Macht die Börse böse? oder Ein gutes Buch zum Finanzmarkt in Fragen und Antworten (2. Teil)

Macht die Börse böse? oder
Ein gutes Buch zum Finanzmarkt in Fragen und Antworten (2. Teil)

Schon der erste Teil meines Gesprächs mit dem philosophischen Autor und Börsenexperten Sven Grzebeta hat mir viele Reaktionen eingetragen: Ist das nicht ein zu naiver Blick auf die Börse? Geht das Gespräch nicht von Voraussetzungen aus, die gar nicht mehr existieren – zum Beispiel der, dass hier vor allem Privatanleger ihren Sparpfennig an Firmen ausleihen? Müssten nicht die automatisierten Handelssysteme und institutionellen Anleger stärker berücksichtigt werden?
Gemach, gemach… Das ist alles richtig, aber dennoch sollten wir bestimmte Grundregeln der Börse zunächst einmal verstehen und phänomenologisch gut beschreiben, bevor wir zur Kritik ansetzen. Gerade die scheinbar schlichte Sicht auf die Börse zeigt die Fragwürdigkeiten auf, die wir heute schon als Normalfall akzeptieren. Wie können wir diese beschreiben? Darum soll es nun auch gehen: Wie nähern wir uns der Börse, was ist an ihr verständlich und kommunizierbar? Macht die Börse böse? oder Ein gutes Buch zum Finanzmarkt in Fragen und Antworten (2. Teil) weiterlesen

Die Schönheit der Allokation oder ein gutes Buch zur Börse in Fragen und Antworten (1. Teil)

Die Schönheit der Allokation oder
Ein gutes Buch zur Börse in Fragen und Antworten (1. Teil)

Dieser Blog soll kein Literaturbericht werden, aber wenn mir ein lesenswertes Buch oder ein kluger Aufsatz unterkommt, dann teile ich das natürlich mit. Insbesondere wenn das Werk über elegante Finanzen berichtet. Dies tut, in vielfältiger und kompetenter Form „Ethik und Ästhetik der Börse“ von Dr. Sven Grzebeta (erschienen 2014 bei Wilhelm Fink in München). Der Autor verfügt über theoretisches und praktisches Wissen zu Börsenfragen und er bietet mit seinem Buch mindestens dreierlei:

  • – eine Übersicht zu den philosophischen und ethischen Annäherungen an das Phänomen Börse,
  • – eine nachvollziehbare Beschreibung der Börse als Ergebnis von „Gemeinschaftshandeln“,
  • – eine Verbindung von ästhetischen und ethischen Argumenten zur Börsenproblematik.

Wie immer beim ersten Lesen eines komplexen Buches bleibt das Gefühl zurück, nur ca. 30 % des Geschriebenen auch wirklich ganz verstanden zu haben. Um diesen Prozentsatz auf wenigstens 50% zu erhöhen, habe ich Dr. Grzebeta einige Fragen gestellt: Die Schönheit der Allokation oder ein gutes Buch zur Börse in Fragen und Antworten (1. Teil) weiterlesen

Schwänze, die mit Hunden wackeln oder Warum die Finanzwirtschaft wichtiger ist als alles andere

Schwänze, die mit Hunden wackeln
oder Warum die Finanzwirtschaft wichtiger ist als alles andere

Haben wir eigentlich wirklich schon begriffen, wie sich Finanzwirtschaft und alle anderen Wirtschaftszweige zueinander verhalten? Ist es eigentlich gut, Blogs mit rhetorischen Fragen zu beginnen?
Es ist gut, wenn wir schon bekannte Tatsachen einmal für Nutzanwendungen und Lernprozesse zubereiten und greifbar machen. Die Finanzindustrie hat die Realwirtschaft in vielerlei Hinsicht überholt: in den USA beispielsweise fiel der Anteil der Industrie an der Gesamtwertschöpfung in den 1970er Jahren von 24% auf 15%, in den 1990ern setzte sich die Finanz-, Versicherungs- und Immobilienbranche vor sie.
Nach Angaben der Deutschen Bundesbank haben sich die weltweit erfassten Kapitalströme zwischen 1975 und 2000 verdreißigfacht, während sich das Welthandelsvolumen ungefähr vervierfacht und das addierte Bruttoinlandsprodukt (BIP) verdoppelt haben.
Hund Realwirtschaft und Schwanz Finanzwirtschaft befinden sich seit langem im Wettlauf – und der Hund hat schon länger Seitenstechen. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts ist die Finanzindustrie fast durchweg mehr gewachsen als andere Industrien. „Seit 1850 war das Wachstum im Finanzsektor insgesamt mehr als doppelt so groß wie in der Gesamtwirtschaft“, so Andrew Haldane, Chief Economist Executive Director of Monetary Analysis and Statistics bei der Bank of England. Die Herrschaften in den Kontoren mit Ärmelschoner und weißem Stehkragen waren die dynamischen Sieger im Wirtschaftsrennen. Schwänze, die mit Hunden wackeln oder Warum die Finanzwirtschaft wichtiger ist als alles andere weiterlesen

