1/2016 – Ökonomie & Spiritualität

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Editorial


Spiritualität, so, so … Schaltet die agora42 jetzt den Schonwaschgang ein, um im Markt der Eso-Magazine zu wildern? Käufer er- kuscheln statt um Erkenntnis kämpfen? – Ganz im Gegenteil …

Worum geht es? Zunächst wird mit dem Begriff Spiritualität, getreu Hegels Devise „Ist erst das Reich der Vorstellung revolutioniert, so hält die Wirklichkeit nicht aus“, die Relevanz des Geistigen zum Ausdruck gebracht; die Tatsache also, dass wir als Menschen „die Welt denken und denkend ordnen“, wie es Michael W. Driesch im Interview formuliert. Die Welt, und insofern auch die globale ökonomische Ordnung, die gerne als alternativlos hingenommen wird, ist nichts, was einfach gegeben ist, sondern immer schon das, was wir sind – Resultat unseres Denkens, unseres Willens, unserer Wünsche, unserer Hoffnungen und unserer Gestaltungskraft.

Wir sind also vollkommen frei darin, die Welt so zu ordnen, wie wir das wollen. Wir sind selbst die Alternative. Allerdings sind wir gleichfalls frei darin, uns vorzustellen und zu behaupten, es gäbe eine Welt an und für sich, unabhängig von unserem Denken, materiell, durchgängig und determiniert. Wir können auch behaupten, es gäbe einen Markt, der so ist, wie er ist, und bestimmten Gesetzen folgt; oder ein komplexes „gobales Ganzes“, das – im Prinzip unaufhaltsam – seinen Weg geht. Eine solche Haltung einzunehmen, ist jedoch zutiefst unmoralisch; sie bedeutet, sich klein zu machen und sich in die eigene Tasche zu lügen. Sie steht für den Versuch, etwas aus der Welt zu subtrahieren, was man selbst ist, die eigene Rolle in der Welt zu leugnen, während man sie spielt. Spiritualität heißt hingegen, seiner Rolle als „Weltenschöpfer“ treu zu bleiben und die volle Verantwortung für das eigene Tun zu übernehmen.

Umgekehrt lauert stets die Gefahr, das Geistige zu hoch zu hängen; es vom Materiellen abzukoppeln, um in ihm eine Wahrheit zu finden beziehungsweise einer geistigen Ganzheit teilhaftig zu werden. Auch dieses „geistige Ganze“ ist ein falsches Ganzes, das durch Subtraktion erzwungen wird. Denn der Mensch als ordnender Geist ist immer schon in die Welt eingelassen, er denkt „weltlich“ und ist denkend tätig in der Welt; das Geistige zeigt sich in ihr, materialisiert sich in ihr, ist von ihr nicht zu trennen. Die von uns nach unseren Ordnungsvorstellungen gestaltete Welt tritt uns immer wieder als etwas Faktisches und ganz und gar Ungeistiges entgegen; oft auch als etwas, das unseren Vorstellungen hohnlacht. Diesen Widerspruch zwischen ordnendem Geist und dem materiellen Rückschlag dieser ordnenden Tätigkeit gilt es auszuhalten. Und dieser Widerspruch ist nicht etwa, wie der Nicht- oder Halbspirituelle meint, ein Problem, das es auf dem Weg zu einer besseren Welt beziehungs- weise zur einer höheren Erkenntnis zu überwinden gilt, sondern bereits das von ihm gesuchte „harmonische“ Sein selbst.
Ihr Frank Augustin