Vertrauen ist ein Entschluss – Interview mit Nina Schmid

Vertrauen ist ein Entschluss

Inter­view mit Nina Schmid

© Kath­rin Borer “Don’t sell me fear”, 2016

Anlässlich der neuen agora42 WA(H)RE ANGST haben wir ausgewählten Personen zum Thema ein paar Fragen gestellt. Hier die Antworten von Nina Schmid. Sie spricht über Ängst, die lange ignoriert wurden, über den Willen zur Veränderung und darüber, dass Vertrauen in das Leben nicht von alleine kommt  …

 

Frau Schmid, auf den ers­ten Blick scheint in Deutsch­land alles in Ord­nung zu sein: die Wirt­schaft boomt, die Arbeits­lo­sig­keit ist auf einem his­to­ri­schen Tiefst­stand und die deut­sche Natio­nal­mann­schaft stellt einen neu­en Rekord auf. Den­noch macht sich ein Gefühl der Ori­en­tie­rungs- und Sinn­lo­sig­keit breit, das in Wahl­er­fol­gen der Afd oder stei­gen­den Burn-out Zah­len zum Aus­druck kommt. Wie passt das eine mit dem ande­ren zusam­men?

Nina Schmid, 1974 in Mün­chen gebo­ren, stu­dier­te in Paris und Graz Archi­tek­tur und arbei­te­te anschlie­ßend für unter­schied­li­che Archi­tek­tur­bü­ros sowie als selbst­stän­di­ge Archi­tek­tin. Seit 2015 wid­met sie sich der von ihr mit­ge­grün­de­ten Online Platt­form Street Phi­lo­so­phy. In 2017 ist ihr Buch „the ana­gram of god is dog — Die sie­ben Geheim­nis­se für ein wahr­haf­tig gutes Leben“ auf Deutsch erschie­nen. Sie ist allein­er­zie­hend mit zwei Töch­tern und einem Hund.

Ich glau­be, dass es ein Zei­chen unse­rer Zeit ist, dass Fra­gen nicht mehr so ein­fach zu beant­wor­ten sind. Zumin­dest fällt mir das zuneh­mend schwer. Die The­men schei­nen — egal in wel­chem Bereich — kom­ple­xer und für den Ein­zel­nen unüber­sicht­li­cher zu wer­den. Auch bei der von Ihnen gestell­ten Fra­ge ist das der Fall. Es wäre fast ver­mes­sen, dar­auf eine Ant­wort zu wis­sen.
Das, was ich mich trau­en wür­de zu sagen, ist, dass Din­ge nicht mehr ein­fach so gede­ckelt wer­den kön­nen — etwas das jah­re­lang sehr gut funk­tio­niert hat. Die heu­ti­gen Zei­ten las­sen das nicht mehr zu. Alles tritt zuta­ge. Auch die Schmer­zen und Ängs­te so vie­ler Men­schen (von Grup­pen wie von Indi­vi­du­en) die lan­ge weg­ge­drückt wur­den, kom­men nun zum Vor­schein, ent­we­der durch laut­star­ken Pro­test, Frust und Ärger oder eben durch gesund­heit­li­che Aus­wir­kun­gen.
Dadrin liegt gro­ßes Poten­zi­al, gera­de weil wir in einem so pri­vi­le­gier­ten Teil der Welt leben. Doch gera­de da bedarf es jetzt einen star­ken Wil­len zur Ver­än­de­rung und viel Offen­heit, um wirk­lich alles anzu­schau­en was noch im Argen ist.

 

Die Pro­ble­me, mit denen wir uns kon­fron­tiert sehen – bspw. Erd­er­wär­mung, außer Kon­trol­le gera­te­ne Finanz­märk­te und Geheim­diens­te, Lob­by­is­mus und zuneh­men­de Ungleich­heit –, schei­nen über­mäch­tig. Den­noch ver­mit­teln Sie den Ein­druck, dass Sie die Hoff­nung noch nicht auf­ge­ge­ben haben. Woher neh­men Sie die Kraft zu hof­fen?

Ich bin glück­li­cher­wei­se geseg­net mit einem star­ken Ver­trau­en. Ver­trau­en in das Leben selbst. Die­ses Ver­trau­en wur­de vor ein paar Jah­ren bis aufs Mark erschüt­tert und ich wuss­te nicht mehr, ob und wie ich wei­ter­ma­chen soll­te. Letzt­end­lich ist es dann ein Ent­schluss. Ein Ent­schluss ver­trau­en zu wol­len, die Hoff­nung nie, wirk­lich nie­mals auf­zu­ge­ben, immer mit dem Bewusst­sein zu leben, wie unend­lich gut es uns geht und, dass wir letzt­end­lich eine Ver­pflich­tung haben — wir, die wir in einem Teil der Welt leben, der so unend­lich vie­le Mög­lich­kei­ten bie­tet — jeden Tag unser Bes­tes zu geben.

 

In der Aus­ga­be WA(H)RE ANGST schreibt Tho­mas Gut­knecht „Sich recht ängs­ti­gen zu ler­nen, ist eine rei­fe Leis­tung.“ Wür­den Sie dem zustim­men?

Wir wer­den in Deutsch­land schon in so vie­len Berei­chen von der Angst beherrscht. Das ist das, was uns als Nati­on viel­leicht am hin­der­lichs­ten ist. Ich gebe der Angst daher nicht so ger­ne zu viel „Büh­nen­zeit“. Wenn Tho­mas Gut­knecht mit sei­ner Aus­sa­ge meint, dass es eine rei­fe Leis­tung ist, zu wis­sen, wann es rich­tig ist, sich zu ängs­ti­gen und wann nicht, dann stim­me ich ihm zu.

 

Wovor soll­te man Angst haben?

In unse­rem Teil der Welt gibt es für die meis­ten Men­schen über­haupt gar kei­nen Grund mehr Angst zu haben. Wenn man sich stär­ker mit sei­nen Gefüh­len aus­ein­an­der­setzt, merkt man, wie irre­al die aller­meis­ten unse­rer Ängs­te sind. Sie brin­gen uns heut­zu­ta­ge nichts mehr. Sie dür­fen uns an der einen oder ande­ren Stel­le wach­hal­ten und dafür sor­gen, dass wir acht­sam sind. Dafür sind sie ein her­vor­ra­gen­des Hilfs­mit­tel. Aber eben nicht für mehr als das. Sodass wir getrost bestim­men kön­nen, unse­re Ängs­te abzu­le­gen — und anzu­fan­gen mehr zu ver­trau­en, bzw. sich selbst aktiv dafür zu enga­gie­ren die Din­ge täg­lich posi­tiv zu beein­flus­sen und zu gestal­ten.

