Drei Schritte zur Einfachheit von Dieter Brandes

Drei Schritte zur Einfachheit

Inter­view mit Die­ter Bran­des

 

 

Anlässlich der neuen agora42 EINFACH LEBEN haben wir ausgewählten Personen zum Thema ein paar Fragen gestellt. Hier die Antworten von Dieter Brandes, Inhaber des Instituts für Einfachheit. Er spricht über das Marketingkonzept “Simplify-your-life”, den Verzicht auf Überflüssiges und die drei Schritte zur Einfachheit …

 

Herr Bran­des, gibt es das ein­fa­che Leben wirk­lich? Oder ver­birgt sich hin­ter dem „Sim­pli­fy-your-life“ nur ein ren­ta­bles Mar­ke­ting­kon­zept?

Das „ein­fa­che Leben“ im Sin­ne von dem, was wirk­lich unter dem Begriff „Ein­fach­heit“ zu ver­ste­hen wäre, gibt es natür­lich nicht. Aber es kann ein Leben för­dern, das ein­fa­cher gestal­tet wird. Ein­fach­heit mag zwar gut zu ver­ste­hen oder zu begrei­fen sein, es zu prak­ti­zie­ren ist aber meist nicht leicht. Ein­fach­heit, wie ich sie ver­ste­he, ist ja nicht eine neue Wis­sen­schaft, Phi­lo­so­phie oder Reli­gi­on. Ein­fach­heit soll nur leich­ter mög­lich machen, dass Absich­ten, Hand­lun­gen und Sys­te­me über­haupt funk­tio­nie­ren und zudem noch mög­lichst effi­zi­ent sind. Dar­über hin­aus schafft Ein­fach­heit fast immer eine Ori­en­tie­rung in der kom­ple­xen Umwelt. Das „Sim­pli­fy-your-life“ ist ein pas­sen­der Bei­trag zum ein­fa­chen Leben und zudem sicher inzwi­schen auch ein net­tes Mar­ke­ting­kon­zept.

 

Big Data und intel­li­gen­te Algo­rith­men sind gera­de in aller Mun­de. Die Hoff­nung ist, dass die Tech­nik in Zukunft „mit­denkt“ und das Leben ver­ein­fa­chen wird. Tei­len Sie die­se Hoff­nung?

Die­ter Bran­des war Geschäfts­füh­rer des Ver­wal­tungs­rats von Aldi Essen sowie der Unter­neh­mens­grup­pen Asko/Metro, Coop und Wen­deln. Heu­te ist er Bera­ter für Stra­te­gie und Orga­ni­sa­ti­on und Grün­der des Insti­tuts für Ein­fach­heit.

Nein. Daten sind oft Hilfs­mit­tel zum Ver­ständ­nis bestimm­ter Erschei­nun­gen. Ent­schei­dend allein bleibt zunächst die intel­li­gen­te Fra­ge zu bestimm­ten The­men oder Erschei­nun­gen. Danach mag man Daten zur Beant­wor­tung und zur Unter­stüt­zung eines bes­se­ren Ver­ständ­nis­ses her­an­zie­hen. Was meint man mit Kapi­ta­lis­mus? Was meint man mit einer Fehl­ent­wick­lung, mit Spe­ku­la­ti­ons­bla­sen etc.?

 

Was macht das Leben wirk­lich ein­fa­cher?

Bes­ser zu fra­gen wäre viel­leicht: Wie macht man das Leben ein­fa­cher? Dazu emp­feh­le ich drei Schrit­te.

Ers­tens: Wirk­lich ver­ste­hen, was Kom­ple­xi­tät ist. Hier in Kurz­form und etwas abs­trakt: vie­le Ele­men­te, die viel­fach mit­ein­an­der ver­bun­den sind, schaf­fen Kom­ple­xi­tät. Es geht dar­um, größt­mög­li­che Klar­heit zu gewin­nen dar­über, was man will, was das Ziel oder die Absich­ten sind. Das erfor­dert eine oft fast aske­ti­sche Bereit­schaft zum Ver­zicht auf Über­flüs­si­ges und Neben­säch­li­ches.

Hat man das geklärt, soll­te man im zwei­ten Schritt prü­fen, wor­auf man bei die­sen Zie­len viel­leicht doch noch ver­zich­ten kann. Dabei geht es nicht dar­um, so viel wie irgend mög­lich zu strei­chen, son­dern das Wesent­li­che in den Blick zu neh­men. Hier hilft ein guter Satz des ame­ri­ka­ni­schen Desi­gners Mil­ton Gla­ser: „Not less is more but just enough is more“.

Im drit­ten Schritt schließ­lich kann man die immer noch vor­han­de­ne Rest­kom­ple­xi­tät zu beherr­schen ver­su­chen durch eine klu­ge Gestal­tung der Akti­vi­tä­ten und Ver­fah­ren oder Vor­ge­hens­wei­sen. Das nen­ne ich Orga­ni­sa­ti­on mit Hil­fe von Dezen­tra­li­sa­ti­on, Über­tra­gung von Ver­ant­wor­tung und Ver­trau­en auf ande­re. Aber auch mit Kon­trol­le, wie das alles klappt. Schließ­lich pas­sen hier auch die wich­tigs­ten Schrit­te der Evo­lu­ti­on: „Ver­such und Irr­tum“. An klei­nen Akti­vi­tä­ten mit gerin­gen Risi­ken ein­fach mal etwas aus­pro­bie­ren.
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Die aktu­el­le agora42 zum The­ma EINFACH LEBEN ver­schi­cken wir ver­sand­kos­ten­frei. Lesen Sie span­nen­de Bei­trä­ge u.a. von Robert Pfal­ler (“Das nack­te und das gute Leben”), Ulri­ke Gué­rot (“Euro­pa ein­fach machen – ein­fach Euro­pa machen”), Frank Ruda (“Ein­fach nicht ein­fach”) und Mads Pan­kow (“End­lich wei­ter­ma­chen – Wer kei­ne Uto­pi­en hat, dem bleibt nur die Zukunft.”)

 

 

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