Editorial der Ausgabe 3/2016 LEITBILDER

Editorial der Ausgabe 3/2016 LEITBILDER

 

agora42 LEITBILDERNicht Geld, nicht Zeit, nicht Palladium – Orientierung ist das knappste Gut.

Leit­be­grif­fe wie Wachs­tum, Wohl­stand und Fort­schritt haben ihre Strahl­kraft eingebüßt, Kon­sum­ge­wohn­hei­ten sind zu Zwängen gewor­den, Euro­pa lei­det unter Selbst ndungs­pro­ble­men. Aller­orts stellt sich die Fra­ge: Wohin?

Wenn nicht klar ist, wohin man will, dreht man sich im Kreis, schlim­mer noch, um sich selbst. So auf sich zurückgeworfen, wird alles mühsam. Wenn ein gemein­sa­mer Wer­te- und Ver­hal­tens­ko­dex fehlt, muss alles aus­dis­ku­tiert, eva­lu­iert und kon­trol­liert wer­den. Nichts ist mehr selbstverständlich. Arbeitsvorgänge wer­den x-mal abge­stimmt, die Erzie­hung und Aus­bil­dung der Kin­der lau­fend überdacht und die eige­nen „Prin­zi­pi­en“ täglich über den Hau­fen gewor­fen. Die heu­ti­ge Kri­se führt uns in die Irre. Was als „flu­i­de Moder­ne“ und „Risi­ko­ge­sell­schaft“ bezeich­net wird – die Auflösung von Struk­tu­ren und von Stabilität – und was ger­ne mit Flexibilität, Komplexität oder gar Frei­heit schöngeredet wird, beschreibt kei­ne neue Epo­che, son­dern schlicht einen Nie­der­gang, das Ver­schwin­den von Ori­en­tie­rungs­punk­ten. Denn es ist ein Irr­tum zu glau­ben, Men­schen könnten ohne Leit­bil­der leben. Aufklärung bedeu­tet nicht, auf Leit­bil­der zu ver­zich­ten; sie bedeu­tet, den Men­schen als „Bil­der­we­sen“ anzu­er­ken­nen – als Wesen, das Bil­der von sich, der Gesell­schaft, der Welt malt und malen muss.

Also: Wel­che Leit­bil­der können (noch) lei­ten, wor­an hal­ten wir uns fest – und was lei­tet uns in die fal­sche Rich­tung? Für die vor­lie­gen­de Son­der­aus­ga­be haben wir außergewöhnliche Persönlichkeiten aus Wirt­schaft, Phi­lo­so­phie, Poli­tik, Reli­gi­on, Medi­zin, Jus­tiz, Kul­tur, Archi­tek- tur, Bil­dung, Gas­tro­no­mie… um eine Ant­wort gebe­ten. Acht Inter­views und 17 State­ments ver­wan­deln die­se agora42 in das, was sie ihrem Na- men nach ist: einen Markt­platz, auf dem die Zukunft ver­han­delt wird.

Ihr Frank Augus­tin

wbernhardt