Franz Kafka – Experte für die dunklen Gefühle

Franz Kafka

Experte für die dunklen Gefühle

von Peter-André Alt

kafka

Wir alle leben in sei­ner Welt. „Kaf­ka­esk“ hat man sie genannt, mit einem zuerst im Eng­li­schen auf­tau­chen­den Attri­but, das zum Syn­onym für Angst, Unheim­lich­keit, Bedro­hung, Unüber­sicht­lich­keit gewor­den ist. Auch 93 Jah­re nach sei­nem Tod spricht Franz Kaf­ka mit sei­nen unaus­deut­ba­ren Tex­ten immer wie­der neue Gene­ra­tio­nen von Lesern an. Zahl­rei­che Auto­ren lie­ßen sich von sei­nen The­men und Moti­ven beein­flus­sen: Albert Camus und Jose Luis Bor­ges eben­so wie Vla­di­mir Nabo­kov, Phil­ipp Roth, Paul Aus­ter und Tho­mas Pyn­chon, John M. Coe­t­zee und Manu­el Var­gas Llosa, Peter Weiss und Sibyl­le Lewit­schar­off, Joy­ce Carol Oates und Jona­than Fran­zen – um nur eini­ge zu nen­nen. In merk­wür­di­gem Wider­spruch zu sei­ner glo­ba­len lite­ra­ri­schen Wir­kung steht Kaf­kas Lebens­ent­wurf als Autor. Nahe­zu sein gesam­tes, knapp 41 Jah­re wäh­ren­des Leben führ­te er im inne­ren Bezirk Prags, inmit­ten einer kul­tu­rell viel­fäl­ti­gen, aber topo­gra­fisch über­schau­ba­ren Stadt. Nur sel­ten reis­te er – nach Ita­li­en, Frank­reich, Ungarn. Er hei­ra­te­te nie, grün­de­te kei­ne Fami­lie, hat­te kei­ne Kin­der. Er hin­ter­ließ kei­nen irdi­schen Besitz, son­dern nur die „unge­heu­re Welt“, die er, wie er sag­te, „im Kop­fe“ hat­te. Gestalt gewor­den ist sie in Tex­ten, von denen zahl­rei­che – dar­un­ter die drei Roma­ne – nur Frag­ment blie­ben: unab­schließ­ba­re Bruch­stü­cke von Geschich­ten, die wie Träu­me erzählt zu sein schei­nen.

 

Der ein­sa­me Autor

Kaf­ka, der in der Lite­ra­tur zu uner­hör­ten Höhen­flü­gen fähig sein konn­te, sah sich als Geschei­ter­ten. Der stu­dier­te Jurist war 15 Jah­re lang bis zu sei­ner krank­heits­be­ding­ten Pen­sio­nie­rung in der Pra­ger Unfall-Ver­si­che­rungs­an­stalt beschäf­tigt, ohne jemals Arbeits­zeit und lite­ra­ri­sche Pro­jek­te erfolg­reich in Ein­klang brin­gen zu kön­nen. Er wohn­te bis weit über das 30. Lebens­jahr bei sei­nen Eltern, obwohl er sei­nen Vater als furcht­ba­ren Tyran­nen wahr­nahm, der sei­nen eige­nen Bedürf­nis­sen und Wün­schen kei­ner­lei Ver­ständ­nis ent­ge­gen­brach­te. Die Frau­en lieb­ten ihn, der attrak­tiv und char­mant, klug und iro­nisch, zart­füh­lend und ele­gant war, aber er ver­moch­te es nie, zu einer von ihnen eine dau­er­haf­te Bezie­hung auf­zu­bau­en. Drei­mal ver­lob­te er sich – dar­un­ter zwei­mal mit der­sel­ben Frau, der Ber­li­ne­rin Feli­ce Bau­er –, doch stets floh er vor den Erwar­tun­gen, die die Ehe ihm abver­langt hät­te. Lite­ra­risch tätig sein konn­te Kaf­ka nur in unbe­ding­ter Ein­sam­keit. Was ihm als Autor gelang, das war den Erfor­der­nis­sen des All­tags abge­trotzt. Zu schrei­ben ver­moch­te er ein­zig in der Nacht, wenn alle schlie­fen und kein Geräusch an sein emp­find­li­ches Ohr drang. Dann erwach­ten die Kräf­te der Fan­ta­sie in ihm, und jene Bil­der, die ihn in Träu­men und Halb­schlaf­zu­stän­den stän­dig ver­folg­ten, wur­den Lite­ra­tur.

Kaf­ka gilt zu Recht als Meis­ter einer unwirk­lich anmu­ten­den Erzähl­wei­se. Zu ihren Bestand­tei­len gehö­ren Sze­nen des Schre­ckens und der Angst, die aus Alp­träu­men zu stam­men schei­nen. Ihre Beson­der­heit besteht dar­in, dass sie mit höchst rea­lis­ti­schen Mit­teln ent­wor­fen und beschrie­ben wer­den. Der Schrift­stel­ler Kaf­ka ist weder Manie­rist noch Sur­rea­list, son­dern ein genau­er Beob­ach­ter, der die exak­te Logik des Traums abbil­det. Sie macht in spe­zi­fi­scher Wei­se aus, dass noch das Irr­wit­zigs­te und Ver­rück­tes­te wie ein Moment der Nor­ma­li­tät wirkt. Vom Traum über­nimmt Kaf­kas Erzäh­len nicht nur die Glaub­wür­dig­keit und Sach­lich­keit, in der das Irra­tio­na­le erscheint; an den Traum erin­nert auch, dass selbst fan­tas­ti­sche Ereig­nis­se in sei­nen Tex­ten nie­mals kom­men­tiert, geschwei­ge denn erklärt und gedeu­tet wer­den.

 

Der Dich­ter der Angst

Angst ist ein Leit­mo­tiv in Kaf­kas Erzähl­welt, aber auch ein kon­sti­tu­ti­ves Ele­ment sei­ner psy­chi­schen Bio­gra­fie. Das exis­ten­zi­el­le Grund­ge­fühl der Furcht durch­zieht bereits die frü­hen Jah­re. „Ich war ein ängst­li­ches Kind“, schreibt der 36-Jäh­ri­ge im Novem­ber 1919. Zur Quel­le sei­ner Angst wird der Vater Her­mann Kaf­ka, den der Her­an­wach­sen­de als bedroh­li­chen Dik­ta­tor wahr­nimmt. Er, der Sohn eines Fleisch­hau­ers, hat­te sich nach ent­beh­rungs­rei­cher Jugend empor­ge­ar­bei­tet zum erfolg­rei­chen Galan­te­rie­wa­ren-Händ­ler, ange­se­he­nen Stadt­bür­ger und stol­zen Patri­ar­chen. Die frü­he Prä­gung durch den mate­ri­el­len Man­gel wirk­te fort in einer res­sen­ti­ment­ge­la­de­nen, selbst­ge­fäl­li­gen Über­le­gen­heits­at­ti­tü­de, die den Vater zum unduld­sa­men Tyran­nen wer­den ließ. „In Dei­nem Lehn­stuhl regier­test Du die Welt“, so cha­rak­te­ri­siert ihn 1919 der Sohn. Die drei jün­ge­ren Schwes­tern kön­nen Franz im Kon­flikt der Gene­ra­tio­nen nicht hel­fen, und sehr früh ent­schei­det er sich, vor der ver­meint­li­chen Stär­ke des Vaters zu kapi­tu­lie­ren. Sei­ne Unter­wer­fung äußert sich dar­in, dass er alles mei­det, was eine Nach­ah­mung des pa­triarchalischen Rol­len­ent­wurfs bedeu­tet hät­te. Bis zum 36. Lebens­jahr wohnt Kaf­ka bei den Eltern, auch nach Jura­stu­di­um und Pro­mo­ti­on, als längst ver­be­am­te­ter Ver­si­che­rungs­ex­per­te in aus­kömm­li­cher Stel­lung und spär­lich publi­zie­ren­der Autor kur­zer Pro­sa­stü­cke. Sämt­li­che Ehe­pro­jek­te schei­tern, ein bür­ger­li­cher Haus­stand wird nicht gegrün­det. Der Sohn bleibt Sohn und arbei­tet sich am Vater ab. Noch als 36-Jäh­ri­ger schreibt er einen hun­dert Sei­ten umfas­sen­den Brief an Her­mann Kaf­ka, eine Mischung aus Selbst­be­zich­ti­gung und Ankla­ge, schwin­gend um ein ein­zi­ges gro­ßes Zen­trum: die Angst. Was bleibt, sind die Fluch­ten in die Ima­gi­na­ti­on, aus denen sei­ne unver­wech­sel­ba­ren Geschich­ten her­vor­ge­hen. Geschich­ten über die Angst vor frem­den Instan­zen einer undurch­sich­ti­gen Gerichts­bar­keit, vor anony­men Ver­wal­tungs­ap­pa­ra­ten, vor den Ver­lo­ckun­gen des Triebs.