Banker, zieht Euch besser an! oder Formen sind kein leerer Wahn

Banker, zieht Euch besser an!
oder Formen sind kein leerer Wahn

Das Ansehen der bei Finanzinstitutionen beschäftigen Menschen ist im Ranking der Professionen irgendwo zwischen Preisboxern, Sonnenstudio-Besitzern, und kommunalen Strafzettelverteilern anzusetzen. Etwas Dubioses umweht sie und gelegentlich wird ihnen sogar mit Verachtung begegnet wenn man sie nicht gerade wieder ganz dringend braucht.
Das war einmal anders. Bankier – das bedeutete einmal etwas; und auch in den niedrigen Rängen hat man mit einer Beschäftigung bei der Bank Verlässlichkeit, Seriosität, Sachverstand und korrekte Kleidung assoziiert. „Bankbeamter“ – so nannten unsere Eltern zum Teil noch die Beschäftigten in der Bank, auch wenn sie gar keine Beamten waren. Aber sie standen für ein solides und verlässliches System, dem man – wie dem Staatsapparat – keinen Kollaps zutraute. Banker, zieht Euch besser an! oder Formen sind kein leerer Wahn weiterlesen

Reich und schön – sonst noch was? oder: Was ist an Finanzen elegant?

Reich und schön – sonst noch was?
oder: Was ist an Finanzen elegant?

„Finanz“ und „Eleganz“, das klingt schon einmal schön zusammen. Was können wir daraus machen?
In dieser kleinen Kolumne „Finanz und Eleganz“, einem Blog im agora42-Universum, soll den Zusammenhängen von eleganten Lösungen, Inszenierungen, Symbolen, Behauptungen einerseits und dem Finanzmarkt andererseits nachgegangen werden. Reich und schön – sonst noch was? oder: Was ist an Finanzen elegant? weiterlesen

Mentale Infrastrukturen, gesellschaftliche Naturverhältnisse und Postwachstum

Leserbrief

von Christoph Maria Sanders (Konzeptwerk Neue Ökonomie)

Mentale Infrastrukturen sind unbewusste und tief verinnerlichte psychologische, soziale und kulturelle Strukturen, die unser Denken und Handeln prägen. In der westlichen Moderne sind diese maßgeblich von der Vorstellung eines erfüllten Lebens geprägt: Für uns ist ein gutes Leben ein Leben, in dem wir möglichst viele Angebote der Welt umfassend ausgekostet haben. Dies verlangt aber die Steigerung unseres materiellen und immateriellen Konsums sowie der Zunahme und Beschleunigung unserer Aktivitäten, weshalb sich unsere mentale Infrastrukturen und das Paradigma des Wirtschaftswachstums gegenseitig bedingen. Mentale Infrastrukturen, gesellschaftliche Naturverhältnisse und Postwachstum weiterlesen

Leserbrief zu Dirk Elsner „Komplexität in der Wirtschaftspraxis – kein Entkommen aus der Zwickmühle?“

Leserbrief

zu Dirk Elsner „Komplexität in der Wirtschaftspraxis – kein Entkommen aus der Zwickmühle?“

Der Artikel geht am Wesentlichen der „Komplexität in der Wirtschaftspraxis“ vorbei.
Es ist nicht Hauptaufgabe des Unternehmers, Risiken abzuschätzen oder zu vermeiden. Es ist nicht die Aufgabe, Komplexitäten zu erklären oder zu beschreiben. Es ist nicht die Aufgabe, „komplexe Systeme und Sachverhalte in ihrer Gesamtheit zu erfassen“. Es geht nicht um Planbarkeit und Berechenbarkeit. In der Forschung an den Universitäten und in manchem Großunternehmen gibt es durchaus diese kritisch angemerkten Fehlentwicklungen.
Das Hauptthema der „Wirtschaftspraxis“ ist nicht, sich gegen „Risiken abzusichern“, sondern Chancen, Möglichkeiten wahrzunehmen. Es geht darum, handlungsfähig zu sein. Es geht darum, mit den vorhandenen bekannten und unbekannten Komplexitäten umzugehen, sie zu bewältigen oder, wenn irgend möglich, sie zu vermeiden oder zu reduzieren. Leserbrief zu Dirk Elsner „Komplexität in der Wirtschaftspraxis – kein Entkommen aus der Zwickmühle?“ weiterlesen