Eine Neuerfindung auf dem Land.

Kongress für kreatives Unternehmertum

 

Eine Neu­erfin­dung auf dem Land – so der Titel des KU Kon­gress 2017, der spon­tan aus der Zeit gefal­len wirkt. Leben wir doch in einer Zeit, in der nicht nur immer mehr Men­schen in den Städ­ten woh­nen son­dern auch den Städ­ten das größ­te Inno­va­ti­ons­po­ten­ti­al zuge­traut wird. Und den­noch, was die Initia­to­ren des 3. KU Kon­gres­ses sich über­legt haben, macht neugierig:

Der drit­te KU Kon­gress wird ein Fest! Und das im wahrs­ten Sin­ne des Wor­tes. Mit dem Vor­ha­ben unser bis­he­ri­ges Erfolgs­for­mat neu zu erfin­den, lan­den wir an einem ganz spe­zi­el­len Sehn­suchts-Ort und Expe­ri­men­tier­feld – unse­rem Cam­pus für Gesell­schafts­ge­stal­ter­tum, dem Ham­mer­hof! Ein Ort für visio­nä­re Unter­neh­mer, For­scher und Aben­teu­rer. Ein For­mat für ein neu­es Zeit­al­ter von Unternehmertum.“

Übri­gens, KU steht für krea­ti­ves Unter­neh­mer­tum, für ein Unter­neh­mer­tum, das die Gesell­schaft nicht aus dem Blick ver­lie­ren darf, kurz: Für ein gesell­schafts­ver­ant­wort­li­ches Unter­neh­mer­tum. Wie das gehen soll und wel­che Wer­te es hier­für bedarf, wird vom 14. bis 15. Sep­tem­ber 2017 auf dem Ham­mer­hof bei Nürn­berg dis­ku­tiert. Mit dabei sind unter ande­rem Domi­nic Veken (Unter­neh­mens­phi­lo­soph & Autor), Cesy Leo­nard (Zen­trum für poli­ti­sche Schön­heit), Alex­an­der von Schlief­fen (Astro­lo­ge & Künst­ler) und Sao­ri Dubourg (Mit­glied des Vor­stands, BASF).

Im Vor­feld die­ses Kon­gres­ses haben die Initia­to­ren von KU ein Mani­fest ver­fasst, in dem Sie die Hal­tung benen­nen, die Sie von Unter­neh­mern ein­for­dern. Die agora42 beglei­tet den KU Kon­gress als Medi­en­part­ner und hat den Orga­ni­sa­to­ren die­ses Kon­gres­ses und Initia­to­ren der KU Krea­ti­ves Unter­neh­mer­tum gGmbH Jonas Nuss­bau­mer und Manu­el Bin­nin­ger  im Rah­men die­ser Part­ner­schaft fol­gen­de Fra­gen zu den grund­sätz­li­chen Fra­ge­stel­lun­gen des Unter­neh­mer­tums gestellt. Viel Freu­de bei der Lektüre!

 

Das Leben kann so ein­fach sein: Wenn einen etwas stört, dann ändert man es eben. Und doch ver­har­ren die meis­ten Men­schen lie­ber beim Sta­tus quo und set­zen auf ver­meint­li­che Sicher­heit. War­um ist das so?

Der Moment des Begin­nens, in dem man sich bewusst ent­schei­det, etwas Neu­es zu unter­neh­men ist ein magi­scher Moment, der Men­schen viel Ener­gie schenkt. Gleich­zei­tig ent­ste­hen dabei auch oft Unsi­cher­hei­ten, die den eige­nen Wil­len zur Ver­än­de­rung etwas aus­brem­sen. Die Unge­wiss­heit über das Neue, über das, was pas­sie­ren wird, wenn man sich bewusst dazu ent­schei­det, den Sta­tus quo zu ver­än­dern, ist ein Gefühl der Unsi­cher­heit – ein Augen­blick des Zwei­felns, den man erst über­win­den muss, bevor sich die eige­ne Auf­bruchs-Ener­gie voll­stän­dig ent­fal­ten kann. Die­se Über­win­dung ist ein Schlüs­sel­mo­ment, an dem sich vie­le Men­schen für die ver­meint­li­che Sicher­heit ent­schei­den – das Ver­har­ren in ihrer Ausganssituation.

