Digitalisierung / Blockchain – Fluch oder Segen

Ein Vor­trag über Chan­cen und Risi­ken des tech­no­lo­gi­schen Fort­schritts.

 

Digitalisierung / Blockchain – Fluch oder Segen

Gehal­ten von Wolf­ram Bern­hardt auf der dies­jäh­ri­gen War­ne­mün­der Fach­ta­gung Steu­er, Wirt­schaft, Recht, die von den Berufs­stän­den der Steu­er­be­ra­ter, Rechts­an­wäl­te und Nota­re ein­mal jähr­lich durch­ge­führt wird. Die dies­jäh­ri­ge Fach­ta­gung fand am 18.10.2018 in Ros­tock-War­ne­mün­de statt. Es gilt das gespro­che­ne Wort.

 

John Gray, ein bri­ti­scher Phi­lo­soph, schreibt in sei­nem Buch Von Men­schen und ande­ren Tie­ren. Abschied vom Huma­nis­mus:

Kaum ein Kli­schee ist abge­grif­fe­ner als die Kla­ge, der ethi­sche Fort­schritt hin­ke dem wis­sen­schaft­li­chen hoff­nungs­los hin­ter­her. Wären wir nur klü­ger oder mora­lisch gefes­tig­ter, dann wür­den wir die Tech­no­lo­gie aus­schließ­lich kon­struk­tiv nut­zen”

 

Das schickt er als Hoff­nungs­schim­mer sei­nem Buch vor­aus, indem er jedoch lei­der dar­legt, dass Tech­nik nie neu­tral ist. Tech­no­lo­gi­sche Ent­wick­lun­gen waren immer auch ein Macht­in­stru­ment und dien­ten so von vor­ne­her­ein irgend­wel­chen Inter­es­sen. Und wo es kei­ne Macht­in­ter­es­sen waren, wur­den Tech­no­lo­gi­en ent­wi­ckelt, weil sie hohe Pro­fi­te ver­spra­chen.

Und man muss nicht auf das Buch Homo Deus des ein­gangs zitier­ten Yuval Noah Hara­ri ver­wei­sen um zu illus­trie­ren, dass der digi­tal gepimp­te und durch sämt­li­che Pro­the­sen robo­to­ri­sier­te Mensch nicht unse­re Erlö­sung sein wird.

Bereits 1930 wies der Begrün­der der Psy­cho­ana­ly­se Sig­mund Freud in sei­nem Buch Das Unbe­ha­gen in der Kul­tur, auf die­se Erkennt­nis hin, die Hara­ri heu­te einen Mil­lio­nen­best­sel­ler bescher­te. So pro­phe­zei­te er:

 

Fer­ne Zei­ten wer­den neue, wahr­schein­lich unvor­stell­bar gro­ße Fort­schrit­te auf die­sem Gebie­te der Kul­tur mit sich brin­gen – gemeint ist der tech­ni­sche Fort­schritt –, wel­che die Gott­ähn­lich­keit noch wei­ter stei­gern. Im Inter­es­se unse­rer Unter­su­chung wol­len wir aber auch nicht ver­ges­sen, dass der heu­ti­ge Mensch sich in sei­ner Gott­ähn­lich­keit nicht glück­lich fühlt.”

 

 

Heu­te wird Tech­nik und gera­de die Digi­ta­li­sie­rung jedoch kaum noch hin­ter­fragt, son­dern viel­mehr als Schick­sal ange­nom­men, das über uns gekom­men ist. Digi­ta­li­sie­rung – als die der­zei­ti­ge Meta­pher für tech­no­lo­gi­schen Fort­schritts – scheint etwas zu sein, das grund­sätz­lich gar nicht mehr hin­ter­fragt wer­den darf. Und wenn man es doch tut, kommt sofort die Gegen­fra­ge, ob man denn wie­der zurück ins dunk­le und kal­te Mit­tel­al­ter will.

