Aus der Rubrik LAND IN SICHT: Global Challenges Foundation

Aus der Rubrik LAND IN SICHT der aktu­el­len Aus­ga­be BEFREIUNG. In der Rubrik stel­len wir Unter­neh­men oder zivil­ge­sell­schaft­li­che Pro­jek­te vor, die öko­no­mi­sches und gesell­schaft­li­ches Neu­land betre­ten.

GLOBAL CHALLENGES FOUNDATION

 

Bio­lo­gi­sche, che­mi­sche und nuklea­re Mas­sen­ver­nich­tungs­waf­fen, der Kli­ma­wan­del und die Aus­beu­tung natür­li­cher Res­sour­cen, Pan­de­mi­en und mul­ti­re­sis­ten­te Kei­me, Aste­ro­iden, Geo­en­genee­ring, Super­vul­ka­ne sowie künst­li­che Intel­li­gen­zen sind nur eini­ge Gefah­ren­quel­len, die in kür­zes­ter Zeit den gesam­ten Pla­ne­ten ins Cha­os stür­zen könn­ten. Dar­über hin­aus dro­hen immer wei­te­re gro­ße huma­ni­tä­re Kata­stro­phen, die durch poli­ti­sche Gewalt und Armut aus­ge­löst wer­den. Kin­der unter fünf Jah­ren ster­ben jedes Jahr auf­grund von Man­gel­er­näh­rung oder Dehy­drie­rung, wie László Szom­bat­fal­vy in sei­nem Buch Die größ­ten Her­aus­for­de­run­gen unse­rer Zeit schrieb.

Bedro­hun­gen, die unse­ren gesam­ten Pla­ne­ten betref­fen, kön­nen nur mit Ent­schei­dun­gen abge­wen­det wer­den, über die welt­weit Einig­keit besteht – davon ist Szom­bat­fal­vy über­zeugt. Die Ver­ein­ten Natio­nen als glo­ba­le inter­na­tio­na­le Orga­ni­sa­ti­on brin­gen zwar 193 Mit­glied­staa­ten an einen Tisch, das Veto-Recht und die gegen­sätz­li­chen Zie­le der Län­der ver­hin­dern es aber, schnell Beschlüs­se tref­fen zu kön­nen. Es geht also um nichts Gerin­ge­res als die Suche nach einer neu­en glo­ba­len Regie­rungs­struk­tur, die hand­lungs­fä­hig ist.

Szom­bat­fal­vy flüch­te­te 1959 wäh­rend des Volks­auf­stan­des von Ungarn nach Schwe­den, wo er als erfolg­rei­cher Geschäfts­mann und Inves­tor ein Mil­lio­nen-Ver­mö­gen auf­bau­te. Heu­te will der 91-jäh­ri­ge mit sei­nem Geld den Pla­ne­ten ret­ten. Im März 2013 grün­de­te er die Glo­bal Chal­len­ges Foun­da­ti­on (GCF) mit dem Ziel, glo­ba­le Kon­zep­te zum Umgang mit gesell­schaft­li­chen und öko­lo­gi­schen Risi­ken fin­den. Im Mai 2018 ver­gab die Stif­tung den „A New Shape“-Preis, der ein Modell der neu­ar­ti­gen, glo­ba­len Koope­ra­ti­on und Ent­schei­dungs­fin­dung küren soll. Es geht dabei weni­ger um Lösun­gen für ein­zel­ne Pro­ble­me, als viel­mehr um neu­ar­ti­ge Abläu­fe der glo­ba­len Ent­schei­dungs­fin­dung. Der Preis war mit 1,8 Mil­lio­nen US-Dol­lar dotiert und erhielt 2.702 Anmel­dun­gen aus 122 Län­dern. Der stell­ver­tre­ten­de Vor­sit­zen­de Mats Anders­son ist über­zeugt: „Wir müs­sen uns ändern, wenn wir die Risi­ken die wir haben, abwen­den wol­len. Sonst ver­lie­ren wir wahr­schein­lich die­sen Glo­bus oder die Mög­lich­keit, auf ihm zu leben.“

Mehr dazu unter globalchallenges.org

Die Model­le der drei Gewin­ner des „A New Shape“-Preises sol­len in den ncähs­ten Mona­ten wei­ter­ent­wi­ckelt und im Novem­ber auf dem Pari­ser Frie­dens­fo­rum vor­ge­stellt wer­den.

1. Vorschlag: Neue globale Institutionen für das 21. Jahrhundert

Augus­to Lopez-Claros, Arthur Lyon Dahl und Maja P.C.E. Groff prsä­en­tier­ten ihre Idee, die Char­ta der Ver­ein­ten Natio­nen zu über­ar­bei­ten: Ers­tens könn­te die UN-Gene­ral­ver­samm­lung künf­tig direkt von der Bevöl­ke­rung gewählt und ihre Befug­nis­se und Zustän­dig­kei­ten im Lau­fe der Zeit schritt­wei­se erwei­tert wer­den. Zwei­tens könn­te eine neue Kam­mer gegrün­det wer­den, die die Anlie­gen der Zivil­ge­sell­schaft auf­nimmt und Fra­gen von glo­ba­lem Inter­es­se the­ma­ti­siert. So könn­ten glo­ba­le Bedrüf­nis­se der Zivil­ge­sell­schaft neben der natio­nal­staat­li­chen Poli­tik abge­bil­det wer­den. Ein Exe­ku­tiv­rat von 24 Mit­glie­dern, der von der Gene­ral­ver­samm­lung der Ver­ein­ten Natio­nen gewählt wird, knön­te den UN-Sicher­heits­rat erset­zen, eine all­ge­mei­ne Auf­sicht gewähr­leis­ten und Trans­pa­renz, Effi­zi­enz und Kohä­renz des neu­en UN-Sys­tems sicher­stel­len.

2. Vorschlag: Echte globale Partnerschaft mit Hilfe der UN

Nata­lie Sama­ra­sing­he schlägt vor, die ver­al­te­te Aus­rich­tung der Ver­ein­ten Natio­nen den heu­ti­gen Anfor­de­run­gen anzu­pas­sen: die UN kon­zen­trie­re sich der­zeit zu sehr auf die Ver­tei­di­gung der indi­vi­du­el­len und gegen­sätz­li­chen Bedürf­nis­se ein­zel­ner Staa­ten und die Ent­wick­lungs­ar­beit – die ande­re Akteu­re oft bes­ser leis­ten kön­nen. Statt­des­sen soll ihre eigent­li­che Auf­ga­be wie­der ins Zen­trum gerückt wer­den, die Ent­schei­dungs­fin­dung über wich­ti­ge glo­ba­le Fra­gen vor­an zu brin­gen. Sama­ring­he schlägt des­halb eine Neu­struk­tu­rie­rung der UN vor: Sie könn­te künf­tig Unter­neh­men, NGOs und jun­ge Men­schen an einen Tisch brin­gen, indem sie Auf­ga­ben der Ent­wick­lungs­ar­beit aus­schreibt und an den geeig­nets­ten Bewer­ber über­trägt. Gleich­zei­tig hät­ten die UN mehr Zeit, um sich auf die zwi­schen­staat­li­che Kon­flikt­lö­sung und glo­ba­le Ent­schei­dungs­fin­dung zu kon­zen­trie­ren, die es für glo­ba­le Pro­ble­me benö­ti­ge.

