Blockchain & Bitcoin – Was noch gesagt werden musste, Teil 2

Blockchain & Bitcoin

Bitcoin als Spekulationsobjekt

 

Der Grund weshalb das Thema Blockchain&Bitcoin so große Resonanz in der Presse erfährt, liegt zu einem großen Teil auch daran, dass es wohl kaum solch ein lukratives Investment in den vergangenen Jahren gab, wie der Kauf von Bitcoins – zumindest, wenn man früh genug eingestiegen ist. Und sofern man den Kauf von Bitcoins als Investition bezeichnen kann und nicht als Spekulation allererster Güte. Denn hätte man im März 2011 für 1.000 US-Dollar Bitcoins gekauft, entsprächen diese heute einem Wert von 3.085.754 US-Dollar. Wow!

 

Kurs: unter 4USD/BTC

Ich glaube mich zu erinnern, dass ich das erste Mal von Bitcoins in Jahr 2011 in irgendwelchen Finanzforen im Internet gelesen habe. Ich habe mich damals intensiv mit sämtlichen Derivaten auseinandergesetzt, die mitverantwortlich für die Finanzkrise aus 2007/08 waren und fand dazu einiges in Foren, die man getrost als nerdig bezeichnen konnte. Dort las ich das erste Mal von der Kryptowährung Bitcoin, konnte mir darunter jedoch nicht wirklich etwas vorstellen und hielt das ganze noch für eine Spielerei der Tech-Community.

 

Kurs: Oktober 2013 120 USD/BTC, Dezember 2013 1.150 USD/BTC

Als Ende 2013 in den Medien groß über die Plattform Silk Road, die als virtueller Schwarzmarkt in Schlagzeilen kam, im Zusammenhang mit der Verhaftung des mutmaßlichen Erfinders und Betreibers der Plattform berichtet wurde, stolperte ich das nächste Mal über die Bitcoins. War doch die einzige Währung, mit der man bei Silk Road Drogen, Waffen und Auftragsmorde bezahlen konnte, der Bitcoin. Nicht zuletzt durch diese Berichterstattung erfuhr die Währung einen massiven Boom. Innerhalb von nur knapp 2 Monaten verzehnfachte sich fast der Kurs.

Grund der Rally ist das zunehmende Interesse von Anlegern aus China und den Vereinigten Staaten, während gleichzeitig immer mehr Händler Bitcoins akzeptieren. Mittlerweile kann mit ihnen im Internet alles Mögliche bezahlt werden – von Gummibärchen bis zu Studiengebühren.

„Meilensteine vermitteln tendenziell eine gewisse Validierung, selbst wenn sie absolut willkürlich sind”, schrieb Nicholas Colas, Chef-Marktstratege von Converg-Ex Group in einer E-Mail. „1000 Dollar für einen Bitcoin zieht Aufmerksamkeit auf sich und gibt den Leuten, die der Währung gegenüber positiv eingestellt sind, einen weiteren Grund den Schwarzsehern mitten ins Gesicht zu lachen.”

 

Kurs: Januar (2015) 220 USS/BTC

Nach dieser spektakulären Kursexplosion ging der Kurs einmal in den Keller. Diese Negativtendenz wurde durch die Festnahme von zwei Betreibern von unabhängig voneinander operierenden Tauschbörsen für Bitcoins unterstützt. Doch zugleich akzeptierten immer mehr Firmen die Bitcoins als Zahlungsmittel – darunter das Reiseportal Expedia, die tageszeitung TAZ, die Wikimedia Foundation und sogar Microsoft. Dennoch trat zunächst einmal eine Ernüchterung ein, was den Wechselkurs bzw. den Wert der Währung betraf.

