Blockchain & Bitcoin – was noch gesagt werden musste, Teil 3

Blockchain & Bitcoin

 Weiterentwicklung der Blockchain

Eine Fra­ge, um die man nicht her­um­kommt zu stel­len, wenn man sich mit dem The­ma Block­chain beschäf­tigt ist: Wird die Block­chain die Welt verändern?

 

Die­se Fra­ge ist nahe­lie­gend, wenn man sich nur mal ansieht, wer sich gera­de alles inten­siv mit dem The­ma beschäf­tigt. Die Bank of Eng­land ist ein pro­mi­nen­tes Bei­spiel, wobei die ande­ren Inter­es­sen­ten an der Tech­no­lo­gie nicht weni­ger pro­mi­nent sind. So tüf­teln der­zeit 42 Ban­ken – dar­un­ter die Deut­sche Bank und die Com­merz­bank – gemein­sam an einem tech­ni­schen Stan­dard für Block­chains, weil die­se ihre Arbeit wesent­lich erleich­tern könn­ten. Und die aus­tra­li­sche Bör­se hat gera­de ver­lau­ten las­sen, dass sie die Tech­no­lo­gie tes­ten wird, um letzt­lich den gesam­ten Betrieb auf eine decen­tra­li­sed led­ger tech­no­lo­gy (DLT) umzu­stel­len. Das Inter­es­se für die­se Tech­no­lo­gie ist nicht wei­ter ver­wun­der­lich, wenn man sich ansieht, dass die Bit­co­ins zahl­rei­che zen­tra­le The­men der Finanz­welt betref­fen: z.B. das Mono­pol der Zen­tral­ban­ken der Geld­schaf­fung, die Mög­lich­keit Geld zu trans­fe­rie­ren, usw.

 

Man sieht also, dass die Block­chain im Main­stream ange­kom­men ist und zahl­rei­che wich­ti­ge Akteu­re sich mit der Anwen­dung die­ser Tech­no­lo­gie für ihre jeweils ganz spe­zi­fi­schen kon­kre­ten Anwen­dungs­fel­der beschäf­ti­gen. Doch was man nicht ver­ges­sen darf: Längst beschäf­ti­gen sich zahl­rei­che Per­so­nen mit der Weit­ent­wick­lung die­ser Tech­no­lo­gie. So haben bereits 2014 eini­ge jun­ge Pro­gram­mie­rer eine neue Block­chain-Tech­no­lo­gie ent­wi­ckelt, die weit über die Anwen­dung für eine Kryp­towäh­rung hin­aus­geht. Die­se neue Block­chain-Tech­no­lo­gie wur­de als Platt­form für soge­nann­te Dapps (Dis­tri­bu­t­ed Apps), die aus Smart Con­tracts bestehen, entwickelt.

 

Die Idee der „Smart Con­tract“ ist es, gewis­ser­ma­ßen die old-fashio­ned Ver­trä­ge in Papier­form durch ein Com­pu­ter­pro­gramm zu erset­zen, der auto­ma­tisch die vor­her fest­ge­leg­ten Bestim­mun­gen über­prüft und ent­spre­chen­de Aktio­nen ver­an­lasst. Dies ermög­licht es (sofern eine vor­her defi­nier­te Ver­trags­be­din­gung erfüllt ist), dass bestimm­te Aktio­nen (zum Bei­spiel Aus­zah­lun­gen) auto­ma­tisch aus­ge­führt wer­den kön­nen. Wenn man das kon­se­quent vor dem Hin­ter­grund des Inter­net 4.0 zu Ende denkt, also berück­sich­tigt, dass bald mehr als 50 Mil­li­ar­den Maschi­nen unter­ein­an­der ver­netzt sein sol­len, für deren “Kom­mu­ni­ka­ti­on” unter­ein­an­der die Block­chain ein “Betriebs­sys­tem” sein könn­te, dann sieht man schnell, dass Smart Con­tracts den erlauch­ten Kreis der durch die Block­chain vom Aus­ster­ben bedroh­ten Insti­tu­tio­nen und Beru­fe (Zen­tral­ban­ken, Ban­ken) um zahl­rei­che wei­te­re ergän­zen muss (z.B. Nota­re, Bör­sen­händ­ler, Ver­wal­tungs­mit­ar­bei­ter in sämt­li­chen Tätigkeistfeldern).

 

