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Die Wirtschaft – unendliches Wachstum? Ein Essay von Frank Augustin

Die Wirtschaft – unendliches Wachstum?

Text: Frank Augustin

Wir schreiben das Jahr 2018. Seit zehn Jahren wird das Raumschiff Erde von einer Krise heimgesucht; eine Krise, die als Banken- und Finanzkrise begonnen hatte und sich dann von der Ökonomie auf Ökologie, Soziales und Politik übertragen hat. Lebenswichtige Systeme drohen auszufallen. Doch die Crew setzt weiterhin auf Wirtschaftswachstum.
Erscheint Ihnen dies nicht auch sonderbar und sogar verantwortungslos? Sind die negativen Auswirkungen des Wirtschaftswachstums nicht unübersehbar? Nicht nur, dass dadurch die Umwelt ruiniert und für Klimachaos gesorgt wird, sondern es entzieht sich auch – dynamisch, wie es eben ist – letztlich jedem Versuch, es gesellschaftlichen Belangen unterzuordnen (also beispielsweise für eine gerechtere Verteilung zu sorgen etc.). Die Wirtschaft – unendliches Wachstum? Ein Essay von Frank Augustin weiterlesen

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„Gott, Welt, Seele – und Kapitalismus“ von Birger P. Priddat

Gott, Welt, Seele – und Kapitalismus

von Birger P. Priddat

Mit der Aufklärung ist die Ökonomie von einer „beseelten“ zur seelenlosen geworden. Die in der alten, christlichen Welt vorherrschende Spiritualität, also die Vorstellung einer geistigen Verbindung zu einer höheren, göttlichen Ordnung, löste sich auf. Die Hoffnung, im Himmel entschädigt zu werden für ein mehr oder weniger armseliges Leben, wurde eingetauscht für die Option, im Leben selbst Erlösung zu erreichen: Unbegrenztes Wachstum und eine stetige Steigerung des Lebensstandards sollten das Paradies aus dem Himmel auf die Erde holen. Nun aber ist auch dieser Glaube verloren gegangen …
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Philosophie sorgt für Orientierung und macht deshalb handlungsfähig

Philosophie sorgt für Orientierung und macht deshalb handlungsfähig

von Frank Augustin

 

Vernunft und Gefühl, sind das die beiden Pole menschlicher Existenz? Und wenn ja, ist es dann so, dass nun, nach einigen mehr oder minder vernünftigen Jahrzehnten, das Pendel Richtung Unvernunft, Richtung Dominanz des Emotionalen ausschlägt? Dass eine Zeit begonnen hat, die durch Politiker wie Donald Trump, durch immer riskantere Geschäfte in der Wirtschaft sowie durch einen egoistischen und hedonistischen Lebensstil gekennzeichnet ist? Das hängt – und jetzt wird’s philosophisch – davon ab, inwieweit man bereit ist, die sogenannte Normalität infrage zu stellen. Philosophie sorgt für Orientierung und macht deshalb handlungsfähig weiterlesen

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EDITORIAL der Ausgabe 1/2019

EDITORIAL der neuen agora42 1/2019 Gesellschaftlicher Wandel

Alles ändert sich – und doch hält man am Vergangenen fest. Nichts ist daher dringlicher als offene Gespräche darüber, wie der gesellschaftliche Wandel gestaltet werden soll.

Hopp, hopp, hopp, drängelt schon der Nächste: weitergehen! Schau nicht zurück, blicke nach vorn! Nur was, wenn da vorn das Ende einer Sackgasse zu sehen ist? Und von hinten die anderen drängeln? Die Krise ist das Gefühl, dass es nicht mehr vor und nicht zurück geht –hektisch wird versucht, wenigstens den Status quo zu erhalten, es sich im Hier und Jetzt so gut wie möglich einzurichten. Dabei steigt das Durchschnittsalter der Topmanager und der Autokäufer, während die Nachzucht funktionierender Wirtschaftsvorstände und pflichtbewusster Konsumenten ins Stocken gerät. Die Menschen, die ihren kostspieligen Status quo überhaupt noch halten können, werden immer weniger – und älter. Verkrampft klammern sie sich an die schmale Jetzt-Scholle, die im offenen Meer der Möglichkeiten treibt, und hoffen, dass sie nicht allzu schnell schmilzt. Für die nachfolgenden Generationen ist jedoch klar: Dieses Jetzt stirbt. Bald wird alles anders sein. EDITORIAL der Ausgabe 1/2019 weiterlesen

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Wo liegt das Problem? Auf den Spuren der Krise

Wo liegt das Problem? Auf den Spuren der Krise …

„Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen, die sich über die Dinge ziehn“, dichtete einst Rainer Maria Rilke und beschreibt damit treffend, was 2007 in den USA begann und sich dann ausweitete – von der Subprime-Krise zur Finanzkrise zur Wirtschaftskrise zur Eurokrise zur Demokratiekrise zur Was-weiß-ich-Krise. Diese Große Krise oder Multiple Krise hat sich inzwischen überall etabliert und präsentiert sich nun abwechselnd in verschiedenen Gestalten: So hatte sie beispielsweise als Eurokrise zwei bemerkenswerte Auftritte, zunächst, als ein möglicher EU-Austritt Italiens debattiert wurde, und dann, als ein unkontrollierter Austritt Großbritanniens aus der EU wahrscheinlich wurde; sie erschien als Demokratiekrise, als eine deutsche Regierung nicht gebildet werden konnte und verschiedene Populisten und populistischen Parteien ihre Macht innerhalb und außerhalb Europas ausweiteten; sie zog als Finanzkrise bedrohlich über den Märkten auf, als von völlig überteuerten Immobilien in deutschen Großstädten und dem Schuldenstand der OECD-Staaten die Rede war, oder lässt als Klima- und Umweltkrise immer mehr Menschen brutal spüren, dass ein Weiter-so auf dem Wachstumskurs irgendwo zwischen durchgeknallter Utopie und kollektivem Suizid anzusiedeln ist. Wo liegt das Problem? Auf den Spuren der Krise weiterlesen

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Warum ändern wir uns nicht? – Über Realismus, Verzweiflung und Veränderung

Warum ändern wir uns nicht?

