Was macht das Leben einfacher ? Antworten 14–24

42 Dinge, die das Leben einfacher machen

Die Fort­set­zung unse­rer Lis­te der 42 Ant­wor­ten auf die Fra­ge, was das Leben ein­fa­cher macht. Die kom­plet­te Lis­te fin­den Sie in der aktu­el­len Aus­ga­be EINFACH LEBEN auf den Sei­ten 40–49.

Hier die Ant­wor­ten 14 — 24 in denen es unter ande­ren um unser Ver­hält­nis zum Müll, ein sozia­les Pflicht­jahr, eine sinn­vol­le Regu­lie­rung der Finanz­märk­te, das rich­ti­ge Gehalt und das Musi­zie­ren geht.

So viel­fäl­tig die The­men sind, so unter­schied­lich sind auch die zitier­ten Per­so­nen. Neben einem Brett­spiel­ent­wick­ler kom­men Richard David Precht, der ehe­ma­li­ge Haupt­ge­schäfts­füh­rer des BDI Mar­kus Ker­ber, ein Vor­stand der Bank of Eng­land, Mar­tin Hei­deg­ger und die Nobel­preis­trä­ger Dani­el Kah­ne­man und Angus Dea­ton zu Wort.

14 — Neues Verhältnis zum Müll

1. Müll über­dau­ert – auch den Men­schen in sei­ner phy­si­schen Exis­tenz. Als das, was sei­ne phy­si­sche Exis­tenz über­dau­ern soll­te, hat­te der Mensch schon früh sei­ne See­le gedacht. Die­se ver­langt von ihm, mit sich ins Rei­ne zu kom­men. Das wie­der­um, so lehrt der Müll, lässt sich nicht durch den Ver­such der Aus­mer­zung des Unrei­nen bewerk­stel­li­gen; nicht dadurch, dass der Mensch sich rei­nigt, indem er die Erde ver­un­rei­nigt und sein Geschäft auf Kos­ten der Zukunft macht – die sei­ne Nach­welt ist. Der Mensch muss ler­nen, mit sei­nem Müll zu leben.
2. Um die Macht der Müll-Mate­rie zu bre­chen, mobi­li­siert der Mensch die Tech­nik; sie aber unter­liegt dem Ver­la­ge­rungs­ge­setz und lässt die Macht des Mülls sich in stets neu­em Gewand ent­fal­ten. Ler­nen, dem Müll kei­ne Macht zu geben, hie­ße, an den Din­gen vor ihrer Müll­wer­dung anzu­set­zen, das heißt, bevor sie dem Ver­la­ge­rungs­ge­setz unter­ste­hen. Was nötig wäre, ist eine men­ta­le Wen­de. Befrei­te sich der Mensch von sei­ner Beses­sen­heit von den Din­gen, so lie­ße auch der Müll von ihm ab und wüch­se nicht mehr über ihn hin­aus. Im 21. Jahr­hun­dert steht der Mensch vor einer über­mensch­li­chen Her­aus­for­de­rung: die Din­ge sein zu lassen.“
Chris­ti­an Unver­zagt, Phi­lo­soph, in agora42, 03/2014

15 — Zufall anerkennen

Wir den­ken ger­ne in den Kate­go­ri­en von Ursa­che und Wir­kung. Wer es zu nichts gebracht hat, gilt als faul oder unfä­hig. Doch soll­ten wir uns ein­ge­ste­hen, dass die Wir­ren des Lebens oft mehr den Wer­de­gang bestim­men als Vor­aus­sicht und Pla­nung. Wer den Zufall aner­kennt, stärkt damit auch die Bereit­schaft, den vom Glück weni­ger Begüns­tig­ten unter die Arme zu grei­fen, anstatt sie sozi­al auszugrenzen.“
Marr­cel-And­ré Casa­so­la Merk­le, Brett­spiel­ent­wick­ler, in agora42, 04/2012

