Tomorrow – Wie gestaltet man den Umbruch?

Ist das die Zukunft des Banking?

Die Gründer von Tomorrow

Credits to VIERTEL/VOR Maga­zin, Mar­cus Wer­ner

 

Anfang des Jah­res grün­de­ten Jakob Berndt, Inas Nurel­din und Micha­el Schwei­kart das Pro­jekt Tomor­row. Zum Start bie­tet es die Mög­lich­keit eines mobi­len Giro­kon­tos, durch die Koope­ra­ti­on mit dem Tech­no­lo­gie-Unter­neh­men sola­ris­Bank wer­den sie per­spek­ti­visch aber die kom­plet­te Palet­te der Bank­dienst­leis­tun­gen anbie­ten kön­nen. Vor eini­gen Tagen, Mit­te August hat die Beta­pha­se begon­nen, d.h. rund 150 Nut­zer tes­ten das Pro­dukt auf Herz & Nie­ren. So weit so gut, aber war­um stel­len wir die­ses Pro­jekt hier vor?

Auf der Home­page von Tomor­row liest man: “Wir haben die­ses Pro­jekt gestar­tet, weil wir einen Bei­trag leis­ten wol­len für eine bes­se­re, nach­hal­ti­ge­re Zukunft. Wir glau­ben, dass Geld ein Teil der Lösung sein kann. Dafür muss sich etwas ändern im Ban­ken­markt. Bei Tomor­row wird Geld zu einem Motor posi­ti­ven Wan­dels: Kun­den­ein­la­gen finan­zie­ren künf­tig erneu­er­ba­re Ener­gi­en, Bio-Land­wirt­schaft, Mikro­kre­di­te und vie­les mehr.”

Ab Ende Sep­tem­ber kann man ein mobi­les Giro­kon­to eröff­nen. Wir haben den Grün­dern von Tomor­row im Vor­feld ein paar Fra­gen gestellt und wün­schen euch viel Freu­de bei dem kur­zen Inter­view.

 

Das erklär­te Ziel von bei­spiels­wei­se der GLS Bank ist es, Kre­di­te an nach­hal­ti­ge Unter­neh­me­rin­nen und Unter­neh­mer in Deutsch­land zu ver­ge­ben – damit die­se sozi­al, öko­lo­gisch und öko­no­misch sinn­vol­le Din­ge schaf­fen kön­nen. Damit steht die GLS Bank nur für eine von vie­len Ban­ken, die hel­fen wol­len, dass Geld zu einem Motor des posi­ti­ven Wan­dels wer­den kann. Was unter­schei­det euch von die­sen nach­hal­ti­gen Ban­ken?

Was den Grund­satz angeht – näm­lich Geld dort­hin zu lei­ten, wo es nach­hal­ti­ge Indus­tri­en und Pro­jek­te för­dert – unter­schei­det uns erst­mal kaum etwas von genann­ten Pio­nie­ren wie der GLS. Das haben qua­si alle soge­nann­ten „Nach­hal­tig­keit-Ban­ken“ gemein, das ist der gemein­sa­me Nen­ner.
Was nicht heißt, dass wir als Tomor­row nicht auch Din­ge sub­stan­ti­ell anders machen wer­den. Dabei geht es vor allem um die Fra­ge der Ver­mitt­lung: Wir wol­len das The­ma „sozi­al & öko­lo­gi­sche nach­hal­ti­ge Finan­zen“ raus aus der Nische und rein in den Zeit­geist holen.

Zum Ers­ten durch eine zeit­ge­mä­ße, unkom­pli­zier­te tech­no­lo­gi­sche Dar­rei­chung – Kon­to­er­öff­nung in nur weni­gen Minu­ten via Smart­pho­ne, auto­ma­ti­sche Kate­go­ri­sie­rung aller Aus­ga­ben u. Ein­nah­men (= digi­ta­les Haus­halts­buch), Push-Nach­rich­ten bei jeder Trans­ak­ti­on für mehr Kon­trol­le.

Zum Zwei­ten durch ein Mehr an Trans­pa­renz – zB mit einem Impact Board, das in Echt­zeit zeigt, wo / wie das Geld der Kun­den „wirkt“, von Kli­ma­schutz­pro­jek­ten über Mikro­kre­di­te oder bis zur Bio­land­wirt­schaft.

Zum Drit­ten durch viel mehr Dia­log und Teil­ha­be – wir wol­len die „Bank von Mor­gen“ expli­zit gemein­sam mit der Com­mu­ni­ty ent­wi­ckeln.

Long sto­ry short: Wir sind davon über­zeugt, dass es allein Deutsch­land Hun­dert­tau­sen­de von Men­schen gibt, die längst zu einer der Nach­hal­tig­keits­ban­ken gewech­selt wären, wenn die­se denn ein wenig aus dem Elfen­bein­turm her­aus­kä­men. Wir wol­len die Men­schen abho­len, wir wol­len Bar­rie­ren abbau­en, wir wol­len in die Mit­te der Gesell­schaft.

 

Die Digi­ta­li­sie­rung von bestehen­den Pro­zes­sen führt natür­lich zu gewal­ti­gen Kos­ten­vor­tei­len – auch weil vie­le Jobs weg­fal­len. Wie seht ihr die Ent­wick­lung der Gesell­schaft wenn zuneh­mend Jobs durch Com­pu­ter und Maschi­nen ersetzt wer­den?