 

In den kom­men­den Minu­ten will ich mit Ihnen über Sinn und Unsinn der tech­no­lo­gi­schen Ent­wick­lung nach­den­ken und unter wel­chen Bedin­gun­gen die Digi­ta­li­sie­rung und ins­be­son­de­re die Block­chain dazu bei­tra­gen kann eine freie­re, soli­da­ri­sche­re, gerech­te­re und öko­lo­gisch nach­hal­ti­ge­re Welt zu schaf­fen.

Um gleich zu ver­deut­li­chen, wie wir die­ses Ziel nie­mals errei­chen wer­den, will ich Ihnen ein Wahl­pla­kat der FDP aus dem Jahr 2017 in Erin­ne­rung rufen. Auf besag­tem Pla­kat war Chris­ti­an Lin­der zu sehen, der auf sein Smart­pho­ne starr­te und ein Kabel im Ohr hat­te. Neben ihm prang­te in gro­ßen Let­tern “Digi­tal first. Beden­ken second.”

Ich dach­te, das ist ein schlech­ter Scherz als ich das Pla­kat zum ers­ten Mal sah.

Zumal sich im sel­ben Jahr Elon Musk und der Mit­grün­der von Goog­le Deep­Mind Mus­ta­fa Suley­man sowie 114 wei­te­re Exper­ten auf dem Gebiet der Künst­li­chen Intel­li­genz mit einem offe­nen Brief an die UNO gewandt haben.

Sie for­der­ten dar­in ein Ver­bot von Kil­ler-Robo­tern, soge­nann­ten auto­no­men Waf­fen. Kon­kret geht es dabei um Kampf-Droh­nen, auto­no­me Pan­zer und auto­ma­ti­sier­te Maschi­nen­ge­weh­re, die alle­samt von Künst­li­cher Intel­li­genz gesteu­ert wer­den. Es han­delt sich also um bewaff­ne­te Robo­ter, die selbst­stän­dig Zie­le aus­wäh­len und angrei­fen kön­nen.

In dem Brief heißt es: “Uns bleibt nicht viel zu Zeit um zu Han­deln. Ist die­se Box der Pan­do­ra erst mal offen wird es schwer wer­den, die­se wie­der zu schlie­ßen.”

 

Laut Roger Carr, dem Auf­sichts­rats­vor­sit­zen­den des bri­ti­schen Rüs­tungs­kon­zerns BAE, arbei­ten bereits 40 Natio­nen an der­ar­ti­gen “Kil­ler-Robo­tern”. Das gab Carr im Rah­men einer Dis­kus­si­on auf dem Welt­wirt­schafts­fo­rum 2016 in Davos bekannt.

Sie sehen also, Tech­no­lo­gie wird nie­mals neu­tral ent­wi­ckelt.

 

Auch das Dra­ma um mani­pu­lier­te Wah­len in den USA weist uns auf die Gefah­ren unbe­dach­ter Digi­ta­li­sie­rung hin. Kon­kret geht es ers­tens um die Face­book-Kam­pa­gnen, die in Zusam­men­hang mit Cam­bri­ge Ana­ly­ti­ca stan­den und dann um die viel­fach ver­mu­te­ten Mani­pu­la­tio­nen rus­si­scher Geheim­diens­te, die sogar die Wahl­aus­zäh­lung beein­flusst haben sol­len.

Doch damit nicht genug. Zwar hört man sel­ten davon, dass west­li­che Geheim­diens­te sich in sen­si­ble Kom­mu­ni­ka­ti­ons­sys­te­me von ande­ren Staa­ten hacken – auch wenn das sicher­lich vor­kommt – aber man hört immer wie­der davon, dass rus­si­sche Geheim­diens­te Smart­pho­nes von Poli­ti­kern oder die Soft­ware der Nato hacken.

Auch von Chi­na war neu­lich zu hören, dass auf Bestre­ben der Geheim­diens­te Chips in Gerä­te von Apple und Ama­zon ein­ge­baut wur­den, die ihnen einen Back­door Acces – eine Hin­ter­tür – der Gerä­te erlaub­te.