Wir von KU sind der fes­ten Über­zeu­gung, dass zur Über­win­dung die­ser Unsi­cher­hei­ten die grund­sätz­li­che Hal­tung, mit der man durch das Leben geht, ent­schei­dend ist. Eine Hal­tung, an die wir glau­ben, und von der wir ger­ne spre­chen, ist die des Macher­tums. Damit mei­nen wir vol­ler Schaf­fens­kraft und Begeis­te­rung die Ent­schei­dung zu tref­fen, etwas anzu­pa­cken und damit bewusst den Mut und die eige­ne Über­zeu­gung über das Risi­ko und die Unsi­cher­heit zu stel­len. Dazu gehört natür­lich auch, das even­tu­el­le Schei­tern als Teil einer Chan­ce zu begrei­fen. Eine Chan­ce, Neu­es in die Welt zu tragen.

 

Die Initia­ti­ve KU betreibt gewis­ser­ma­ßen Lob­by­ar­beit für das Unter­neh­me­ri­sche in der Gesell­schaft. Etwas unter­neh­men ist jedoch zunächst ein­mal wert­neu­tral. Wel­che Zie­le, wel­che Antrie­be wären für Sie die­je­ni­gen, an denen sich unter­neh­me­risch han­deln­de Men­schen mes­sen las­sen müssen?

Wir von KU haben ein Mani­fest für ein Gesell­schafts­ge­stal­ter­tum geschrie­ben. Das weist schon dar­auf hin, dass wir für eine ganz bestimm­te Art des Unter­neh­me­ri­schen „Lob­by­ar­beit“ betrei­ben, näm­lich für ein Unter­neh­mer­tum, das Dis­zi­pli­nen und Gene­ra­tio­nen über­grei­fend immer in Ver­ant­wor­tung für sich selbst und der Gesell­schaft gegen­über, han­delt. Der Kern unse­res Gesell­schafts­ge­stal­ter­tums ist ein gemein­wohl­ori­en­tier­tes Unter­neh­mer­tum der Zukunft, das in die Gesell­schaft hin­ein­wirkt und aktiv Visio­nen für eine bes­se­re Welt umsetzt. Sinn­stif­tung, die Gestal­ter­kraft eines jeden Ein­zel­nen und Macher­tum sind drei der dafür wesent­li­chen Aspekte.

 

Der Öko­nom Schum­pe­ter cha­rak­te­ri­siert den Unter­neh­mer als den „schöp­fe­ri­schen Zer­stö­rer“. Nun kön­nen wir in der Gesell­schaft jedoch nicht per­ma­nent alles schöp­fe­risch zer­stö­ren, nicht alles stän­dig neu erfin­den. Wo lie­gen die Gren­zen die­ses Prozesses?

Das Wort „Zer­stö­rung“ wirkt auf den ers­ten Blick natür­lich immer sehr hart und bru­tal, da wir dazu nei­gen, Destruk­ti­vi­tät immer mit dem Nega­ti­ven zu ver­bin­den. Wir möch­ten uns bei Schum­pe­ters Theo­rie eher auf das „Schöp­fe­ri­sche“ kon­zen­trie­ren. Das, was für uns Men­schen schließ­lich als die Höchst­form jeg­li­chen Schaf­fens gilt, und durch des­sen häu­fi­ge Ver­or­tung in reli­giö­sen Kon­tex­ten all­zu oft den Anschein erweckt, ledig­lich reli­giö­sen Figu­ren vor­be­hal­ten zu sein. Die Schöp­fungs- und Gestal­ter­kraft eines jeden Men­schen wie­der in den Mit­tel­punkt zu rücken und ein Bewusst­sein dafür zu schaf­fen, dass der Aus­gangs­punkt für eine wir­kungs­vol­le Ver­än­de­rung in jedem ein­zel­nen Indi­vi­du­um unse­rer Gesell­schaft steckt, dar­um geht es uns bei KU.