Angst, so erkennt Kaf­ka früh, hat mit der Erfah­rung von Ohn­macht zu tun.

Wahre Angst

Die­ses Por­trait ist in agora42 WA(H)RE ANGST erschie­nen. Peter-André Alt ist Pro­fes­sor für Neue­re deut­sche Lite­ra­tur­wis­sen­schaft an der Frei­en Uni­ver­si­tät Ber­lin, die er seit 2010 als Prä­si­dent lei­tet. Zum The­ma von ihm erschie­nen: Franz Kaf­ka. Der ewi­ge Sohn. Eine Bio­gra­phie (Ver­lag C. H. Beck, 2005).

Angst, so erkennt Kaf­ka früh, hat mit der Erfah­rung von Ohn­macht zu tun. Das ist die Quint­essenz sei­ner Bezie­hung zum Vater, die durch Auto­ri­täts­an­ma­ßung und Unter­wer­fung gekenn­zeich­net ist. Die Rol­le des Vaters als Lehn­ses­sel-Tyrann trägt pro­to­ty­pi­schen Cha­rak­ter, denn aus ihr lei­ten sich alle wei­te­ren Ord­nun­gen der Macht her. Die Macht muss nicht objek­tiv begrün­det sein, viel­mehr genügt es, wenn nur einer sie aner­kennt. Die Macht des Vaters, der eigent­lich ein Schein­rie­se ist, ent­steht durch die Sub­or­di­na­ti­on des Soh­nes. Ähn­lich ver­hält es sich mit poli­ti­schen und sozia­len Sys­te­men, in denen Hier­ar­chi­en kei­nes­wegs auf objek­ti­ver Auto­ri­tät beru­hen. Genau die­ses Phä­no­men wird Kaf­ka in sei­nen Roma­nen – vor allem im Pro­cess – in sug­ges­ti­ven Bil­dern zum Aus­druck brin­gen. Dass das, was Angst aus­löst, bei nähe­rer Betrach­tung lächer­lich und unwür­dig, banal und ordi­när sein kann, gehört zu den irri­tie­rends­ten Sei­ten der Roman­höl­len, die Kaf­ka uns hin­ter­las­sen hat.

Eine wei­te­re Quel­le der Angst, neben der Erfah­rung väter­li­cher Macht, bil­det für den Her­an­wach­sen­den die Sexua­li­tät. Den auf­kei­men­den Trieb emp­fin­det Kaf­ka als bedroh­lich, weil er das Den­ken beherrscht und in sei­ner Dyna­mik nicht kon­trol­liert wer­den kann. Über die Erfah­rung der ers­ten Lie­bes­nacht mit einer Ver­käu­fe­rin, die den jun­gen, sehr attrak­ti­ven Stu­den­ten offen­siv ange­flir­tet hat­te, berich­tet er 17 Jah­re spä­ter in einem Brief an Mile­na Pollak, sie habe für ihn Glück und Schmutz zugleich bedeu­tet. Der Trieb aber steht nicht still, er regt sich immer wie­der, und gera­de das macht ihn unheim­lich und unver­ständ­lich. Ganz ohne detail­lier­te Kennt­nis der Freud­schen Psy­cho­ana­ly­se, die exakt die­se uner­schöpf­li­che Ener­gie der Libi­do her­vor­hebt, beschreibt Kaf­ka den Trieb als einen bedroh­li­chen Her­ren, der uns wie ein unbe­herrsch­ba­res Pferd in unbe­kann­te Gefil­de davon­tra­gen kann. Als „Angst“ und „Sehn­sucht“ bezeich­net er in sei­nem Brief an Mile­na Pollak die bei­den bestim­men­den Impul­se, die ihn mit der sexu­el­len Erfah­rung ver­bin­den. Das Gefühl des Schmut­zi­gen wird ihn nie los­las­sen, und es ist kein Zufall, dass der Lie­bes­akt in sei­nen Roma­nen an unsau­be­ren Orten – in unrei­nen Bet­ten, zwi­schen alten, stau­bi­gen Büro­re­qui­si­ten, in Bier­pfüt­zen – statt­zu­fin­den pflegt. Die Sehn­sucht aber ist nicht zu unter­drü­cken, sie bleibt wach und mel­det sich immer wie­der in unge­bro­che­ner Stär­ke zurück. Kaf­kas irr­lich­tern­de Erzäh­lung Ein Land­arzt wird genau davon han­deln: in Bil­dern, die aus den Dun­kel­kam­mern unse­rer Schreck­träu­me stam­men, schil­dert sie, wie ein Arzt in unbe­haus­ter, win­ter­li­cher Gegend zu einem fer­nen Pati­en­ten geru­fen und durch einen unheim­li­chen Stall­knecht mit einem groß­räd­ri­gen Wagen und zwei wil­den Pfer­den aus­ge­stat­tet wird, die ihn wie im Flug zu sei­nem Ziel tra­gen. Den Kran­ken, den er dort vor­fin­det, kann er jedoch nicht hei­len, denn er trägt eine töd­li­che Sei­ten­wun­de, an der er zugrun­de gehen muss. Die ent­täusch­ten Ver­wand­ten legen den macht­lo­sen Arzt ins Bett zum Pati­en­ten: Er scheint selbst ein Kran­ker, der ohne Rat und Wis­sen ist. Der Trieb des Men­schen, der durch die frem­den Pfer­de ver­kör­pert wird, führt uns zur Erkennt­nis unse­rer Ohn­macht, zur Ein­sicht in unser Unglück. Dass auch der Arzt nur ein ande­rer Kran­ker ist, gehört im übri­gen zu den wich­tigs­ten Befun­den der Psy­cho­ana­ly­se, deren Pro­gram­ma­tik Kaf­ka mit einer Mischung aus Respekt und Ver­är­ge­rung zur Kennt­nis nahm: Respekt, weil ihre Trieb­leh­re sich mit sei­nen eige­nen Beob­ach­tun­gen sexu­el­ler Kon­di­tio­nie­rung deck­ten; Ver­är­ge­rung, weil er ihren The­ra­pie­an­spruch für einen fal­schen Ansatz hielt, der die viel umfas­sen­de­re exis­ten­zi­el­le Krank­heit des Men­schen, sei­ne Unbe­haust­heit und Ich-Enfrem­dung nicht hei­len konn­te.