3. Vorschlag: Globale Entscheidungsfindung unterstützt durch Künstliche Intelligenz und Blockchain

Soushi­ant Zanganeh­pour will eine KI-basier­te digi­ta­le Abstim­mungs­platt­form ent­wer­fen, die jedem Men­schen eine auf der Block­chain­tech­no­lo­gie basie­ren­de Iden­ti­tät zuweist und somit dezen­tra­li­sier­te glo­ba­le demo­kra­ti­sche Abstim­mun­gen ermög­licht. Künst­li­che Intel­li­gen­zen könn­ten die Ide­en­fin­dung und Kon­sens­bil­dung der Bür­ger för­dern und dabei hel­fen Ide­en zu erwei­tern und kon­kur­rie­ren­de Vor­schlä­ge zu tes­ten, poli­ti­sche Maß­nah­men und Bud­gets fest­zu­le­gen, sowie Kos­ten-Nut­zen-Abwä­gun­gen und Mei­nungs­bil­der bereit­zu­stel­len.
Dar­an anschlie­ßend könn­ten, so Zanganeh­pour, neue Insti­tu­tio­nen gegrün­det wer­den, etwa ein Minis­te­ri­um für Ide­en, eine glo­ba­le Biblio­thek, die poli­ti­sche Doku­men­te aller Staa­ten sam­melt, Bür­ger­par­la­men­te auf loka­ler, natio­na­ler und glo­ba­ler Ebe­ne oder ein glo­ba­les Bür­ger­meis­ter­par­la­ment, das als gemisch­tes inter­na­tio­na­les Gre­mi­um inter­net­ba­sier­te Wahl­krei­se abbil­det. Die Bür­ger­rech­te könn­ten dezen­tral durch ein rechts­ver­bind­li­ches Open-Source-Sys­tem gewahrt wer­den, das Algo­rith­men nutzt, um Kor­rup­ti­on früh­zei­tig zu erken­nen und zu ver­hin­dern.

SAMARITA – Solidargemeinschaft im Gesundheitswesen

Aus der Rubrik LAND IN SICHT der aktu­el­len Aus­ga­be BEFREIUNG. In der Rubrik stel­len wir Unter­neh­men oder zivil­ge­sell­schaft­li­che Pro­jek­te vor, die öko­no­mi­sches und gesell­schaft­li­ches Neu­land betre­ten.

Samarita – Solidargemeinschaft im Gesundheitswesen

 

Wenn man krank ist, geht man zum Arzt. Ist man – wie etwa 72 Mil­lio­nen Deut­sche – gesetz­lich ver­si­chert, zückt man die Ver­si­cher­ten­kar­te und lässt sich behan­deln. Soweit so gut. Doch oft müs­sen gesetz­lich Ver­si­cher­te wochen­lang auf einen Ter­min war­ten. Für Ärz­te ist es pro­fi­ta­bler, bevor­zugt Pri­vat­pa­ti­en­ten – rund neun Mil­lio­nen Deut­sche – zu behan­deln. Seit den 1990er Jah­ren ist außer­dem der Anteil pri­va­ter Kran­ken­häu­ser, die einen Pro­fit erwirt­schaf­ten müs­sen, rapi­de ange­stie­gen. Im Jahr 2004 wur­de dann ein Sys­tem ein­ge­führt, das es pro­fi­ta­bler macht, wenn im Kran­ken­haus eine höhe­re Anzahl an Pati­en­ten behan­delt wird. So stie­gen die Pati­en­ten­zah­len in den letz­ten 20 Jah­ren um rund 20 Pro­zent, wohin­ge­gen im sel­ben Zeit­raum etwa acht Pro­zent der Stel­len in deut­schen Kran­ken­häu­sern abge­baut wur­den.

Eine Ori­en­tie­rung am Bedarf der Pati­en­ten fin­det immer weni­ger statt. Die Sama­ri­ta Soli­dar­ge­mein­schaft wur­de 1997 mit dem Ziel gegrün­det, die­ser Ent­wick­lung etwas ent­ge­gen­zu­set­zen. Sie zählt heu­te rund 320 Mit­glie­der. Neben der pri­va­ten und gesetz­li­chen Ver­si­che­rung ist sie eine drit­te und kaum bekann­te Mög­lich­keit, sich im Krank­heits­fal­le abzu­si­chern. Das funk­tio­niert so, dass vom Bei­trag, der sich am jewei­li­gen Ein­kom­men bemisst, die Hälf­te auf ein indi­vi­du­el­les Kon­to über­wie­sen wird und die ande­re Hälf­te in einen Soli­dar­fonds fließt. Vom indi­vi­du­el­len Kon­to wer­den klei­ne­re Aus­ga­ben bezahlt, im Fal­le einer schwe­re­ren Krank­heit greift der Soli­dar­fonds. Dies geschieht nicht nach einem Leis­tungs­ka­ta­log, son­dern ori­en­tiert sich am jewei­li­gen Bedarf der Per­son. Zusätz­lich sind alle Risi­ken über 5000 Euro pro Per­son und Jahr über eine pri­va­te Kran­ken­ver­si­che­rung abge­deckt.

Die Sama­ri­ta orga­ni­siert sich außer­dem im Dach­ver­band der BASSG, in dem sich vier Soli­dar­ge­mein­schaf­ten im Gesund­heits­we­sen mit rund 8.000 Mit­glie­dern zusam­men­ge­schlos­sen haben. Aller­dings gibt es bei der Sama­ri­ta seit dem Jahr 2016 einen Auf­nah­me­stopp, da der Sta­tus von Soli­dar­ge­mein­schaf­ten im Gesund­heits­sys­tem noch nicht abschlie­ßend geklärt ist. Es bleibt des­halb zu hof­fen, dass die geleb­te Soli­da­ri­tät der Sama­ri­ta auch in Zukunft Bestand haben wird.

 

Mehr dazu unter samarita.de

Nach­ge­fragt bei Urban Vogel, Vor­stands­vor­sit­zen­der der Sama­ri­ta Soli­dar­ge­mein­schaft

 


Wie ist die Idee zur Sama­ri­ta Soli­dar­ge­mein­schaft ent­stan­den?

Wir hat­ten damals gera­de die Fir­ma Ande­re Wege gegrün­det, die zunächst pri­va­te Kran­ken­ver­si­che­run­gen ver­mit­telt hat. Dann haben wir gese­hen, was pas­siert, wenn ein Mensch schwe­rer erkrankt und eine pri­va­te Kran­ken­ver­si­che­rung ver­sucht, ihn los­zu­wer­den. Des­halb war für uns klar: Gegen­sei­ti­ge Hil­fe darf kein Busi­ness-Modell sein. Es geht um den Men­schen und nicht um das Geschäft. Ärz­te brau­chen The­ra­pie­frei­heit und es soll­te ihnen mög­lich sein, ihrer eigent­li­chen Tätig­keit nach­zu­ge­hen – ohne wirt­schaft­li­che Beein­flus­sung. Heu­te wer­den im Kran­ken­haus vie­le Behand­lun­gen unter dem Aspekt der Wirt­schaft­lich­keit durch­ge­führt. Uns hin­ge­gen war die Fra­ge der Soli­da­ri­tät wich­tig. Wenn ein Mensch erkrankt, braucht er Zuspruch in über­schau­ba­ren Gemein­schaf­ten.

