ownworld – Bausatz für ein nachhaltiges Leben auf kleinem Raum

Aus der Rubrik “Land in Sicht” in der wir Pro­jek­te vor­stel­len, die öko­no­mi­sches und gesell­schaft­li­ches Neu­land betre­ten.

 

 

Ownhome

Bausatz für ein nachhaltiges Leben auf kleinem Raum

Er ist wohl der Urva­ter der deut­schen Tiny Hou­se-Bewe­gung: In der Serie Löwen­zahn leb­te Peter Lus­tig über vie­le Jah­re in sei­nem blau­en Bau­wa­gen mit der selbst­ge­bau­ten Stuhl­trep­pe. Er zeig­te damit schon in den 1980er Jah­ren, dass ein nach­hal­ti­ger und res­sour­cen­scho­nen­der Lebens­stil gleich­zei­tig recht gemüt­lich sein kann. Ursprüng­lich kommt die Tiny Hou­se-Bewe­gung jedoch aus den USA und bezeich­net den Trend, in win­zi­gen Häu­sern von oft nicht mehr als 15m² zu leben. Aber auch in Deutsch­land gibt es immer mehr Men­schen, die ger­ne auf klei­nem Raum leben. Die Viel­falt reicht von Baum­häu­sern und mobi­len Zir­kus­wa­gen bis hin zu futu­ris­ti­schen Glas­ka­bi­nen. Die Grün­de lie­gen auf der Hand: Ein gerin­ger öko­lo­gi­scher Fuß­ab­druck sowie enor­me Kos­ten­er­spar­nis­se.

Schwie­rig wur­de es bis jetzt jedoch, wenn man ohne gro­ßes Know-How selbst ein Tiny Hou­se bau­en woll­te. So gibt es zwar rund ein Dut­zend Anbie­ter in Deutsch­land, aber die­se ver­kau­fen die Tiny Hou­ses meist als fer­ti­ges Pro­dukt. Ein klei­nes Unter­neh­men im süd­li­chen Baden-Würt­tem­berg möch­te Abhil­fe schaf­fen und hat einen Bau­satz für ein Tiny Hou­se ent­wi­ckelt, das sich voll­stän­dig unab­hän­gig von der öffent­li­chen Ener­gie- und Was­ser­ver­sor­gung betrei­ben lässt. Der Bau­satz besteht dabei aus num­me­rier­ten und exakt vor­ge­fer­tig­ten Holz­tei­len sowie Pho­to­vol­ta­ik­mo­du­len, einer Was­ser­auf­be­rei­tungs­an­la­ge und einer Tro­cken-Trenn-Toi­let­te und lässt sich laut des Unter­neh­mens von zwei Men­schen ohne beson­de­re hand­werk­li­che Vor­kennt­nis­se auf­bau­en. Mit 18m² ist das fer­ti­ge own­home dann nicht viel grö­ßer als ein Bau­wa­gen und kos­tet je nach tech­ni­scher Aus­stat­tung zwi­schen 25.000 Euro und 100.000 Euro.

Der Grün­der des Unter­neh­mens lebt selbst im ers­ten fer­tig­ge­stell­ten own­home. Über die Crowd­fun­ding-Platt­form start­next wird im Moment ver­sucht, Geld für ein zwei­tes Modell-own­home zu sam­meln, in dem Men­schen dann pro­be­wei­se woh­nen kön­nen. Auf lan­ge Sicht ist geplant, ein voll­um­fas­sen­des Kon­zept zu erstel­len, das auf der Basis von Open Source von allen inter­es­sier­ten Men­schen genutzt und wei­ter­ent­wi­ckelt wer­den kann. Schon jetzt sind aber Besich­ti­gun­gen des own­home an jedem ers­ten Sams­tag im Monat mög­lich. Der Tüft­ler Peter Lus­tig wäre sicher­lich begeis­tert gewe­sen.

 

Mehr dazu unter: ownworld.org

 

Nach­ge­fragt bei Kle­mens Jakob, Geschäfts­füh­rer der own­world GbR

 

Wie ist die Idee ent­stan­den, neben dem eige­nen Haus gleich einen Bau­satz anzu­fer­ti­gen?

Das war ein­fach die Hoff­nung und die Zuver­sicht, dass es auch ande­re Men­schen gibt, die in Zukunft zukunfts­fä­hig leben möch­ten.

 

Wer in Deutsch­land ein Haus bau­en will, muss sich an etli­che gesetz­li­che Vor­ga­ben hal­ten. Wo gibt es mög­li­che Kon­flik­te mit dem own­home?

Da gibt es meh­re­re Din­ge zu beach­ten. Zunächst ein­mal gibt es bestimm­te Bebau­ungs­li­ni­en außer­halb derer man das own­home nicht hin­stel­len darf. Schwie­rig ist es auch, einen aut­ar­ken Was­ser­kreis­lauf zu eta­blie­ren, da in Deutschand Anschluss­pflicht an das Was­ser­netz besteht. Behör­den und neue Ide­en sind da etwa wie der Teu­fel und das Weih­was­ser. Natür­lich ist ein Abwas­ser­an­schluss auch gewollt, denn das kos­tet Geld. Strom hin­ge­gen ist unpro­ble­ma­tisch. Wenn ich kei­nen Anschluss will, dann ist das in Ord­nung, da küm­mert sich nie­mand drum.

 

Durch Regen­was­ser und eine Pho­to­vol­ta­ik­an­la­ge soll im own­home ein Leben unab­hän­gig von der öffent­li­chen Ver­sor­gung mit Ener­gie und Was­ser ermög­licht wer­den. Reicht das denn über­haupt?

Es ist sogar immer zu viel, das Regen­was­ser ist bei uns nur Zuga­be. Denn wir ver­wen­den das Was­ser im Kreis­lauf: es gibt eine Pflan­zen­klär­an­la­ge und das Trink­was­ser wird zusätz­lich durch eine Umkehr­os­mo­se-Anla­ge gefil­tert. Bis auf den Kaf­fee und Tee den wir trin­ken, wird alles in den Kreis­lauf zurück­ge­führt. Und der Rest wird mit Regen­was­ser auf­ge­füllt.

 

Das Haus misst 18m². Fühlt sich das nicht an wie ewi­ges Zel­ten?

Nein, was 100 Pro­zent aller Men­schen ein­heit­lich sagen, ist: „Wow, das fühlt sich viel grö­ßer an“. Die erleb­ten 18 m² haben nichts mit der Vor­stel­lung davon zu tun. Ein Teil der Decke ist sehr hoch und es gibt vie­le Fens­ter. Im Grun­de fühlt es sich an wie 32 m².

 

Sehen Sie sich als Teil der Tiny Hou­se Bewe­gung oder gibt es viel­leicht sogar ein Kon­kur­renz­ver­hält­nis zwi­schen den Anbie­tern?

Es gibt ganz und gar kein Kon­kur­renz­ver­hält­nis zu ande­ren Anbie­tern. Es geht dar­um, einen ande­ren Lebens­stil zu prak­ti­zie­ren. Und je mehr, des­to bes­ser!

 

wbernhardt