vie­len Lebens­be­rei­chen Ent­schei­dun­gen (selbst­stän­dig) tref­fen und damit die Hand­lungs­fä­hig­keit und Hand­lungs­mäch­tig­keit jedes Ein­zel­nen beein­flus­sen. Die zen­tra­le ethi­sche Her­aus­for­de­rung wird sein, intel­li­gen­te Sys­te­me human­ge­recht und wer­te­ori­en­tiert zu gestal­ten. Das heißt, das Ziel der tech­no­lo­gi­schen Ent­wick­lung soll­te sein, nicht nur Pro­zes­se zu opti­mie­ren und öko­no­mi­sche Effi­zi­enz zu erzie­len, son­dern auch unse­re Lebens­si­tua­ti­on zu ver­bes­sern, unse­re Hand­lungs­mög­lich­kei­ten zu erwei­tern und unse­re Auto­no­mie zu wah­ren. Eine human­ge­rech­te Ein­bin­dung intel­li­gen­ter Sys­te­me in hoch­kom­ple­xe Gesell­schaf­ten ist kei­ne indi­vi­du­el­le Ange­le­gen­heit, son­dern eine gesamt­ge­sell­schaft­li­che Auf­ga­be. Des­halb braucht es einen gesell­schaft­li­chen Kon­sens dar­über, wie die Men­sch-Sys­tem-Inter­ak­ti­on kon­trol­lier- und steu­er­bar ist.

 

Man geht davon aus, dass intel­li­gen­te Sys­te­me (Algo­rith­men) sich bald selbst­stän­dig ent­wi­ckeln wer­den. Damit wer­den sie zuneh­mend zu einer Black­box, sprich, man kann nicht mehr nach­voll­zie­hen, wie gen­au ihre Ent­schei­dungs­fin­dung ver­läuft. Kön­nen wir inso­fern nur noch dar­auf hof­fen, dass die Algo­rith­men eine eige­ne Ethik her­aus­bil­den?

Die Algo­rith­men kön­nen nicht selbst eine Ethik bil­den. Sobald Maschi­nen nicht mehr von Men­schen steu­er- und kon­trol­lier­bar sind, haben wir ein Pro­blem. Den Ste­cker zu zie­hen, ist kei­ne rea­lis­ti­sche Opti­on. Die zen­tra­le Her­aus­for­de­rung wird sein, ein Value-Based-Desi­gn zu ent­wi­ckeln, mit dem man bei selbst­ler­nen­den Maschi­nen (Machine Learning, Deep Learning) ethi­sche Wer­te und Nor­men schon in der Ent­wick­lung imple­men­tie­ren kann. Um in der All­tags­pra­xis Ver­trau­en in intel­li­gen­te Sys­te­me zu bekom­men, bedarf es aus­rei­chen­der Infor­ma­tio­nen über deren Funk­ti­ons­wei­se und mög­li­che Kon­se­quen­zen. Des Wei­te­ren müs­sen die Sys­tem­me­cha­nis­men trans­pa­rent sein, um dar­aus Erkennt­nis­se für das eige­ne Han­deln ablei­ten und selbst bestim­men zu kön­nen, ob und in wel­chem Aus­maß man ihnen Ver­trau­en schen­ken kann. Hilf­reich hier­für wäre ein inter­dis­zi­pli­nä­rer Ansatz, der Infor­ma­tik und Ethik ver­knüpft. Eine Ethik der Algo­rith­men kann als Navi­ga­ti­ons­in­stru­ment die­sen Pro­zess durch Refle­xi­on, Ori­en­tie­rung und Mode­ra­ti­on steu­ern.

 

Big Data, Block­chain, KI und Co. geben kei­ne Ant­wort dar­auf, wie wir in Zukunft leben wol­len. Gesell­schaft­li­che Uto­pi­en sind im Ver­gleich zu Tech­ni­ku­to­pi­en gera­de Man­gel­wa­re. Wie möch­ten Sie im tech­nik­ge­präg­ten Zeit­al­ter leben?

