Was macht das Leben einfacher? Antworten 1–13

42 Dinge, die das Leben einfacher machen

In der aktu­el­len Aus­ga­be zum The­ma EINFACH LEBEN haben wir uns die Fra­ge gestellt “Was macht das Leben ein­fa­cher?” Bei der Dis­kus­si­on die­ser Fra­ge ging es uns dar­um, Ant­wor­ten zu fin­den, die teils ganz prag­ma­tisch umge­setzt wer­den kön­nen und teils einen ganz neu­en Blick auf die Gesell­schaft ermög­li­chen und so Lust auf Zukunft machen.

Übri­gens, ange­sichts des “Kanz­ler­du­ells” und des “Fün­fer-Duells” in der unse­re Volks­ver­tre­ter sich einen Wett­streit der Ide­en, wie ein lebe­nes­werters Leben künf­tig aus­se­hen könn­te, lie­fer­ten (oder auch nicht), möch­ten wir noch ein paar Ide­en in die­sem Wett­streit sein­brin­gen. Ide­en, die das (Zusammen-)Leben ein­fa­cher und lebens­wer­ter machen.

Hier die ers­ten 13 Ant­wor­ten, die kei­nes­wegs nur auf unse­rem Mist gewach­sen sind. Ganz im Gegen­teil, so beru­fen wir uns unter ande­rem auf Fried­rich Nitz­sche, die Ver­ein­ten Natio­nen, zwei Stadt­ak­ti­vis­tin­nen und sogar auf das Bun­des­in­sti­tut für Bau-, Stadt- und Raum­for­schung (BBSR) im Bun­des­amt für Bau­we­sen und Raum­ord­nung (BBR). Lasst euch inspi­rie­ren!

 

1 — Die Zeitumstellung abschaffen

Nicht nur wer klei­ne Kin­der hat, deren Rhyth­mus zwei Mal im Jahr gestört wird, weiß, dass zwei Zei­ten das Leben unnö­tig kom­pli­ziert machen.

 

2 — Ansprüche senken

Wer sich zu viel nimmt, schmä­lert die Spiel­räu­me anders­wo und künf­tig leben­der Men­schen. Inso­weit dies auf die Mehr­heit der in moder­nen Kon­sum­ge­sell­schaf­ten leben­den Men­schen zutrifft und zugleich alle tech­no­lo­gisch basier­ten Ent­las­tungs­ver­su­che sys­te­ma­tisch schei­tern, ver­bleibt als ein­zi­ger Aus­weg, Ansprü­che zu sen­ken.“
Niko Paech, Post­wachs­tums­öko­nom, in agora42, 02/2013

 

3 — Weniger Fleisch produzieren

Weni­ger Nitrat im Grund­was­ser, weni­ger kli­ma­schäd­li­che Gase, weni­ger Tie­re, die lei­den müs­sen, mehr klei­ne­re und regio­na­le Betrie­be, mehr Kin­der, die wie­der Bau­er wer­den wol­len, weni­ger Fleisch­ex­por­te, die Märk­te in ande­ren Län­dern zer­stö­ren, weni­ger Mono­kul­tu­ren …

 

4 — Die Menschenrechte umsetzen

Am 10. Dezem­ber 1948 beschloss die Gene­ral­ver­samm­lung der Ver­ein­ten Natio­nen im Palais de Chail­lot in Paris die All­ge­mei­ne Erklä­rung der Men­schen­rech­te. Die­se Erklä­rung hat nichts an Aktua­li­tät ver­lo­ren und führt uns vor Augen, wie fort­schritt­lich man schon ein­mal war. Hät­te man sich in den letz­ten 70 Jah­ren an die 30 Arti­kel die­ser Erklä­rung gehal­ten, wie viel ein­fa­cher wäre unser Zusam­men­le­ben!
Ver­ein­te Natio­nen, Reso­lu­ti­on der Gene­ral­ver­samm­lung 217 A (III). All­ge­mei­ne Erklä­rung der Men­schen­rech­te

 