Eine drit­te Quel­le der Angst, die Kaf­kas Geschich­ten speist, ist die per­ma­nen­te Selbst­be­ob­ach­tung. Wer sich unauf­hör­lich obser­viert und sei­ne inne­ren Regun­gen über­wacht, der gerät in einen Kreis­lauf der Angst, aus dem er sich nicht mehr befrei­en kann. Das hat­te schon Sören Kier­ke­gaard, der Psy­cho­lo­ge unter den Phi­lo­so­phen des Nach­i­dea­lis­mus, aus­drück­lich betont – Kaf­ka las sei­ne Tex­te mit Bewun­de­rung, weil er ihre lite­ra­ri­schen Qua­li­tä­ten beson­ders schätz­te. Zur Selbst­er­kennt­nis, so for­mu­liert er im Win­ter 1917/18, ist jeder Mensch auf­ge­ru­fen. Aber die Umset­zung die­ses Auf­trags darf nicht zur Selbst­be­ob­ach­tung gera­ten, die der Welt des Bösen ange­hört. Die Schlan­ge des Para­die­ses ver­lockt die ers­ten Men­schen bekannt­lich zu einem Akt der Gehor­sams­ver­wei­ge­rung gegen­über Gott, der zum Ver­lust der Unschuld und zur gestei­ger­ten Selbst­wahr­neh­mung führt. Die Scham nach dem Sün­den­fall ist das ers­te Resul­tat einer Selbst­spal­tung, die nicht mehr geheilt wer­den kann. Und die Selbst­be­ob­ach­tung des ver­un­si­cher­ten Men­schen mün­det dem­nach auch nicht in die The­ra­pie des gro­ßen Ris­ses, der unse­re sinn­li­che von der geis­ti­gen Erfah­rungs­welt trennt. Sie erzeugt viel­mehr tie­fe Lebens­un­fä­hig­keit, die per­ma­nen­te Angst vor dem eige­nen Ich, sei­nen unbe­wuss­ten und sei­nen bewuss­ten Sei­ten. Was Kaf­ka im Win­ter 1917/18, erst­mals kon­fron­tiert mit der Dia­gno­se sei­ner sie­ben Jah­re spä­ter töd­lich enden­den Tuber­ku­lo­se-Erkran­kung, in der win­ter­li­chen Ein­sam­keit des Dor­fes Zürau fern von Prag nie­der­schreibt, ist eine Phi­lo­so­phie der Angst, die aus dem Sün­den­fall abge­lei­tet wird. Es gehört zu den Eigen­tüm­lich­kei­ten die­ser Phi­lo­so­phie, dass der jüdi­sche Autor, der erst in sei­nen letz­ten Jah­ren einen Zugang zum Glau­ben der Vor­vä­ter fand, das Zen­trum sei­ner Angst-Leh­re über die Aus­ein­an­der­set­zung mit christ­lich-bibli­schen The­men ent­wi­ckelt.

Hier, an der Schwel­le zum Tod, fin­det Kaf­kas Den­ken zu sei­ner letz­ten, mutigs­ten Kon­se­quenz.

Die Lun­gen-Erkran­kung, die im Spät­som­mer 1917 dia­gnos­ti­ziert wird, macht Kaf­ka auf fast para­do­xe Wei­se frei. Er lässt sich vom Dienst beur­lau­ben, zieht zu sei­ner jüngs­ten Schwes­ter Ott­la aufs Land, löst sich von sei­ner Ver­lob­ten Feli­ce Bau­er und arbei­tet an einer Serie von apho­ris­ti­schen Lebens­be­trach­tun­gen. Hier, an der Schwel­le zum Tod, fin­det Kaf­kas Den­ken zu sei­ner letz­ten, mutigs­ten Kon­se­quenz. Sel­ten wur­den die Grund­la­gen unse­rer see­li­schen Erfah­rung, die Erfor­der­nis­se der Moral und die Wider­sprü­che mensch­li­chen Frei­heits­an­spruchs schär­fer und kom­pro­miss­lo­ser dar­ge­stellt als in den Zürau­er Apho­ris­men. Die intel­lek­tu­el­le Här­te, mit der Kaf­kas Refle­xio­nen ope­rie­ren, resul­tiert aus dem Grund­ge­fühl, nichts mehr ver­lie­ren zu kön­nen. „Der Geist wird erst frei, wenn er auf­hört Halt zu sein“, heißt es dies­be­züg­lich. Max Brod, der Pra­ger Freund seit gemein­sa­men Stu­di­en­ta­gen, hat schon 1937 dar­an erin­nert, dass Kaf­ka im All­tag zu äußerst muti­gen Ent­schei­dun­gen fähig war, beim Rudern und Rad­fah­ren sport­li­che Risi­ken such­te und Lust an der Gefahr zeig­te. In dem Moment, da die Krank­heit ihn mit der End­lich­keit sei­nes Lebens kon­fron­tiert, fal­len die letz­ten Bar­rie­ren. Kaf­kas Den­ken ent­fernt sich nun von allen gesell­schaft­li­chen Wert­vor­stel­lun­gen, es schwingt um eine letz­te Gren­ze, wo alle Unter­schei­dun­gen zwi­schen Moral und Unmo­ral, zwi­schen Wahr­heit und Lüge kol­la­bie­ren: „Von einem gewis­sen Punkt gibt es kei­ne Rück­kehr mehr. Die­ser Punkt ist zu errei­chen.“

 

Räu­me und Alp­träu­me

Kaf­kas Tex­te fas­zi­nie­ren ihre Leser, weil sie mit einem eben­so ein­fa­chen wie kom­ple­xen Kunst­griff arbei­ten – sie über­tra­gen Phä­no­me­ne der see­li­schen Welt auf sozia­le oder poli­ti­sche Sys­te­me. Am Leit­mo­tiv der Angst lässt sich die­ses Ver­fah­ren sinn­fäl­lig zei­gen. In sei­nen 1912 ent­stan­de­nen Erzäh­lun­gen Das Urteil und Die Ver­wand­lung hat Kaf­ka Fan­ta­si­en von Schuld und Stra­fe ent­fal­tet, die ihren unver­gess­li­chen Aus­druck in den bild­mäch­ti­gen Dar­stel­lun­gen zwi­schen­mensch­li­cher Bezie­hun­gen fin­den. In den frü­hen Tex­ten ist die Fami­lie der Ort, wo Selbst­ver­ges­sen­heit und Ver­drän­gung, Ego­zen­trik und Angst des Men­schen sicht­bar wer­den. Die Fami­lie fun­giert, in Über­ein­stim­mung mit Kaf­kas eige­nen Erfah­run­gen, als sozia­ler Raum, in dem Macht und Ohn­macht glei­cher­ma­ßen her­vor­tre­ten. Stets ist es der Vater, der die Rol­le des häus­li­chen Tyranns im wört­li­chen Sinn ver­sieht. Er gerät zur Stra­finstanz, die über den Sohn urteilt und ihn ver­nich­tet. Nicht der Sohn also schal­tet hier, wie im Ödi­pus-Mythos, den Vater aus, son­dern die­ser umge­kehrt sei­nen jun­gen, vita­len Kon­kur­ren­ten im Rin­gen um die Macht, das Lebens­recht, die Zukunft. Die mör­de­ri­schen Väter Kaf­kas mögen äußer­lich ver­fal­le­ne Gestal­ten im Schlaf­rock sein, aber in ihnen bro­delt die unge­brems­te Gier nach Herr­schaft, die sie sogar ihre Söh­ne töten lässt.