16 — Soziales Pflichtjahr

Richard David Precht spricht sich für ein sozia­les Pflicht­jahr für jun­ge Men­schen im Alter von 19/20 Jah­ren sowie eines für Men­schen im Ren­ten­ein­tritts­al­ter aus: „Der Sinn bei­der Pflicht­jah­re besteht in der Erfah­rung von ‚Selbst­wirk­sam­keit’. Wer in eine ande­re Lebens­welt hin­ein­riecht und einen sozia­len Bei­trag über den eige­nen Tel­ler­rand hin­aus leis­tet, erlebt das bestä­ti­gen­de Gefühl der Nütz­lich­keit. Er lernt Neu­es ken­nen und bringt sich selbst in die­sen neu­en Kon­text ein. Auf die­se Wei­se kann es, im kan­ti­schen Sin­ne, zu sinn­stif­ten­den Erfah­run­gen kom­men. Wie vie­le Zivil­dienst­leis­ten­de, die ihren Bei­trag nie frei­wil­lig geleis­tet hät­ten und wahr­schein­lich noch nicht ein­mal auf die Idee gekom­men wären, ihn zu leis­ten, waren im Nach­hin­ein dann der Ansicht, dass sie eine sinn­vol­le Zeit ver­bracht und wert­vol­le Erfah­run­gen gemacht haben? Das Glei­che dürf­te für Rent­ner und Pen­sio­nä­re gel­ten, die die wert­vol­le Erfah­rung machen kön­nen, ihr Wis­sen wei­ter­zu­ge­ben und gebraucht zu wer­den – obwohl sie dies frei­wil­lig oft nicht tun wür­den, sei es aus Bequem­lich­keit, Ver­drän­gung oder einer Unsi­cher­heit, für was sie sich ent­schei­den sol­len und wie so etwas anzu­stel­len sei.“
Richard David Precht, Phi­lo­soph, in agora42, 02/2012

17 — Von anderen Kulturen lernen

Auch wenn wir Deut­schen bei­spiels­wei­se wei­ter­hin in höhe­rem Maße unse­re Steu­ern zah­len, könn­te uns die All­tags­ge­las­sen­heit von Ita­lie­nern, Spa­ni­ern oder Grie­chen in unse­rer zuwei­len über­stei­ger­ten Pro­zess­ge­sell­schaft doch etwas Ent­span­nung ver­mit­teln, oder? Und ande­rer­seits haben wir es kom­plett ver­säumt zu fra­gen, ob nicht deut­sche Poli­ti­ker mit ihrer Recht­streue und Inte­gri­tät ein wich­ti­ges Vor­bild für die Men­schen im Süden wären, die sich so etwas schon lan­ge wün­schen, es aber in ihrer poli­ti­schen Klas­se zu wenig fin­den. Von­ein­an­der zu ler­nen, das muss das Leit­mo­tiv sein.“
Mar­kus Ker­ber, ehe­ma­li­ger Haupt­ge­schäfts­füh­rer des BDI, in agora42, 03/2016

18 — Regulierung der Finanzmärkte | a

Modern finan­ce is com­plex, perhaps too com­plex. Regu­la­ti­on of modern finan­ce is com­plex, almost cer­tain­ly too com­plex. That con­fi­gu­ra­ti­on spells trou­ble. As you do not fight fire with fire, you do not fight com­ple­xi­ty with com­ple­xi­ty. Becau­se com­ple­xi­ty gene­ra­tes uncer­tain­ty, not risk, it requi­res a regu­la­to­ry respon­se groun­ded in sim­pli­ci­ty, not complexity.“
Andrew G. Hal­dane, Vor­stand der Bank of Eng­land in The dog and the frisbee

19 — Regulierung der Finanzmärkte | b

Die Bank- und Finanz­an­ge­bo­te, die unmit­tel­bar der Real­wirt­schaft die­nen, sind, wo mög­lich, zu dere­gu­lie­ren, die­je­ni­gen, die mit­tel­bar der Real­wirt­schaft die­nen, zu regu­lie­ren und zu kon­trol­lie­ren sowie die­je­ni­gen, die nicht der Real­wirt­schaft die­nen, zu verbieten.“
Tho­mas Jor­berg, Vor­stands­spre­cher der GLS Bank, in agora42, 02/2011

20 — Regulierung der Finanzmärkte | c

Wenn die Finanz­bla­se nicht plat­zen soll, muss ver­hin­dert wer­den, dass sie sich wei­ter auf­pumpt. Eine Finanz­trans­ak­ti­ons­steu­er könn­te dabei hel­fen (…). Aller­dings könn­te eine Finanz­trans­ak­ti­ons­steu­er allein noch nicht ver­hin­dern, dass sich Spe­ku­la­ti­ons­bla­sen bil­den (…). Daher sind zwei wei­te­re Maß­nah­men nötig: Das Eigen­ka­pi­tal der Ban­ken und Schat­ten­ban­ken muss deut­lich stei­gen, so dass sie Ver­lus­te selbst tra­gen kön­nen. Zudem müs­sen alle Deri­va­te über Bör­sen lau­fen – und kom­ple­xe Finanz­pro­duk­te ver­bo­ten wer­den, wenn ihr volks­wirt­schaft­li­cher Sinn nicht erkenn­bar ist.“
Ulri­ke Herr­mann, Wirt­schafts­jour­na­lis­tin und Publi­zis­tin, Der Sieg des Kapi­tals (Piper Ver­lag, 2015)

