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GRENZEN Editorial zur Ausgabe 4/2026

Veröffentlicht am 2. Oktober 2026
| Verfasst von Frank Augustin

Beschönigen lässt sich da leider nichts: Im globalen Ringen zwischen der Diktatur des Geldes und der Demokratie hat erstere gerade die besseren Karten.

Nicht, dass die noch existierenden Demokratien unter den Angriffen brutaler Geldkrieger leiden würden; nein, die entgrenzende Wirkung des – grenzenlosen – Geldes wirkt wie ein Gift, das die Strukturen des gesellschaftlichen Gewebes auflöst. Einmal von seiner Logik durchdrungen, verlieren Institutionen die Fähigkeit, demokratische Prinzipien durchzusetzen, schwindet die verbindende Kraft des Kulturellen, gelingt es den Individuen nicht mehr, durch soziale Interaktionen die öffentliche wie auch private Ordnung zu stabilisieren.

Gut gesetzte Grenzen geben unseren Leben Halt, Orientierung und Sinn – und gerade dadurch den Raum für eine freie Entwicklung. Freiheit braucht sinnvolle Grenzziehungen, die immer wieder erneuert und weiterentwickelt werden müssen. Heute jedoch sind sinnvolle Grenzen Mangelware. Wir schaffen es nicht einmal, jene Grenzen zu ziehen, die für unser Überleben als Gattung notwendig sind. Wenn überhaupt, dann entstehen nur noch schwache Grenzen – Pseudo-Grenzen, deren stabilisierende Wirkung gegen null geht. Wir schlittern unkontrolliert in die Zukunft, ins totale Chaos.

Es ist höchste Zeit, uns herauszureißen aus untertänigem Geld- und Marktgehorsam, aus Bienenfleiß und Selbstoptimierung, aus Selbstgerechtigkeit und verzweifeltem Optimismus, aus Schicksalsgläubigkeit und Zynismus. Weder die Märkte noch technische Entwicklungen werden irgendetwas richten. Erst wenn wir begreifen, wie schrecklich unfrei wir geworden sind und wie schlimm unsere Lage tatsächlich ist, werden wir wieder befreiende Grenzen setzen können. Es geht nicht mehr um Geld, es geht auch nicht mehr um Arbeitsplätze, um Wohlstand oder Anerkennung. Es geht ums Überleben.

Anm. d. Red.: Die Kosten steigen, und dies ausnahmslos in jedem Bereich. Liebe Leser*innen, wir müssen deshalb nach längerer Zeit mit einer Preiserhöhung gegensteuern – und hoffen auf Ihr Verständnis!

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Dieser Text wurde geschrieben von:

Hat Philosophie und Geschichte studiert und war Redakteur beim Journal für Philosophie der blaue reiter. Kapitalismus ist für ihn ein kulturelles, nicht in erster Linie ein wirtschaftliches Phänomen – und längst zur gesellschaftlichen Normalität geworden. Was aber normal war, steht in Frage: Ohne den festen Glauben an die segensreiche Wirkung von Wachstum und technischem Fortschritt wird dem Kapitalismus die Lebensgrundlage entzogen. Es bleibt ein sinnloses Weiter-so, ein leeres Mehr des Geldes und die Gleichschaltung aller Lebensbereiche unter quantitativen Gesichtspunkten.

Was tun? Wie kann man verändern, was als normal betrachtet wird? Wie befreit man die Wirtschaft von der Wachstumsideologie? Wie kommt man wieder ins Handeln und kann beginnen, den unvermeidlichen ökonomischen und gesellschaftlichen Zusammenbrüchen entgegenzuwirken?

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