Die Bes­te aller Wel­ten wäre eine Digi­po­lis, in der Big Data und KI nicht nur für öko­no­mi­sche Zwecke genutzt wer­den, son­dern auch für das Gemein­wohl. Zum Bei­spiel kann die Digi­ta­li­sie­rung zur Res­sour­cen­scho­nung bei­tra­gen sowie für neue Mobi­li­täts­sys­te­me oder medi­zi­ni­sche For­schung und Anwen­dung hilf­reich sein. Die stei­gen­de Kom­ple­xi­tät der Gesell­schaft, die poli­ti­sch der­zeit von Popu­lis­ten negiert wird, könn­te durch die Digi­ta­li­sie­rung hand­hab­ba­rer wer­den. Aller­dings braucht es dazu auch ent­spre­chen­de Nar­ra­ti­ve der Digi­ta­li­sie­rung. Die Vor­stel­lung dar­über, was die Digi­ta­li­sie­rung dem Ein­zel­nen und der Gesell­schaft brin­gen könn­te, ist eigent­li­ch der­zeit eher durch öko­no­mi­sche Nar­ra­ti­ve der Inter­net-Gigan­ten und Tech-Unter­neh­men geprägt. Inwie­weit sie uns mehr Chan­cen­gleich­heit und ein gutes Leben bie­ten kann, wird viel zu wenig reflek­tiert, da die Öko­no­mi­sie­rung unse­rer Wer­te­sys­te­me in allen Berei­chen domi­niert.

 

 

 

 

Im Zen­trum der Tagung ste­hen Fra­gen wie: Wel­che Rol­le spie­len in Zukunft der Men­sch und sei­ne spe­zi­fi­sch mensch­li­chen Leis­tun­gen, sei­ne Denk- und Steue­rungs­fä­hig­kei­ten, sei­ne Ent­schei­dun­gen inklu­si­ve sei­ner Unzu­läng­lich­kei­ten, sei­ne ganz eige­ne Intel­li­genz, sei­ne Wert­vor­stel­lun­gen, sei­ne ethi­schen Hal­tun­gen und Ori­en­tie­run­gen? Sind wir auf dem Weg zum vir­tu­el­len Glück? Um mit Aris­to­te­les zu spre­chen: Wel­che Art von mensch­li­cher Vor­treff­lich­keit wol­len wir in einer von Algo­rith­men gepräg­ten Zukunft anstre­ben, wel­ches Leben leben?

Am 21. Juni 2016 fin­det in Stutt­gart eine medi­en­ethi­sche Tagung zum The­ma „In Pur­suit of (Vir­tual) Hap­pi­ness? Men­sch, Maschine, Vir­tu­el­le Rea­li­tät“ statt. Ver­an­stal­ter ist das Insti­tut für digi­ta­le Ethik (IDE), des­sen Bei­rats­mit­glied Prof. Dr. Rafa­el Capur­ro im Inter­view der aktu­el­len ago­r­a42 zu lesen ist. Das The­ma der Tagung sind Men­sch-Maschine-Inter­ak­tio­nen, die sich im Zuge der Digi­ta­li­sie­rung ver­viel­facht, aus­dif­fe­ren­ziert und zuneh­mend in unse­ren All­tag ein­ge­schrie­ben haben. Intel­li­gen­te Sys­te­me “ler­nen” dabei anhand gro­ßer Daten­sät­ze und agie­ren zuneh­mend eigen­stän­dig.

Die Ver­an­stal­tung ist öffent­li­ch und kos­ten­los. Um Anmel­dung bis zum 14.07.2017 wird gebe­ten. Das kom­plet­te Pro­gramm fin­den Sie hier.

Im Vor­feld der Tagung haben wir ein Inter­view mit Frau Prof. Dr. Petra Grimm vom Insti­tut für Digi­ta­le Ethik geführt.

 

 

 

 

 

 

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Leitbilder Probeabo- Big Data, Inter­net der Din­ge, Block­chain oder künst­li­che Intel­li­genz: Was ändert die Digi­ta­li­sie­rung? Wie real ist die vir­tu­el­le Welt? Braucht die Wirt­schaft den Men­schen noch? Machen super­schlaue Maschi­nen uns zu sub­schlau­en Men­schen?