 

Ihnen wer­den bei die­sem Vor­ha­ben vie­le Stei­ne in den Weg gelegt. War­um?

Im Jahr 2007 wur­de die Ver­si­che­rungs­pflicht ein­ge­führt. Da wir kei­ne Ver­si­che­rung sind, haben wir uns an den Gesund­heits­aus­schuss gewandt und unse­ren genos­sen­schaft­li­chen Ansatz prä­sen­tiert. Die Abge­ord­ne­ten sowie die dama­li­ge Staats­se­kre­tä­rin im Gesund­heits­mi­nis­te­ri­um haben dann ver­lau­tet, dass funk­tio­nie­ren­den Ein­rich­tun­gen nicht der Boden ent­zo­gen wer­den soll, sofern sie gewis­se Qua­li­täts­kri­te­ri­en erfül­len. Gemein­sam mit dem GKV-Spit­zen­ver­band wur­den die­se dar­auf­hin erar­bei­tet und soll­ten 2009 auch mit dem PKV-Ver­band abge­stimmt wer­den. Die­ser lehn­te jedoch die Kri­te­ri­en ab und eine Eini­gung war in Fol­ge des Regie­rungs­wech­sels mit dem Gesund­heits­mi­nis­te­ri­um nicht mehr mög­lich. Der stell­ver­tre­ten­de Direk­tor des Ver­ban­des pri­va­ter Kran­ken­ver­si­che­run­gen wech­sel­te dann nach der Wahl als Abtei­lungs­lei­ter ins Gesund­heits­mi­nis­te­ri­um und hat uns nahe­ge­legt, eine pri­va­te Ver­si­che­rung zu wer­den, was natür­lich unse­ren Wert­vor­stel­lun­gen wider­spricht.

 

Eine Ver­si­che­rungs­kun­din, die ger­ne zur Sama­ri­ta wech­seln möch­te, aber nicht darf, hat sogar geklagt. Hat­te sie damit Erfolg?

Die Bar­mer ver­wei­ger­te ihrem Mit­glied den Wech­sel zur Sama­ri­ta. Es klag­te dage­gen und dar­aus ent­wi­ckel­te sich ein Mus­ter­pro­zess. Die Haupt­fra­ge war, ob es bei uns einen Rechts­an­spruch auf Leis­tung gibt. Wir sichern uns per Sat­zung eine gegen­sei­ti­ge, umfas­sen­de Kran­ken­ab­si­che­rung zu, aller­dings ohne die Ein­schrän­kung eines Leis­tungs­ka­ta­logs, der die The­ra­pie­frei­heit behin­dert. Das Gan­ze ging bis zum Bun­des­so­zi­al­ge­richt, wel­ches lei­der kei­ne Ent­schei­dung in der Sache gefällt hat. Doch jetzt gibt es erfreu­li­che Nach­rich­ten, denn vor weni­gen Tagen hat die Bar­mer ihrem Mit­glied nun doch erlaubt, zur Sama­ri­ta zu wech­seln. Nach neun Jah­ren kön­nen wir die Frau end­lich als Mit­glied begrü­ßen. Die Bar­mer hat uns daher de fac­to als ander­wei­ti­ge Absi­che­rung im Krank­heits­fall aner­kannt. Die­se Aner­ken­nung kann es dem Gesund­heits­mi­nis­te­ri­um erleich­tern, die Qua­li­täts­kri­te­ri­en für Soli­dar­ge­mein­schaf­ten nun bald zu ver­öf­fent­li­chen.

 

War­um ist die Sama­ri­ta den pri­va­ten Kran­ken­ver­si­che­run­gen so ein Dorn im Auge?

Es ist rät­sel­haft, beson­ders, wenn Sie sich die Grö­ßen­ver­hält­nis­se anschau­en. Viel­leicht befürch­ten sie Kon­kur­renz. Aber es bleibt für mich nicht nach­voll­zieh­bar, dass dort so ein gro­ßer Wider­stand vor­han­den ist. Trotz­dem tre­ten wir für eine ande­re Art des Wirt­schaf­tens ein und unser wich­ti­ger Impuls ist die Soli­da­ri­tät.

ownworld – Bausatz für ein nachhaltiges Leben auf kleinem Raum

Aus der Rubrik “Land in Sicht” in der wir Pro­jek­te vor­stel­len, die öko­no­mi­sches und gesell­schaft­li­ches Neu­land betre­ten.

 

 

Ownhome

Bausatz für ein nachhaltiges Leben auf kleinem Raum

Er ist wohl der Urva­ter der deut­schen Tiny Hou­se-Bewe­gung: In der Serie Löwen­zahn leb­te Peter Lus­tig über vie­le Jah­re in sei­nem blau­en Bau­wa­gen mit der selbst­ge­bau­ten Stuhl­trep­pe. Er zeig­te damit schon in den 1980er Jah­ren, dass ein nach­hal­ti­ger und res­sour­cen­scho­nen­der Lebens­stil gleich­zei­tig recht gemüt­lich sein kann. Ursprüng­lich kommt die Tiny Hou­se-Bewe­gung jedoch aus den USA und bezeich­net den Trend, in win­zi­gen Häu­sern von oft nicht mehr als 15m² zu leben. Aber auch in Deutsch­land gibt es immer mehr Men­schen, die ger­ne auf klei­nem Raum leben. Die Viel­falt reicht von Baum­häu­sern und mobi­len Zir­kus­wa­gen bis hin zu futu­ris­ti­schen Glas­ka­bi­nen. Die Grün­de lie­gen auf der Hand: Ein gerin­ger öko­lo­gi­scher Fuß­ab­druck sowie enor­me Kos­ten­er­spar­nis­se.

Schwie­rig wur­de es bis jetzt jedoch, wenn man ohne gro­ßes Know-How selbst ein Tiny Hou­se bau­en woll­te. So gibt es zwar rund ein Dut­zend Anbie­ter in Deutsch­land, aber die­se ver­kau­fen die Tiny Hou­ses meist als fer­ti­ges Pro­dukt. Ein klei­nes Unter­neh­men im süd­li­chen Baden-Würt­tem­berg möch­te Abhil­fe schaf­fen und hat einen Bau­satz für ein Tiny Hou­se ent­wi­ckelt, das sich voll­stän­dig unab­hän­gig von der öffent­li­chen Ener­gie- und Was­ser­ver­sor­gung betrei­ben lässt. Der Bau­satz besteht dabei aus num­me­rier­ten und exakt vor­ge­fer­tig­ten Holz­tei­len sowie Pho­to­vol­ta­ik­mo­du­len, einer Was­ser­auf­be­rei­tungs­an­la­ge und einer Tro­cken-Trenn-Toi­let­te und lässt sich laut des Unter­neh­mens von zwei Men­schen ohne beson­de­re hand­werk­li­che Vor­kennt­nis­se auf­bau­en. Mit 18m² ist das fer­ti­ge own­home dann nicht viel grö­ßer als ein Bau­wa­gen und kos­tet je nach tech­ni­scher Aus­stat­tung zwi­schen 25.000 Euro und 100.000 Euro.

