Beschreibung
TERRAIN
LENA SCHÜTZLE & BARBARA SCHELLHAMMER zufolge sind Menschen darauf angewiesen, die Dinge in ihre Grenzen zu verweisen und sie dadurch zu ordnen. Grenzen dürfen aber nicht zu starr werden: Nur wenn wir gelernte Grenzen immer wieder verschieben, kann die sich stetig wandelnde Welt als sinnvoll zusammenhängend erscheinen. OLIVER SCHLAUDT zeigt auf, inwiefern wir uns durch das Geld in den unbegrenzten Kosmos des Marktes eingeschrieben haben. Dieser Kosmos zieht sich nun zusammen und verhärtet: Er lässt das Mehr und Immer-mehr noch zu, aber keinen Schritt zur Seite, kein Verharren, kein Zögern, keine sehnsuchtsvolle Rückschau, kein vorausahnendes Träumen. Die italienische Philosophin DONATELLA DI CESARE begreift Demokratie als politische Gemeinschaft, die zwar Grenzziehungen braucht, diese jedoch niemals absolut setzen darf. Demokratie ist grundlos und muss die Spannung zwischen Begrenzung und Öffnung aushalten. ENYA BLANK & NILS BOHNERT zufolge ist Korruption nicht einfach nur ein strafrechtliches Problem, das man mit der entsprechenden Gesetzgebung aus der Welt schaffen könnte. Vielmehr ist Korruption ein „Grenzphänomen“, das genau an jener Grenze beheimatet ist, die Recht von Unrecht, Politisches von Privatem trennt.
PORTRAIT
Der Begriff „Grenzsituation“ wurde wesentlich durch den Psychiater und Existenzphilosophen Karl Jaspers geprägt, der von JANNIS PUHLMANN porträtiert wird. Wenn in Grenzsituationen unsere üblichen Bewältigungsstrategien nicht mehr greifen und wir uns unserer existenziellen Unsicherheit schmerzlich bewusst werden, dann helfen weder Verdrängung, Vernunft noch die Flucht in Jenseitsvorstellungen. Stattdessen, so Jaspers, müssen Grenzsituationen voll und ganz angenommen werden. Schafft Mensch das, kann er sich im Bewusstsein seiner Freiheit neu ausrichten und entscheiden, wofür er leben und wer er sein will.
INTERVIEW
Im Interview mit OLIVIA MITSCHERLICH-SCHÖNHERR sprachen wir darüber, was wir von Menschen lernen können, die den Tod vor Augen haben, ob die Philosophie den Umgang mit Grenzsituationen erleichtern kann und inwiefern wir als Menschen sowohl begrenzt als auch unbegrenzt sind; wir sprachen über Geld als Götze, die Tech-Eliten des Silicon Valley und die Gefährdungen der Demokratie.
HORIZONT
NIKO PAECH untersucht, welche Spielräume angesichts ökologischer Grenzen des Wachstums, körperlicher Grenzen durch systematische Überforderung, der Abhängigkeit von labilen Versorgungssystemen sowie der engen Grenzen politischer Handlungsfähigkeit für eine sinnvolle gesellschaftliche Transformation eigentlich noch bleiben. CHRISTIAN DRIES geht mit Odysseus auf die beschwerliche Suche nach echter Bildung. Auf dieser Odyssee werden wir unter dem Einfluss von ChatGPT, Claude & Co. mit einer Bildungskatastrophe epischen Ausmaßes konfrontiert. NICO GRAACK räumt mit der Vorstellung auf, dass die Rechte die Kraft der Ordnung und Sicherheit sei. Tatsächlich sorge sie für Chaos und stehe eher in der Tradition des Punk. Demgegenüber müsse sich die Linke vom „Erbe von 68“ befreien und sich als Bewegung von Recht und Ordnung etablieren.
RUBRIKEN
ZUKUNFT FÜR ALLE: MASCHA SCHÄDLICH geht der Vorstellung auf den Grund, der Mensch habe unbegrenzte Bedürfnisse und fragt, wie eine Gesellschaft aussehen würde, die sich statt dem unbegrenztem Streben nach immer mehr Gütern und Möglichkeiten der fröhlichen Selbstbegrenzung widmet. FRISCHLUFT: LOUIS KLEIN spürt den Orakeln der Moderne auf der World Conference on Complex Systems nach, trifft Business-Romantiker auf dem World Beautiful Business Forum und entdeckt die Zukunft in der Gegenwart. LAND IN SICHT: YANNICK RÜBEL und das Team von Safe Haven bauen ein Segelschiff, um damit Menschen aus Seenot zu retten. Er schildert, mit welchen Grenzen er bei der Seenotrettung konfrontiert wird und was ihm ermöglicht, über seine eigenen Grenzen hinauszuwachsen.
WOZU KUNST?: Die Ausstellung ACTIVE VOCABULARY befasst sich auf Basis des gleichnamigen Dokumentarfilms von Yulia Lokshina mit zentralen Themen eines zukunftsorientierten demokratischen Rechtsstaates. ESTHER BUSS beschreibt, wie es Lokshina gelingt, die ideologische Vereinnahmung und Politisierung von Schulräumen filmisch einzufangen.




