Geheiligtes Geld
Dein Reich komme
Dein Wille geschehe
Überall auf der Welt
Alle richten ihr Leben am Geld aus. Selbst jene, die vorgeben, an einen anderen Gott zu glauben. „Geld verklebt die Welt“, betitelte ich einst einen Artikel im Philosophiemagazin der blaue reiter. Denn Geld verbindet die verschiedensten Dinge miteinander, erfasst mit seiner Klebrigkeit aber auch uns selbst, unsere Tätigkeiten und Fähigkeiten, unser Aussehen und unsere Gesundheit (mehr und ganz Essenzielles zum Thema Geld finden Sie im Interview dieser Ausgabe). Von wegen Aufklärung – Gott wurde durch Geld ersetzt.
Geld ist der große Infantilisator. Wie Gott wird es getragen von der Sehnsucht nach einer sinnvollen Ordnung, nach einer überschaubaren Welt. Mit Geld bauen wir das weltanschauliche Gehäuse, das uns Orientierung und Sinn geben soll. „Macht es euch nicht so schwer“, ruft es uns zu. Warum sich mühsam mit der Vernunftwidrigkeit und Sinnlosigkeit des Lebens arrangieren? Warum einen erwachsenen Umgang mit inneren und äußeren Konflikten finden? Mach einfach mit beim großen kapitalistischen Spiel! Vertraue auf Geld! Glaube an die göttliche Vernunft der Märkte! Werde reich!
Tja, hat leider noch nie geklappt – also das mit der Sinnfindung im Kapitalismus. Bei niemandem. Gleich, wie reich. Und obwohl es, weiß Geld, auf jede erdenkliche Weise versucht worden ist. Sinnvoll leben kann nur, wer die Sinnlosigkeit des Lebens akzeptiert.
Lust auf ein
Probe-Abo?
agora42 schließt die Lücke zwischen Ökonomie und Philosophie, macht Zusammenhänge deutlich und gibt Raum für die drängenden Fragen in diesen turbulenten Zeiten.
Lust auf ein
Probe-Abo?
agora42 schließt die Lücke zwischen Ökonomie und Philosophie, macht Zusammenhänge deutlich und gibt Raum für die drängenden Fragen in diesen turbulenten Zeiten.
Dieser Artikel ist von
Hat Philosophie und Geschichte studiert und war Redakteur beim Journal für Philosophie der blaue reiter. Kapitalismus ist für ihn ein kulturelles, nicht in erster Linie ein wirtschaftliches Phänomen – und längst zur gesellschaftlichen Normalität geworden. Was aber normal war, steht in Frage: Ohne den festen Glauben an die segensreiche Wirkung von Wachstum und technischem Fortschritt wird dem Kapitalismus die Lebensgrundlage entzogen. Es bleibt ein sinnloses Weiter-so, ein leeres Mehr des Geldes und die Gleichschaltung aller Lebensbereiche unter quantitativen Gesichtspunkten.
Was tun? Wie kann man verändern, was als normal betrachtet wird? Wie befreit man die Wirtschaft von der Wachstumsideologie? Wie kommt man wieder ins Handeln und kann beginnen, den unvermeidlichen ökonomischen und gesellschaftlichen Zusammenbrüchen entgegenzuwirken?