Der Grün­der des Unter­neh­mens lebt selbst im ers­ten fer­tig­ge­stell­ten own­home. Über die Crowd­fun­ding-Platt­form start­next wird im Moment ver­sucht, Geld für ein zwei­tes Modell-own­home zu sam­meln, in dem Men­schen dann pro­be­wei­se woh­nen kön­nen. Auf lan­ge Sicht ist geplant, ein voll­um­fas­sen­des Kon­zept zu erstel­len, das auf der Basis von Open Source von allen inter­es­sier­ten Men­schen genutzt und wei­ter­ent­wi­ckelt wer­den kann. Schon jetzt sind aber Besich­ti­gun­gen des own­home an jedem ers­ten Sams­tag im Monat mög­lich. Der Tüft­ler Peter Lus­tig wäre sicher­lich begeis­tert gewe­sen.

 

Mehr dazu unter: ownworld.org

 

Nach­ge­fragt bei Kle­mens Jakob, Geschäfts­füh­rer der own­world GbR

 

Wie ist die Idee ent­stan­den, neben dem eige­nen Haus gleich einen Bau­satz anzu­fer­ti­gen?

Das war ein­fach die Hoff­nung und die Zuver­sicht, dass es auch ande­re Men­schen gibt, die in Zukunft zukunfts­fä­hig leben möch­ten.

 

Wer in Deutsch­land ein Haus bau­en will, muss sich an etli­che gesetz­li­che Vor­ga­ben hal­ten. Wo gibt es mög­li­che Kon­flik­te mit dem own­home?

Da gibt es meh­re­re Din­ge zu beach­ten. Zunächst ein­mal gibt es bestimm­te Bebau­ungs­li­ni­en außer­halb derer man das own­home nicht hin­stel­len darf. Schwie­rig ist es auch, einen aut­ar­ken Was­ser­kreis­lauf zu eta­blie­ren, da in Deutschand Anschluss­pflicht an das Was­ser­netz besteht. Behör­den und neue Ide­en sind da etwa wie der Teu­fel und das Weih­was­ser. Natür­lich ist ein Abwas­ser­an­schluss auch gewollt, denn das kos­tet Geld. Strom hin­ge­gen ist unpro­ble­ma­tisch. Wenn ich kei­nen Anschluss will, dann ist das in Ord­nung, da küm­mert sich nie­mand drum.

 

Durch Regen­was­ser und eine Pho­to­vol­ta­ik­an­la­ge soll im own­home ein Leben unab­hän­gig von der öffent­li­chen Ver­sor­gung mit Ener­gie und Was­ser ermög­licht wer­den. Reicht das denn über­haupt?

Es ist sogar immer zu viel, das Regen­was­ser ist bei uns nur Zuga­be. Denn wir ver­wen­den das Was­ser im Kreis­lauf: es gibt eine Pflan­zen­klär­an­la­ge und das Trink­was­ser wird zusätz­lich durch eine Umkehr­os­mo­se-Anla­ge gefil­tert. Bis auf den Kaf­fee und Tee den wir trin­ken, wird alles in den Kreis­lauf zurück­ge­führt. Und der Rest wird mit Regen­was­ser auf­ge­füllt.

 

Das Haus misst 18m². Fühlt sich das nicht an wie ewi­ges Zel­ten?

Nein, was 100 Pro­zent aller Men­schen ein­heit­lich sagen, ist: „Wow, das fühlt sich viel grö­ßer an“. Die erleb­ten 18 m² haben nichts mit der Vor­stel­lung davon zu tun. Ein Teil der Decke ist sehr hoch und es gibt vie­le Fens­ter. Im Grun­de fühlt es sich an wie 32 m².

 

Sehen Sie sich als Teil der Tiny Hou­se Bewe­gung oder gibt es viel­leicht sogar ein Kon­kur­renz­ver­hält­nis zwi­schen den Anbie­tern?

Es gibt ganz und gar kein Kon­kur­renz­ver­hält­nis zu ande­ren Anbie­tern. Es geht dar­um, einen ande­ren Lebens­stil zu prak­ti­zie­ren. Und je mehr, des­to bes­ser!

 

Die Vollgeld-Idee und was die Schweiz davon hält

Am 10. Juni stimmten die Schweizer über die Einführung des Vollgeldes ab. Diese Volksabstimmung hatte die Vollgeldinitiative MoMo (Moderne Monetarisierung) in die Wege geleitet, die 2015 über 100.000 Unterschriften für die Annahme der Volksabstimmung gesammelt hat.

Die Vollgeld-Idee und was die Schweiz davon hält

Text: Sebas­ti­an Hin­de­rer

 

Der gest­ri­ge Bür­ger­ent­scheid über Voll­geld in der Schweiz hät­te den Finanz­ka­pi­ta­lis­mus radi­kal ver­än­dern kön­nen. So spek­ta­ku­lär dies klingt, ging es bei dem Volks­ent­scheid ges­tern jedoch “nur” um eine Erwei­te­rung des Schwei­zer Grund­ge­set­zes: der Bund allein soll soge­nann­tes Buch­geld erzeu­gen dür­fen.

Bis­her steht ihm die­se Aus­nah­me­fä­hig­keit der Wert­schöp­fung allein für Mün­zen und Bank­no­ten zu. Doch stellt das phy­sisch vor­han­de­ne Geld nur in etwa 10% des Gesamt­gel­des dar. Der Rest ist das Buch­geld: Und die­ses Buch­geld wird zum größ­ten Teil von Pri­vat­ban­ken geschaf­fen, die nicht, wie man doch mei­nen könn­te, Geld ledig­lich ver­wal­ten und wei­ter­rei­chen. Statt­des­sen wird durch Kre­dit­ver­ga­be neu­es Geld geschaf­fen.

Ver­ein­facht kann man die­sen Pro­zess wie folgt ver­an­schau­li­chen: Wenn eine Pri­vat­bank heu­te einen Kre­dit von bspw. 1.000 Fran­ken ver­gibt, muss­te sie bei der Schwei­zer Natio­nal­bank (SNB) ledig­lich 10% hin­ter­le­gen – 100 Fran­ken also. Wird der Kre­dit abbe­zahlt, erhält die Pri­vat­bank das Geld der SNB zurück und gewinnt die Zin­sen.

Die­se Fähig­keit der Pri­vat­ban­ken stei­gert die Mög­lich­keit der Bla­sen­bil­dung:

  1. Gemäß der The­se der finan­zi­el­len Insta­bi­li­tät von Hyman P. Min­sky füh­ren Pha­sen des Auf­schwungs dazu, dass zu vie­le Kre­di­te ver­teilt wer­den.
  2. Die als kre­dit­wür­dig Ein­ge­stuf­ten kau­fen ver­meint­lich Wert­vol­les (z.b. Immo­bi­li­en) oder inves­tie­ren in Pro­jek­te, die wei­te­res Wachs­tum vor­aus­set­zen – im schlimms­ten Fall kommt es zu einer Über­hit­zung der Märk­te und die ver­an­schlag­ten Wert­stei­ge­run­gen und Ren­di­te­er­war­tun­gen las­sen sich nicht mehr rea­li­sie­ren.
  3. Die Kre­dit­neh­mer kön­nen nicht zah­len und Ban­ken akzep­tier­ten kei­ne Ver­mö­gens­wer­te mehr. Der schein­ba­re Besitz auf dem Kon­to ent­puppt sich als ein nicht mehr erfüll­ba­res Ver­spre­chen – mit exis­ten­zi­el­len Fol­gen für die Kun­den.

