Birger P. Priddat anlässlich seiner Mitherausgeberschaft

Lie­be Lese­rin­nen und Leser,

wir freu­en uns, Bir­ger P. Prid­dat ab die­ser Aus­ga­be als Mit­her­aus­ge­ber begrü­ßen zu dür­fen. Von Anfang an stand er uns mit Rat und Tat zur Sei­te und beein­druck­te uns mit sei­ner unvor­ein­ge­nom­me­nen Art, sei­ner gro­ßen wis­sen­schaft­li­chen Neu­gier sowie sei­ner Fähig­keit, bei aller fach­li­chen Kom­pe­tenz nie das „gro­ße gan­ze“ aus den Augen zu ver­lie­ren. Er macht in ein­zig­ar­ti­ger Wei­se deut­lich, dass Theo­rie und Pra­xis kei­nen Wider­spruch dar­stel­len, son­dern eine funk­tio­nie­ren­de Pra­xis ohne eine funk­tio­nie­ren­de Theo­rie unmög­lich ist.

Das agora42-Team

Bir­ger P. Prid­dat anläss­lich sei­ner Mitherausgeberschaft:

Es ist an der Zeit, Wirt­schafts­phi­lo­so­phie zu betrei­ben. Die Öko­no­mik ist eine aus­ge­zeich­ne­te ana­ly­ti­sche Wis­sen­schaft – aller­dings kann sie bei der Fra­ge nach dem Sinn und Zweck des Wirt­schaf­tens nicht wei­ter­hel­fen. Zwar lie­fert sie funk­tio­na­le Erklä­run­gen, jedoch fal­len die­se in Bezug auf kom­ple­xe Phä­no­me­ne wie bei­spiels­wei­se Euro­kri­se, Finanz­kri­se, Ban­ken­re­gu­lie­rung, Kli­ma­be­wäl­ti­gung etc. so unter­schied­lich aus, dass man sich fragt, ob die Öko­no­men die Pro­ble­me ange­mes­sen ver­ste­hen. Die Ver­wir­rung wird dadurch nicht klei­ner, dass heu­te auf­grund der Kon­tin­genz, Vola­ti­li­tät und Unge­wiss­heit, wel­che die öko­no­mi­schen Erklä­rungs­mo­del­le cha­rak­te­ri­sie­ren, auf natur­wis­sen­schaft­li­che Ansät­ze oder sozio­lo­gi­sche Beschrei­bun­gen gesell­schaft­li­cher Kom­mu­ni­ka­tio­nen zurück­ge­grif­fen wird. Man­ches ist nur psy­cho­lo­gisch zu klä­ren (wobei die Neu­ro­wis­sen­schaf­ten die psy­cho­lo­gi­schen Erklä­run­gen zu revi­die­ren begin­nen). Und jetzt noch Philosophie?

Unbe­dingt. Denn die Phi­lo­so­phie erlaubt es, Zusam­men­hän­ge zu den­ken, die ansons­ten nicht in den Blick kom­men. Die Phi­lo­so­phie – und eine Wirt­schafts­phi­lo­so­phie muss sich in Deutsch­land erst bil­den – kann begriff­li­che Blo­ckie­run­gen auf­he­ben; sie erlaubt es, öko­no­mi­sche Fra­gen trans­dis­zi­pli­när zu kop­peln. Dies ist wider anders­lau­ten­der Bekun­dun­gen bis­lang noch nicht gesche­hen – obwohl die Pro­blem­la­gen längst die Gren­zen der ein­zel­nen Dis­zi­pli­nen über­schrei­ten. Wer außer den Phi­lo­so­phen traut sich auf die­ses kom­ple­xe Ter­rain? Wenn Phi­lo­so­phie das rich­ti­ge Nach­fra­gen ist, geht es nicht um eine ersatz­wei­se zu fer­ti­gen­de neue Öko­no­mie, son­dern dar­um, „brei­te­re Theo­ri­en“ zu ent­fal­ten. Und es geht – stets aufs Neue – um die Fra­ge: wozu Öko­no­mie? Und: Was leis­ten wir uns wofür? Für wel­che Lebensform?

Das klingt groß und über­bor­dend. Aber eben dafür ist die Phi­lo­so­phie taug­lich – indem sie die Öko­no­mie als Öko­no­mie ernst nimmt, nicht kul­tu­rell denun­ziert, son­dern in ein Gespräch auf Augen­hö­he geht. At it’s best in Wechselwirkung.

wbernhardt