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WARUM VERÄNDERN WIR NICHTS? Editorial zur Ausgabe 2/2026

Veröffentlicht am 27. März 2026
| Verfasst von Frank Augustin

Dass wir etwas verändern müssen, ist klar – geht es doch in allen zukunftsrelevanten Bereichen bergab: natürliche Lebensgrundlagen (Artensterben, Extremwetterereignisse, Vermüllung und Vergiftung, Trockenheit, ausgelaugte Böden …), internationale Beziehungen (immer mehr Kriege und Konflikte), Infrastruktur (zerbröselt), Gesundheitswesen (im freien Fall), IT-Sicherheit (drastisch zunehmende Schäden durch Cyberangriffe), Schlüsselindustrien (nicht mehr wettbewerbsfähig bzw. ökologisch untragbar), Bildungssystem (steckt in alten Strukturen fest), gesellschaftlicher Zusammenhalt (schwindet), Psyche und Befinden (psychische Erkrankungen sind Volkskrankheiten geworden). Et cetera. Offensichtlich sind wir gesellschaftlich grundlegend in die Irre gegangen.

Und das ist der erste Grund, weshalb wir nichts verändern: Beginnt man damit, sich den Problemen in ihrer ganzen Tragweite zu stellen, erkennt man rasch, dass wir viel zu weit gegangen sind, um einen gesellschaftlichen Zusammenbruch noch verhindern zu können. Das ist beängstigend und geeignet, uns komplett aus der Bahn zu werfen. Also am besten gar nicht mehr darüber nachdenken! Da machen wir lieber noch ein bisschen auf Status quo und auf kleine heile Welt – bis endgültig Schluss
mit lustig ist.
Der zweite Grund: Würde man mit den radikalen Veränderungen beginnen, die nötig sind, um das Allerschlimmste zu verhindern, wäre dies im gleichen Moment ein Eingeständnis der eigenen Unzulänglichkeit und Schuld. Man müsste zugeben, dass die Probleme wirklich so gewaltig sind, wie sie sind – und dass man nicht nur ziemlich naiv gewesen sein muss, um das zu übersehen, sondern auch durch seine ganze Lebensweise dazu beigetragen hat, dass es so weit kommen konnte.

Wegen dieser beiden Gründe werden wir nichts verändern, sondern durch den Zusammenbruch der bisherigen Lebensnormalität verändert werden. Wenn es gut läuft, bedeutet dies für uns nicht bloß eine (persönliche) Katastrophe, sondern mehr noch eine Befreiung; ein Ereignis, das den Schritt im eigenen Leben erzwingt, den man bislang nicht gehen wollte – weshalb man ja in die Irre gegangen ist. Im Grunde ist die Angst vor dem Zusammenbruch die Angst vor der Freiheit.

Ihr Frank Augustin
Chefredakteur, faugustin@agora42.de

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