 

Mit der Voll­geld­in­itia­ti­ve wür­de nur noch die Zen­tral­bank Buch­geld schaf­fen dür­fen und die Ver­sor­gung der Wirt­schaft mit Geld wür­de durch den Bund gewähr­leis­tet wer­den. Im Ide­al­fall soll dies dazu füh­ren, dass die Natio­nal­bank als Inter­es­sen­ver­tre­ter einer sozia­len Gesell­schaft agiert und dem­entspre­chend ent­schei­det, wer wel­che Kre­di­te bekommt (anstatt die Wirt­schaft als Haupt­in­ter­es­sen­ten zu set­zen) – die Gefahr dabei wäre eine Auto­kra­tie durch eine klei­ne Grup­pe an der Spit­ze der Natio­nal­bank. Eine sinn­vol­le Umstel­lung des Finanz­sek­tors wäre nur gepaart mit einer demo­kra­ti­schen Orga­ni­sa­ti­on und einem ver­stärk­ten Bewusst­sein für die gesell­schaft­li­che Ver­ant­wor­tung der Ban­ken mög­lich.

Um einem aus­ufern­den Kre­dit­ge­schäft ent­ge­gen­zu­tre­ten und für mehr Sicher­heit des hin­ter­leg­ten Gel­des zu bür­gen, müss­ten Pri­vat­ban­ken gemäß der Initia­ti­ve von­ein­an­der getrenn­te Voll­geld-Kon­ten (ein­deu­ti­ge Kon­di­tio­nen und kei­ne Kre­dit­ver­ga­be) und Spar­kon­ten (mit fle­xi­blem Zins und zur Kre­dit­ver­ga­be mög­lich) anbie­ten. Somit könn­ten sie nur noch mit Geld, das sie von Spa­rern, Inves­to­ren, ande­ren Ban­ken oder eben der SNB erhal­ten, han­deln.

Kon­kret bedeu­tet das, dass sich das Selbst­ver­ständ­nis bei­der Bank­ty­pen ändern müss­te.

  • Die Zen­tral­bank wür­de mehr Ver­ant­wor­tung über­neh­men und als Staats­or­gan neben der Kon­troll­funk­ti­on auch enger in wirt­schaft­li­che Abläu­fe ein­ge­bun­den wer­den.
  • Den Pri­vat­ban­ken wäre es erschwert, Kre­di­te zu ver­ge­ben und ihre Macht wäre stark beschnit­ten. Ins­ge­samt wür­de es weni­ger und klei­ne­re pri­va­te Ban­ken geben – so die Annah­me der Voll­geld Befür­wor­ter.
  • Das Geld wür­de nicht mehr als Kre­dit und im Zusam­men­hang mit Schul­den in Umlauf gebracht wer­den. Wird ein Wirt­schafts­wachs­tum erwar­tet, dann wird die Geld­men­ge durch die Natio­nal­bank in glei­chem Maße erhöht. Die Auf­tei­lung auf Bund, Kan­to­nen und Bür­ger müss­te gesetz­lich regle­men­tiert wer­den. (Auch eine Art Grund­ein­kom­men wäre denk­bar.)

 

In jedem Fall wäre die Ein­füh­rung des Voll­gel­des ein gewag­ter Ver­such, jedoch auch ein Schritt wider die all­ge­mei­ne Undurch­sich­tig­keit und Varia­bi­li­tät des Geld­wer­tes, wenn natür­lich auch kein Garant gegen Kri­sen. Sicher­lich wür­de die neue Rege­lung der Geld­ver­ga­be auch eine lan­ge Umstel­lungs­zeit nach sich zie­hen (man rech­net mit 15 Jah­ren), in der sich die Natio­nal­bank neu auf­stel­len und den spe­zi­fi­schen Wün­schen der ein­zel­nen Kre­dit­su­chen­den anpas­sen müss­te.

Die grund­le­gen­de Fra­ge für die Bür­ge­rin­nen und Bür­ger läuft auf jene zwi­schen finanz­ka­pi­ta­lis­ti­schem Libe­ra­lis­mus und poli­ti­scher Regle­men­tie­rung hin­aus. Wür­de die Ver­ant­wor­tung in die Hän­de der Zen­tral­bank gelan­gen, wäre die nächs­te Auf­ga­be, die Kom­mu­ni­ka­ti­on zwi­schen den Men­schen und der Bank direk­ter zu gestal­ten, sodass gesell­schaft­li­che und kul­tu­rel­le Inter­es­sen zu ent­spre­chen­der Kre­dit­ver­ga­be füh­ren mit dem lang­fris­ti­gen Sinn, das Geld­sys­tem zu demo­kra­ti­sie­ren und even­tu­ell der rasen­den Geschwin­dig­keit moder­ner Pro­duk­ti­on eine Note Schwei­zer Gemüt­lich­keit ent­ge­gen­zu­set­zen.

 

Der Ausgang der Volksabstimmung

Bei der gest­ri­gen Abstim­mung gaben rund 34 % der Wahl­be­rech­tig­ten ihre Stim­me ab von denen nur rund 24% für die Ände­rung stimm­te. Damit das Grund­ge­setz geän­dert wor­den wäre, hät­te es einer Zustim­mung der Mehr­heit der Stimm­bür­ger sowie der Kan­to­ne benö­tigt. Die Voll­geld-Initia­ti­ve erziel­te jedoch in kei­nem ein­zi­gen Kan­ton eine Mehr­heit. Den­noch spre­chen die Initia­to­ren von einem Ach­tungs­er­folg. Das deut­sche Pen­dant zu der Schwei­zer Initia­ti­ve der Ver­ein Mon­eta­ti­ve e.V. geht sogar noch wei­ter und schreibt in der Pres­se­mit­tei­lung zum Aus­gang des Schwei­zer Refe­ren­dums: “Die­ser Sonn­tag bedeu­tet eine Zäsur – auch wenn die Schwei­zer Akti­vis­ten ihr Begeh­ren nicht durch­set­zen konn­ten. Im Vor­feld hat­te es in der inter­na­tio­na­len Pres­se und unter Öko­no­men eine brei­te Aus­ein­an­der­set­zung über die Rol­le pri­va­ter Ban­ken bei der Geld­schöp­fung gege­ben. Für den Ver­ein Mon­eta­ti­ve e.V. und die vie­len Voll­geld-Initia­ti­ven in aller Welt ist das Abstim­mungs­er­geb­nis in der Schweiz eine Ermu­ti­gung, in ihren Wäh­rungs­räu­men noch stär­ker für die Ein­füh­rung von Voll­geld-Sys­te­men zu wer­ben. Die Dis­kus­si­on über die bestehen­de Geld­ord­nung ist in Gang gekom­men. Sie lässt sich welt­weit nicht mehr zurück­dre­hen. Ins­be­son­de­re hal­ten wir es für wich­tig, dass jetzt wis­sen­schaft­lich fun­dier­te Sze­na­ri­en für die Umstel­lung des Euro-Wäh­rungs­ge­biets auf ein Voll­geld­sys­tem erar­bei­tet wer­den. Denn die dadurch mög­li­che Ent­schul­dung der staat­li­chen Haus­hal­te bie­tet eine Chan­ce, die Euro-Zone nach­hal­tig zu sta­bi­li­sie­ren.”

