Eindrücke von der Konferenz SensAbility

SensAbility – The WHU Social Enterprise Conference

 

agora42 war Media­part­ner der dies­jäh­ri­gen Kon­fe­renz über Sozi­al­un­ter­neh­mer­tum Sen­sA­bi­li­ty an der WHU — Otto Beis­heim School of Manage­ment. Im Rah­men die­ser Koope­ra­ti­on ver­los­ten wir eine Frei­kar­te, die Frau Susan­ne Krupp-Kirsch­ke gewann und für uns freund­li­cher­wei­se ihre Ein­drü­cke der Kon­fe­renz fest­hielt.

Susan­ne Krupp-Kirsch­ke ist drei­fa­che Mut­ter und betreut frei­be­ruf­lich Bache­lor- und Mas­ter­ar­bei­ten im Bereich Logis­tik. Dar­über hin­aus ist sie als Pro­jekt­ma­na­ge­rin bei der ISI GmbH tätig. Ihre aktu­el­len Schwer­punk­te sind Unter­neh­mens­ethik, Nach­hal­tig­keit und CSR.

 

Think Soci­al. Act Eco­no­mi­c­al­ly.“ Unter die­sem Mot­to fand am 6./7.April 2018 die Kon­fe­renz Sen­sA­bi­li­ty für Sozi­al­un­ter­neh­mer­tum statt. Orga­ni­siert wur­de die­se von der 2009 gegrün­de­ten stu­den­ti­schen Initia­ti­ve Sen­sA­bi­li­ty, die Stu­den­ten unter­schied­li­cher Fach­rich­tun­gen für gesell­schaft­li­che Fra­ge­stel­lun­gen und Sozi­al­un­ter­neh­mer­tum sen­si­bi­li­sie­ren und zu eige­nem sozia­len und öko­lo­gi­schen Han­deln inspi­rie­ren möch­te. Dies ist durch anre­gen­de Vor­trä­ge, zahl­rei­che Work­shops und viel Raum für Net­wor­king gut gelun­gen.

 

Exkurs: Social entrepreneurship

Doch was ver­steht man unter Sozi­al­un­ter­neh­mer­tum oder Soci­al Entre­pre­neurship eigent­lich?

Sozi­al­un­ter­neh­mer­tum ist eine Bewe­gung, die in den 1960er und 1970er Jah­ren in Ver­bin­dung mit dem sozia­len Wan­del im eng­lisch­spra­chi­gen Raum auf und Ende der 90er Jah­re nach Deutsch­land kam. Die­se Bewe­gung grün­det auf der Idee, dass Unter­neh­men inno­va­tiv und prag­ma­tisch Sozi­al­ver­ant­wor­tung über­neh­men und ver­su­chen ihr Umfeld gerech­ter und nach­hal­ti­ger zu gestal­ten, um dadurch einen posi­ti­ven Wan­del der Gesell­schaft her­bei­zu­füh­ren.

Die Grund­ge­dan­ken und Antriebs­fe­dern für Sozi­al­un­ter­neh­mer sind viel­fäl­tig. Berufs­ein­stei­ger möch­ten oft mit viel Enthu­si­as­mus und Lei­den­schaft die Welt ver­bes­sern. Berufs­tä­ti­ge sind häu­fig mit ihrem Job unzu­frie­den, mit dem Wis­sen um die Kon­se­quen­zen wirt­schaft­li­chen Han­delns vor dem Hin­ter­grund des Kapi­ta­lis­mus und der erbar­mungs­lo­sen Markt­me­cha­nis­men. Nicht war­ten bis es jemand rich­tet, son­dern selbst das Steu­er in die Hand zu neh­men und die Zukunft aktiv mit­zu­ge­stal­ten ist hier die Devi­se.

Scot Frank CEO One Earth Design auf der Sen­sA­bi­li­ty

Zurück zur Sen­sA­bi­li­ty: Bei den Vor­trä­gen waren nam­haf­te Ver­tre­ter wie bei­spiels­wei­se Mar­kus Sauer­ham­mer (CEO SENDSoci­al Entre­pre­neurship Netz­werk Deutsch­lands), Sebas­ti­an Grot­haus (CEO Good Pro­fits) oder Scot Frank (CEO One Earth Design) ver­tre­ten. Sein Bericht vom Zusam­men­le­ben mit Noma­den im Hima­la­ya, deren Pro­ble­me in einem kar­gen Umfeld zu leben, bis zur Erfin­dung eines solar­be­trie­be­nen Kochers (Sol­sour­ce) mit Ener­gie­spei­cher um ihnen das Leben zu erleich­tern war beson­ders beein­dru­ckend. Dies nur als Bei­spiel für vie­le außer­ge­wöhn­li­che Men­schen und ihrer Geschich­ten, die auf die­ser Kon­fe­renz zusam­men­tra­fen.

Sechs jun­gen Start­ups wur­de die Mög­lich­keit gege­ben im Rah­men eines „Soci­al Pitch Wett­be­werbs“ einen 1.000 Euro Gut­schein zu gewin­nen. „Thri­ving Green“ – Über­le­ben in der Wüs­te – prä­sen­tiert von Alex­an­der Zacha­ruk — konn­te sich hier durch­set­zen. Kern der Idee ist der Anbau und die Wei­ter­ver­ar­bei­tung der nahr­haf­ten Pflan­ze Spi­ru­li­na, die mit extrem wenig Was­ser aus­kommt und ein inno­va­ti­ves Kon­zept gegen Man­gel­er­näh­rung in Kenia dar­stellt.