Dass wir nicht alles kom­plett von Grund auf neu erfin­den müs­sen, um Neu­es in die Welt zu tra­gen, haben sowohl die Inno­va­ti­ons­for­schung der letz­ten Jahr­zehn­te, als auch zahl­rei­che sozio­öko­no­mi­sche Ent­wick­lun­gen in der Pra­xis gezeigt: Sobald durch eine wirk­sa­me Neu- oder Rekom­bi­na­ti­on ver­schie­de­ner Fak­to­ren bestehen­de Struk­tu­ren ver­drängt und schließ­lich zer­stört wer­den und neue öko­no­misch-gesell­schaft­li­che Ent­wick­lun­gen Ein­zug erhal­ten, haben wir gemäß Schum­pe­ter eine Neu­ord­nung durch schöp­fe­ri­sche bzw. krea­ti­ve Zer­stö­rung. Für Schum­pe­ter erfolgt die Zer­stö­rung also nicht im ers­ten, son­dern im zwei­ten Schritt, nach­dem Neu­es geschaf­fen wur­de. Dies zeigt uns, dass sei­ne „Zer­stö­rung“ durch einen Ver­än­de­rungs­drang von innen her­aus geschieht, um sich von alten Struk­tu­ren zu lösen, Platz für neue zu machen und nicht als initia­ler Akt und Bedin­gung zu begrei­fen ist, um über­haupt Neu­es schaf­fen zu können.

 

Ver­sucht man den unter­neh­me­ri­schen Impuls aus der wirt­schaft­li­chen in die gesell­schaft­li­che Sphä­re zu trans­fe­rie­ren, stellt man fest, dass eine gesell­schaft­li­che Neue­rung, eine Ver­än­de­rung gar nicht so ein­fach ist. Haben wir es hier doch mit Ideo­lo­gi­en, mit Besitz­stands­wah­rung und mit Machtasy­me­tri­en zu tun. Wie kann man den­noch eine Ver­än­de­rung in der Gesell­schaft bewirken?

Durch Begeis­te­rung! Ein Mot­to von uns lau­tet: „Am Anfang jeden Den­kens steht das Stau­nen.“ Es geht dar­um, Men­schen dafür zu begeis­tern sich mit den eige­nen Fähig­kei­ten aktiv als Gesell­schafts­ge­stal­ter zu begrei­fen und sich in die Hal­tung zu bege­ben, etwas ver­än­dern zu kön­nen. Vie­le sind dar­über zunächst erstaunt, man­che sogar irri­tiert, da die gestal­te­ri­schen Hebel in unse­rer Gesell­schaft all­zu oft Insti­tu­tio­nen aus Wirt­schaft, Poli­tik und Kul­tur zuge­schrie­ben werden.

Im End­ef­fekt ist das, was wir mit und durch KU tun, nichts ande­res als Bewusst­seins­ar­beit. Näm­lich die Hal­tung von Men­schen von einem REAGIEREN in ein AGIEREN umzu­wan­deln. Mit Gesell­schafts­ge­stal­ter­tum möch­ten wir nicht nur die Unter­neh­mer und Unter­neh­me­rin­nen errei­chen, die durch die Ver­ant­wor­tung für zahl­rei­che Mit­ar­bei­ter für uns zuge­be­ner­ma­ßen einen span­nen­den Hebel dar­stel­len. Zudem geht es uns dar­um, jede und jeden zu errei­chen, der sich durch unser Mani­fest ange­spro­chen fühlt und in die­sem Sin­ne Gesell­schaft gestal­ten möchte.
Um wirk­lich nach­hal­tig in und für Gesell­schaft etwas zu bewe­gen – Sie spre­chen von einer gesell­schaft­li­chen Neue­rung – sind wir der fes­ten Über­zeu­gung, dass dies nie­mals leid­glich mit der Zuspit­zung auf einen Bereich oder einer Grup­pe von Men­schen mög­lich sein wird. Des­halb begrei­fen wir uns mit KU als Bewe­gung, die zwi­schen den Dis­zi­pli­nen und Gene­ra­tio­nen über­grei­fend, Men­schen um unse­re Visi­on einer wirk­sa­men Gesell­schafts­ge­stal­tung vereint.

wbernhardt