 

Nun mag der eine oder ande­re ein­wen­den, dass es sich bei die­sen Bei­spie­len nicht um Pro­ble­me han­delt, die spe­zi­fisch auf die Digi­ta­li­sie­rung zurück zu füh­ren sind. Mani­pu­la­ti­on, Spio­na­ge­tä­tig­kei­ten und die Ent­wick­lung moder­ner Waf­fen­sys­te­me gab es zu jeder Zeit. Die Tat­sa­che, dass sie jedoch auch immer mit der Ent­wick­lung neu­er Tech­no­lo­gi­en ver­bun­den waren, soll­te uns jedoch nur noch mehr als Mah­nung die­nen, es unbe­dacht dem tech­no­lo­gi­schen Fort­schritt zu erlau­ben, unser Leben zu bestim­men.

Gibt es doch noch wei­te­re Bei­spie­le, bei denen tech­no­lo­gi­sche Lösun­gen nie­mals nur ihr Arbeits­ziel erfül­len, son­dern dar­über hin­aus IMMER Neben­wir­kun­gen für die natür­li­che und sozia­le Umwelt haben.

Genau das ist übri­gens die Defi­ni­ti­on des­sen, was ein Teil­ge­biet der Tech­nik­phi­lo­so­phie und -sozio­lo­gie zur Auf­ga­be hat: die Tech­nik­fol­gen­ab­schät­zung, die um 1960 ent­stan­den ist. Zu einer Zeit in der zwei Tech­no­lo­gi­en einen Boom fei­er­ten, so dass die­se Tech­no­lo­gi­en die zwei­te Hälf­te den letz­ten Jahr­hun­derts maß­geb­lich präg­ten: die Ent­wick­lung der Atom­ener­gie und der Plas­tik­in­dus­trie.

Wenn man sich die hoff­nungs­fro­hen Zukunfts­fan­ta­si­en aus der Zeit ansieht, als die Atom­ener­gie auf­kam, kann man nur ver­wun­dert den Kopf schüt­teln. So träum­ten Zukunfts­for­scher in den 60er Jah­ren, davon, dass bald in allen Haus­hal­ten klei­ne Saug­ro­bo­ter mit Mini­atom­kraft­wer­ken sau­ber­ma­chen wür­den.

Auch pro­phe­zei­ten ande­re Zukunfts­for­scher, dass bald alle Woh­nun­gen und Möbel aus Plas­tik sein wür­den und man die Woh­nun­gen künf­tig bequem mit dem Was­ser­schlauch rei­ni­gen könn­te.

Sie wis­sen, dass uns bei­de Ent­wick­lun­gen heu­te vor noch unge­klär­te Pro­ble­me gestellt haben: Wohin mit dem Abfall?

 

Ein wei­te­res Phä­no­men soll­te im Zusam­men­hang mit dem tech­no­lo­gi­schen Fort­schritt erwähnt wer­den, damit man ver­steht, in wel­chem Licht heu­te tech­no­lo­gi­scher Fort­schritt gese­hen wer­den muss. Sagt Ihnen der Begriff Rebound-effekt etwas?

Bereits vor 150 Jah­ren hat der bri­ti­sche Öko­nom Wil­liam Stan­ley Jevons gezeigt, dass Effi­zi­enz­stei­ge­run­gen nicht etwa zu einer Redu­zie­rung des Ener­gie­ver­brauchs, son­dern im Gegen­teil zu einem Mehr­ver­brauch füh­ren.

Denn die Ein­spa­rung wird in unse­ren kapi­ta­lis­ti­schen Ver­hält­nis­sen aus­schließ­lich als Pro­duk­ti­vi­täts­stei­ge­rung gese­hen und führt so zu einer Aus­wei­tung der Pro­duk­ti­on. So ver­steht man auch, dass – obwohl seit 1970 der Ener­gie­ver­brauch pro pro­du­zier­ter Waren­ein­heit hal­biert wur­de – den­noch der Ener­gie­ver­brauch nicht gesun­ken ist. Wenn tech­no­lo­gi­sche Ent­wick­lun­gen also dazu füh­ren dass die Pro­duk­ti­vi­tät steigt bezie­hungs­wei­se etwas effi­zi­en­ter wird, dann führt das in der Regel dazu, dass wir den Kon­sum die­ser Din­ge stei­gern.