Doch so unglaub­lich das Poten­zi­al die­ser Smart Con­tracts ist, so müs­sen all die­se Anwen­dun­gen erst noch pro­gram­miert wer­den, müs­sen sich Kun­den fin­den, die für die­se Anwen­dun­gen auch bezah­len. Denn von irgend­et­was müs­sen all die Pro­gram­mie­rer ja leben. Da dies jedoch nicht so ein­fach ist, kamen Anfang 2016 eini­ge Pro­gram­mie­rer auf die Idee, eine vir­tu­el­le Betei­li­gungs­fir­ma zu grün­den, die via Crowd­fun­ding Geld von Inves­to­ren ein­sam­melt. Die so kapi­ta­li­sier­te Betei­li­gungs­fir­ma soll­te dann als Inves­tor selbst die Pro­jek­te ihrer Erfin­der finan­zie­ren. Der Clou an der Sache war, dass die­se Betei­li­gungs­fir­ma selbst als Block­chain ange­legt war. Als Inves­tor an die­ser Betei­li­gungs­fir­ma unter­schrieb man kon­se­quen­ter Wei­se auch kei­nen Ver­trag,  der durch einen Notar beglau­bigt und dann im Han­dels­re­gis­ter archi­viert wur­de – nein, viel­mehr erklär­te man durch die Benut­zung die­ser Block­chain-Tech­no­lo­gie sei­ne Zustim­mung zum Gesell­schafts­ver­trag, der nichts ande­res war als der Pro­gramm­code. Die­se Idee ist nicht ganz abwe­gig, denn letzt­lich kann man einen Ver­trag wie einen Pro­gramm­code lesen. Defi­niert ein Ver­trag doch wie ein Code, was zu tun ist, wenn ein vor­her defi­nier­ter Fall ein­tritt. Der Unter­schied ist jedoch (und die­ser wur­de im Zuge des DAO Hacks, den ich wei­ter unten schil­de­re, inten­siv dis­ku­tiert) dass man sich bei der Pro­gram­mie­rung die­ser Betei­li­gungs­fir­ma nicht am gel­ten­den Recht ori­en­tier­te, son­dern an dem, was tech­nisch mach­bar war und als rele­vant für solch ein Unter­fan­gen erach­tet wur­de. Und so hat man sich im Vor­feld auch nicht mit der Fra­ge beschäf­tigt, ob das BGB oder der Pro­gramm­code gilt, wenn ein “Ver­trags­pas­sus” des Pro­gramm­codes für eine Funk­ti­on miss­braucht wird, für die sie nicht beab­sich­tigt war. Viel­leicht wur­de die­se Fra­ge­stel­lung zwar bedacht aber letzt­lich als irrele­vant erach­tet, weil die “Gesell­schaf­ter” die­ser Betei­li­gungs­fir­ma völ­lig anonym sind.

 

Gedacht getan. Die Idee war in der Welt und bis zum 28. Mai 2016 konn­te die Betei­li­gungs­fir­ma mit dem Namen Decen­tra­li­zed Auto­no­mous Orga­ni­sa­ti­on (DAO) ca. 150 Mil­lio­nen US-Dol­lar von über 11.000 Inves­to­ren ein­sam­meln. Was nun folg­te, war ein Wirt­schafts­kri­mi aller­ers­ter Güte. Denn nur drei Wochen spä­ter, am 17. Juni 2016, muss­ten die Grün­der und Inves­to­ren der DAO fest­stel­len, dass durch einen Hack der Soft­ware Gel­der von der DAO abge­zo­gen wur­den. Ins­ge­samt han­del­te es sich um rund 50 Mil­lio­nen US-Dol­lar. Der Hacker hat­te dabei eine Funk­ti­on in der DAO als Sicher­heits­lü­cke ent­deckt, die die Inves­to­ren eigent­lich schüt­zen soll­te. Doch zum Glück gab es eine wei­te­re Schutz­funk­ti­on, die der Com­mu­ni­ty 28 Tage Zeit gab, um das Geld zurück­zu­ho­len. Erst wenn die­se 28 Tage ver­stri­chen wären, hät­te der Hacker auf das abge­zo­ge­ne Geld zugrei­fen können.

Wäh­rend die Com­mu­ni­ty noch berat­schlag­te, tauch­te ein anony­mes Beken­ner­schrei­ben auf, in dem der Hacker dar­auf ver­wies, dass er ledig­lich im Rah­men des von der Tech­no­lo­gie Erlaub­ten gehan­delt habe. Und auch wenn er damit irgend­wie recht hat­te: Das Geld war erst mal weg. Wich­ti­ger noch waren die Fol­gen des Hacks: Denn die Reak­ti­on der DAO hat gezeigt, dass es – auch wenn bis­lang Gegen­tei­li­ges gesagt wur­de – doch mög­lich ist, eine Block­chain zu mani­pu­lie­ren (zumal wenn die­se noch so jung ist wie die, auf der die DAO auf­bau­te und wenn die­se von einer zen­tra­len Stel­le wie der Ethe­re­um Foun­da­ti­on ent­wi­ckelt wird). Denn kurz vor Ablauf der 28 Tage ent­schied man sich, die Block­chain zu mani­pu­lie­ren und so das Geld der Inves­to­ren zu sichern.

 

Damit wur­de zwar das Ver­spre­chen der Block­chain-Tech­no­lo­gie – die Unmög­lich­keit der Mani­pu­la­ti­on von Daten – gebro­chen, aber so para­dox es klin­gen mag, damit wur­de zugleich gezeigt, dass die Block­chain für zahl­rei­che kom­mer­zi­el­le Anwen­dun­gen ver­wen­den lässt. Schließ­lich ist es manch­mal klar von Vor­teil, wenn es eine Instanz gibt, die Feh­ler revi­die­ren kann und gene­rell die Kon­trol­le behält.

 

Wird die Block­chain also die Welt ver­än­dern? Auf die­se Fra­ge will ich hier kei­ne abschlie­ßen­de Ant­wort geben, aber man soll­te die­se Fra­ge bei den fol­gen­den Blog­bei­trä­gen stets im Hin­ter­kopf haben …

 

von Wolf­ram Bern­hardt, der sich über Feed­back wie immer freut  (wbernhardt(at)agora42(Punkt)de), den 30. Mai 2017

________________________________________________________________

Probeabo-Digialisierung2
+++ Jetzt gibt es die neue Aus­ga­be DIGITALISIERUNG auch im güns­ti­gen PROBEABO +++

Leitbilder Probeabo- Inklu­si­ve der aktu­el­len Aus­ga­be DIGITALISIERUNG

- 39% güns­ti­ger als der Einzelkauf!

- Aus­ga­be LEITBILDER gra­tis: Mit State­ments von Gun­ter Dueck, Marc Els­berg (“Black­out”), Micha­el Win­ter­hoff (“War­um unse­re Kin­der Tyran­nen wer­den”), Rein­hold Mess­ner, Armin Nas­sehi uvm.

 

wbernhardt