Was der Ange­klag­te Josef K. erlebt, nach­dem er durch die Scher­gen eines unsicht­ba­ren Gerichts­sys­tems ver­haf­tet wur­de, ent­spricht den Mus­tern eines Alp­traums.

Im Pro­cess (1914/15), dem wohl bedeu­tends­ten sei­ner drei Roma­ne, geht Kaf­ka noch wei­ter und über­führt das Pri­va­te in eine eige­ne gesell­schaft­li­che Welt mit beson­deren Regeln, Geset­zen und Sym­bo­len. Was der Ange­klag­te Josef K. erlebt, nach­dem er durch die Scher­gen eines unsicht­ba­ren Gerichts­sys­tems ver­haf­tet wur­de, ent­spricht den Mus­tern eines Alp­traums. Die Quint­essenz sei­ner Geschich­te, die mit der Hin­rich­tung endet, besteht dar­in, dass K.’s Schuld vor allem ein Schuld­ge­fühl ist. Von die­sem Schuld­ge­fühl und sei­nen Spie­ge­lun­gen han­delt der Roman. Kaf­ka beschreibt dabei die Psy­che sei­nes Hel­den nicht direkt, son­dern ver­sinn­bild­licht sie: In den unheim­li­chen Dach­zim­mern, wo das Gericht tagt, in den Bet­ten der Advo­ka­ten, in Asser­va­ten­kam­mern und Raum­fluch­ten, gehei­men Ver­ste­cken und Trep­pen­häu­sern spie­geln sich Josef K.’s Hem­mun­gen und Ängs­te, sei­ne unsi­che­ren Ver­tei­di­gungs­ver­su­che und Recht­fer­ti­gungs­zwän­ge. Orson Wel­les’ Ver­fil­mung des Romans, die 1962 in die Kinos kam, hat dazu gran­dio­se Bil­der von klaus­tro­pho­bi­scher Qua­li­tät gefun­den. Auch wenn Wel­les’ Adap­ti­on nicht frei von Zeit­geist-Ele­men­ten bleibt, wie die Anspie­lun­gen auf Atom-Pho­bie und Kal­ten Krieg zei­gen, gelingt sei­nem Film in die­sem Punkt die per­fek­te Visua­li­sie­rung von Kaf­kas Raum­fan­ta­si­en.

Immer wie­der wird Josef K. von Frau­en abge­lenkt, statt sich zu ernst­haf­ter Selbst­prü­fung durch­zu­rin­gen. Die Ver­lo­ckun­gen des Triebs füh­ren ihn auf Abwe­ge, und per­ma­nent ent­zieht er sich der ehr­li­chen Aus­ein­an­der­set­zung mit dem eige­nen Ich, sodass er die Bedeu­tung des gegen ihn lau­fen­den Pro­zes­ses nie­mals erkennt. In der Welt des Romans gibt es nichts, das in einem zuver­läs­si­gen Sinn objek­tiv exis­tiert. Alles besteht nur in Bezug auf das Sub­jekt, auf Josef K. Das bringt die gran­dio­se Tür­hü­ter-Legen­de zum Aus­druck, die der Geist­li­che dem Ange­klag­ten zur Ver­an­schau­li­chung des Gerichts­we­sens erzählt. „Vor dem Gesetz“, so lau­tet ihr Anfang, „steht ein Tür­hü­ter. Zu die­sem Tür­hü­ter kommt ein Mann vom Lan­de und bit­tet um Ein­tritt in das Gesetz. Aber der Tür­hü­ter sagt, dass er ihm jetzt den Ein­tritt nicht gewäh­ren kön­ne.“ Das Gesetz ist ein laby­rin­thisch anmu­ten­des Gebäu­de, das der Tür­hü­ter bewacht. Der Mann vom Lan­de war­tet vie­le Jah­re auf die Erlaub­nis zum Ein­tritt, ohne dass er ein­ge­las­sen wird. Kurz vor sei­nem Tod erfährt er durch den Tür­hü­ter, dass das Gesetz allein für ihn bestimmt sei und nun, da sein Leben ende, geschlos­sen wer­de. Das gehei­me Gesetz, von dem der Pro­cess-Roman han­delt ist kein all­ge­mei­nes Rege­lungs­werk, das für alle Men­schen gilt, son­dern ein Aus­druck per­sön­li­cher Bestim­mung. Der Angst­traum der Schuld, der die Geschich­te Josef K.’s durch­zieht, erweist sich als Reflex einer geschei­ter­ten Selbst­fin­dung. Wie der Mann vom Lan­de das ihm zuge­dach­te Gesetz ver­fehlt, so ver­sagt Josef K. bei der Suche nach dem eige­nen Ich.

 

Für immer kaf­ka­esk

Man kann Kaf­ka einen „ewi­gen Sohn“ nen­nen. Die­se For­mel besagt nicht, dass er ein Unvoll­kom­me­ner, im Leben Ver­sa­gen­der war. Sie meint etwas ande­res: Kaf­ka war ein Schrift­stel­ler, der sei­ne Tex­te immer im Sta­tus des Unvoll­ende­ten beließ. Sei­ne Geschich­ten fin­den kei­nen Abschluss, so wenig wie die Träu­me, aus denen wir plötz­lich erwa­chen. Wohin sie uns geführt hät­ten, wären wir nicht erwacht, kön­nen wir im Licht des hel­len Tages unmög­lich sagen. Auch die Erzäh­lun­gen des ewi­gen Soh­nes Kaf­ka wer­den nicht erwach­sen, sie ver­har­ren im Sta­di­um des Vor­läu­fi­gen – das macht sie so beun­ru­hi­gend und lässt sie, ver­stö­rend wie sie sind, nie­mals altern. Kaf­kas Tex­te haben jede Gene­ra­ti­on neu ange­spro­chen. Sie präg­ten nicht nur Schrift­stel­ler, son­dern auch Maler, Film­re­gis­seu­re, Phi­lo­so­phen, Archi­tek­ten, Psy­cho­ana­ly­ti­ker und Theo­lo­gen auf unter­schied­lichs­te Wei­se. Kein ande­rer Autor der Welt­li­te­ra­tur hat eine ver­gleich­ba­re Flut von Inter­pre­ta­tio­nen aus­ge­löst. Die­ser Strom kann nicht enden, weil Kaf­kas Tex­te unab­schließ­bar blei­ben. In ihrer Nach­ge­schich­te mischen sich Buch­sta­be und Kom­men­tar zu einem unver­gleich­li­chen Gan­zen, ähn­lich wie im Fall des jüdi­schen Tal­mud, wo über­lie­fer­ter Text und Deu­tung eine span­nungs­vol­le Gesamt­heit bil­den. Der Autor Kaf­ka schreibt in sei­ner Kunst die­se Form des Tal­mud fort. Sei­ne gro­ßen Erzäh­lun­gen von Angst und Stra­fe sind auch des­halb unver­gäng­lich, weil sie jede Gene­ra­ti­on immer wie­der neu an die Gren­zen ihrer eige­nen psy­chi­schen und sozia­len Exis­tenz füh­ren.

 

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wahre angstDie neue agora42 zum Thema WA(H)RE ANGST

mit

  • Heinz Bude im Inter­view
  • Frank Ruda: “Mut zur Angst”
  • Franz Kaf­ka im Por­trät
  • Spe­cial: Kunst­wer­ke zum The­ma von Jonas Bur­gert, Roger Bal­len, Sami­ra Frei­tag uvm.

