Nichtstun ist für einen Unternehmer keine Option – Interview mit Sarna Röser

Nichtstun ist für einen Unternehmer keine Option”

Interview mit Sarna Röser

Bild­quel­le: Anne Groß­mann Foto­gra­fie

 

Anlässlich der agora42 zum Thema ORDNUNG haben wir der Bundesvorsitzenden der Jungen Unternehmer Sarna Röser einige Fragen gestellt. Im Interview spricht sie über das Selbstverständnis des Unternehmers und der Rolle der Unternehmer bei der Gestaltung der gesellschaftlichen Zukunft.

 
 

Die Gesell­schaft scheint zuneh­mend in Unord­nung zu gera­ten. Gleich­zei­tig sind wir mit einer zuneh­men­den Kom­ple­xi­tät kon­fron­tiert. Frau Röser, wie erle­ben Sie die Zeit?

Es stimmt, wir erle­ben zur­zeit viel Ver­un­si­che­rung, in Deutsch­land, der EU und auf der gan­zen Welt. Aus­ge­löst wird das einer­seits von zuneh­men­der Kom­ple­xi­tät, und ande­rer­seits durch plum­pe Ver­ein­fa­chung als Reak­ti­on, von der mei­ner Mei­nung nach gro­ße Gefahr aus­ge­hen. Kom­ple­xe Her­aus­for­de­run­gen kön­nen wir lösen, jedoch nicht, indem wir ein­fa­che Ant­wor­ten suchen. Ich den­ke aber ins­ge­samt, dass die Kul­tur der Fami­li­en­un­ter­neh­men den Mit­ar­bei­tern und auch gan­zen Regio­nen Halt geben. Ein Fami­li­en­un­ter­neh­mer denkt lang­fris­tig, haf­tet mit sei­nem eige­nen Kapi­tal für sei­ne Ent­schei­dun­gen und will sein Lebens­werk, sein Unter­neh­men, in die nächs­te Gene­ra­ti­on über­füh­ren. So ist in Deutsch­land eine Wirt­schafts­kul­tur ent­stan­den, die nicht das Stre­ben nach schnel­lem Pro­fit in den Vor­der­grund unter­neh­me­ri­schen Han­delns stellt, son­dern den Wunsch nach lang­fris­ti­gem Erhalt – eine Ord­nung, wenn man so will.

 

Sie for­dern, dass die Poli­tik die gro­ßen Her­aus­for­de­run­gen – Digi­ta­li­sie­rung, Ren­te etc. – ent­schlos­se­ner anneh­men muss. Ange­nom­men wir schaf­fen es, die Her­aus­for­de­run­gen zu meis­tern, was ist Ihre Uto­pie einer Gesell­schaft in 25 Jah­ren?

Ich hof­fe, dass wir in Deutsch­land und Euro­pa die Her­aus­for­de­run­gen meis­tern, um in 25 Jah­ren glo­bal wei­ter in der ers­ten Liga zu spie­len. Das ist eine Uto­pie, denn ande­re Wirt­schafts­räu­me ver­fü­gen über deut­lich mehr Res­sour­cen und machen ihre Volks­wirt­schaf­ten wett­be­werbs­fä­hig. Heißt: Auch Deutsch­land muss jetzt die rich­ti­gen Wei­chen stel­len. In der Ren­ten­po­li­tik geht es dar­um, dass unse­re jun­ge Gene­ra­ti­on immer mehr Rent­ner län­ger finan­zie­ren muss – das wird nicht auf Dau­er gut gehen. Bei der Digi­ta­li­sie­rung rennt uns die Kon­kur­renz aus den USA und Chi­na davon, wäh­rend wir noch auf den Glas­fa­ser­an­schluss war­ten. Bei­de The­men wer­den den Erfolg unse­res Wirt­schafts­stand­or­tes maß­geb­lich mit­be­stim­men.