 

Dass dies jedoch nicht end­los mög­lich ist, soll­te unmit­tel­bar deut­lich wer­den, wenn man sich klar macht, dass wir (noch) auf einem begrenz­ten Pla­ne­ten leben und wir auch nur begrenzt kon­su­mie­ren kön­nen.

 

Nach die­sen grund­sätz­li­chen Aus­füh­run­gen, über die Gefah­ren, die immer mit tech­no­lo­gi­schen Ent­wick­lun­gen ver­bun­den sind, möch­te ich ger­ne auf die Gefah­ren zu spre­chen kom­men, die im Zusam­men­hang mit der Digi­ta­li­sie­rung ste­hen und kom­me dann auf die Block­chain zu spre­chen.

Das ers­te Bei­spiel war auch wie­der so eine Geschich­te, die ich nicht glau­ben konn­te, als ich davon gehört habe.

Wenn Ihnen jemand erzäh­len wür­de, dass es künf­tig ein Zen­tral­re­gis­ter oder eine rie­si­ge Daten­bank gibt, in der die Daten aller Bür­ger zusam­men­ge­führt und gespei­chert wer­den – und Daten sind dabei alle Din­ge die sie tun und die man irgend­wie erfas­sen kann – was wäre Ihre Reak­ti­on? Zumal wenn die­se Daten dann von einer KI aus­ge­wer­tet wer­den und Ihnen je nach Ihrem Soci­al Score gewis­se Din­ge erlaubt und ande­re ver­bo­ten wer­den.

Klar gab es bereits Regime, die mit­tels Geheim­diens­te genau das ver­such­ten, aber in die­ser Tota­li­tät, hät­te das kein Geheim­dienst der Welt hin­be­kom­men.

Genau die­ses Sys­tem wird jedoch in Chi­na gera­de getes­tet.

 

Doch man muss nicht nach Chi­na schau­en, auch anders­wo hat man den Ein­druck, dass man ernst­haft glaubt, nur die Tech­nik kön­ne uns aus dem Schla­mas­sel ret­ten, in das wir sehen­den Auges gestol­pert sind.

Wer glaubt heu­te noch dar­an, dass wir den Kli­ma­wan­del durch eine Ände­rung unse­res Ver­hal­tens auf­hal­ten kön­nen? Dass wir also als mün­di­ge Bür­ger Ver­ant­wor­tung über­neh­men?

Statt­des­sen hört man in den letz­ten Jah­ren immer häu­fi­ger von dem Begriff des Geo-Engi­nee­rings. Mit die­sem Begriff wer­den vor­sätz­li­che und groß­räu­mi­ge Ein­grif­fe mit tech­ni­schen Mit­teln in geo­che­mi­sche oder bio­geo­che­mi­sche Kreis­läu­fe der Erde bezeich­net. Als Zie­le der­ar­ti­ger Ein­grif­fe wer­den haupt­säch­lich das Stop­pen der glo­ba­len anthro­po­ge­nen Kli­ma­er­wär­mung, der Abbau der CO2-Kon­zen­tra­ti­on in der Atmo­sphä­re oder die Ver­hin­de­rung einer Ver­saue­rung der Mee­re genannt.

Auch die Begrif­fe Smart­ci­ty, Smart­grid, Smar­t­home, Smart­far­ming oder sogar Smart­de­mo­cra­cy wei­sen dar­auf­hin, dass wir lie­ber Algo­rith­men die Kon­trol­le über unser Leben über­tra­gen, als sel­ber die Ver­ant­wor­tung zu über­neh­men.

Vor die­sem Hin­ter­grund erscheint es als pure Unter­trei­bung, wenn man von Moni­ka Grüt­ters aus dem CDU-Prä­si­di­um liest:

Wo Algo­rith­men die Macht über­neh­men, beginnt die geis­ti­ge und kul­tu­rel­le Ver­ar­mung unse­rer Gesell­schaft.”

