Sight, Seeing, Society – Katalogpräsentation

Sight, Seeing, Society

Am gest­ri­gen Sonn­tag den 23. Sep­tem­ber 2018 fand die Kata­log­prä­sen­ta­ti­on zur Aus­stel­lung Sight, See­ing, Socie­ty von Janusch Czech im Kunst­ver­ein Pforz­heim statt. Der Kata­log ist im agora42 Ver­lag erschie­nen und doku­men­tiert die ers­te gro­ße insti­tu­tio­nel­le Ein­zel­aus­stel­lung des in Mün­chen und Pforz­heim arbei­ten­den Künst­lers Janusz Czech (*1975, Ked­zier­zyn).

 

Janusch Czech im Gespräch mit Bet­ti­na Schön­fel­der anläss­lich der Kata­log­prä­sen­ta­ti­on. Im Hin­ter­grund ein paar Wer­ke aus der Serie Sight­see­ing.

Janusz Czech beglei­tet die agora42 seit 2011 in viel­fäl­ti­ger Hin­sicht. Seit 2011 hat er fast jedes Inter­view der agora42 foto­gra­fisch doku­men­tiert. Dar­über hin­aus ist die Aus­ga­be 4/2018 Wa(h)re Angst, die wir in Koope­ra­ti­on mit dem EMMA – Krea­tiv­zen­trum Pforz­heim kon­zi­piert haben, auf sein Enga­ge­ment zurück­zu­füh­ren. Auch kura­tier­te er die gleich­na­mi­ge Grup­pen­aus­stel­lung, die zeit­gleich mit der Aus­ga­be in Pforz­heim statt­fand.

 

Unter dem Titel „Sight, See­ing, Socie­ty“ prä­sen­tiert er in den zwei Aus­stel­lungs­räu­men des Kunst­ver­eins Pforz­heim gro­ße Instal­la­tio­nen und foto­gra­fi­sche Bild­se­ri­en, die das hoch­ak­tu­el­le Span­nungs­feld von Archi­tek­tur, Gesell­schaft, Poli­tik und Reprä­sen­ta­ti­on aus unter­schied­li­chen Blick­win­keln the­ma­ti­sie­ren. Kon­kret wer­den 45 Foto­gra­fi­en von Wahr­zei­chen bedeu­ten­der Städ­te wie dem Eifel­turm in Paris, dem Ato­mi­um in Brüs­sel und dem Bran­den­bur­ger Tor in Ber­lin gezeigt. Und doch haben die­se Foto­gra­fi­en nichts mit den Bil­dern zu tun, die man von die­sen Bau­wer­ken von Post­kar­ten oder Urlaubs­bil­dern kennt. Es durch­weg unge­wöhn­li­che Per­spek­ti­ven aus denen die­se Moti­ve auf­ge­nom­men wur­den. Einen Zugang zu die­ser Art der Doku­men­ta­ti­on bie­tet die Lite­ra­tur­wis­sen­schaft­le­rin Dr. Ana Kug­li in ihrem den Kata­log ein­lei­ten­den Text Sight, See­ing, Socie­ty im Spie­gel von Ber­tolt-Brecht-Tex­ten. Wie Brecht hin­ter­fragt auch Czech den Sinn und Unsinn von sol­chen “Sehens­wür­dig­kei­ten”, die oft­mals von den Herr­schen­den ent­wor­fen und gebaut wur­den und das Volk die­se Pro­jek­te ledig­lich zu finan­zie­ren hat­te. Die­sen Gedan­ken illus­triert Kug­li mit dem Gedicht Fra­gen eines lesen­den Arbei­ters* von Ber­tolt Brecht:

 

Wer bau­te das sie­ben­to­ri­ge The­ben?

In den Büchern ste­hen die Namen von Köni­gen.

Haben die Köni­ge die Fels­bro­cken her­bei­ge­schleppt?

Und das mehr­mals zer­stör­te Baby­lon,

Wer bau­te es so vie­le Male auf?

(…)

Fried­rich der Zwei­te sieg­te im Sie­ben­jäh­ri­gen Krieg. Wer

Sieg­te außer ihm?

Jede Sei­te ein Sieg.

Wer koch­te den Sie­ges­schmaus?

Alle zehn Jah­re ein gro­ßer Mann.

Wer bezahl­te die Spe­sen?

 

So vie­le Berich­te,

So vie­le Fra­gen.

 

Neben den 45 gezeig­ten Bil­dern der Sehens­wür­dig­kei­ten sind außer­dem drei Instal­la­tio­nen zu sehen: Konetaph Cul­tu­re, Anar­chie-Tek­tur und Cross of Chan­ge.

 

Konetaph Cul­tu­re ist ein zwei Meter hoher Beton­qua­der, der in der Mit­te der ansons­ten licht­durch­flu­te­ten Aus­stel­lungs­räu­me steht. Die Form weist dabei bereits auf die aus­ge­stell­ten Bil­der im Inne­ren des Qua­ders hin: Fünf Foto­gra­fi­en der U-Boot­bun­ker an der fran­zö­si­schen Atlan­tik­küs­te, wel­che das Stadt­bild der Städ­te Brest, Lori­ent, Saint Nazai­re, La Rochel­le und Bor­deaux bis heu­te prä­gen.

 

Anar­chie-Tek­tur: Anhand meh­re­rer Bil­der wird die Ent­wick­lung der Archi­tek­tur der Moder­ne gegen­über­ge­stellt. So sind zum einen Bil­der der “Wei­ßen Stadt” in Tel Aviv zu sehen, zum ande­ren sieht man eine rie­si­ge Wand­ta­pe­te der Tra­ban­ten­stadt Lobe­da in Jena.

 

Cross of Chan­ge: Eine mehr­tei­li­ge Foto­gra­fie der welt­weit höchs­ten Chris­tus-Sta­tue im pol­ni­schen Swie­bod­zin vor der ein Kreuz in den Regen­bo­gen­far­ben der Schu­len- und Les­ben­be­we­gung auf­ge­bahrt ist und der zur Sei­te das Tri­kot der fik­ti­ven Natio­nal­mann­schaft des König­reichs Jesus von Polen gestellt ist.

 

Den Aus­stel­lungs­ka­ta­log kön­nen Sie über unse­ren Shop oder über den Kunst­ver­ein Pforz­heim bezie­hen. Bis zum 7. Okto­ber kön­nen Sie noch die Aus­stel­lung besu­chen.

 

* Ber­tolt Brecht: Wer­ke. Gro­ße kom­men­tier­te Ber­li­ner und Frank­fur­ter Aus­ga­be. Hg. von Wer­ner Hecht, Jan Knopf, Wer­ner Mit­ten­zwei, Klaus-Det­lef Mül­ler. Ber­lin, Wei­mar, Frank­furt am Main 1988–2000. Hier GBA 12, S. 29

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