Menschenkraft statt Kohlekraft. Das innovative Human Power Plant in Utrecht

Menschenkraft statt Kohlekraft

Das innovative Human Power Plant in Utrecht

 

In Utrecht ent­steht der­zeit ein neu­es Kraft­werk, mit­ten in der Stadt. Es ist sau­ber, umwelt­freund­li­ch und wird von Stu­den­ten betrie­ben. Kris De Decker und Mel­le Smets, die zwei Erfin­der, wol­len zei­gen, dass der Men­sch die Ener­gie, die er zum Leben braucht, selbst erzeu­gen kann. Mit ihrem Pro­jekt “The Human Power Plant” bau­en sie ein 22-stö­cki­ges Hoch­haus auf dem Utrech­ter Cam­pus in ein Stu­den­ten­wohn­heim mit inte­grier­tem Kraft­werk um: 750 Stu­den­ten sol­len hier ener­gie­aut­ark, dank ihrer im Fit­ness­cen­ter selbst pro­du­zier­ten Ener­gie leben kön­nen.

Quel­le: www.humanpowerplant.be

His­to­ri­sch betrach­tet war die mensch­li­che Mus­kel­kraft lan­ge Zeit die wich­tigs­te Ener­gie­quel­le: im Städ­te- und Kanal­bau, in der Land­wirt­schaft, im Haus­halt, in der Kom­mu­ni­ka­ti­on oder im Trans­port. Heu­te treibt der Men­sch jedoch nichts mehr an. Die Ener­gie, die er noch pro­du­ziert, ist ein unge­nutz­tes Abfall­pro­dukt. Selbst die kleins­ten phy­si­schen Bewe­gun­gen wer­den – auto­ma­ti­siert und moto­ri­siert – von meist fos­si­len Ener­gie­trä­gern ange­trie­ben. Ener­gie­ab­hän­gig und antriebs­los wie der Men­sch gewor­den ist, hat er sich angreif­bar gemacht: Best­sel­ler wie Marc Els­bergs Black­out zei­gen, wie dra­ma­ti­sch ein Zusam­men­bruch der Strom­ver­sor­gung für unse­re Gesell­schaft wäre.

 

Also: War­um nicht das Ange­neh­me mit dem Nütz­li­chen ver­bin­den und das Fit­ness­stu­dio zum Kraft­werk umfunk­tio­nie­ren?

 

Im Human Power Plant wird die Wasch­ma­schine von Men­schen ange­trie­ben.

Dank moderns­ter Tech­no­lo­gi­en kann die pro­du­zier­te mensch­li­che Ener­gie mitt­ler­wei­le opti­mal genutzt wer­den – von inno­va­ti­ven Fit­ness­ge­rä­ten, die Mus­kel­kraft in Elek­tri­zi­tät umwan­deln, über die Nut­zung mensch­li­cher Wär­me zur Behei­zung von Räu­men bis hin zur Bio­gas­an­la­ge, die orga­ni­sche Abfall­stof­fe in wert­vol­les Bio­gas ver­wan­delt. In Ver­bin­dung mit einem bewuss­te­ren Lebens­stil – kür­ze­rem Duschen, gerin­ge­rem Warm­was­ser-Ver­brauch, sel­te­ne­rem Wäsche­wa­schen – wird so ein Leben mit aus­schließ­li­ch men­schen­ge­mach­ter Ener­gie mög­li­ch.

 

Nun könn­te sich so man­cher bei dem Gedan­ken an ein mensch­li­ches Kraft­werk an kolo­nia­le Zei­ten zurück­er­in­nert füh­len, in denen Skla­ven in der hei­ßen Son­ne schwit­zend die Räder ihrer „Her­ren“ antrie­ben. Rich­tig, lan­ge galt es als unfein, sich die Hän­de schmut­zig zu machen und kör­per­li­che Anstren­gung war ein Zei­chen für sozia­le Unbe­deut­sam­keit. Aller­dings hat sich dies in unse­rer kör­per­be­wuss­ten Zeit, in der Mana­ger im Fit­ness­stu­dio ihre Rücken­ver­span­nun­gen bekämp­fen und Frau­en ihre Tail­le erhal­ten wol­len, längst geän­dert. Wer hat nicht schon ein­mal auf dem Cross­trai­ner gestram­pelt oder auf dem Ergo­me­ter geschwitzt?