 

Sie ver­tre­ten einen Unter­neh­mer­ver­band und stam­men aus einer unter­neh­me­risch gepräg­ten Fami­lie. Was kann Ihrer Mei­nung nach der Unter­neh­mer, das Unter­neh­mer­tum hin­sicht­lich der gesell­schaft­li­chen Zukunft leis­ten?

Unter­neh­me­rin­nen und Unter­neh­mer tra­gen gesell­schaft­li­che Ver­ant­wor­tung. Zuerst für Mit­ar­bei­ter, aber auch für die Regi­on und das Land. Dabei reicht es mitt­ler­wei­le nicht mehr aus, dass wir inno­va­tiv sind bei unse­ren Pro­duk­ten und Dienst­leis­tun­gen. Wir müs­sen auch inno­va­tiv sein in der Art, wie wir arbei­ten. Und wie wir Arbeit für unse­re Mit­ar­bei­ter gestal­ten. Denn die Arbeit als sol­che hat sich wäh­rend der letz­ten Jahr­zehn­te in Deutsch­land radi­kal ver­än­dert. Jun­ge, klu­ge Leu­te, die ande­re Anfor­de­run­gen an ihr Leben und damit auch an ihren Beruf stel­len. Die­sen neu­en Bedürf­nis­sen müs­sen wir gerecht wer­den.

 

Dass der freie, unre­gu­lier­te Markt sämt­li­che – auch gesell­schaft­li­che – Pro­ble­me lösen kann, dürf­te inzwi­schen wider­legt sein. Auch haben bereits die Begrün­der der sozia­len Markt­wirt­schaft die Rol­le des Staa­tes betont. Was wäre das idea­le Ver­hält­nis von Staat und Markt, das Sie sich wün­schen wür­den?

Auch wenn die Theo­rie des Ordo­li­be­ra­lis­mus heut­zu­ta­ge oft einen nega­ti­ven Bei­klang hat, bringt sie sau­ber ange­wandt über­all die meis­ten Erfol­ge. Ordo­li­be­ra­lis­mus ist die Ant­wort auf die Fehl­ent­wick­lun­gen des Man­ches­ter-Kapi­ta­lis­mus. Es kommt aber immer auf einen rich­ti­gen Mix an. Das freie Ent­fal­ten der Markt­kräf­te schafft Wohl­stand. Aber der Staat hat – neben der Her­stel­lung von inne­rer und äuße­rer Sicher­heit – die Auf­ga­be, die Mög­lich­keit eben die­ses frei­en Ent­fal­tens der Markt­kräf­te zu gewähr­leis­ten. Er darf und muss gegen markt­schä­di­gen­de Ungleich­ge­wich­te vor­ge­hen, wenn es nötig ist. Zum Bei­spiel ach­tet der ordo­li­be­ral regu­lie­ren­de Staat dar­auf, dass sich kei­ne Mono­po­le oder Oli­go­po­le bil­den, die durch Markt­be­herr­schung Wett­be­werb ver­hin­dern und die Ver­brau­cher durch zu hohe Prei­se schä­di­gen. Auf der ande­ren Sei­te erle­ben wir, dass sich der Staat immer stär­ker in das unter­neh­me­ri­sche Han­deln ein­mi­schen will, bei Gehalts­ver­hand­lun­gen mit Mit­ar­bei­tern oder der Klä­rung von Arbeits­zei­ten prak­tisch mit am Ver­hand­lungs­tisch sit­zen will. Gleich­zei­tig soll der Unter­neh­mer immer mehr Fir­men-Infor­ma­tio­nen an den Staat geben – die Berichts­pflich­ten über­stei­gen das gesun­de Maß heu­te bei Wei­tem. Dies ist ein Grund, war­um es Ver­bän­de wie Die Jun­gen Unter­neh­mer gibt – um gegen die­se Gefah­ren für die deut­sche Wett­be­werbs­fä­hig­keit zu kämp­fen und den Staat an sei­ne ori­gi­nä­ren Auf­ga­ben zu erin­nern. Nichts­tun ist für einen Unter­neh­mer kei­ne Opti­on.

 

wbernhardt