Der Angst begegnen – Interview mit Christiane Quincke

Fol­gen­des Inter­view mit der Deka­nin der Evan­ge­li­schen Kir­che in Pforz­heim Chris­tia­ne Quincke ent­stammt der aktu­el­len Aus­ga­be WA(H)RE ANGST. Im März 2017 ver­lieh ihr die Offe­ne Kir­che den AMOS-Preis für Zivil­cou­ra­ge in Kir­chen, Reli­gio­nen und Gesell­schaft. Wir spra­chen mit ihr über die Angst vor dem Frem­den und über die Gefahr von und durch auto­ri­tä­re Regime.

Der Angst begegnen

Interview mit Christiane Quincke

 

Den Men­schen die Angst neh­men – ist das die vor­dring­lichs­te Auf­ga­be der Reli­gi­on?

Oft wur­de und wird Reli­gi­on miss­braucht, um Angst zu machen – mit einem stra­fen­den Gott zum Bei­spiel. Doch in der Tat soll­te eine „gute“ Reli­gi­on eher hel­fen, mit Angst bes­ser umzu­ge­hen. Wer sich von Gott getra­gen und beglei­tet weiß, muss sich sei­nen Ängs­ten eigent­lich nicht mehr aus­ge­lie­fert füh­len.

 

Wel­ches sind die kon­kre­ten Ängs­te, mit denen Sie als Deka­nin des Kir­chen­be­zirks Pforz­heim-Stadt kon­fron­tiert wer­den?

Vor allem Ängs­te, die mit dem  ema Ver­än­de­rung zu tun haben: der Wan­del einer gut­bür­ger­li­chen Stadt zu einer mul­ti­kul­tu­rel­len und damit mehr Fremd­heit in der Stadt; der Wech­sel vom Hand­werk zur Dienst­leis­tung; die wirt­schaft­li­che Unsi­cher­heit; der Ver­lust von Tra­di­ti­on und zugleich das Bewusst­wer­den der Schat­ten­sei­ten der Stadt­ge­schich­te – das alles macht Angst.

 

Glau­ben Sie, dass die Men­schen wirk­lich Angst vor Flücht­lin­gen oder vor dem Islam
haben, oder liegt da eine ande­re Angst zugrun­de, die wah­re Angst sozu­sa­gen?

Es ist die Angst vor dem „Frem­den“: ein frem­der Glau­be, der sich anders und sicht­ba­rer zeigt, als wir es in unse­rer säku­la­ri­sier­ten Gesell­schaft gewohnt sind; frem­de Spra­chen auf der Stra­ße; frem­de Klei­dung; frem­de Gerü­che; frem­de Kul­tur. Die Angst vor dem „Frem­den“ sitzt tief in uns und ist erst­mal da. Aber nor­ma­ler­wei­se über­win­den wir sie: Wir ent­de­cken die Fas­zi­na­ti­on des „Frem­den“ (etwa beim Rei­sen in frem­de Län­der oder beim Aus­pro­bie­ren von frem­den Essen) und mer­ken durch Begeg­nung, dass der, die, das ande­re kei­ne Angst machen muss.

 

Eine Aus­stel­lung zum The­ma WA(H)RE ANGST in Pforz­heim – war­um gera­de hier?

Weil die Stadt vie­len Ein­hei­mi­schen „fremd“ gewor­den ist und vie­len Zuge­zo­ge­nen die Stadt immer noch „fremd“ bleibt. Die glo­ba­len Ver­än­de­run­gen schla­gen hier auf und wer­den sicht­bar. Aber anstatt das Ver­hei­ßungs­vol­le von Ver­än­de­rung und Fremd­sein posi­tiv und aktiv zu gestal­ten, wird von man­chen poli­ti­schen Kräf­ten die Angst eher noch geschürt und zur Han­dels­wa­re. Durch Fake­news und Abschot­tung wird Angst vor dem „Frem­den“ genährt und ver­kauft als poli­ti­sches Instru­ment.

 

Wovor soll­ten wir Angst haben?

Davor, dass auto­ri­tä­re Sys­te­me immer attrak­ti­ver zu wer­den schei­nen und wir durch sie die einen Men­schen zu Göt­zen machen und ande­ren Men­schen ihre Wür­de abspre­chen.

 

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 Noch bis zum 8.12.17 ver­sen­den wir die Aus­ga­be zum The­ma WA(H)RE ANGST ver­sand­kos­ten­frei.

u.a. mit
* Otto Tei­schel: Angst und Ideo­lo­gie
* Tho­mas Gut­knecht: Mut und Hal­tung statt Wut und Spal­tung
* Jona­than Barth / Chris­toph Gran: Zukunfts­fä­hig­keit statt Wachs­tum
* einem Por­trät über Franz Kaf­ka von Peter-André Alt
* Heinz Bude im Inter­view: Wer kei­ne Angst hat, hat auch kei­ne Zukunft

*EXTRA: künst­le­ri­sche Per­spek­ti­ven von u.a. Jonas Bur­gert, Mari­na Grži­nić, Gus­tav Klu­ge oder Roger Bal­len

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Künstlerin Samira Freitag und ihr Werk: Sea Change

Samira Freitag

Sea Change

von Samira Freitag

 

Sea Chan­ge nennt man im Eng­li­schen sowohl einen Wan­del der Gezei­ten als auch eine tief­grei­fen­de Ver­än­de­rung im Gefü­ge der Gesell­schaft oder im Leben eines Indi­vi­du­ums.

Sea Change

© Sami­ra Frei­tag, 2016: Acryl, Gou­ache, Aqua­rel­le, Tusche, Krei­de, Gra­phit auf Pig­ment­druck, 250 × 160 cm. Das 2,50 Meter hohe Werk ist noch bis zum 29. Okto­ber in der Aus­stel­lung WA(H)RE ANGST in Pforz­heim zu besich­ti­gen. 20 inter­na­tio­na­le Künst­ler stel­len dort ihre Arbei­ten zu poli­ti­schen, gesell­schaft­li­chen, exis­ten­ti­el­len und aktu­el­len Ängs­ten aus.

 

Sami­ra Frei­tag stu­dier­te nach einer Gra­fik­de­sign-Aus­bil­dung Bil­den­de Kunst in Ber­lin und Wien. Seit 2016 ist sie Meis­ter­schü­le­rin. samirafreitag.com

Mei­ne Zeich­nung erzählt von unse­ren Zei­ten des Umbruchs, des Auf und Ab, der tas­ten­den Bewe­gung. Sie zeigt einen Stru­del der Unsi­cher­heit, der Ohn­macht und die fun­da­men­ta­le ‚Wet­ter­ver­än­de­rung’, die uns alle erfasst. Bei nähe­rem Blick kann man Vers­zei­len im gemal­ten Mee­res­stru­del lesen – die­ses Lied singt der Luft­geist Ari­el in Shake­speares Stück The Tem­pest. Er warnt vor einem auf­kom­men­den Sturm, der vie­le Men­schen­le­ben kos­ten wird. Die Ord­nung, die wir ken­nen, gerät ins Wan­ken. Struk­tu­ren ‚ver­flüs­si­gen sich‘ in ein toxi­sches Flui­dum, das ande­ren Spiel­re­geln zu fol­gen scheint als wir sie bis­her kann­ten. Men­schen raf­fen ihr letz­tes Hab und Gut zusam­men, um aus ihrer Hei­mat zusam­men­ge­pfercht auf Schlauch­boo­ten über das Mit­tel­meer nach Euro­pa zu flüch­ten. Das Meer wird zum Schick­sals­ort, der zwi­schen Leben und Tod ent­schei­det. Es ist ein Schwe­be­zu­stand zwi­schen einer alten und einer neu­en Welt, ein Ort vol­ler Ver­zweif­lung, Über­le­bens­kampf und letz­ter Hoff­nung. Auf ein­mal gel­ten die Geset­ze der archai­schen Natur.
Es geht um das blan­ke Über­le­ben – kein Boden – kei­ne Haf­tung – kei­ne Sicher­heit – nur Rota­ti­on um die eige­ne nack­te Exis­tenz. Die Angst sitzt im Nacken und nagt an der See­le. Der Sog in die Tie­fe ist omni­prä­sent. Die Ord­nung ist aus den Fugen gera­ten. Es gibt kein Zurück. Nichts ist, wie es war. Das Neue ist unge­wiss, aber es trägt auch den Schim­mer einer Hoff­nung in sich.”