Unter dem Mot­to „aus den Feh­lern der Ande­ren ler­nen“ gab es zwei Vor­trä­ge bzw. „Fuck­up Ses­si­ons“ bei denen Jung­un­ter­neh­mer offen, kon­struk­tiv und sehr unter­halt­sam über „les­sons lear­ned“ berich­tet haben. Als zen­tra­les Erfolgs­merk­mal scheint sich die Wirt­schaft­lich­keit der Unter­neh­men her­aus­zu­kris­tal­li­sie­ren, denn eine posi­ti­ve Bilanz ist die essen­ti­el­le Vor­aus­set­zung um lang­fris­tig auf dem Markt zu bestehen.

Die Podi­ums­dis­kus­si­on mit dem Leit­the­ma “How to be an Envi­ron­men­ta­list when Lea­ders are not” wur­de von Tobi­as März (Grün­der Sinn.Arbeit.Leben) mode­riert. „Heu­te haben Unter­neh­men rea­li­siert, wel­chen Ein­fluss sie auf den sozia­len und öko­lo­gi­schen Wan­del aus­üben kön­nen. Gemein­sam mit Unter­neh­men aus der Wirt­schaft ent­wi­ckeln wir Geschäfts­mo­del­le und Bil­dungs­pro­gram­me für eine sozia­le­re Wirt­schaft“ erklär­te  Corin­na Pape (Mit­grün­de­rin der Crowd­fun­ding-Platt­form SPONSORT). Moni­ka Hauck (Mana­ging Direc­tor des WHU Entre­pre­neurship Cen­ters) sen­si­bi­li­sier­te das Publi­kum für die Pro­ble­me der Mode­bran­che, die damit häu­fig ver­bun­de­ne Kin­der­ar­beit und Umwelt­ver­schmut­zung. Vom Ange­stell­ten über sei­ne Aus­zeit im spa­ni­schen Hip­pie-Bus bis hin zum erfolg­rei­chen Unter­neh­mer und Busi­ness-Poet berich­te­te Reza Solhi (Mit­grün­der und Geschäfts­füh­rer von Heart­beat Edu­tain­ment) wie er Men­schen durch Musik, Kunst und Visi­ons­coa­ching hilft ihren Weg zu gehen.

Wäh­rend der zahl­rei­chen Work­shops hat­ten die Teil­neh­mer die Gele­gen­heit kon­struk­tiv an ihren Her­zensthe­men zu arbei­ten, sich über aktu­el­le The­men (z.B. Aus­wir­kun­gen der Digi­ta­li­sie­rung oder dem Ansatz des wachs­tums­ori­en­tier­ten Mind­set) zu infor­mie­ren, in neue Tech­ni­ken, wie z.B. Sto­ry­tel­ling hin­ein­zu­schnup­pern oder sich ein­fach in der Grup­pe aus­zu­tau­schen.

 

Ausreichend für wen?

Eine Fra­ge wur­de von einer sehr enga­gier­ten Teil­neh­me­rin Tania Eke aus Pana­ma (Gewin­ne­rin des Soci­al Pitch 2017 mit den “Wald­men­schen”) auf­ge­wor­fen, die uns an die­ser Stel­le alle zum Nach­den­ken anre­gen soll: Sind unser der­zei­ti­ges sozia­les Enga­ge­ment, unse­re hohe Tole­ranz bezüg­lich Umwelt­ver­schmut­zung und unse­re gerin­ge­ren Erwar­tun­gen an Unter­neh­men dies außer­halb der Vor­ga­ben zu ver­bes­sern aus­rei­chend? Aus­rei­chend für wen? Denn schon heu­te gibt es weit­rei­chen­de Aus­wir­kun­gen unse­res Ver­hal­tens auf ver­schie­de­ne Grup­pen, jedoch dif­fe­rie­ren die­se in Bezug auf Geo­gra­phie, Inten­si­tät und Geschwin­dig­keit enorm.

Die­se Fra­ge soll­ten wir alle auf­neh­men: Aus­rei­chend für wen?

Für uns, um ein gutes Gefühl zu haben? Für uns hier in den gemä­ßig­ten (euro­päi­schen) Brei­ten­gra­den, für die Bes­ser­ver­die­ner, die ihren Wohn- und Arbeits­ort auf­grund einer guten Aus­bil­dung mit­be­stim­men oder viel­leicht sogar frei wäh­len kön­nen? Und was pas­siert mit den Men­schen, die auf­grund der Aus­wir­kun­gen des Kli­ma­wan­dels, der Aus­beu­tung der Natur ihre Exis­tenz­grund­la­ge ver­lie­ren und nicht die Mög­lich­keit haben sich selbst zu hel­fen?

 

Auf eini­ge die­ser Fra­gen fan­den die Soci­al Entre­pre­neurs  unter­schied­li­che, men­schen­ori­en­tier­te und prag­ma­ti­sche Ansät­ze auf der Sen­sA­bi­li­ty. Gleich­zei­tig bleibt die Fra­ge offen, wie dies mit der (Sozi­al-) Poli­tik der Staa­ten und ihre Orga­ni­sa­tio­nen effek­tiv und effi­zi­ent ver­ein­bar ist.

 

wbernhardt