agora42 – Das philosophische Wirtschaftsmagazin

Die aktuelle Ausgabe

Das Krisenbewusstsein wächst: Wirtschaftswachstum? Unverantwortlich! Folgenlose Bedürfnisbefriedigung? Undenkbar! Der Markt wird es schon regeln? Naiv! Aber warum regen sich so wenige über die Verhältnisse auf? Wo sind die neuen Ideen für eine Gesellschaft, die sich grundlegend verändert?

Sie liegen bereits hinter uns – haben aber nichts an Aktualität eingebüßt. Der Blick zurück eröffnet Wege nach vorn, die undenkbar scheinen, weil sie bereits gedacht wurden.

Warum ändern wir uns nicht, wo doch die Katastrophe auf der Hand liegt?

Interview mit Richard David Precht

Das „zweite Maschinenzeitalter“, in dem mehr und mehr Prozesse durch intelligente Maschinen ersetzt werden, wird langfristig zur Auflösung der bürgerlichen Gesellschaft führen, wie wir sie seit der Ersten Industriellen Revolution kennen. Diese Auflösungserscheinungen sind bereits vielfach spürbar, innen- und außenpolitisch. Für das Zweite Maschinenzeitalter brauchen wir eine neue Gesellschaft, die den durch Maschinen erwirtschafteten Wohlstand besser verteilt, neue Teilhabemöglichkeiten schafft und Sinnstiftung von Lohnarbeit entkoppelt. weiterlesen

Der Verlust der Lust

Warum der Neoliberalismus den Sex zerstört. Ein Essay.

Die Börse, das Zentrum des Kapitalismus ist eine Welt puren Adrenalins, schrillender Telefone und prasselnden Geldregens. Erfolg macht bekanntlich sexy. Auf euphorische Börsentage folgen oft ebenso exzessive Nächte. Drogen, Sex, und Karriere treten einen gemeinsamen rasanten Höhenflug an. Nur blöd, dass ein Normalsterblicher derartige Zustände kaum länger als fünf Jahre aushält. Dann hat sich ausgerauscht. Nein, wirtschaftliche Erfolg hat mit prickelnder Erotik nichts zu tun, auch wenn er die sexuelle Lust vorübergehend stimuliert. Tatsächlich betreibt er Raubbau an sexuellen Ressourcen … weiterlesen

Die Politik – maßgebend oder maßlos?

Ein Essay von Wolfram Bernhardt

Die Politik hat sich in den letzten Jahren mehr und mehr als Instanz verabschiedet hat, die das richtige Maß zwischen Profitstreben und Gemeinwohl, zwischen Umweltschutz und Ausbeutung der natürlichen Ressourcen vorgibt. Woran liegt das? Sicherlich auch daran, dass in Vergessenheit geraten ist, dass sich Demokratie nur halten kann, „wenn sie nicht direkt vom ökonomischen Wohlstand abhängt“ (Gesine Schwan) … weiterlesen

„Es wächst das Bewusstsein einer multiplen Krise“

Walter Otto Ötsch im Interview

„Alle großen Systeme weisen strukturelle Bruchstellen auf und werden zunehmend in Frage gestellt: das Wirtschaftssystem spätestens seit der „Großen Krise“ ab 2008, die Parteiendemokratie spätestens seit dem Wahlsieg von Donald Trump 2016 oder der Sozialstaat spätestens seit der in Europa akzeptierten Austeritätspolitik ab 2010. Im Hintergrund steht die Angst vor einer ökologischen Katastrophe. Das führt in der Allgemeinheit zu einem latenten Gefühl von Ohnmacht und einer Angst vor der Zukunft, vor allem aber vor der Zukunft der eigenen Kinder.“ weiterlesen

„Im Herzen bin ich Anarchist“

Reinhold Messner im Interview

„Dramatisch ist, dass wir dabei sind, den in der Bibel postulierten Anspruch „Macht euch die Erde untertan“ in radikalster Form umzusetzen. Auch wenn der Spruch ganz anders gemeint war, drückt er doch die Haltung aus, die unserem System zugrunde liegt: Wir machen uns die Erde untertan, und zwar ohne Rücksicht auf Verluste. Es ist schwierig, aus der Wachstumsspirale herauszukommen. Die Frage aber ist: Was mache ich besser? Ich investiere nicht in abstrakte Finanzprodukte, verantworte beispielsweise drei Bauernhöfe in den Bergen, die allesamt kaputt waren. Diese Bauernhöfe, die sehr hoch liegen, waren in einer globalisierten Welt schlichtweg nicht mehr rentabel …“ weiterlesen

„Die Zukunft ist offen“

Leserbrief von Peter Münch

Ganz gleich wieviel man verändert oder repariert, es geht etwas zu Ende und wir spüren, oft wider Willen, den schwankenden Boden unter unseren Füßen. Entsprechend gibt es jede Menge Literatur die beschreibt wo überall das Bestehende wegbricht und wie katastrophal alles enden könnte. Nicht das ich nicht glaube, dass es tatsächlich katastrophal enden könnte, aber die Zukunft ist offen und nicht festgelegt und niemand weiß was kommen wird. Mir ist es ein Anliegen mit einer Portion Hoffnung an diese Umbrüche heranzugehen und dieser Hoffnung Stimme und Sprache zu geben. Ihre Zeitschrift ist da eine angenehme und wohltuende Stimme im Chor der Vielen, die lediglich Szenarien des Zerbruchs zelebrieren … weiterlesen