agora42 – Das philosophische Wirtschaftsmagazin

Die aktuelle Ausgabe

Das Krisenbewusstsein wächst: Wirtschaftswachstum? Unverantwortlich! Folgenlose Bedürfnisbefriedigung? Undenkbar! Der Markt wird es schon regeln? Naiv! Aber warum regen sich so wenige über die Verhältnisse auf? Wo sind die neuen Ideen für eine Gesellschaft, die sich grundlegend verändert?

Sie liegen bereits hinter uns – haben aber nichts an Aktualität eingebüßt. Der Blick zurück eröffnet Wege nach vorn, die undenkbar scheinen, weil sie bereits gedacht wurden.

Vom Oasenmenschen zum Wüstenvagabunden

Ein Essay von Tanja Will

Leben Sie noch in der Oase oder schon in der Wüste? Das ist gar nicht so einfach zu sagen, da angesichts des gesellschaftlichen Sinndefizits immer weniger Raum für ein erquickliches Oasenleben bleibt. Eine „blutige, tiefe Wunde“ öffnet sich zusehends zwischen den weniger werdenden „Oasenmenschen“, die sich ein gesundes und sinnvolles Weiterleben leisten können, und den vielen „Wüstenmenschen“, die mit ihrer Perspektivlosigkeit allein gelassen sind, meint Frithjof Bergmann. Also, warum regen sich so wenige über die Verhältnisse auf ? Ich meine so richtig, wild und wütend, laut und kraftvoll? Aus Angst vor der ruhigen Stimme des Psychiaters, der einem die Zurechnungsfähigkeit abspricht und damit jede Souveränität nimmt? weiterlesen

Der Verlust der Lust

Warum der Neoliberalismus den Sex zerstört. Ein Essay.

Die Börse, das Zentrum des Kapitalismus ist eine Welt puren Adrenalins, schrillender Telefone und prasselnden Geldregens. Erfolg macht bekanntlich sexy. Auf euphorische Börsentage folgen oft ebenso exzessive Nächte. Drogen, Sex, und Karriere treten einen gemeinsamen rasanten Höhenflug an. Nur blöd, dass ein Normalsterblicher derartige Zustände kaum länger als fünf Jahre aushält. Dann hat es sich ausgerauscht. Nein, wirtschaftlicher Erfolg hat mit prickelnder Erotik nichts zu tun, auch wenn er die sexuelle Lust vorübergehend stimuliert. Tatsächlich betreibt er Raubbau an sexuellen Ressourcen … weiterlesen

Warum ändern wir uns nicht, wo doch die Katastrophe auf der Hand liegt?

Interview mit Richard David Precht

Precht: „Das ‚zweite Maschinenzeitalter‘, in dem mehr und mehr Prozesse durch intelligente Maschinen ersetzt werden, wird langfristig zur Auflösung der bürgerlichen Gesellschaft führen, wie wir sie seit der Ersten Industriellen Revolution kennen. Diese Auflösungserscheinungen sind bereits vielfach spürbar, innen- und außenpolitisch. Für das Zweite Maschinenzeitalter brauchen wir eine neue Gesellschaft, die den durch Maschinen erwirtschafteten Wohlstand besser verteilt, neue Teilhabemöglichkeiten schafft und Sinnstiftung von Lohnarbeit entkoppelt.“ weiterlesen

„Der Druck muss viel stärker werden“

Jakob von Uexküll im Interview

„Vieles muss noch schneller wachsen, zum Beispiel die erneuerbaren Energien auf allen Gebieten. Aber Wachstum auf Kosten unserer Lebensgrundlagen geht nicht mehr. Der Druck muss viel stärker werden, zum Beispiel durch Proteste der Jugend, wie wir es jetzt in mit den Klima-Schulstreiks erleben. Die Folgen des Klimawandels werden sonst bald so katastrophal, dass unsere Gesellschaften zusammenbrechen werden. Wieviel Profit und Einfluss gibt es auf einem unbewohnbaren Planeten?“ weiterlesen

Die Politik – maßgebend oder maßlos?

Ein Essay von Wolfram Bernhardt

Die Politik hat sich in den letzten Jahren mehr und mehr als Instanz verabschiedet hat, die das richtige Maß zwischen Profitstreben und Gemeinwohl, zwischen Umweltschutz und Ausbeutung der natürlichen Ressourcen vorgibt. Woran liegt das? Sicherlich auch daran, dass in Vergessenheit geraten ist, dass sich Demokratie nur halten kann, „wenn sie nicht direkt vom ökonomischen Wohlstand abhängt“ (Gesine Schwan) … weiterlesen

„Im Herzen bin ich Anarchist“

Reinhold Messner im Interview

„Dramatisch ist, dass wir dabei sind, den in der Bibel postulierten Anspruch „Macht euch die Erde untertan“ in radikalster Form umzusetzen. Auch wenn der Spruch ganz anders gemeint war, drückt er doch die Haltung aus, die unserem System zugrunde liegt: Wir machen uns die Erde untertan, und zwar ohne Rücksicht auf Verluste. Es ist schwierig, aus der Wachstumsspirale herauszukommen. Die Frage aber ist: Was mache ich besser? Ich investiere nicht in abstrakte Finanzprodukte, verantworte beispielsweise drei Bauernhöfe in den Bergen, die allesamt kaputt waren. Diese Bauernhöfe, die sehr hoch liegen, waren in einer globalisierten Welt schlichtweg nicht mehr rentabel …“ weiterlesen