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Blockchain & Bitcoin – Was noch gesagt werden musste, Teil 2

Blockchain & Bitcoin

Bitcoin als Spekulationsobjekt

 

Der Grund wes­halb das The­ma Blockchain&Bitcoin so gro­ße Reso­nanz in der Pres­se erfährt, liegt zu einem gro­ßen Teil auch dar­an, dass es wohl kaum sol­ch ein lukra­ti­ves Invest­ment in den ver­gan­ge­nen Jah­ren gab, wie der Kauf von Bit­co­ins – zumin­dest, wenn man früh genug ein­ge­stie­gen ist. Und sofern man den Kauf von Bit­co­ins als Inves­ti­ti­on bezeich­nen kann und nicht als Spe­ku­la­ti­on aller­ers­ter Güte. Denn hät­te man im März 2011 für 1.000 US-Dol­lar Bit­co­ins gekauft, ent­sprä­chen die­se heu­te einem Wert von 3.085.754 US-Dol­lar. Wow!

 

Kurs: unter 4USD/BTC

Ich glau­be mich zu erin­nern, dass ich das ers­te Mal von Bit­co­ins in Jahr 2011 in irgend­wel­chen Finanz­fo­ren im Inter­net gele­sen habe. Ich habe mich damals inten­siv mit sämt­li­chen Deri­va­ten aus­ein­an­der­ge­setzt, die mit­ver­ant­wort­li­ch für die Finanz­kri­se aus 2007/08 waren und fand dazu eini­ges in Foren, die man getrost als ner­dig bezeich­nen konn­te. Dort las ich das ers­te Mal von der Kryp­towäh­rung Bit­co­in, konn­te mir dar­un­ter jedoch nicht wirk­li­ch etwas vor­stel­len und hielt das gan­ze noch für eine Spie­le­rei der Tech-Com­mu­ni­ty.

 

Kurs: Okto­ber 2013 120 USD/BTC, Dezem­ber 2013 1.150 USD/BTC

Als Ende 2013 in den Medi­en groß über die Platt­form Silk Road, die als vir­tu­el­ler Schwarz­markt in Schlag­zei­len kam, im Zusam­men­hang mit der Ver­haf­tung des mut­maß­li­chen Erfin­ders und Betrei­bers der Platt­form berich­tet wur­de, stol­per­te ich das nächs­te Mal über die Bit­co­ins. War doch die ein­zi­ge Wäh­rung, mit der man bei Silk Road Dro­gen, Waf­fen und Auf­trags­mor­de bezah­len konn­te, der Bit­co­in. Nicht zuletzt durch die­se Bericht­erstat­tung erfuhr die Wäh­rung einen mas­si­ven Boom. Inner­halb von nur knapp 2 Mona­ten ver­zehn­fach­te sich fast der Kurs.

Grund der Ral­ly ist das zuneh­men­de Inter­es­se von Anle­gern aus Chi­na und den Ver­ei­nig­ten Staa­ten, wäh­rend gleich­zei­tig immer mehr Händ­ler Bit­co­ins akzep­tie­ren. Mitt­ler­wei­le kann mit ihnen im Inter­net alles Mög­li­che bezahlt wer­den — von Gum­mi­bär­chen bis zu Stu­di­en­ge­büh­ren.

Mei­len­stei­ne ver­mit­teln ten­den­zi­ell eine gewis­se Vali­die­rung, selbst wenn sie abso­lut will­kür­li­ch sind”, schrieb Nicho­las Colas, Chef-Markt­stra­te­ge von Con­verg-Ex Group in einer E-Mail. „1000 Dol­lar für einen Bit­co­in zieht Auf­merk­sam­keit auf sich und gibt den Leu­ten, die der Wäh­rung gegen­über posi­tiv ein­ge­stellt sind, einen wei­te­ren Grund den Schwarz­se­hern mit­ten ins Gesicht zu lachen.”

 

Kurs: Janu­ar (2015) 220 USS/BTC

Nach die­ser spek­ta­ku­lä­ren Kurs­ex­plo­si­on ging der Kurs ein­mal in den Kel­ler. Die­se Nega­tiv­ten­denz wur­de durch die Fest­nah­me von zwei Betrei­bern von unab­hän­gig von­ein­an­der ope­rie­ren­den Tausch­bör­sen für Bit­co­ins unter­stützt. Doch zugleich akzep­tier­ten immer mehr Fir­men die Bit­co­ins als Zah­lungs­mit­tel – dar­un­ter das Rei­se­por­tal Expe­dia, die tages­zei­tung TAZ, die Wiki­me­dia Foun­da­ti­on und sogar Micro­soft. Den­no­ch trat zunächst ein­mal eine Ernüch­te­rung ein, was den Wech­sel­kurs bzw. den Wert der Wäh­rung betraf.

