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WOZU REICH SEIN? Editorial zur Ausgabe 3/2026

Veröffentlicht am 6. Juli 2026
| Verfasst von Frank Augustin

Geheiligtes Geld
Dein Reich komme
Dein Wille geschehe
Überall auf der Welt

Alle richten ihr Leben am Geld aus. Selbst jene, die vorgeben, an einen anderen Gott zu glauben. „Geld verklebt die Welt“, betitelte ich einst einen Artikel im Philosophiemagazin der blaue reiter. Denn Geld verbindet die verschiedensten Dinge miteinander, erfasst mit seiner Klebrigkeit aber auch uns selbst, unsere Tätigkeiten und Fähigkeiten, unser Aussehen und unsere Gesundheit (mehr und ganz Essenzielles zum Thema Geld finden Sie im Interview dieser Ausgabe). Von wegen Aufklärung – Gott wurde durch Geld ersetzt.

Geld ist der große Infantilisator. Wie Gott wird es getragen von der Sehnsucht nach einer sinnvollen Ordnung, nach einer überschaubaren Welt. Mit Geld bauen wir das weltanschauliche Gehäuse, das uns Orientierung und Sinn geben soll. „Macht es euch nicht so schwer“, ruft es uns zu. Warum sich mühsam mit der Vernunftwidrigkeit und Sinnlosigkeit des Lebens arrangieren? Warum einen erwachsenen Umgang mit inneren und äußeren Konflikten finden? Mach einfach mit beim großen kapitalistischen Spiel! Vertraue auf Geld! Glaube an die göttliche Vernunft der Märkte! Werde reich!

Tja, hat leider noch nie geklappt – also das mit der Sinnfindung im Kapitalismus. Bei niemandem. Gleich, wie reich. Und obwohl es, weiß Geld, auf jede erdenkliche Weise versucht worden ist. Sinnvoll leben kann nur, wer die Sinnlosigkeit des Lebens akzeptiert.

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