 

 

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Es gibt eine diffuse Angst” – Heribert Prantl im Interview

Es gibt eine diffuse Angst”

Heribert Prantl im Interview

 

Anlässlich der neuen agora42-Ausgabe WA(H)RE ANGST haben wir ausgewählten Personen einige Fragen zum Thema Angst gestellt. Hier die Antworten von Heribert Prantl, dessen neues Buch “Die Kraft der Hoffnung” soeben in der Süddeutsche Zeitung Edition erschienen ist. Darin geht er vielem nach, was auch uns in der aktuellen Ausgabe beschäftigt. So konstatiert er: “Die Weltzuversicht vieler Menschen zerbricht. Die Populisten, die Nationalisten und die Terroristen sind nicht nur Ursache, sondern auch Symptom des erschütterten Vertrauens in eine gesicherte Zukunft. Der Glaube daran, dass Demokratie und Rechtstaatlichkeit sich, und sei es langsam, weiterentwickeln, geht verloren.”
Im Interview spricht er über diffuse Ängste, flüchtige Existenzen, einen gefährlichen Hanswurst und – die Hoffnung …

Herr Prantl, auf den ers­ten Blick scheint in Deutsch­land alles in Ord­nung zu sein: die Wirt­schaft boomt, die Arbeits­lo­sig­keit ist auf einem his­to­ri­schen Tiefst­stand und die deut­sche Natio­nal­mann­schaft stellt einen neu­en Rekord auf. Den­noch dia­gnos­ti­zie­ren Sie in Ihrem neu­en Buch, dass die Welt­zu­ver­sicht vie­ler Men­schen zer­bricht. Wie passt das eine mit dem ande­ren zusam­men?

Foto: © Jür­gen Bau­er. Heri­bert Prantl lei­tet das Res­sort für Innen­po­li­tik bei der Süd­deut­schen Zei­tung in Mün­chen und ist seit Janu­ar 2011 Mit­glied der Chef­re­dak­ti­on.

Es gibt eine dif­fu­se Angst ange­sichts der vie­len schnel­len Ver­än­de­run­gen, die den Men­schen das eige­ne Leben fremd und die Zukunft unsi­cher wer­den las­sen; es gibt die tag­täg­li­chen bedroh­li­chen Nach­rich­ten über Trump, über Erdo­gan – und die Unsi­cher­heit dar­über, wohin die­se Auto­kra­ten und ihre Lust an poli­ti­scher Grob­heit die Welt füh­ren. Die Angst vor den Frem­den, von den Flücht­lin­gen, vor den Mus­li­men – die kana­li­siert die dif­fu­se Angst, des­we­gen gelingt es den popu­lis­ti­schen Extre­mis­ten der­zeit, mit die­ser Angst Poli­tik zu machen und Wahl­er­fol­ge zu ern­ten. Die dif­fu­se Angst vor schnel­len Ver­än­de­run­gen, vor der Glo­ba­li­sie­rung, die­se Angst kann man schwer for­mu­lie­ren und schwer grei­fen, die Angst vor den Flücht­lin­gen schon. Das gibt dann das Gefühl von Kon­trol­le, die dem Leben ansons­ten immer mehr abhan­den kommt.

 

Hängt die­ser Ver­lust der Welt­zu­ver­sicht damit zusam­men, dass das Bild, das wir von die­ser Welt gezeich­net haben, ver­schwimmt?

Es gibt einen Sog der Fremd­be­stim­mung; auf den Ein­zel­nen scheint es immer weni­ger anzu­kom­men. Vie­len erscheint ihr Lebens­lauf wie der Lauf des Hams­ters im Rad. Und die Flücht­lings­exis­tenz wird zum Merk­mal der heu­ti­gen Zeit. Denn das Gefühl der flüch­ti­gen Exis­tenz haben auch Men­schen in den Län­dern, in die Flücht­lin­ge flüch­ten. Vie­le Men­schen in Euro­pa erle­ben die Flücht­lin­ge als Boten eines  Unglücks, das auch ihnen auf­lau­ert. Also weh­ren sie sich gegen Flücht­lin­ge, um ihnen nicht gleich zu wer­den; sie sehen die Flücht­lin­ge als Mene­te­kel. Das ist der Boden, auf dem die alten Wahn­ide­en, auf der Natio­na­lis­mus und der Ras­sis­mus wie­der wach­sen.

 

Man kann sich des Gefühls nicht erweh­ren, dass die Poli­tik den heu­ti­gen Pro­ble­men nicht mehr gewach­sen ist. Wor­an liegt das? Ist das ein struk­tu­rel­les Pro­blem oder haben wir die fal­schen Poli­ti­ker?

Es ist ein Gerücht, dass die Poli­ti­ker frü­her bes­ser gewe­sen sei­en. Es ist nur so, dass wir die schlech­ten Poli­ti­ker und die vie­len Durch­schnitts­po­li­ti­ker der frü­hen demo­kra­ti­schen Jahr­zehn­te ver­ges­sen haben – wir erin­nern uns nur an die gro­ßen Namen: An Ade­nau­er und Hei­ne­mann und Brandt und Hel­mut Schmidt, an Gen­scher und, ja, an den gro­ßen Euro­pa­po­li­ti­ker Kohl. Wir erin­nern uns an die Leit­ent­schei­dun­gen, die die­se Poli­ti­ker getrof­fen haben.

Es ist aller­dings so, dass die Pro­ble­me der Welt wach­sen – und man welt­weit vie­le Poli­ti­ker bräuch­te, die gute Lenk- und Leit­ent­schei­dun­gen tref­fen und durch­set­zen kön­nen. Aber just in die­sem Augen­blick tritt als 45. US-Prä­si­dent ein nar­ziss­ti­scher Schar­la­tan namens Trump auf den Plan. So ein Mann an der Spit­ze der Welt­macht ist nicht ein­fach nur ein Hans­wurst, er ist ein hoch­ge­fähr­li­cher Hans­wurst. Und es ist ein struk­tu­rel­les Pro­blem, das so einer es schaf­fen kann, in einer demo­kra­ti­schen Wahl an die Spit­ze einer demo­ka­ti­schen Groß­macht zu kom­men. Der Mann ist gewählt wor­den – in Kennt­nis sei­ner Feh­ler und Wahn­wit­zig­kei­ten!