Eine Kritik der Konsensdemokratie – von Kevin-Leon Kerk

Eine Kritik der Konsensdemokratie

Die Begrenzung der politischen Handlungsfähigkeit durch den Konsens

Von Kevin-Leon Kerk

In den öffentlichen Debatten wird fortwährend eine Krise der Demokratie thematisiert. Unzählige globale Krisen – längst vermeidbare absolute Armut, der Klimawandel, die Zerstörung unserer Lebensgrundlagen und des Planeten Erde, sowie zunehmende Ungleichheiten – scheinen sowohl auf nationaler als auch internationaler Ebene schwerer bis gar überhaupt nicht lösbar zu sein.
Bei allen Antworten, die im breiten – und doch schmalen – politischen Spektrum im Hinblick auf die diversen Krisen formuliert werden, bleibt ein Punkt weitgehend unberührt: Der herrschende Grundkonsens. Jeglichen Inhalten, die diesem zugrunde liegen, wird die Thematisierung in sämtlichen Instanzen untersagt. Ich möchte versuchen, kurz darzulegen, inwiefern die Ursachen der Krise der Demokratie und ihrer Handlungsfähigkeit in einem fehlerhaften Verständnis von Demokratie, welches zu dominieren scheint, liegen.

 

Die Rolle des Konsenses für Demokratie und Politik

Kevin-Leon Kerk stu­diert Sozio­lo­gie und Öko­no­mik an der WWU Müns­ter. Sei­ne Inter­es­sen­schwer­punk­te lie­gen vor allem in der poli­ti­schen Phi­lo­so­phie, der poli­ti­schen Sozio­lo­gie und der Wirt­schafts­theo­rie.

Die Grund­la­ge der gegen­wär­ti­gen Demo­kra­tie scheint stets eine Art „Hin­ter­grund­kon­sens“ zu bil­den, der alle Dis­kur­se a prio­ri inhalt­lich beschränkt, indem er jeg­li­che Anlie­gen, über die er besteht, nicht zum demo­kra­ti­schen Dis­kurs zulässt.
Die­ser Kon­sens beschnei­det den Dis­kurs, indem er die Gesell­schaft fest in eine ein­zi­ge und vor allem indis­ku­ta­ble Natur fest­schreibt. Die­se Natur, die nichts ande­res als den Kon­sens über das gegen­wär­ti­ge Ver­ständ­nis und den gegen­wär­ti­gen Auf­bau von Gesell­schaft, Poli­tik und ins­be­son­de­re der Wirt­schaft dar­stellt, ent­zieht sich dem demo­kra­ti­schen Dis­kurs und wird auf ein engs­tes Maß kon­tin­gen­tiert. Das Resul­tat ist ein eng begrenz­tes Reper­toire von Ant­wort- und Lösungs­mög­lich­kei­ten, um sowohl den ein­ge­hend benann­ten als auch allen wei­te­ren Pro­ble­men zu begeg­nen. Die Gren­zen die­ses Kon­tin­gents an Mög­lich­kei­ten schei­nen irrever­si­bel, weil sie kei­ne Ant­wor­ten zulas­sen, die über die­ses hin­aus­zu­ge­hen ver­su­chen. Ich spre­che an die­ser Stel­le ins­be­son­de­re von jenem Kon­sens, der über das kapi­ta­lis­ti­sche Wirt­schafts­sys­tem besteht. Er legt die die Gren­zen der dis­kurs­fä­hi­gen Inhal­te fest, noch bevor ein demo­kra­ti­scher Kon­flikt über sie erfol­gen kann, und ver­neint a prio­ri alle Ide­en, Ansät­ze und Hand­lungs­vor­schlä­ge, die von dem Kon­sens abwei­chen.

Die­sem gesell­schaft­li­chen Kon­sens ent­wach­sen öko­no­mi­sche Not­wen­dig­kei­ten und stets ange­führ­te Sach­zwän­ge, die zu Natur­ge­set­zen der Gesell­schaft ver­formt wer­den und den man sich, in Kon­se­quenz, nicht ent­zie­hen kön­ne. Als irrever­si­bel betrach­tet, und das ist die Natur des Kon­sen­ses – denn jene Inhal­te wer­den, wie bereits erläu­tert, dem Dis­kurs ent­zo­gen und so unauf­lös­bar gemacht –, ver­formt der Kon­sens sie so zur Ideo­lo­gie. Mit­tels die­ser öko­no­mi­schen Sach­zwän­ge, die der Kon­sens der Gesell­schaft auf­er­legt, erhebt er den Gesell­schafts­zu­stand in eine natur­ar­ti­ge Sphä­re. Die Gesell­schaft ver­liert in Kon­se­quenz ihren zustand­s­haf­ten, geschicht­lich-his­to­ri­schen Cha­rak­ter. Indem der Kon­sens die Gesell­schaft also auf das Wal­ten der natur­haft gewor­de­nen Prin­zi­pi­en und die objek­ti­ven Sach­zwän­ge, den es sich unein­ge­schränkt zu fügen gel­te, beschränkt, ver­sperrt er den Raum für Dis­kur­se über wei­te­re Mög­lich­kei­ten, die die Gesell­schaft haben könn­te, um Kri­sen lang­fris­tig ent­ge­gen­zu­wir­ken.

Der Kon­sens degra­diert die Gesell­schaft so zurück in vor­de­mo­kra­ti­sche Zei­ten, indem er die demo­kra­ti­sche Gesell­schaft um grund­le­gen­de Fra­gen über ihren eige­nen Auf­bau beraubt. Er ent­zieht der Gesell­schaft ihren demo­kra­ti­schen Cha­rak­ter, weil fun­da­men­ta­le Fra­gen der Gesell­schaft dem poli­ti­schen Dis­kurs ent­zo­gen wer­den. Der Gesell­schaft wird in Kon­se­quenz erneut eine natur­wüch­si­ge Form ein­ge­schrie­ben, die sich als nicht mehr dis­ku­tier- und ver­än­der­bar erweist. Auf die­se Wei­se wird eine star­re Kon­struk­ti­on von Gesell­schaft erschaf­fen, unter des­sen Bann sich die Gesell­schaft begibt.

Im Namen der Demo­kra­tie lässt der Kon­sens an die­sem Punkt von der Demo­kra­tie selbst ab, denn Demo­kra­tie ist die unein­ge­schränk­te Dis­kus­si­on der demo­kra­ti­schen Gesell­schaft, dem kei­ne sol­che Vor­be­stimmt­heit zen­tra­ler Fra­gen zugrun­de lie­gen darf. Sie ist der per­sis­ten­tes­te Kon­flikt dar­über, wie die Gesell­schaft sich kon­kret gestal­ten und orga­ni­sie­ren soll. Ein sol­cher Grund­kon­sens jedoch, der es sich gestat­tet, ele­men­ta­re Anlie­gen voll­ends dem Dis­kurs zu ent­zie­hen, ist genau die­sem — dem demo­kra­ti­schen Kon­flikt und der Dis­kus­si­on — dia­me­tral ent­ge­gen­ge­setzt. Indem er einen nicht unbe­deu­ten­den Gehalt, über den es sich in einer Demo­kra­tie argus­äu­gig aus­ein­an­der­zu­set­zen gel­te, arres­tiert, und zu kei­nem öffent­li­chen Dis­kurs, schon gar kei­nem Par­la­ment, zulässt, arres­tiert er die Demo­kra­tie selbst, indem er sie rigo­ros begrenzt. Aber genau dies – die Sub­or­di­na­ti­on alles Denk­ba­ren unter den demo­kra­ti­schen Dis­kurs und den demo­kra­ti­schen Kon­flikt — ist die Essenz, an der sich Demo­kra­tie labt.

