Was macht das Leben einfacher ? Antworten 34–42

42 Dinge, die das Leben einfacher machen

Die Fort­set­zung unse­rer Lis­te der 42 Ant­wor­ten auf die Fra­ge, was das Leben ein­fa­cher macht (Teil 1, Teil 2 und Teil 3 fin­den Sie hier). Die kom­plet­te Lis­te fin­den Sie in der aktu­el­len Aus­ga­be EINFACH LEBEN auf den Sei­ten 40–49.

In die­sem letz­ten Teil der Lis­te wird es prak­tisch. So prä­sen­tie­ren wir ein Kon­zept, das – ein­mal reak­ti­viert – sämt­li­che Com­pli­an­ce-Kata­lo­ge über­flüs­sig machen wür­de. Und auch wenn wir nicht viel von Com­pli­an­ce hal­ten, so wider­spre­chen wir doch ent­schie­den den “any­thing-goes” der Post­mo­der­ne. Was wir brau­chen sind kla­re und ver­bind­li­che Gren­zen bzw. Ver­bo­te (ein paar Vor­schlä­ge haben wir parat) von Din­gen und Ver­hal­tens­wei­sen, die offen­sicht­lich schlecht für das All­ge­mein­wohl sind. Fer­ner bie­ten wir all jenen, die in Zei­ten des Nied­rig­zin­ses nicht wis­sen wohin mit ihrem Geld, die ulti­ma­ti­ve Lösung, befas­sen uns mit Woll­klei­dung, dem Öffent­lich­keits­prin­zip der Schwe­den und über­las­sen das letz­te Wort einem Zen-Meister.

Viel Freu­de bei der Lektüre!

34. Anstand.

Ganz ein­fach: Nicht alles, was expli­zit ver­bo­ten ist, ist des­halb erlaubt. Man­che Sachen tut man ein­fach nicht. Und wenn eine Gesell­schaft so weit ist, dass die­se eigent­lich selbst­ver­ständ­li­chen Regeln des Zusam­men­le­bens nicht mehr selbst­ver­ständ­lich sind, dann hel­fen auch noch so vie­le Geset­ze, Ver­ord­nun­gen oder Com­pli­an­ce-Maß­nah­men nicht wei­ter, die alles nur kom­pli­zier­ter, aber nicht bes­ser machen.

35. Mich mit anderen verbinden.

Das schafft Wohl­fühl-Momen­te für mich und macht mein Leben ein­fa­cher: stim­mi­ger, weil es zu gemein­sam getra­ge­nen Lösun­gen kommt, leich­ter, weil ich kei­nen Wider­stand leis­te, erfüll­ter, weil ich mich nicht allei­ne füh­le. Lei­der geht es in unse­rer Leis­tungs­ge­sell­schaft eher um Unter­schie­de als um Gemein­sam­kei­ten und eher um Abgren­zung als um Ver­bin­dung. Es lohnt sich, unse­ren Hand­lungs­spiel­raum zu erwei­tern und zu schau­en, was einem mit ‚sich mal ganz aktiv ver­bin­den’ begeg­nen kann. Mich hat es sehr ver­wun­dert, wie sehr ich mich mit den ande­ren Per­so­nen nach nur einem Tag des gemein­sa­men Medi­tie­rens – also nur sit­zen, nichts reden, kei­ne Bli­cke tau­schen – ver­bun­den gefühlt habe.“ Clau­dia Trä­ger, Bera­te­rin und Yogalehrerin

 

36. Grenzen ziehen (1)

Viel­leicht wäre es anstatt eines gene­rel­len Bau­ver­bots sinn­vol­ler, das Ver­bot zu ertei­len, über einen gewis­sen (Stadt-)Radius hin­aus zu bau­en. So wür­de man ver­hin­dern, dass die Land­schaft immer mehr zer­sie­delt wird. Gleich­zei­tig wür­de es wie­der attrak­ti­ver wer­den, bestehen­de Gebäu­de umzu­bau­en bezie­hungs­wei­se neu zu nut­zen. Als bei­spiels­wei­se Bar­ce­lo­na noch von einer Stadt­mau­er umge­ben war, wur­de das vor­han­de­ne Are­al extrem effek­tiv genutzt. Dies wie­der­um hat den Vor­teil, dass Men­schen ins Gespräch kom­men und mehr Syn­er­gi­en ent­ste­hen.“ Chris­toph Muth, Stadt­pla­ner, in agora42, 02/2013

 

37. Grenzen ziehen (2).

War­um nicht ein paar Ver­bo­te, wenn’s all­zu wild wird? Macht man doch sonst auch: Din­ge, die offen­sicht­lich schlecht sind, wer­den ein­fach ver­bo­ten. Das hat nichts mit der Beschnei­dung von bür­ger­li­chen Frei­hei­ten zu tun, son­dern die­se „Frei­hei­ten“ füh­ren dazu, dass für kom­men­de Gene­ra­tio­nen alles am Arsch ist. Bei­spiels­wei­se soll­te end­lich kon­se­quent gegen die CO2-Schleu­dern schlecht­hin vor­ge­gan­gen wer­den. Sprich: Nicht mehr als einen Pri­vat­flug pro Jahr soll­te erlaubt sein. Und bei die­ser Gele­gen­heit: Waf­fen­ex­por­te und Kreuz­fahr­ten gehen prin­zi­pi­ell auch nicht.