 

 Die Pro­ble­me, mit denen wir uns kon­fron­tiert sehen – bspw. Erd­er­wär­mung, außer Kon­trol­le gera­te­ne Finanz­märk­te und Geheim­diens­te, Lob­by­is­mus und zuneh­men­de Ungleich­heit –, schei­nen über­mäch­tig. Den­noch haben Sie die Hoff­nung noch nicht auf­ge­ge­ben. Woher neh­men Sie die Kraft zu hof­fen?

Ja, die Pro­ble­me sind gewal­tig – und manch­mal möch­te man sich im Pes­si­mis­mus ver­lie­ren und resi­gnie­ren. Auch als Jour­na­list fällt einem gele­gent­lich so ein Gefühl an. Dann muss man sich  bewusst machen, dass Erkennt­nis und Auf­klä­rung nicht irgend­wann ein­mal vom Him­mel gefal­len ist und dann immer da bleibt. Auf­klä­rung ist immer und immer wie­der, man muss sie sich immer wie­der neu erkämp­fen. Wenn ich kei­ne Hoff­nung mehr hät­te und dem Fata­lis­mus ver­fie­le – dann könn­te ich nicht mehr schrei­ben; oder ich wür­de zynisch – und das wür­de ich den Lese­rin­nen und Lesern nicht zumu­ten wol­len. Woher neh­me ich die Kraft zu hof­fen?  Hoff­nungs­lo­sig­keit ist ein Luxus, den man sich gera­de in schwie­ri­gen Zei­ten nicht leis­ten kann. Wer hoff­nungs­los ist, dem läuft die Zukunft davon. Das wür­de mir nicht gefal­len. Hoff­nung gibt Auf­trieb, Hoff­nung gibt Dri­ve, Hoff­nung macht Mut.

Der römi­sche Dich­ter Ovid hat ein­mal geschrie­ben: Glück­lich ist, wer das, was er liebt, auch wagt, mit Mut zu beschüt­zen. Ich mag gern glück­lich sein.

Ende.

 

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wahre angstDie neue agora42 zum Thema WA(H)RE ANGST

mit

  • Heinz Bude im Inter­view
  • Frank Ruda: “Mut zur Angst”
  • Franz Kaf­ka im Por­trät
  • Spe­cial: Kunst­wer­ke zum The­ma von Jonas Bur­gert, Roger Bal­len, Sami­ra Frei­tag uvm.

Kunstausstellung WA(H)RE ANGST in Pforzheim öffnet

Kunstausstellung WA(H)RE ANGST eröffnet in Pforzheim

Kunstausstellung

Die Neon­schrift der Künst­le­rin Kath­rin Borer wird in Pforz­heim aus­ge­stellt. © Kath­rin Borer “Don’t sell me fear”, 2016. Foto: Andre­as Hagen­bach

Wa(h)re Angst“ – das ist der Name einer Kunst­aus­stel­lung, die vom 6. bis zum 29. Okto­ber 2017 im EMMA – Krea­tiv­zen­trum Pforz­heim statt­fin­det. Wir freu­en uns auf die Wer­ke von:

 

Angst kennt jeder. Sie beein­flusst wesent­lich unse­re Hand­lun­gen und ist ein grund­le­gen­der Fak­tor ratio­na­ler und emo­tio­na­ler Ent­schei­dun­gen. Doch wel­che Ereig­nis­se lösen Ängs­te in uns aus und wovor haben wir eigent­lich Angst? Vor Sta­tus­ver­lust? Vor frem­den Kul­tu­ren? Vor dem Rechts­ruck? Vor ande­ren Reli­gio­nen? Vor der Zukunft? Vor Ver­ant­wor­tung, Ver­än­de­rung oder Kom­ple­xi­tät? Oder gar vor dem Tod? Unse­re ein­sei­ti­ge Aus­rich­tung auf Mate­ri­el­les (Haus, Auto, Geld) ruft außer­dem eine wei­te­re Angst her­vor: die Angst vor einer Wirt­schafts­kri­se und den damit ver­bun­de­nen Gefähr­dun­gen und Wohl­stands­ein­bu­ßen.

Jetzt ver­sand­kos­ten­frei erhält­lich: Die Aus­ga­be zum The­ma mit Heinz Bude (“Die Gesell­schaft der Angst”), Tho­mas Gut­knecht (“Mut und Hal­tung statt Wut und Spal­tung”), Peter-André Alt (“Franz Kaf­ka – Exper­te für die dunk­len Gefüh­le”), Otto Tei­schel (“Angst und Ideo­lo­gie”) uvm.

Die Aus­stel­lung „Wa(h)re Angst“ hin­ter­fragt die durch Ängs­te her­vor­ge­ru­fe­nen und gepräg­ten aktu­el­len poli­ti­schen und gesell­schaft­li­chen Ent­wick­lun­gen und ermög­licht so einen kri­ti­schen Blick auf deren Ursprün­ge und mög­li­che Fol­gen. Der Aus­stel­lungs­ti­tel „Wa(h)re Angst“ bezieht sich dabei zum einen auf Angst als Ware, mit der in Poli­tik und Wirt­schaft gehan­delt wird, und zum ande­ren auf die Fra­ge, ob es eine „wah­re“ Angst gibt und wie die­se aus­se­hen könn­te. Inter­na­tio­na­le Künst­ler eröff­nen unge­wohn­te Per­spek­ti­ven auf mensch­li­che Ängs­te und bezie­hen mit ihren Wer­ken Stel­lung zu poli­ti­schen The­men.

Die Kunst­aus­stel­lung wird vom EMMA — Krea­tiv­zen­trum Pforz­heim ver­an­stal­tet und von dem Künst­ler Janusz Czech kura­tiert. Czech ist Redak­teur der agora42 und schon lan­ge mit dem Maga­zin ver­bun­den – es lag also auf der Hand, das The­ma gemein­sam anzu­pa­cken. So wer­den in der aktu­el­len Aus­ga­be der agora42 die Künst­ler der Aus­stel­lung vor­ge­stellt und ihre Wer­ke auf den grü­nen Heft­sei­ten prä­sen­tiert.
Die Aus­stel­lung wird am 5. Okto­ber eröff­net und fin­det im EMMA — Krea­tiv­zen­trum Pforz­heim (Emma-Jae­ger Stra­ße 20, 75175 Pforz­heim) sowie im gegen­über­lie­gen­den Alfons-Kern-Turm statt, einem denk­mal­ge­schütz­ten Trep­pen­turm der im Jahr 2010 abge­ris­se­nen Alfons-Kern-Schu­le.

 

 

 

 

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agora42 ist das phi­lo­so­phi­sche Wirt­schafts­ma­ga­zin und erscheint seit 2009 im Eigen­ver­lag in Stutt­gart. Alle drei Mona­te ver­öf­fent­li­chen wir ein neu­es The­men­heft. Dabei wid­men wir uns den gro­ßen Fra­gen der Öko­no­mie, wie etwa Frei­heit, Wachs­tum, Fort­schritt, Gerech­tig­keit, Nach­hal­tig­keit u.v.m. Anspruchs­voll, aber trotz­dem ver­ständ­lich las­sen wir Den­ker und Prak­ti­ker zu Wort kom­men, die meist nur in spe­zi­el­len Fach­krei­sen gele­sen wer­den – aber deren Erkennt­nis­se für alle Men­schen von Bedeu­tung sind.

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