Wie ist der Handlungsunfähigkeit und dem Konsens also zu begegnen?

Der herr­schen­de Kon­sens führt zu einem Ende von Poli­tik und Demo­kra­tie, indem er ihre essen­ti­ells­ten Eigen­schaf­ten aus­löscht. Des­po­tisch grenzt er grund­le­gen­de Fra­ge aus dem Spek­trum der demo­kra­ti­schen Kur­se und der Poli­tik aus und führt so zu einer Gesell­schaft, der es nicht mehr gestat­tet ist, sich als Gan­zes und grund­le­gend zu hin­ter­fra­gen und einer Dis­kus­si­on zu unter­zie­hen. Die poli­ti­sche Hand­lungs­fä­hig­keit sämt­li­cher Akteu­re wird, weil durch den Kon­sens nur ein kleins­tes Reper­toire an Hand­lungs- und Ant­wort­mög­lich­kei­ten zur Ver­fü­gung steht, um auf Pro­ble­me der gesell­schaft­li­chen Rea­li­tät zu reagie­ren, auf einen sehr engen Rah­men begrenzt. Vor allem erhebt er sich der Kon­sens in eine natur­haf­te Sphä­re, wodurch er äußerst per­sis­tent und gegen­über Kri­tik nahe­zu immun wird. Indis­ku­ta­be­li­tät ist schließ­lich die Natur des Kon­sen­ses, sie ist dem­nach auch in kei­ner denk­ba­ren Ope­ra­ti­on aus ihm extra­hier­bar. Er kann also schlicht nicht anders, als der Demo­kra­tie und der Poli­tik unver­söhn­lich zu sein, weil er sie und sei­ne kri­ti­sche Beleuch­tung vehe­ment ein­schränkt Der Kon­sens aber nagelt die Gesell­schafft auf nur eine Wirk­lich­keit fest.

Es bedarf daher einer poli­ti­schen Objek­ti­vie­rung des­sen, was der Kon­sens längst als unan­tast­bar aus dem Dis­kurs ver­bannt hat. Unter einer sol­chen poli­ti­scher Objek­ti­vie­rung ist der Vor­gang zu ver­ste­hen, Gegen­stän­de und Lösungs­an­sät­ze, die nicht mehr Inhalt der Dis­kur­se wer­den kön­nen, erneut zu einem Gegen­stand – zum Inhalt und Objekt des Dis­kur­ses – zu machen.

Der Kri­se und der Hand­lungs­un­fä­hig­keit der Demo­kra­tie ist also vor allem mit dem Auf­bruch des Kon­sen­ses zu begeg­nen. Unter Beru­fung auf die Kern­sub­stan­zen einer demo­kra­ti­schen Gesell­schaft, mit den es die Errich­tung jedes Kon­sen­ses, beson­ders eines der­art per­sis­ten­ten, zu ver­hin­dern gilt, könn­te der pro­ble­ma­ti­schen Situa­ti­on begeg­net wer­den. Eine poli­ti­sche Objek­ti­vie­rung jener Anlie­gen, die der Kon­sens exklu­diert, und eine Imple­men­tie­rung grund­le­gen­der Fra­gen über die viel­fäl­ti­gen Mög­lich­kei­ten des Wirt­schaf­tens, kön­nen mög­li­che Pro­blem­lö­sungs­an­sät­ze dar­stel­len. Nicht nur, um die gegen­wär­ti­ge Kri­se zu besänf­ti­gen, son­dern um zu ver­su­chen, sie nach­hal­tig zu bewäl­ti­gen und eine wahr­haf­tig demo­kra­ti­sche Gesell­schaft zu ermög­li­chen. Der Kon­sens ist ein Hin­der­nis für die Demo­kra­tie, weil er die kri­ti­sche Refle­xi­on, die Dis­kus­si­on und alle Hand­lungs­mög­lich­kei­ten der­ar­tig beschränkt. Ein Ansatz­punkt, um der poli­ti­schen Hand­lungs­un­fä­hig­keit zu begeg­nen, läge also an genau die­ser Stel­le.

 

Passend zu diesem Thema:

Die Aus­ga­be Selbst­läu­fer Demo­kra­tie? Wirt­schaft­li­che Macht und Demo­kra­tie, die par­la­men­ta­ri­sche Demo­kra­tie in der Kri­se. Mit Bei­trä­gen von u.a. Jón Gnarr, Wer­ner Gold­schmidt, Bet­ti­na Gaus uvm.

Die Aus­ga­be Euro­pa: Was ist Euro­pa? Eine Wirt­schafts­uni­on? Eine Fes­tung? Mit Richard David Precht im Inter­view

33 Thesen für eine Reformation der Ökonomie

 33 Thesen für eine Reformation der Ökonomie

 

Das Jahr 2017 mar­kier­te den 500. Geburts­tag der Refor­ma­ti­on. Zahl­rei­che Mani­fes­te – in Anleh­nung an die 95 The­sen von Mar­tin Luther – wur­den in die­sem Jahr ver­öf­fent­licht. Aber was ist von ihnen geblie­ben? Ist Ihnen eines in Erin­ne­rung?

Ger­ne möch­ten wir von einem Mani­fest berich­ten, das in Erin­ne­rung blei­ben soll­te. Am 12. Dezem­ber 2017 brach­te der Öko­nom Ste­ve Keen, ver­klei­det mit einem mit­tel­al­ter­li­chen Mönchs­ge­wand, die 33 The­sen für eine Refor­ma­ti­on der Öko­no­mie an der Tür der Lon­don School of Eco­no­mics an. Dabei han­del­te Ste­ve Keen sym­bo­lisch für vie­le Men­schen, die sich seit der Finanz- und Wirt­schafts­kri­se 2007/2008 Gedan­ken über eine Erneue­rung der öko­no­mi­schen Leh­re und For­schung machen. Die 33 The­sen begin­nen mit dem Hin­weis: “The world faces pover­ty, ine­qua­li­ty, eco­lo­gi­cal cri­sis and finan­ci­al insta­bi­li­ty. We are con­cer­ned that eco­no­mics is doing much less than it could to pro­vi­de insights that would help sol­ve the­se pro­blems.”

Das Mani­fest ist unter­teilt in neun Berei­che, die unter ande­rem vom Ziel und Zweck der Öko­no­mie, der Ein­ge­bun­den­heit der Wirt­schaft in die Umwelt, der Ungleich­heit und der öko­no­mi­schen Leh­re han­deln. Es ist ein Rund­um­schlag, der eine neue Per­spek­ti­ve auf die Gesell­schaft und ihre öko­no­mi­schen Grund­la­gen ermög­licht. Wür­den die­se The­sen beher­zigt, hät­te dies tat­säch­lich eine ganz neue Wirt­schaft zur Fol­ge. Eine Wirt­schaft, die viel­leicht etwas demü­ti­ger wäre und die Augen nicht län­ger vor der Rea­li­tät ver­schließt – ähn­lich einer Kir­che, wie Luther sie sich wünsch­te. Wir alle wis­sen, dass Luther die Kir­che nicht refor­miert son­dern gespal­ten hat, was die Kon­fes­si­ons­krie­ge zur Fol­ge hat­te. Hof­fen wir, dass es die­ses Mal anders kommt.

