Beschreibung
TERRAIN
NICOLE BURZAN stellt fest, dass es bei Reichtum nicht bloß um materielles Eigentum geht, sondern vielmehr um die Möglichkeiten, die reiche Menschen durch ihre Netzwerke, ihre Familie oder ihr Ansehen haben. CARSTEN LOTZ widmet sich dem Begriff des Eigentums und zeigt auf, wie das Recht auf Eigentum bis ins 16. Jahrhundert eng mit der Verantwortung für das Gemeinwesen verbunden war. Dieser Gemeinwohlcharakter ging dem Eigentum im Frühkapitalismus verloren. GERD HOFIELEN setzt sich für die Einführung einer Vermögens- bzw. Erbschaftssteuer „mit Biss“ ein – nicht etwa, um radikale Gleichheit zu erwirken, sondern um die Spirale außer Kraft zu setzen, die Reiche immer reicher macht und zu einer strukturellen Ungleichheit von Lebenschancen führt.
PORTRAIT
STEFAN VON DER LAHR stellt eine Person vor, die ihre Bedürfnislosigkeit mit größter Konsequenz bis zur völligen Armseligkeit ihrer Existenz lebte: Diogenes von Sinope. Er meint: Wenn wir Heutigen bei Diogenes vorbeigekommen wären, hätte er uns mit derselben Botschaft begrüßt, die in seinem Spott für Alexander den Großen verborgen lag: Geht mir ein wenig aus der Sonne!
INTERVIEW
Der Tübinger Soziologe CHRISTOPH DEUTSCHMANN hat schon vor Längerem im Kapitalismus die letzte große Religion der Moderne ausgemacht. Inwiefern Geld mit Gott zu tun hat und warum es viel mehr ist als bloß ein Tausch-, Zahlungs- oder Wertaufbewahrungsmittel, erklärt er im Interview.
HORIZONT
CHRISTIAN NEUHÄUSER entlarvt die sogenannte freie Marktwirtschaft als Mythos – tatsächlich haben wir es mit einem staatlich regulierten Wirtschaftssystem zu tun, das eine extreme Kapitalkonzentration zur Folge hat. Dem setzt er eine Eigentumsdemokratie entgegen, die durch kluge Investitionen für Chancengleichheit im Bildungssystem und für eine nachhaltige und robuste Infrastruktur sorgt. SANDRA VON SIEBENTHAL zufolge besteht Reichtum nicht im Besitz, sondern in der Möglichkeit zur Lebensgestaltung. Demnach ist seine Verwirklichung eine gemeinsame Aufgabe, die eine Welt verlangt, die nicht von Wenigen dominiert, sondern von Vielen getragen wird. GIORGIO CIARALLO und MATTEO TRENTINI sehen sich gegenwärtig mit einer maßlosen Architektur konfrontiert, die den Bezug zu den konkreten Bedingungen des Bauens und Wohnens verliert. Stattdessen beschreiben sie eine Architektur, die gerade dadurch großzügig ist, dass sie die durch Ressourcen, Raum und Zeit vorgegebenen Grenzen akzeptiert. ANDREA DIECK plädiert für öffentlichen statt privaten Luxus: Statt auf exklusiver Extravaganz sollte der Fokus auf einem selbstbestimmten und erfüllten Leben aller liegen, also z.B. auf kostenfreier Mobilität, guter Gesundheitsversorgung, hochwertiger Bildungsangebote und kultureller Teilhabe.