 

Kurs: Mai (2016) 450 UUS/BTC

Im Novem­ber 2015 schien sich der Kurs des Bit­co­ins wie­der zu erho­len und sta­bi­li­sier­te sich bis Mai 2016 um +/- 400 USD. Für die wei­te­ren Bei­trä­ge soll jedoch bereits dar­auf ver­wie­sen wer­den, dass bis Febru­ar 2016 die Fir­ma Namen Digi­tal Asset Hol­ding ihre ers­te Kapi­tal­run­de erfolg­reich schloss: Von insti­tu­tio­nel­len Inves­to­ren sam­mel­te die Fir­ma rund 60 Mil­lio­nen USD ein, dar­un­ter JP Mor­gan, Accen­tu­re PLC. Deut­sche Bank, Gold­man Sachs und IBM. Frei­li­ch waren das kei­ne Inves­ti­tio­nen in Bit­co­ins, son­dern in die zugrun­de­lie­gen­de Tech­no­lo­gie der Block­chain, ist es doch das Ziel der Fir­ma, die­se für Anwen­dun­gen in der Finanz­in­dus­trie nutz­bar zu machen.

 

Kurs: Mai (2017) 2.344 USD/BTC

Ab Juni 2016 setz­te dann ein erneu­ter Höhen­flug der Bit­co­ins ein, der bis­lang noch unge­bro­chen ist. Aus die­ser Zeit will ich nur auf die erstaun­li­che Ent­wick­lung rund die Grün­dung der Ethe­reum Platt­form ver­wei­sen und in des­sen Zusam­men­hang auf die DAO – bei­des wer­de ich eben­so in spä­te­ren Arti­kel aus­führ­li­ch beschrei­ben.

Gleich­zei­tig wur­den zahl­rei­chen ETFs bei der SEC, also bei der US-ame­ri­ka­ni­schen Bör­sen­auf­sicht, zur Prü­fung ange­mel­det.  Was sich mit ETF so kom­pli­ziert anhört, ist letzt­li­ch nichts ande­res als ein Wert­pa­pier, des­sen Kurs sich fix aus dem Kurs von irgend­et­was ande­rem ergibt: Roh­stof­fen, Akti­en, gan­ze Akti­en­in­di­zes (DAX) oder eben auch – so die Idee all der Antrag­stel­ler – Bit­co­ins. Der Grund dafür, dass die Bit­co­in Com­mu­ni­ty die­ser Aner­ken­nung so her­bei­sehn­te, ist, weil ab die­sem Zeit­punkt auch insti­tu­tio­nel­le Inves­to­ren in die “Wäh­rung” Bit­co­in inves­tie­ren kön­nen. Dabei ver­steht man unter insti­tu­tio­nel­len Inves­to­ren gro­ße Ver­mö­gens­ver­wal­ter, Ban­ken, Ver­si­che­run­gen etc. Und gen­au die­se Inves­to­ren sit­zen gera­de auf enorm viel Geld, das nach Anla­ge­mög­lich­kei­ten sucht.

 

Was kann man nun aus all­dem fol­gern?

Jeder soll­te schon ein­mal von Bit­co­ins gehört haben, denn die Idee der Kryp­towäh­rung ist nicht mehr aus der Welt zu den­ken. Die Fra­ge, ob man sol­ch eine “Wäh­rung”, als das Bit­co­ins gemein­hin bezeich­net wer­den, über­haupt braucht, stellt kei­ner – die Kurs­ent­wick­lung ist so spek­ta­ku­lär, dass sich die­se Fra­ge zu erüb­ri­gen scheint. Ja, soll­ten die Bit­co­in-ETFs in abseh­ba­rer Zeit zuge­las­sen wer­den – wovon die Com­mu­ni­ty fest über­zeugt ist – ist zu erwar­ten, dass der Kurs auch locker die 5.000 USD/BTC sprengt. Wer spe­ku­lie­ren will, fin­det hier sei­ne Bestim­mung.