 

Die The­sen in vol­ler Län­ge und im ursprüng­li­chen Wort­laut fin­den Sie hier.

 

Zusam­men­fas­sung der 33 The­sen für eine Refor­ma­ti­on der Öko­no­mie

 

Ziel und Zweck der Öko­no­mie (The­sen 1–4)

Es muss aner­kannt wer­den, dass die Öko­no­mie eine nor­ma­ti­ve Wis­sen­schaft ist und Erfolgs­in­di­ka­to­ren (Pro­fit, Wachs­tum, BIP etc.) immer nur Aus­druck poli­ti­scher Über­zeu­gun­gen sind. Ziel und Zweck der Öko­no­mie wer­den von der Gesell­schaft bestimmt.

 

Die natür­li­che Umwelt (The­sen 5–8)

Die Wirt­schaft fin­det inner­halb der natür­li­chen Umwelt statt. Die öko­no­mi­sche Theo­rie muss berück­sich­ti­gen, dass bei­de sich gegen­sei­tig beein­flus­sen, dass die natür­li­chen Res­sour­cen end­lich sind und somit nicht Grund­la­ge eines ewi­gen Wachs­tums sein kön­nen.

 

Insti­tu­tio­nen und Märk­te (The­sen 9–13)

Märk­te und die beob­acht­ba­ren Markt­pro­zes­se sind weder gott­ge­ge­ben noch ein simp­les Zusam­men­spiel von Ange­bot und Nach­fra­ge. Viel­mehr sind sie ein Ergeb­nis der jeweils vor­lie­gen­den Geset­ze, Gewohn­hei­ten, Kul­tu­ren und Insti­tu­tio­nen. Um die Funk­ti­ons­wei­sen von Märk­ten zu ver­ste­hen, muss man die­se gesell­schaft­li­chen Fak­to­ren und ihren Ein­fluss erfor­schen.

 

Arbeit und Kapi­tal (The­se 14)

Löh­ne, Unter­neh­mens­ge­win­ne und Inves­ti­ti­ons­ren­di­ten rich­ten sich nicht allein nach dem Bei­trag zur Mehr­wert­pro­duk­ti­on. Auch die Macht­po­si­ti­on der sie jeweils reprä­sen­tie­ren­den Per­so­nen hat Ein­fluss auf das gesam­te zu ver­tei­len­de Ein­kom­men und auf ihren jewei­li­gen Anteil dar­an. Öko­no­mie muss die­se Macht­ver­hält­nis­se ver­ste­hen und über poli­ti­sche Ent­schei­dun­gen, die die Ein­kom­mens­ver­tei­lung beein­flus­sen, auf­klä­ren.

 

Men­schen­bild (The­sen 15–16)

Men­schen tref­fen kei­ne voll­stän­dig ratio­na­len Ent­schei­dun­gen. Inso­fern müs­sen öko­no­mi­sche Theo­ri­en berück­sich­ti­gen, dass eine mensch­li­che Ent­schei­dung maß­geb­lich durch Vor­ur­tei­le, Kon­tex­te, sozia­le Inter­ak­tio­nen und Ver­mu­tun­gen geprägt wird. Außer­dem muss in der Öko­no­mie die Unsi­cher­heit und das Nicht­wis­sen berück­sich­tigt wer­den.

 

Ungleich­heit (The­sen 17–19)

Die Annah­me, dass Per­so­nen mit den glei­chen Fähig­kei­ten, Prä­fe­ren­zen und Bega­bun­gen in einer Markt­wirt­schaft auch einen ver­gleich­ba­ren Wohl­stand erlan­gen, ist falsch. Volks­wirt­schaf­ten, die markt­wirt­schaft­lich orga­ni­siert sind, ten­die­ren zu stei­gen­der Ungleich­heit, was in der Regel eine Ver­schlech­te­rung der sozia­len und wohl­fahrt­staat­li­chen Indi­ka­to­ren zur Fol­ge hat.

 

BIP, Wachs­tum, Inno­va­tio­nen und Schul­den (The­sen 20–23)

Das Stre­ben nach Wachs­tum ist eine poli­ti­sche Ent­schei­dung und kei­ne wirt­schaft­li­che Not­wen­dig­keit. Wenn wir uns für eine wachs­tums­ge­trie­be­ne Wirt­schaft ent­schei­den, müs­sen wir fol­gen­de Fra­gen beant­wor­ten: Wachs­tum von was, war­um, für wen und für wie lan­ge? Dies beinhal­tet auch die Fra­ge nach dem Wozu von Inno­va­tio­nen. Da pri­va­te Ver­schul­dung zusätz­li­che Nach­fra­ge gene­riert, dür­fen das Finanz­we­sen und die Finanz­märk­te nicht unab­hän­gig von der Real­wirt­schaft betrach­tet wer­den.

 

Geld, Ban­ken und Kri­sen (The­sen 24–28)

Da die Schaf­fung von Geld die Wohl­stands­ver­tei­lung beein­flusst, soll­te die­ser Pro­zess Wider­hall in der poli­ti­schen Debat­te fin­den. Ban­ken, die Geld schaf­fen und Schul­den steu­ern, müs­sen Teil wirt­schaft­li­cher Model­le sein. Model­le, die Ban­ken außer­halb der Märk­te sehen, wer­den Ban­ken­kri­sen weder erklä­ren noch vor­her­sa­gen kön­nen. Außer­dem muss die Aus­wei­tung der Finanz­wirt­schaft, ihre Aus­wir­kung auf die Real­wirt­schaft und der spe­ku­la­ti­ve Cha­rak­ter finanz­wirt­schaft­li­cher Tätig­kei­ten unter­sucht wer­den.

 

Öko­no­mi­sche Leh­re (The­sen 29–33)

Eine gute öko­no­mi­sche Bil­dung zeich­net sich dadurch aus, dass unter­schied­li­che Ansät­ze zuge­las­sen wer­den. Nur wenn man Wirt­schaft als Zusam­men­spiel von Poli­tik, Psy­cho­lo­gie und Umwelt begreift, wird man den Ursprung von Finanz­kri­sen, Armut und Kli­ma­wan­del ver­ste­hen und einen adäqua­ten Umgang mit ihnen fin­den kön­nen. Anstatt die Wirt­schafts­wis­sen­schaf­ten auf Sta­tis­ti­ken und mathe­ma­ti­sche Model­le zu redu­zie­ren und immer die glei­chen Theo­ri­en wie­der­zu­ge­ben, muss das kri­ti­sche Den­ken und der Bezug zur Rea­li­tät in den Vor­der­grund gerückt wer­den.

 


Die­ser Bei­trag ent­stammt der Rubrik LAND IN SICHT der aktu­el­len Aus­ga­be der agora42 zum The­ma ORDNUNG, die Sie hier ver­sand­kos­ten­frei bestel­len kön­nen. In die­ser Aus­ga­be u.a.

Robert Men­as­se im Inter­view “Ord­nung ist ein Gefühl”

Fritz Glunk: “Regie­ren ohne Regie­rung”

Andrea Vet­ter: “Leben in einer Post­wachs­tums­ge­sell­schaft”

Mecht­hild Schroo­ten: “Die Kenn­zif­fern­öko­no­mie”

Rafa­el Capur­ro: “Digi­ta­le Zukünf­te”