 

Wich­tig sind für De Decker und Smets auch, dass der Spaß bei der Ener­gie­pro­duk­ti­on nicht zu kurz kommt. Sie wol­len Fit­ness­ge­rä­te ent­wer­fen, die der Men­sch zum Bei­spiel gemein­sam mit sei­nem Hund nut­zen kann – ein Work­out für Men­sch und Tier. Oder Gerä­te, an denen man sich mit unter­hal­ten kann, weil sie von meh­re­ren Sport­lern gleich­zei­tig betrie­ben wer­den. Außer­dem sol­len Live­mu­si­ker für den nöti­gen Schwung sor­gen und die Sport­ler moti­vie­ren. Ers­te Skiz­zen für das Fit­ness-Kraft­werk fin­den sich bereits auf der Home­page des Pro­jekts.

 

Sport und Fit­ness, dazu flot­te Live­mu­sik: So pro­du­zie­ren Stu­den­ten selbst den Strom, den sie brau­chen: humanpowerplant.be

 

Das Pilot­pro­jekt ist mit sei­nem Ziel der hun­dert­pro­zen­ti­gen Ener­gie­un­ab­hän­gig­keit radi­kal: Schon jetzt steht für De Decker und Smets fest, dass die Stu­den­ten, die im Human Power Plant leben, vie­le Gewohn­hei­ten ändern müs­sen. Zum Bei­spiel könn­ten sie durch das Tra­gen von Woll-Klei­dung eini­ge Wasch­ma­schi­nen­la­dun­gen und Heiz­ener­gie ein­spa­ren. Auch der Lift im 22-stö­cki­gen Gebäu­de wur­de aus­ge­baut. Statt­des­sen sol­len aus­ge­klü­gel­te Fit­ness­plä­ne die Ener­gie­pro­duk­ti­on sicher­stel­len, die für die gemein­schaft­li­ch genutz­ten Flä­chen benö­tigt wird: für Hei­zung, Warm­was­ser, Kühl­schrän­ke, Licht, Toi­let­ten etc. 400 Stu­den­ten kön­nen auf drei Fit­ness-Ebe­nen gleich­zei­tig Ener­gie pro­du­zie­ren – bis zu 20 Kilo­watt in Spit­zen­zei­ten! Dar­über hin­aus muss jeder Stu­dent die Ener­gie, die er für sein pri­va­tes Zim­mer braucht, selbst her­stel­len. Ein sol­ches Leben dürf­te nicht jedem Stu­den­ten gefal­len. Trotz­dem sind von dem bedin­gungs­lo­sen Fest­hal­ten an “selbst­ge­mach­ter” – und damit begrenz­ter – Ener­gie noch vie­le Inno­va­tio­nen zu erwar­ten: De Decker und Smets sind zuver­sicht­li­ch, dass die Stu­den­ten in ihrem All­tag ganz neue Stra­te­gi­en ent­wi­ckeln wer­den, um ihren Ener­gie­ver­brauch zu sen­ken.

 

Mel­le Smets und Kris De Decker wol­len zei­gen, wie­viel Ener­gie der Men­sch selbst erzeu­gen kann – umwelt­freund­li­ch und nach­hal­tig.

Der Men­sch ist und bleibt der viel­ver­spre­chends­te und nach­hal­tigs­te Ener­gie­trä­ger: Immer­hin kann ein Men­sch kann min­des­tens so viel Ener­gie pro­du­zie­ren, wie ein ein­qua­drat­me­ter-Solar Paneel an einem son­ni­gen Tag. Und im Gegen­satz zu Wind- und Son­nen­en­er­gie ist mensch­li­che Ener­gie jeder­zeit ver­füg­bar – sie braucht nicht umständ­li­ch gespei­chert wer­den. Zu guter Letzt muss der Men­sch nicht erst wie Bat­te­ri­en, Tur­bi­nen oder Solar­zel­len ern­er­gie­auf­wän­dig pro­du­ziert wer­den. Er ist ja schon da – und das in wach­sen­der Zahl! Wel­cher ande­re Ener­gie­trä­ger kann das heu­te noch von sich behaup­ten?

 

 

 

 

 

 

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