Über Realismus, Verzweiflung und Veränderung

Jeder weiß, dass vieles falsch läuft und geändert werden müsste. Also: Warum ändern wir uns nicht? Alternative Ideen und Modelle sind zu Hauf vorhanden, Pilotprojekte zeigen bereits Wege aus der Wachstumsfalle, niemand glaubt mehr an Glück und Zufriedenheit durch Wohlstand – und doch bleibt das Gefühl eines gierigen Systems, dass sich ungebremst und wissentlich gegen die Wand fährt. Warum ändern wir uns nicht? – Über Realismus, Verzweiflung und Veränderung weiterlesen

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Wir brauchen eine neue Kultur der Mäßigung – Interview mit Thomas Vogel

„Wir brauchen eine neue Kultur der Mäßigung“

Interview mit Thomas Vogel

Herr Vogel, in Ihrem neuen Buch mit dem Titel Mäßigung beschreiben Sie, wie Glück und Zufriedenheit mit der Fähigkeit zusammenhängen, sich zu beschränken. Ist die Mäßigung der entscheidende Schritt zur Befreiung von alltäglichen Zwängen und „alternativlosen“ Wirtschaftsweisen?

Thomas Vogel
Thomas Vogel ist Professor für Erziehungswissenschaft mit den Schwerpunkten Schul- und Berufspädagogik an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg. Foto: Daniel George

Die über 2000 Jahre alte Philosophiegeschichte von Mäßigung verweist auf einen engen Zusammenhang zwischen der Bestimmung eines rechten Maßes und einem harmonischen, glücklichen und autonomen Leben. Die alltäglichen Zwänge, denen wir unterworfen sind, sind das Ergebnis der Ausbreitung eines neoliberalen Wirtschaftssystems. Die Menschen werden hierbei von einer „anonymen“ Macht beherrscht, die permanent ihre Bedürfnisse manipuliert, sie zum Streben nach dem „Immer-mehr“antreibt  und weite Teile ihres Lebens steuert. Wir brauchen eine neue Kultur der Mäßigung – Interview mit Thomas Vogel weiterlesen

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Das Pathos der Freiheit – Von Robert Misik

Das Pathos der Freiheit

von Robert Misik

Wissen wir überhaupt noch, was das ist oder sein könnte: die Freiheit einer selbstbewussten Bürgerschaft, die mit Ernst und entschieden ihre eigenen Dinge in die Hand nimmt?

Freiheit, das ist ein Wort, das sofort einen pathetischen Beiklang gewinnt. Das Freiheitsstreben der Menschen ist vielleicht die mächtigste Kraft der Geschichte. Wenn Bürger in gemeinsam genützter Freiheit ein Gemeinwesen aufbauten, sind das die erhabensten Momente gewesen. „Der Sinn von Politik ist Freiheit“, formulierte Hannah Arendt autoritativ. Das Pathos der Freiheit – Von Robert Misik weiterlesen

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SAMARITA – Solidargemeinschaft im Gesundheitswesen

Samarita – Solidargemeinschaft im Gesundheitswesen

Wenn man krank ist, geht man zum Arzt. Ist man – wie etwa 72 Millionen Deutsche – gesetzlich versichert, zückt man die Versichertenkarte und lässt sich behandeln. Soweit so gut. Doch oft müssen gesetzlich Versicherte wochenlang auf einen Termin warten. Für Ärzte ist es profitabler, bevorzugt Privatpatienten – rund neun Millionen Deutsche – zu behandeln. Seit den 1990er Jahren ist außerdem der Anteil privater Krankenhäuser, die einen Profit erwirtschaften müssen, rapide angestiegen. SAMARITA – Solidargemeinschaft im Gesundheitswesen weiterlesen

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Editorial der Ausgabe BEFREIUNG

Editorial der Ausgabe BEFREIUNG

Befreiung – ein schönes Wort. Doch seien wir realistisch: Zunächst bedeutet es Entzug; den Entzug von der Normalität.

Frank Augustin
Frank Augustin ist Mitgründer und Magazinmacher der agora42.

Denn niemandem dürfte entgangen sein, dass die Normalität verrückt geworden ist: Da stellt der kollektive Suizid für die meisten Menschen eine Horrorvorstellung dar, und doch sorgen sie systematisch und nachhaltig für die Zerstörung ihrer Lebensgrundlagen. Da will man die Lebensqualität erhalten oder gar erhöhen und verursacht doch immer mehr Stress und Hektik, weil das Leben bloß an quantitativen Maßstäben ausgerichtet wird. Da gibt man sich aufgeklärt und vernünftig und tut doch alles, um den Wachstumsgott nicht zu erzürnen. Editorial der Ausgabe BEFREIUNG weiterlesen