Der zwei­te Punkt ist die erstaun­li­che Tat­sa­che, dass bereits eini­ge Per­so­nen zu Mil­lio­nä­ren wur­den, ein­zig und allein des­halb, weil sie früh genug tat­säch­li­ches Geld – Euro, US-Dol­lar – in etwas gesteckt haben, was nicht mehr ist, als ein ver­dammt lan­ger Com­pu­ter­code. Im Jahr 2013 lagen auf 1.350 Kon­ten mehr als 1.000 Bit­co­ins von denen heu­te jeder USD-Mil­lio­när sein dürf­te. Und offen­sicht­li­ch gab es zu dem Zeit­punkt auch ein Kon­to dem 111.111 Bit­co­ins zuge­rech­net wur­den. Ange­nom­men der Besit­zer des Kon­tos hat sie immer noch, dann darf er sich inzwi­schen über ein Ver­mö­gen von ca. 260 Mil­lio­nen US-Dol­lar freu­en. Das dum­me an den Bit­co­ins ist nur: Wenn man sein Pass­wort zu sei­nem Kon­to ver­ges­sen hat, dann darf man sich zwar als Mil­lio­när füh­len aber hat kei­ne Mög­lich­keit mehr, an das Geld zu kom­men.

 

von Wolf­ram Bern­hardt, der sich über Feed­back wie immer freut  (wbernhardt(at)agora42(Punkt)de), den 30. Mai 2017

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Blockchain & Bitcoin – Was noch gesagt werden musste, Teil 1

Blockchain & Bitcoin

Start einer Blogserie

 

Ver­gan­ge­nen Sonn­tag stol­per­te ich per Zufall – sofern man in die­sem Fall von stol­pern spre­chen kann – über einen Twit­ter Account, der es offen­sicht­li­ch zur Auf­ga­be hat, Wer­bung für Kryp­towäh­run­gen zu machen. Als ich mir die­sen Twit­ter Account ansah, fie­len mir zwei Din­ge auf: Ers­tens, der Boom um Kryp­towäh­run­gen als Spe­ku­la­ti­ons­ob­jekt ist nach wie vor unge­bro­chen und zwei­tens, die Block­chain, als die zugrun­de­lie­gen­de Tech­no­lo­gie der Kryp­towäh­run­gen dient nach wie vor als Sto­ry, um den Hype um Bit­co­ins und Co. zu recht­fer­ti­gen. Bei­des ver­wun­dert mich nicht. Aber da ich in mei­nem Arti­kel “To block­chain or not to block­chain, that is the ques­ti­on” in der Aus­ga­be DIGITLAISIERUNG damit ende­te, dass man gut bera­ten ist, die Ent­wick­lun­gen um Bit­co­in und Block­chain zu ver­fol­gen, möch­te ich ger­ne noch paar Gedan­ken zu die­sem The­ma for­mu­lie­ren, die nicht mehr in besag­ten Arti­kel Platz fan­den. Die­se Gedan­ken wer­de ich in loser Abfol­ge zu Papier – bzw. zu Tas­ta­tur, zu Bild­schirm zu was auch immer man heu­te ver­wen­det – brin­gen.

 

Die­se Gedan­ken betref­fen ganz unter­schied­li­che Berei­che, wie den nahe­lie­gen­den, das Kryp­towäh­run­gen wei­ter­hin zu Spe­ku­la­ti­ons­zwe­cken gekauft und ver­kauft wer­den, wie aber auch Fra­ge­stel­lun­gen, ganz ande­rer Natur:

  • Kön­nen Kryp­towäh­run­gen als Geld­ersatz die­nen?
  • Ist die Block­chain eine welt­ver­än­dern­de Tech­no­lo­gie?
  • Gibt es einen Wett­be­werb der unter­schied­li­chen Block­chain Stan­dards?
  • Inwie­fern füh­ren die digi­ta­len Tech­no­lo­gi­en zu einer Ver­fla­chung der Welt?
  • Wird das Rea­le die Hoheit über das Vir­tu­el­le behal­ten?

 

Der Arti­kel “To block­chain or not to block­chain, that is the ques­ti­on” erschien in der Aus­ga­be DIGITALISIERUNG 2/17

Dabei will ich mit die­ser Lis­te kei­nen Anspruch auf Voll­stän­dig­keit erhe­ben. Ich bin über­zeugt, dass die­se Lis­te umso län­ger wird, je län­ger ich mich mit Blockchain&Bitcoin beschäf­ti­ge. Auch bin ich offen für Vor­schlä­ge (am bes­ten via E-Mail: wbernhardt(at)agora42(Punkt)de), immer­hin begin­ne ich gera­de erst an der Ober­flä­che des­sen zu krat­zen, was in die­sem Zusam­men­hang noch wert wäre, Erwäh­nung zu fin­den.

