Beschreibung
TERRAIN
ALEXANDRA COLLIGS fragt, ob unsere Vernunft am Ende ist, weil sie selbst verrückt geworden ist. Ihre Diagnose: Wir müssen Selbsterhaltung von der stetigen Vermehrung von Produkten und Geld lösen, damit die „Vernunft“ dieser Gesellschaft diese nicht in den Abgrund treibt. BRUNO KERN macht eine nüchterne Bestandsaufnahme: Wir fahren unvermeidlich an die Wand. Trotz durchaus nachvollziehbarer Lähmungserscheinungen verbietet sich Resignation, denn die Aufprallgeschwindigkeit und die Unfallnachsorge können wir noch steuern. Nach dem Knall müssen wir zu unserem menschlichen Maß zurückfinden. GEORG SPOO widerspricht der These des Stillstands: Die Rechten betreiben nicht bloß eine nostalgische Politik der Vergangenheit bzw. eine enthemmte Politik der Gegenwart, sondern eine dunkle Politik der Zukunft: Anstatt einer fadenscheinigen Normalität versprechen sie Selbsterhaltung durch Selbstvernichtung. JUTTA HEINZ untersucht, warum wir Entscheidungen so oft vermeiden: Entscheidungen tun weh, sie kosten Energie und sie machen unvermeidlich schuldig. Wer die Entscheidung deswegen aber aufschiebt, wählt die schlechteste aller Optionen, denn die Wiedergutmachungskosten gegenüber der Zukunft steigen mit jeder Nicht-Entscheidung.
PORTRAIT
CEDRIC BRAUN widmet sich dem Denken Erich Fromms, das aktueller ist denn je: Wer sich ohnmächtig fühlt – am Arbeitsplatz, in der Gesellschaft – reagiert oft mit Flucht in Konformismus oder Autoritarismus. Das ist keine persönliche Schwäche, sondern die Pathologie einer Normalität, die Menschen systematisch kleinhält.
INTERVIEW
Wir haben in Ljubljana mit der Philosophin und Psychoanalytikerin ALENKA ZUPANČIČ gesprochen. Ihre Warnung: „Setzen Sie nicht allzu viel Hoffnung in das Ende der Welt.“ Die Katastrophe ist keine Erlösung, sondern sie kann lang und qualvoll sein, ohne dass uns etwas Neues oder Besseres erwartet. ZUPANČIČ beschreibt, wie wir unsere Vorstellungskraft wiederbeleben können und was es heute bedeutet, mutig zu sein.
HORIZONT
SILKE ÖTSCH fragt, wer eigentlich das „Wir“ ist, das immerzu angerufen wird und handeln soll. Am Beispiel der nachhaltigen Finanzierung zeigt sie, warum die nötige gesellschaftliche Transformation bisher nicht stattfindet: Sie scheitert an strukturellen Machtungleichgewichten, die viel zu selten beim Namen genannt werden. Im Anschluss stellt RAUL ZELIK fest, dass progressive Bewegungen oft die Asymmetrie der Macht unterschätzen. Soziale und ökologische Forderungen scheitern nicht am Willen, sondern an den Machtressourcen von denen, deren Geschäfte blühen, weil sie die Zukunft verbrennen. OLIVIA MITSCHERLICH-SCHÖNHERR wagt eine überraschende These: Die politische Linke scheitert zuverlässig an grundlegenden Transformationen und sollte sich deshalb an Religionen orientieren: Denn sie bilden Gegenöffentlichkeiten und können Keime politischer Erneuerung sähen.
RUBRIKEN
ZUKUNFT FÜR ALLE: MASCHA SCHÄDLICH schreibt über kollektiven Umgang mit Trauer und Angst angesichts multipler Krisen und plädiert dafür, negative Gefühle anzunehmen und sie auf die Straße zu tragen. FRISCHLUFT: LOUIS KLEIN resümiert den Konferenzherbst und beschreibt, warum wir alle Generation Z sind: Weil sinnvolle Weltorientierung sich nicht mehr auf alte Scheinnormalitäten stützen kann.
LAND IN SICHT: GEORG SPOO hat mit VERONIKA SHARONOVA und MATTHIAS FEHSKE von der silberzebra gmbh gesprochen, einem Freiburger Social-Start-up, das digitale Werkzeuge für nachhaltiges Wirtschaften entwickelt und praktisch zeigt, dass Wirtschaft auch ohne reines Profitmotiv funktionieren kann.
WOZU KUNST?: Die Ausstellung IN DER HEIMAT ZU GAST zeigt Positionen von Kulturschaffenden, die Deutschland als ihre Heimat verstehen und ein partizipativer Teil der Gesellschaft sind. JANUSZ CZECH beleuchtet die postmigrantische Realität in Deutschland und Europa.





