Das Irrenhaus voller Chefärzte – Ein sehr kurzes Kurzinterview mit Theaterwissenschaftler Ulf Schmidt

Das Irrenhaus voller Chefärzte

Ein sehr kurzes Kurzinterview mit Theaterwissenschaftler Ulf Schmidt anlässlich der aktuellen Ausgabe zum Thema Ordnung.

 

 

Herr Schmidt, was ist Ord­nung?

Ein Irren­haus vol­ler Chef­ärz­te.

 

Und wann ent­steht das Gefühl der sozia­len Unord­nung, die Sehn­sucht nach “mehr Ord­nung”, auch wenn dazu hart durch­ge­grif­fen wer­den muss?

Wenn die Chef­ärz­te mit­ein­an­der ins Gespräch kom­men.

 

Gab es schon ein­mal eine gesell­schaft­li­che Ord­nung, die den Men­schen so wenig Sinn (in per­sön­li­cher, exis­ten­zi­el­ler Hin­sicht) für ihr Leben gab, wie die heu­ti­ge?

Ja.

 

Heu­te wächst bei eini­gen Bevöl­ke­rungs­tei­len die Sehn­sucht nach einer auto­ri­tä­ren Ord­nung; nach einer Ord­nung, die man spürt. War­um fällt es die­sen Men­schen so schwer das Pro­blem „ver­nünf­ti­ger“ anzu­ge­hen und basie­rend ihrer berech­tig­ten Kri­tik am Sta­tus Quo neue rechts­staat­li­che Uto­pi­en auf­zu­zei­gen, für die es sich zu kämp­fen lohnt?

Weil die gan­zen Chef­ärz­te den Chef­arzt-Ses­sel für sich bean­spru­chen.

 

Was glau­ben Sie könn­te heu­te eher ein Aus­lö­ser für einen gesell­schaft­li­chen Wan­del sein: Poli­ti­sche, ver­nünf­ti­ge Beschlüs­se, oder über uns her­ein­bre­chen­de Kata­stro­phen? Oder gar etwas drit­tes?

Wenn die Irren ver­ste­hen, dass sie nur ein gemein­sa­mes Haus haben, in dem sie zusam­men­le­ben müs­sen.

 

_____________________________________________

Ulf Schmidt ist Thea­ter­au­tor und bloggt seit 2009 auf postdramatiker.de über „Arbeit und Medi­en, Gesell­schaft­li­ches, Poli­ti­sches, Post­dra­ma­ti­sches“.