agora42 2/2017 – Digitalisierung

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agora42_Digitalisierung

 

 

Mit Beiträgen von
– Felix Stalder
– Karin Frick
– Rafael Capurro
– Eike Wenzel uvm.

HEFTVORSCHAU

 

 
 
 

EDITORIAL

Europa steht vor einer Zerreißprobe; global setzen wir alles daran, die natürlichen Grundlagen unseres Lebens zu vernichten; immer mehr Menschen verkaufen ihre Seele, um den absurden Anforderungen einer Gesellschaft genügen zu können, deren Wachstumsfixierung zunehmend totalitäre Züge annimmt.

Es gibt also wichtigere Themen als die Digitalisierung. Und doch führt sie fast jeder im Munde, kommt man um Themen wie Big Data, Internet der Dinge, Blockchain oder künstliche Intelligenz kaum herum. Und ich muss zugeben: Nach anfänglicher Skepsis hat das Thema die Redaktion gepackt. Es ist einfach faszinierend, welche Möglichkeiten die Technik heute bereithält. Inzwischen können Dinge faktisch miteinander verkoppelt werden, die man früher nicht einmal gedanklich in Verbindung gebracht hat – mit überwältigenden Möglichkeiten für Kommunikation, Forschung, Mobilität, Logistik und Produktion. Auch in philosophischer Hinsicht ist das Thema überaus reizvoll, stellen sich doch sogleich Fragen nach neuen Formen des Wirtschaftens, des gesellschaftlichen Zusammenlebens oder danach, welche Auswirkungen die technischen Entwicklungen auf die Freiheit des Menschen und dessen Selbstverständnis haben.

Eines sollte man sich jedoch stets vor Augen halten: Mit der Digitalisierung ist es wie mit dem Umweltschutz. Sie bleibt letztlich wirkungslos, solange der Kapitalismus den Rahmen vorgibt. Von Umweltthemen kennt man das ja: Alle wissen, dass man jetzt handeln muss, um eine Katastrophe zu verhindern. Fällt dann aber das Wort „Wachstum“, wird der Klimawandel zur Lügengeschichte ängstlicher Spielverderber, Verschmutzung jeglicher Art zur willkommenen Herausforderung künftiger Generationen und biologische Einfalt – wie die geistige – zum Ideal erhoben. Und so wird auch die Digitalisierung ad absurdum geführt: Muss sie sich Wachstums- und Profitzwängen beugen, wird sie nicht in den Dienst der Gesellschaft gestellt, sondern von den Interessen mächtiger Unternehmen bestimmt, dann kann ihr spektakuläres Potenzial nicht verwirklicht werden; dann öffnet sie keine neuen Freiräume, sondern spielt all jenen in die Karten, die sich aus Feigheit und Bequemlichkeit der (selbstgewählten) Alternativlosigkeit verschrieben haben.

Ihr Frank Augustin


 
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