 

Kurs: Mai (2016) 450 UUS/BTC

Im November 2015 schien sich der Kurs des Bitcoins wieder zu erholen und stabilisierte sich bis Mai 2016 um +/- 400 USD. Für die weiteren Beiträge soll jedoch bereits darauf verwiesen werden, dass bis Februar 2016 die Firma Namen Digital Asset Holding ihre erste Kapitalrunde erfolgreich schloss: Von institutionellen Investoren sammelte die Firma rund 60 Millionen USD ein, darunter JP Morgan, Accenture PLC. Deutsche Bank, Goldman Sachs und IBM. Freilich waren das keine Investitionen in Bitcoins, sondern in die zugrundeliegende Technologie der Blockchain, ist es doch das Ziel der Firma, diese für Anwendungen in der Finanzindustrie nutzbar zu machen.

 

Kurs: Mai (2017) 2.344 USD/BTC

Ab Juni 2016 setzte dann ein erneuter Höhenflug der Bitcoins ein, der bislang noch ungebrochen ist. Aus dieser Zeit will ich nur auf die erstaunliche Entwicklung rund die Gründung der Ethereum Plattform verweisen und in dessen Zusammenhang auf die DAO – beides werde ich ebenso in späteren Artikel ausführlich beschreiben.

Gleichzeitig wurden zahlreichen ETFs bei der SEC, also bei der US-amerikanischen Börsenaufsicht, zur Prüfung angemeldet.  Was sich mit ETF so kompliziert anhört, ist letztlich nichts anderes als ein Wertpapier, dessen Kurs sich fix aus dem Kurs von irgendetwas anderem ergibt: Rohstoffen, Aktien, ganze Aktienindizes (DAX) oder eben auch – so die Idee all der Antragsteller – Bitcoins. Der Grund dafür, dass die Bitcoin Community dieser Anerkennung so herbeisehnte, ist, weil ab diesem Zeitpunkt auch institutionelle Investoren in die “Währung” Bitcoin investieren können. Dabei versteht man unter institutionellen Investoren große Vermögensverwalter, Banken, Versicherungen etc. Und genau diese Investoren sitzen gerade auf enorm viel Geld, das nach Anlagemöglichkeiten sucht.

 

Was kann man nun aus alldem folgern?

Jeder sollte schon einmal von Bitcoins gehört haben, denn die Idee der Kryptowährung ist nicht mehr aus der Welt zu denken. Die Frage, ob man solch eine “Währung”, als das Bitcoins gemeinhin bezeichnet werden, überhaupt braucht, stellt keiner – die Kursentwicklung ist so spektakulär, dass sich diese Frage zu erübrigen scheint. Ja, sollten die Bitcoin-ETFs in absehbarer Zeit zugelassen werden – wovon die Community fest überzeugt ist – ist zu erwarten, dass der Kurs auch locker die 5.000 USD/BTC sprengt. Wer spekulieren will, findet hier seine Bestimmung.

Der zweite Punkt ist die erstaunliche Tatsache, dass bereits einige Personen zu Millionären wurden, einzig und allein deshalb, weil sie früh genug tatsächliches Geld – Euro, US-Dollar – in etwas gesteckt haben, was nicht mehr ist, als ein verdammt langer Computercode. Im Jahr 2013 lagen auf 1.350 Konten mehr als 1.000 Bitcoins von denen heute jeder USD-Millionär sein dürfte. Und offensichtlich gab es zu dem Zeitpunkt auch ein Konto dem 111.111 Bitcoins zugerechnet wurden. Angenommen der Besitzer des Kontos hat sie immer noch, dann darf er sich inzwischen über ein Vermögen von ca. 260 Millionen US-Dollar freuen. Das dumme an den Bitcoins ist nur: Wenn man sein Passwort zu seinem Konto vergessen hat, dann darf man sich zwar als Millionär fühlen aber hat keine Möglichkeit mehr, an das Geld zu kommen.

 

von Wolfram Bernhardt, der sich über Feedback wie immer freut  (wbernhardt(at)agora42(Punkt)de), den 30. Mai 2017

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