Ein gro­ßes The­ma. Die Digi­ta­li­sie­rung taugt frag­los nicht nur als Heils­ver­spre­chen, son­dern muss poli­tisch und gesell­schaft­lich gut mode­riert wer­den. Der dro­hen­de Weg­fall von Aber­tau­sen­den von Arbeits­plät­zen gehört hier unbe­dingt dazu: Arbeit stif­tet Sinn, gibt Halt, Wert­schät­zung, Ori­en­tie­rung – das darf bei all den erhoff­ten volks­wirt­schaft­li­chen Wert­schöp­fungs­stei­ge­run­gen durch Digi­ta­li­sie­rung nicht unter den Tisch fal­len. Gleich­zei­tig schafft Digi­ta­li­tät natür­lich auch die Mög­lich­keit für die Men­schen noch selbst­be­stimm­ter zu gestal­ten, wo/ wie/ wann wir arbei­ten. Stich­wort „Remo­te work“ und die damit ver­bun­den­de (mög­li­che) Neu­ent­de­ckung länd­li­cher Regio­nen. Zudem ent­ste­hen natür­lich auch diver­se neue Stel­len, aller­dings in ande­ren Berei­chen: Kom­mu­ni­ka­ti­on, Ent­wick­lung, Design. Wir haben als klei­nes, aber ambi­tio­nier­tes Pro­jekt bereits 10 Leu­te ange­stellt. Ich möch­te behaup­ten, dass ein smartes/ mobi­les Ange­bot wie das von Tomor­row zu mehr mensch­li­chem Dia­log zwi­schen den Men­schen und ihrer Bank führt, nicht zu weni­ger. Wenn wir unse­re Kun­den fra­gen “Wann wart Ihr das letz­te Mal bei eurer Bank (abseits vom Kon­to­au­to­ma­ten)?“ krie­gen wir meist fra­gen­de Bli­cke zurück. Für die meis­ten Men­schen ist das ewig her, die ver­bin­det rein gar nichts mehr mit ihrem Kre­dit­in­sti­tut.

 

Immer wie­der betont ihr, dass ihr lang­sam wach­sen wollt. Was hat es damit auf sich?

Lang­sam nicht unbe­dingt, aber orga­nisch. Wir haben mit Tomor­row Gro­ßes vor, jedoch nicht um jeden Preis. Wir wol­len ein tech­no­lo­gisch sau­be­res Pro­dukt schaf­fen (was alles ande­re als tri­vi­al ist bei so einem sen­si­blen The­ma), vor allem aber den Impact- oder Nach­hal­tig­keits­ge­dan­ken kon­se­quent umset­zen. Unser Geld soll nach­weis­bar eine posi­ti­ve Wir­kung erzie­len, da ist der Kern des Gan­zen. Und bei all dem wol­len wir die Nut­zer mit­neh­men, mit ein­bin­den. Wir wol­len die Bank von Mor­gen ent­wi­ckeln – aber nicht allein. Das geht nicht von Heu­te auf Mor­gen, auch wenn man Tomor­row heißt.

 

Auch wenn ihr dem Tur­bo­ka­pi­ta­lis­mus eine Absa­ge erteilt habt und euer Geld gewis­ser­ma­ßen auf die Buddenbrook’sche Art und Wei­se ver­die­nen wollt (Mein Sohn, sey mit Lust bey den Geschäf­ten am Tage, aber mache nur sol­che, daß wir bei Nacht ruhig schla­fen kön­nen), müsst ihr wach­sen, Geld ver­die­nen, im Wett­be­werb bestehen. Glaubt ihr folg­lich, dass das bestehen­de Sys­tem, dem vie­le – auf­grund einer wach­sen­den Spal­tung zwi­schen Reich und Arm, zwi­schen Macht und Ohn­macht, einer immer kla­rer zu Tage tre­ten­den Kli­ma­kri­se, die durch unse­re Art und Wei­se zu Wirt­schaf­ten her­vor­ge­ru­fen wur­de – ernst­haf­te Pro­ble­me beschei­ni­gen, nicht grund­le­gend geän­dert wer­den muss?

Doch, auf jeden Fall muss sich grund­le­gend etwas ändern. Das Sys­tem hat zu Genü­ge bewie­sen, dass es sich eben nicht selbst regu­liert und nicht per se zum Woh­le Aller dient. Die Fra­ge ist, wie gestal­tet mal den Umbruch? Wo setzt man die Stell­schrau­be an?

Wir haben uns mit unse­ren vor­he­ri­gen Pro­jek­ten ja schon inten­siv mit den Mög­lich­kei­ten und Unmög­lich­kei­ten von „Soci­al Busi­ness“ aus­ein­an­der­ge­setzt, ob jetzt Soft­ware (Inas), Geträn­ke (Jakob) oder Arbeits­ver­mitt­lung (Micha­el). An das Kon­zept glau­ben wir wei­ter­hin: der Kapi­ta­lis­mus kann ganz sicher nicht alles und man darf ihn nicht sich selbst über­las­sen. Zudem soll­te man bestimm­te Berei­che (Bil­dung, Gesund­heit) gar nicht erst nach markt­wirt­schaft­li­chen Prin­zi­pi­en gestal­ten wol­len. Aber das Sys­tem trägt auch viel Ener­gie in sich, die man nut­zen kann und muss: es schafft Inno­va­ti­on, Wett­be­werb und Viel­falt. Und die guten, nach­hal­ti­gen, impact-getrie­be­nen Ide­en, die auf die­se Wei­se ent­ste­hen, brau­chen Geld. Ob es jetzt da klei­ne Soci­al Start­up aus dem Hin­ter­hof ist oder der mit­tel­stän­di­sche Wind­ener­gie-Anbie­ter, der wach­sen will. Wenn es uns gelingt, im gro­ßen Stil Kapi­tal aus destruk­ti­ven Bran­chen abzu­zie­hen und „den Guten“ zur Ver­fü­gung zu stel­len, kön­nen wir ver­dammt viel bewe­gen.

wbernhardt