Blockchain & Bitcoin – Was noch gesagt werden musste, Teil 1

Blockchain & Bitcoin

Start einer Blogserie

 

Vergangenen Sonntag stolperte ich per Zufall – sofern man in diesem Fall von stolpern sprechen kann – über einen Twitter Account, der es offensichtlich zur Aufgabe hat, Werbung für Kryptowährungen zu machen. Als ich mir diesen Twitter Account ansah, fielen mir zwei Dinge auf: Erstens, der Boom um Kryptowährungen als Spekulationsobjekt ist nach wie vor ungebrochen und zweitens, die Blockchain, als die zugrundeliegende Technologie der Kryptowährungen dient nach wie vor als Story, um den Hype um Bitcoins und Co. zu rechtfertigen. Beides verwundert mich nicht. Aber da ich in meinem Artikel “To blockchain or not to blockchain, that is the question” in der Ausgabe DIGITLAISIERUNG damit endete, dass man gut beraten ist, die Entwicklungen um Bitcoin und Blockchain zu verfolgen, möchte ich gerne noch paar Gedanken zu diesem Thema formulieren, die nicht mehr in besagten Artikel Platz fanden. Diese Gedanken werde ich in loser Abfolge zu Papier – bzw. zu Tastatur, zu Bildschirm zu was auch immer man heute verwendet – bringen.

 

Diese Gedanken betreffen ganz unterschiedliche Bereiche, wie den naheliegenden, das Kryptowährungen weiterhin zu Spekulationszwecken gekauft und verkauft werden, wie aber auch Fragestellungen, ganz anderer Natur:

  • Können Kryptowährungen als Geldersatz dienen?
  • Ist die Blockchain eine weltverändernde Technologie?
  • Gibt es einen Wettbewerb der unterschiedlichen Blockchain Standards?
  • Inwiefern führen die digitalen Technologien zu einer Verflachung der Welt?
  • Wird das Reale die Hoheit über das Virtuelle behalten?

 

Der Artikel “To blockchain or not to blockchain, that is the question” erschien in der Ausgabe DIGITALISIERUNG 2/17

Dabei will ich mit dieser Liste keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben. Ich bin überzeugt, dass diese Liste umso länger wird, je länger ich mich mit Blockchain&Bitcoin beschäftige. Auch bin ich offen für Vorschläge (am besten via E-Mail: wbernhardt(at)agora42(Punkt)de), immerhin beginne ich gerade erst an der Oberfläche dessen zu kratzen, was in diesem Zusammenhang noch wert wäre, Erwähnung zu finden.

Als Start der Reihe möchte ich gerne besagten Artikel “To blockchain or not to blockchain, that is the question” in vier kurzen Blogbeiträgen zusammenfassen. Und ja, ich weiß sehr wohl, dass es korrekt “To be or not to be” heißt. Aber was vielleicht nicht explizit im Artikel ausgedrückt wird, ist, dass es mir genau darum geht: Ganz oder gar nicht. Die Blockchain ist nicht einfach nur scheibchenweise zu bekommen. Es geht insofern sehr wohl um die Wurst. 99% Blockchain ist immer noch nicht Blockchain, es müssen 100% sein – wie beispielsweise gerade die Börse von Australien zeigt, die gerade auf Blockchain Technologien umstellt. Aber da ich das erst im Nachgang zum Artikel herausfand, will ich nicht vorgreifen.

 

Was ist die Blockchain?

Die wichtigste Frage, wenn man sich mit der Blockchain auseinandersetzt ist, was die Blockchain eigentlich ist. Hier die Antwort: Die Blockchain ist die abgesicherten Verkettung einzelner zu Blöcken zusammengefasster Daten und baut auf einer dezentralen digitalen Datenbank auf, die man auch mit einem Journal oder Register der Buchführung vergleichen kann. Dies kann man sich ganz einfach anhand der Funktionsweise von Bitcoins vorstellen, denen die älteste Blockchain zugrunde liegt. So werden in dieser Blockchain beispielsweise die Besitzrechte an den Bitcoins sowie Transaktionen der jeweiligen Bitcoins festgeschrieben, damit man wie bei einer guten Finanzbuchhaltung jederzeit nachvollziehen kann, wo jeder einzelne Geldbetrag herkommt und wohin er wieder verschwindet. Das besondere an dieser Art der Buchführung ist nun, dass es zahlreiche solcher Bücher oder Datenbanken gibt, weil die „Bucheinträge“ in zahlreicher Ausfertigung und dezentral gespeichert werden und dass alles vollständig automatisiert und anonymisiert von statten geht.

Diese Transaktionen oder Bucheinträge werden dann zu Blöcken zusammengefasst und chronologisch gespeichert, gewissermaßen wie Kettenglieder, die ineinandergreifen – daher auch der Name „chain“ (deutsch: Kette). Durch die aufeinander aufbauende Speicherung von Daten in einer Blockchain können die Daten nicht nachträglich geändert werden, ohne die Integrität der betreffenden Blockchain insgesamt zu beschädigen. Hierdurch wird die Manipulation von Daten erheblich erschwert – und so erübrigt sich auch eine dritte Instanz zur Bestätigung der Integrität von Transaktionen.

An diesem Beispiel wird bereits deutlich, dass die Idee der Kryptowährung nicht funktioniert, wenn sie nur zu 50% über eine Blockchain abgewickelt wird – also: ganz oder gar nicht. Gleiches gilt übrigens auch für die Bitcoin als Spekulationsobjekt, was ich in dem nächsten Beitrag zeigen werde.

 

von Wolfram Bernhardt, den 15.März 2017

________________________________________________________________

Probeabo-Digialisierung2
+++ Jetzt gibt es die neue Ausgabe DIGITALISIERUNG auch im günstigen PROBEABO +++

Leitbilder Probeabo– Inklusive der aktuellen Ausgabe DIGITALISIERUNG

– 39% günstiger als der Einzelkauf!

– Ausgabe LEITBILDER gratis: Mit Statements von Gunter Dueck, Marc Elsberg (“Blackout”), Michael Winterhoff (“Warum unsere Kinder Tyrannen werden”), Reinhold Messner, Armin Nassehi uvm.

wbernhardt