03/2013 – Homo Automobilis

8,90€
Enthält 7% reduzierte MwSt.
zzgl. Versand
Lieferzeit: ca. 2-3 Werktage
Bei Lieferungen in Nicht-EU-Länder können zusätzliche Zölle, Steuern und Gebühren anfallen.

agora_03-2013_Homo_Automobilis
Zur Heftvorschau
Editorial


Auch wenn sein Name anderes vermuten lässt: Mit Mobilität hat das Automobil nur bedingt zu tun. Zwar geht es beim Auto durchaus darum, was Menschen bewegt – allerdings nicht nur in einem physikalischen Sinne. Vielmehr geht es um Freiheit, um Fortschritt, um Status, um Spaß und um Träume. Und es geht um Liebe.
Kritik am Automobil gab es von der ersten Stunde an. Doch man kann sagen, was man will: Das Auto ist schon toll! Wer ihm verfällt, der sieht die Welt mit anderen Augen. Für den kann es gar nicht genug Straßen geben. Auf und davon, der Weg ist das Ziel. Ob neues Modell, Young- oder Oldtimer: Autos sind fast so verschieden wie die Menschen, die sie fahren. Erstaunlicherweise scheint es auch für fast alle ein passendes Auto zu geben. Und selbst wer sich gegen eine Beziehung mit ihm sträubt, lässt sich oft zu einem Techtelmechtel hinreißen.
Dennoch, und das wird in einigen Beiträgen der vorliegenden Ausgabe deutlich: Die Zeit des stürmischen, maßlosen, unbedingten Verliebtseins ist vorbei. Das macht dann auch sensibler für die Nachteile des begehrten Technikpartners – zumal dieser nun wirklich überall und andauernd präsent ist. Was vormals als Ausdruck von Unabhängigkeit wahrgenommen wurde, wirkt nun egoistisch; was man für großzügig hielt, empfindet man mittlerweile als verschwenderisch.
Natürlich übt das Auto noch immer eine große Anziehungskraft aus. Es macht schöne Scheinwerfer und bleibt auch ohne Facelifts attraktiv. Es ist wirklich kaum gealtert, unglaublich! Zudem hat es ja durchaus Lebenspraktisches zu bieten – ist sogar bereit, sich zu verändern, wenn das der Beziehung hilft.
Letztlich jedoch ist das Auto nicht wirklich erwachsen geworden. Es benötigt ein Umfeld, das ihm seine Eskapaden verzeiht, es auffängt, wenn es wieder einmal den Boden unter den Rädern verloren hat; es ist angewiesen auf Gleichgesinnte, mit denen es der Ferne entgegenbrausen und sich ins leuchtende Abendrot des Fortschrittsversprechens stürzen kann. Es braucht die Aussicht auf eine Zukunft, in der alles immer besser, schneller, schöner und heller wird. Das Hier und Jetzt genügt ihm nicht – da wird es müde, melancholisch und verliert bald seinen Glanz. Immer muss es weiter, fährt Problemen lieber davon, statt sich ihnen zu stellen.

Manche sagen, mit dem Auto sei es wie mit dem Kapitalismus.


[su_spacer size=”5″]