5 — Änderung des Wahlsystems

Die Stim­me eines unter Drei­ßig­jäh­ri­gen müss­te dop­pelt zäh­len, da die Jun­gen noch län­ger mit den poli­ti­schen Ent­schei­dun­gen leben müs­sen als die Älte­ren.“
Han­na Nol­ler, Stadt­ak­ti­vis­tin

 

6 — Günstiger Wohnraum

Die Prei­se für Wohn­raum explo­die­ren, weil er Spe­ku­la­ti­ons­gut ist. Wenn jemand Wohn­raum kaft, um damit Gewinn zu machen, kann ich ihn doch auch selbst kau­fen, den Gewinn abzie­hen und somit das Woh­nen bil­li­ger machen, oder? Und wie wäre es, wenn man die erwor­be­ne Immo­bi­lie in eine GmbH ein­bringt, der es per Sat­zung ver­bo­ten ist, sie wei­ter zu ver­äu­ßern? So könn­te man die­se Immo­bi­lie dem Markt ent­zie­hen und als Gemein­gut (Com­mons) dau­er­haft sichern. Das Miets­häu­ser Syn­di­kat ist eine sol­che Idee, die das Woh­nen in der Stadt ein­fa­cher macht.“
Mig­le Kund­rot, Stutt­gar­te­rin

 

7 — Freiräume schaffen

In unse­rem dich­ten gesell­schaft­li­chen Sys­tem – man den­ke nur an all die Ver­ord­nun­gen oder Kon­sum­zwän­ge – muss man Lücken im Stadt­raum fin­den, sicht­bar machen, ins Bewusst­sein rücken, den unge­nutz­ten Raum öff­nen und die­sen für Men­schen sowie deren Bedürf­nis­se zugäng­lich und gemein­sam nutz­bar machen. Lücken sind für uns Bau­lü­cken, Zeit­lü­cken, sozia­le Lücken, recht­li­che Lücken und Wis­sens­lü­cken. Die­se Stadt­lü­cken bie­ten uns poten­ti­el­le Angriffs­punk­te und Mög­lich­kei­ten, in einer ver­spe­ku­lier­ten Stadt den­noch Initia­ti­ve zu ergrei­fen. Wir sehen dar­in die Chan­ce, für gemein­sa­men Raum und für das Recht auf Stadt ein Bewusst­sein zu schaf­fen. Öffent­li­cher Frei­raum in einer Stadt bedeu­tet, dass man sich hier aus­tau­schen, ken­nen­ler­nen und unser Zusam­men­le­ben immer wie­der aus­han­deln kann. Pri­va­ter Raum bedeu­tet im Gegen­zug, dass der Aus­tausch an die ver­füg­ba­ren mone­tä­ren Res­sour­cen und den Zugang zu Netz­wer­ken gekop­pelt ist und nur das Geld unser Zusam­men­le­ben bestimmt.“
Stadt­lü­cken e. V.

 

8 — Stadt selbst gestalten

Die Frei­raum-Fibel soll all jenen eine Start­hil­fe sein, die sich aktiv in die Gestal­tung ihrer Stadt mit ein­brin­gen wol­len und Lust haben, ihren ganz eige­nen Frei­raum zu schaf­fen. Sie infor­miert über die recht­li­chen Bedin­gun­gen – von Geneh­mi­gungs­ver­fah­ren über Ver­trags­ge­stal­tung bis hin zu Haf­tungs­fra­gen – und gibt zahl­rei­che Tipps und Bei­spie­le zum Stadt­ma­chen. Außer­dem lie­fert sie gute Argu­men­te, um Sach­be­ar­bei­ter in den Behör­den, Grund­stücks­ei­gen­tü­mer und ande­re Ent­schei­dungs­trä­ger von einer Idee zu über­zeu­gen.“
Bun­des­in­sti­tut für Bau-, Stadt- und Raum­for­schung (BBSR) im Bun­des­amt für Bau­we­sen und Raum­ord­nung (BBR)

 

9 — Weniger nachdenken

Eine ein­fa­che Lebens­wei­se ist jetzt schwer: dazu tut viel mehr Nach­den­ken und Erfin­dungs­ga­be not, als selbst sehr geschei­te Leu­te haben. Der Ehr­lichs­te von ihnen wird viel­leicht noch sagen: ‚Ich habe nicht die Zeit, dar­über so lan­ge nach­zu­den­ken. Die ein­fa­che Lebens­wei­se ist für mich ein zu vor­neh­mes Ziel; ich will war­ten, bis Wei­se­re, als ich bin, sie gefun­den haben’.“
Fried­rich Nietz­sche, Mensch­li­ches, All­zu­mensch­li­ches II (1879)