Als Start der Rei­he möch­te ich ger­ne besag­ten Arti­kel “To block­chain or not to block­chain, that is the ques­ti­on” in vier kur­zen Blog­bei­trä­gen zusam­men­fas­sen. Und ja, ich weiß sehr wohl, dass es kor­rekt “To be or not to be” heißt. Aber was viel­leicht nicht expli­zit im Arti­kel aus­ge­drückt wird, ist, dass es mir gen­au dar­um geht: Ganz oder gar nicht. Die Block­chain ist nicht ein­fach nur scheib­chen­wei­se zu bekom­men. Es geht inso­fern sehr wohl um die Wurst. 99% Block­chain ist immer noch nicht Block­chain, es müs­sen 100% sein – wie bei­spiels­wei­se gera­de die Bör­se von Aus­tra­li­en zeigt, die gera­de auf Block­chain Tech­no­lo­gi­en umstellt. Aber da ich das erst im Nach­gang zum Arti­kel her­aus­fand, will ich nicht vor­grei­fen.

 

Was ist die Blockchain?

Die wich­tigs­te Fra­ge, wenn man sich mit der Block­chain aus­ein­an­der­setzt ist, was die Block­chain eigent­li­ch ist. Hier die Ant­wort: Die Block­chain ist die abge­si­cher­ten Ver­ket­tung ein­zel­ner zu Blö­cken zusam­men­ge­fass­ter Daten und baut auf einer dezen­tra­len digi­ta­len Daten­bank auf, die man auch mit einem Jour­nal oder Regis­ter der Buch­füh­rung ver­glei­chen kann. Dies kann man sich ganz ein­fach anhand der Funk­ti­ons­wei­se von Bit­co­ins vor­stel­len, denen die ältes­te Block­chain zugrun­de liegt. So wer­den in die­ser Block­chain bei­spiels­wei­se die Besitz­rech­te an den Bit­co­ins sowie Trans­ak­tio­nen der jewei­li­gen Bit­co­ins fest­ge­schrie­ben, damit man wie bei einer guten Finanz­buch­hal­tung jeder­zeit nach­voll­zie­hen kann, wo jeder ein­zel­ne Geld­be­trag her­kommt und wohin er wie­der ver­schwin­det. Das beson­de­re an die­ser Art der Buch­füh­rung ist nun, dass es zahl­rei­che sol­cher Bücher oder Daten­ban­ken gibt, weil die „Buch­ein­trä­ge“ in zahl­rei­cher Aus­fer­ti­gung und dezen­tral gespei­chert wer­den und dass alles voll­stän­dig auto­ma­ti­siert und anony­mi­siert von stat­ten geht.

Die­se Trans­ak­tio­nen oder Buch­ein­trä­ge wer­den dann zu Blö­cken zusam­men­ge­fasst und chro­no­lo­gi­sch gespei­chert, gewis­ser­ma­ßen wie Ket­ten­glie­der, die inein­an­der­grei­fen – daher auch der Name „chain“ (deut­sch: Ket­te). Durch die auf­ein­an­der auf­bau­en­de Spei­che­rung von Daten in einer Block­chain kön­nen die Daten nicht nach­träg­li­ch geän­dert wer­den, ohne die Inte­gri­tät der betref­fen­den Block­chain ins­ge­samt zu beschä­di­gen. Hier­durch wird die Mani­pu­la­ti­on von Daten erheb­li­ch erschwert – und so erüb­rigt sich auch eine drit­te Instanz zur Bestä­ti­gung der Inte­gri­tät von Trans­ak­tio­nen.

An die­sem Bei­spiel wird bereits deut­li­ch, dass die Idee der Kryp­towäh­rung nicht funk­tio­niert, wenn sie nur zu 50% über eine Block­chain abge­wi­ckelt wird – also: ganz oder gar nicht. Glei­ches gilt übri­gens auch für die Bit­co­in als Spe­ku­la­ti­ons­ob­jekt, was ich in dem nächs­ten Bei­trag zei­gen wer­de.

 

von Wolf­ram Bern­hardt, den 15.März 2017

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