Das wirk­lich inter­es­san­te an die­sem State­ment ist der Kon­text in dem die­ser Satz stand. So war der Gast­bei­trag von ihr beti­telt mit “Das Inter­net bie­tet mehr Frei­raum, als Demo­kra­tie ver­trägt – Die Digi­ta­li­sie­rung stellt den Rechts­staat auf eine Bewäh­rungs­pro­be. Zur Wah­rung zivi­li­sa­to­ri­scher Errun­gen­schaf­ten braucht es ein poli­ti­sches Update.”

 

Der Sprung mag etwas unver­mit­telt sein, aber genau hier wür­de ich mit der Block­chain anset­zen. Und zwar mit einer poli­ti­schen Uto­pie, die auf der Block­chain auf­baut. Haben Sie schon ein­mal etwas von Liber­land gehört?

Auch wenn die Freie Repu­blik Liber­land noch von kei­nem Staat aner­kannt wird, haben sich doch bereits meh­re­re hun­dert­tau­send Men­schen um die Staats­bür­ger­schaft bewor­ben – dar­un­ter eini­ge hun­dert Block­chain-Exper­ten. Und Damit ist die Repu­blik “durch Zufall zum größ­ten Blockchain­Projekt der Welt gewor­den”, wie der Prä­si­dent von Liber­land, Vít Jed­lič­ka, bemerkt. Doch wozu braucht man die Block­chain Tech­no­lo­gie bei der Grün­dung eines Staa­tes?

In dem Schwei­zer Maga­zin GDI Impuls aus dem Früh­jahr 2016 heißt es dazu:

Liber­land will einen Staat ohne Steu­ern. Um die­se Visi­on mög­lich zu machen, setzt man (…) auf die Mög­lich­kei­ten einer Tech­no­lo­gie: der Block­chain. Denn, so die Über­zeu­gung, wenn man es schaf­fe, über die­se den Traum einer Null­Transaktionskosten­Gesellschaft (fast) Wirk­lich­keit wer­den zu las­sen, kön­ne man getrost auf einen Staat ver­zich­ten, der über­all sei­ne Fin­ger im Spiel hat. (…) Zu den aktu­el­len Pro­jek­ten im Rah­men der Staats­grün­dung gehört etwa ein Katas­ter­amt, das auto­ma­ti­siert die Ver­wal­tung des Staats­ge­biets von Liber­land über­nimmt. Sobald jeder ein­zel­ne Qua­drat­me­ter über die Block­chain einem Eigen­tü­mer zuge­wie­sen ist, sind die Ver­hält­nis­se geklärt und nicht mehr mani­pu­lier­bar.“

Aller­dings sind alle die­se Über­le­gung bis­lang rein spe­ku­la­ti­ver Natur, denn noch haben die Bür­ger der Frei­en Repu­blik Liber­land ihr Staats­ge­biet nicht besie­deln kön­nen. Im Raum steht ledig­lich eine “ille­ga­le” Akti­on, die an die Lan­dung der kuba­ni­schen Revo­lu­tio­nä­re bei Playa Las Colo­ra­das unter Fidel Cas­tro erin­nert, wenn auch etwas weni­ger spek­ta­ku­lär: So plant der Prä­si­dent Jed­lič­ka die Besied­lung des aus­er­wähl­ten Land­strichs von der Fluss­sei­te her – mit Haus­boo­ten.

Ohne zu wis­sen, ob die Haus­boo­te in der Zwi­schen­zeit ange­legt haben: Sie sehen, die Block­chain bie­tet eini­ges an Poten­zi­al: Ein Staat ohne Steu­ern, ohne Staats­be­diens­te­te, ohne Büro­kra­tie – nicht nur ein liber­tä­rer Traum, son­dern wohl auch jener aller wah­ren Kom­mu­nis­ten könn­te so wahr wer­den.

