04/2012 — Sport & Spiel

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agora42 4/2012 Sort&Spiel

Sport und Spiel

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Editorial


Liebe, Leidenschaft, Begeisterung – all das hat einen schweren Stand in Zeiten des Lifestyle of Health and Sustainability; in Zeiten, in denen alles sorgsam gegeneinander abgewogen werden muss; in Zeiten, in denen abgeklärter Zynismus und ängstlicher Pragmatismus herrschen. Das zeigt sich auch und gerade an der pseudointellektuellen Abwehr gegenüber jenen, die ein Spiel lieben – Fußballfans zum Beispiel. Dass man für das Spiel seiner Mannschaft alles stehen und liegen lässt (vielleicht sogar seine Karriere), leuchtet vielen nicht ein: „Das ist doch nicht vernünftig!“ Dass einige bei ihrem („Extrem“-)Sport ihr Leben aufs Spiel setzen, ist für die meisten einfach nur total bescheuert. Doch solcherlei oberflächliche Kritik, aus der nur die Angst vor der eigenen Courage spricht, hat hier nichts zu suchen. Thema verfehlt.
Hingegen gilt es sehr wohl zu kritisieren, dass das, was (gerade hierzulande) erfreulich häufig im Fußball passiert, eigentlich in der ganzen Gesellschaft stattfinden müsste: Tolles Zusammenspiel, modernes System, junge Spieler, Begeisterung – hallo, wo gibt’s das in der Politik? Wo sind die Politik-Events, die eine solche Begeisterung auslösen wie die Fußballaufführungen der Nationalmannschaft oder von Borussia Dortmund? Wo die Politiker auf den Postern im Zimmer junger Fans? Unvorstellbar. Oder stellen Sie sich vor, es würde in der spanischen Gesellschaft ein Zusammenspiel geben wie beim FC Barcelona – da würde die Krise ihren Schrecken bald verlieren.
Zu kritisieren gilt es zudem die Tatsache, dass kaum einmal ein Spitzensportler öffentlich sein Tun hinterfragt. Oder einfach mal sagt: „Bis hierhin und nicht weiter. Das ist mir zu blöd und macht mir keinen Spaß mehr.“ Es kann doch nicht sein, dass die Unterordnung ureigenster Interessen unter ein „Leistungsziel“ die Voraussetzung für sportlichen Erfolg ist. Leistung ist nicht per se gut, sondern nur dann, wenn der Rahmen stimmt, in dem sie erbracht wird. Und man ist eben immer auch für diesen Rahmen mitverantwortlich – in welchem Beruf auch immer. Es kann auch nicht sein, dass Vereine, Verbände etc. eine quasireligiöse Parallelgesellschaft bilden, in der das Gute, Schöne, Echte, Wahre aufgehoben ist – im Gegensatz zum hässlichen und verlogenen politischen und wirtschaftlichen Treiben. Nein, Liebe, Leidenschaft und Begeisterung müssen ihren Platz mitten in der Gesellschaft haben; sie müssen überall möglich sein, ökonomische Erwägungen und Leistungsdruck hin oder her. Und wenn dies gleichzeitig das Ende der überinszenierten Darbietung von Fußball & Co. bedeutet – so what? Fußball braucht keinen Fernseher. Gut, mancher Traditionsverein würde aufgrund fehlender Einnahmen durch Fernsehlizenzen von der Bildfläche verschwinden; auch könnten womöglich Großereignisse wie die Olympischen Spiele nicht mehr ausgetragen werden. Andererseits würden sich neue Möglichkeiten eröffnen. Neue Sportarten sind bei den Jungen längst im Kommen und von denen schert sich auch keiner drum, ob die nun olympisch sind oder nicht. Die besten Sportler sind diejenigen mit der größten Freude an ihrem Tun. Sie gewinnen immer.


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