 

10 — Änderung der Arbeitsbiografie

Ich habe die Idee, dass wir in Koin­zi­denz mit den ver­än­der­ten Lebens­läu­fen unse­re Arbeits­bio­gra­fi­en ver­än­dern. Dass wir zum Bei­spiel in der Rush­hour unse­res Lebens, so nennt das der Fami­li­en­for­scher Hans Bertram, zwi­schen 25 und unge­fähr 50, nur 70 Pro­zent arbei­ten und erst danach mehr arbei­ten. Ich selbst habe erst mit 56 eine Füh­rungs­auf­ga­be über­nom­men und fand das gar nicht schlimm. Im Gegen­teil, ich glau­be, dass ich in die­sem Alter dafür viel geeig­ne­ter war, als ich es mit 35 gewe­sen wäre, weil Lebens­er­fah­rung bei Füh­rungs­auf­ga­ben immer zählt.“
Gesi­ne Schwan, Poli­tik­wis­sen­schaft­le­rin, in agora42, 06/2009

 

11 — Insekten essen

Insects can con­tri­bu­te to food secu­ri­ty and be a part of the solu­ti­on to pro­te­in shor­ta­ges, given their high nut­ri­tio­nal value, low emis­si­ons of green­hou­se gases, low requi­re­ments for land and the high eff­ci­en­cy at which they can con­vert feed into food. The pro­duc­tion of insect bio­mass as feed­stock for ani­mals and fish can be com­bi­ned with the bio­de­gra­da­ti­on of manu­re and the com­pos­ting and saniti­zing of was­te.“
Food and Agri­cul­tu­re Orga­ni­za­ti­on of the United Nati­ons, Forestry Paper 171

 

12 — Kulturfleisch

Cul­tu­red meat could poten­ti­al­ly be pro­du­ced with up to 96 % lower green­hou­se gas emis­si­ons, 45 % less ener­gy, 99 % lower land use, and 96 % lower water use than con­ven­tio­nal meat.“
Han­na Tuo­mis­to of Oxford University’s Wild­life Con­ser­va­ti­on Rese­arch Unit

 

13 — Energie aus Abfall

Über­all fal­len orga­ni­sche Rest- und Abfall­stof­fe (Bio­müll, Spei­se­res­te, Klär­was­ser etc.) an, deren Ener­gie­po­ten­zi­al bis­lang so gut wie nicht genutzt wird. Die­ses unge­nutz­te Poten­zi­al bezif­fert das Bun­des­um­welt­mi­nis­te­ri­um auf cir­ca 40 Mil­li­ar­den kWh Strom. Zum Ver­gleich: Im Jahr 2012 erzeug­ten die deut­schen Atom­kraft­wer­ke ins­ge­samt 100 Mil­li­ar­den kWh Strom. Machen wir doch ein­fach aus Abfall Strom.“
Mar­tin Fal­ger, Geschäfts­füh­rer der wusoa GmbH

 

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Die aktu­el­le agora42 zum The­ma EINFACH LEBEN ver­schi­cken wir ver­sand­kos­ten­frei. Lesen Sie span­nen­de Bei­trä­ge u.a. von Robert Pfal­ler (“Das nack­te und das gute Leben”), Ulri­ke Gué­rot (“Euro­pa ein­fach machen – ein­fach Euro­pa machen”), Frank Ruda (“Ein­fach nicht ein­fach”) und Mads Pan­kow (“End­lich wei­ter­ma­chen – Wer kei­ne Uto­pi­en hat, dem bleibt nur die Zukunft.”)

Für den schma­len Geld­beu­tel bie­ten wir außer­dem das agora42-Pro­be­abo an: Spa­ren Sie 39% gegen­über dem Ein­zel­kauf und erhal­ten Sie die Aus­ga­be LEITBILDER gra­tis dazu.

wbernhardt