 

Ja trau­en Sie sich, unsen­ti­men­tal wei­ter zu träu­men: Ein Staat, in dem Steu­er­hin­ter­zie­hung unmög­lich wird, weil jede Trans­ak­ti­on fest­ge­hal­ten wird, ein Staat, in dem jeder Bür­ger auto­ma­tisch zu sei­nem Glück gezwun­gen wird.

 

Aber selbst wenn man das küh­ne Gedan­ken­ex­pe­ri­ment wagt, dass die Instanz, die letzt­lich fest­legt, wel­ches Ver­hal­ten wün­schens­wert ist, der Phi­lo­so­phen­kö­nig ist, den sich Pla­to immer wünscht; wenn wir also alle zu unse­rem Glück gezwun­gen wer­den – und das mei­ne ich nicht iro­nisch – was sind wir dann noch?

 

Wenn ein digi­tal ver­netz­tes Öko­sys­tem geschaf­fen wird, das alle Berei­che unse­res indi­vi­du­el­len sowie gesell­schaft­li­chen Lebens sam­melt, spei­chert und aus­wer­tet, Sind wir dann noch freie Men­schen? Sind wir dann noch mün­di­ge Bür­ger? Sind wir noch leben­dig? Oder haben wir dann nicht längst schon den Glau­ben der Auf­klä­rung zu Gra­be getra­gen, dass wir Men­schen unser Schick­sal selbst in die Hand neh­men und es gestal­ten kön­nen.

 

Kön­nen wir jetzt aber dar­aus fol­gern, dass die Block­chain nur Fluch für uns bereit­hält und kei­nen Segen?

Ich wür­de sagen, es liegt in unse­rer Hand.

Aber beden­ken wir bit­te zuerst die mög­li­chen Aus­wir­kun­gen neu­er Tech­no­lo­gi­en bevor wir alles digi­ta­li­sie­ren.

Und behal­ten wir auch den Strom­ver­brauch im Blick – die Bit­coin-Block­chain ver­braucht inzwi­schen mehr Strom als ganz Öster­reich.

Über­le­gen wir uns wo die Gren­zen der erfass­ten Daten lie­gen sol­len, damit die letzt­lich han­deln­den Per­so­nen nicht zu wil­len­lo­sen Zom­bies degra­diert wer­den.

Und ganz wich­tig: Beden­ken wir, dass kei­ne Tech­no­lo­gie jemals voll­kom­men sicher sein wird.

Von daher soll­ten wir es nie soweit kom­men las­sen, dass es kei­ne alter­na­ti­ven Mit­tel und Wege mehr gibt, um die Gesell­schaft orga­ni­siert zu bekom­men.

Und zuletzt, bewah­ren wir uns den Glau­ben an den Mit­men­schen, dar­an, dass nicht jeder Mensch dem Men­schen ein Wolf ist, son­dern dass wir viel lie­ber in Koope­ra­ti­on denn in stän­di­ger Kon­kur­renz leben.

 

Bin ich jetzt also ein Tech­nik­feind? Nein, ganz im Gegen­teil. Ich glau­be immer noch dar­an, dass Tech­no­lo­gie als Mit­tel zum Zweck eine gro­ße Hil­fe sein kann.

Aber wenn wir tech­no­lo­gi­sche Ent­wick­lun­gen und ins­be­son­de­re die Digi­ta­li­sie­rung als Schick­sal begrei­fen, dann las­sen wir zu, dass die­se Ent­wick­lung uns vor uns her­trei­ben wird.

Auch wenn wir von der Angst getrie­ben wer­den, dass wir abge­hängt wer­den kön­nen, soll­ten wir nie ver­ges­sen, dass Angst schon immer ein schlech­ter Rat­ge­ber war.

Nein, nicht die Angst soll­te unser Rat­ge­ber sein, son­dern das Ver­spre­chen der Auf­klä­rung, dass wir selbst über unser Schick­sal bestim­men kön­nen und unse­re Gesell­schaft so gestal­ten, wie wir es als erstre­bens­wert erach­ten.

 

 

wbernhardt