 

38. Opulente Verschwendung.

Macht Geld das Leben ein­fach? Nicht unbe­dingt. Bir­ger Prid­dat for­mu­liert die Fra­ge anders: Wozu reich sein? Dabei unter­schei­det er zwi­schen armem und rei­chem Reich­tum. Armer Reich­tum, gleich­sam die klein­bür­ger­li­che Vari­an­te des Reich­tums, macht das Leben nicht ein­fa­cher. Die­ser „Reich­tum“ besteht dar­in, bloß in Luxus zu schwel­gen. Rei­cher Reich­tum hin­ge­gen bedeu­tet bei­spiels­wei­se, gro­ße Ereig­nis­se, Bau­wer­ke, Muse­en, Kunst, avant­gar­dis­ti­sche Tech­no­lo­gi­en etc. üppig zu finan­zie­ren. Dadurch wird nicht nur die Gesell­schaft reich am kul­tu­rel­len Luxus, son­dern der Reich­tum macht auch das Leben des Rei­chen sinn­vol­ler, weil er über sein eige­nes Leben hin­aus­weist. Bir­ger Prid­dat, Öko­nom und Phi­lo­soph, in agora42, 02/2013

 

39. Wollkleidung.

Weni­ger waschen, weni­ger hei­zen, tem­pe­ra­tur­aus­glei­chend, wärmt auch in nas­sem Zustand.

 

40. Einheitliche Steuern in der EU.

Zumin­dest Deutsch­land und Frank­reich haben inzwi­schen erkannt, dass ein­heit­li­che Steu­ern in einem ein­heit­li­chen Wäh­rungs- und Wirt­schafts­raum sinn­voll sind. Und wenn man schon dabei ist, die Unter­neh­mens­steu­ern zu ver­ein­heit­li­chen, dann könn­te man auch die Sozi­al­ab­ga­ben und Arbeit­neh­mer­rech­te har­mo­ni­sie­ren, sodass die Unter­neh­men die ein­zel­nen Staa­ten und die Arbeit­neh­mer der ein­zel­nen Län­der nicht mehr gegen­ein­an­der aus­spie­len können.

 

41. Öffentlichkeitsprinzip.

Ein ein­fa­ches Prin­zip, das „Offent­li­ghe­ts­princi­pen“ (Öffent­lich­keits­prin­zip), gibt den Schwe­den das Recht, in alle Akten und Doku­men­te, die in Behör­den und Ämtern lagern, Ein­sicht zu neh­men. Dabei ist es den Behör­den unter­sagt, Nach­for­schun­gen über den anfra­gen­den Bür­ger anzu­stel­len oder nach Grün­den für die Ein­sicht­nah­me zu fra­gen. Die­ses Recht wird von vie­len Schwe­den als unab­ding­bar für eine Demo­kra­tie angesehen.

 

42. Die Wirklichkeit als Vorstellung begreifen.

Am ein­fachs­ten wird das Leben, wenn man auf­hört dar­an zu glau­ben, dass es kom­pli­ziert ist. Ist das zu ein­fach gedacht? Nein, es bedarf einer lan­gen Übung bis man bemerkt, dass das Den­ken an der Ent­ste­hung von dem, was wir Wirk­lich­keit nen­nen, ent­schei­dend betei­ligt ist. Und was ist der Mit­tel­punkt der Wirk­lich­keit? Ant­wort: unser Ich. Unser Ich ist näm­lich das unmit­tel­bars­te Ergeb­nis des Den­kens, wenn die­ses schein­bar nur damit beschäf­tigt ist, die ver­meint­lich objek­ti­ve Wirk­lich­keit wie­der­zu­ge­ben. Also noch­mals: Was macht das Leben ein­fach? Ein trai­nier­tes Bewusst­sein, das in der Lage ist zu erken­nen, dass die Wirk­lich­keit und wir mit ihr, eine wun­der­bar kom­pli­zier­te Schöp­fung des men­ta­len Bewusst­seins ist. Und wenn die­ses Bewusst­sein mal zur Ruhe kommt, was dann? Dann erscheint die Wirk­lich­keit als das, was sie auch immer schon ist: Das eine, unmit­tel­ba­re, ein­fa­che und stil­le Sosein, von dem das Den­ken mit den Fuß­no­ten eige­ner Krea­tio­nen unent­wegt ablenkt. Alex­an­der Por­aj, Zen-Meister

 

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Die aktu­el­le agora42 zum The­ma EINFACH LEBEN ver­schi­cken wir ver­sand­kos­ten­frei. Lesen Sie span­nen­de Bei­trä­ge u.a. von Robert Pfal­ler (“Das nack­te und das gute Leben”), Ulri­ke Gué­rot (“Euro­pa ein­fach machen – ein­fach Euro­pa machen”), Frank Ruda (“Ein­fach nicht ein­fach”) und Mads Pan­kow (“End­lich wei­ter­ma­chen – Wer kei­ne Uto­pi­en hat, dem bleibt nur die Zukunft.”)

Für den schma­len Geld­beu­tel bie­ten wir außer­dem das agora42-Pro­be­abo an: Spa­ren Sie 39% gegen­über dem Ein­zel­kauf und erhal­ten Sie die Aus­ga­be LEITBILDER gra­tis dazu.

wbernhardt