21 — Das richtige Gehalt | a

In einer Stu­die fan­den die Öko­no­men Dani­el Kah­ne­man und Angus Dea­ton her­aus, dass das Wohl­be­fin­den (emo­tio­nal well- being) bis zu einem jähr­li­chen Gehalt von cir­ca $75.000 steigt. Dar­über hin­aus hat ein stei­gen­des Gehalt kei­nen Ein­fluss auf das Wohlbefinden.
High inco­me impro­ves eva­lua­ti­on of life but not emo­tio­nal well-being in PNAS vol. 107 no. 38 (2010)

22 — Das richtige Gehalt | b

Im April 2015 gab der Geschäfts­füh­rer von Gra­vi­ty Payments, Dan Pri­ce, bekannt, dass er, inspi­riert durch die Stu­die von Kah­ne­man und Dea­ton, all sei­nen Ange­stell­ten einen Min­dest­lohn von $70.000 (der Durch­schnitts­lohn lag vor­her bei $48.000) bezah­len wird – ein Betrag, den man braucht, um ein „nor­mal life“ füh­ren zu kön­nen. Er selbst redu­zier­te sein Gehalt von über $1 Mil­li­on auf den­sel­ben Betrag.
https://gravitypayments.com/ thegravityof70k/

23 — Gelassenheit und Offenheit

Wir kön­nen zwar die tech­ni­schen Gerä­te benut­zen und doch zugleich bei aller sach­ge­rech­ten Benüt­zung uns von ihnen so frei­hal­ten, daß wir sie jeder­zeit los­las­sen. (…) Wir kön­nen ‚ja’ sagen zur unum­gäng­li­chen Benüt­zung der tech­ni­schen Gegen­stän­de, und wir kön­nen zugleich ‚nein’ sagen, inso­fern wir ihnen ver­weh­ren, daß sie uns aus­schließ­lich bean­spru­chen und so unser Wesen ver­bie­gen, ver­wir­ren und zuletzt ver­öden. (…) Unser Ver­hält­nis zur tech­ni­schen Welt wird auf eine wun­der­sa­me Wei­se ein­fach und ruhig. (…) Ich möch­te die­se Hal­tung des gleich­zei­ti­gen Ja und Nein zur tech­ni­schen Welt mit einem alten Wort nen­nen: die Gelas­sen­heit zu den Din­gen. Die Gelas­sen­heit zu den Din­gen und die Offen­heit für das Geheim­nis gehö­ren zusam­men. (…) Die Gelas­sen­heit zu den Din­gen und die Offen­heit für das Geheim­nis geben uns den Aus­blick auf eine neue Bodenständigkeit.“
Mar­tin Hei­deg­ger, Gelas­sen­heit (Klett- Cot­ta Verlag)

24 — Musik machen

Musik macht die Welt ein­fa­cher: Ein schlech­ter Mor­gen, gereiz­te Stim­mung, Ber­ge voll Arbeit und kran­ke Kin­der im Haus – wer da ein Lied anstimmt, kann sei­ne Sou­ve­rä­ni­tät zurückgewinnen. Rhyth­mus gibt Struk­tur und Melo­di­en lei­ten die Gefüh­le. Wer Musik macht, ist ein­fach selbstbestimmt.

 

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Die aktu­el­le agora42 zum The­ma EINFACH LEBEN ver­schi­cken wir ver­sand­kos­ten­frei. Lesen Sie span­nen­de Bei­trä­ge u.a. von Robert Pfal­ler (“Das nack­te und das gute Leben”), Ulri­ke Gué­rot (“Euro­pa ein­fach machen – ein­fach Euro­pa machen”), Frank Ruda (“Ein­fach nicht ein­fach”) und Mads Pan­kow (“End­lich wei­ter­ma­chen – Wer kei­ne Uto­pi­en hat, dem bleibt nur die Zukunft.”)

Für den schma­len Geld­beu­tel bie­ten wir außer­dem das agora42-Pro­be­abo an: Spa­ren Sie 39% gegen­über dem Ein­zel­kauf und erhal­ten Sie die Aus­ga­be LEITBILDER gra­tis dazu.

wbernhardt