1/2016 ÖKONOMIE & SPIRITUALITÄT

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All die diffusen Begriffe, die wir für die systemischen Wirren unserer Zeit immer wieder zu finden suchen – Kapitalismus, Neoliberalismus, Konsumismus – verbergen doch nur mäßig geschickt, dass wir in ihren verborgenen Erlösungsversprechen eine tief in uns selbst verankerte, ausgesprochen religiös gefärbte Sehnsucht zu befriedigen suchen. Oder suchten.

Wollen wir es wagen, aufrichtig zu sein? Aufhören, angeblich Säkulares von angeblich Spirituellem zu trennen? Den Mut aufbringen, unser eigenes wahnhaftes Scheitern zuzugeben?

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Beschreibung

Spiritualität, so, so … Schaltet die agora42 jetzt den Schonwaschgang ein, um im Markt der Eso-Magazine zu wildern? Käufer erkuscheln statt um Erkenntnis kämpfen?

Ganz im Gegenteil. So haben wir uns zunächst der Frage angenommen, ob es „eine Spiritualiät geben kann, die nicht selbstgefällig, klebrig oder kitschig ist, bei der man keinen intellektuellen Selbstmord begeht“, wie es Thomas Metzinger treffend formuliert.

Dass diese Frage mit einem klaren Ja beantwortet werden kann, wird spätestens im Portrait in dieser Ausgabe deutlich, weiß doch Tyler Durden: „Unser großer Krieg ist ein spiritueller, unsere große Depression ist unser Leben“. Tyler – wer? Tyler Durden, der Protagonist des Films Fight Club, der eindrücklich vorlebt, dass der Prozess der Befreiung aus materieller Versklavung alles andere als ein Sonntagsspaziergang ist.

Doch damit nicht genug. Warum Ökonomie & Spiritualität? Was hat das eine mit dem anderen zu tun? Spiritualität bedeutet, sich bewusst zu machen, dass das Geistige der entscheidende Faktor ist, dass wir als Menschen „die Welt denken und denkend ordnen“, wie es Michael W. Driesch im Interview formuliert. Insofern folgt auch die Ökonomie unserem Geist und unseren Vorstellungen, was sich nicht zuletzt daran zeigt, dass der Kapitalismus selbst eine Religion geworden ist, die „die Erlösungsfunktion übernommen hat“ (Birger P. Priddat). Spiritualität heißt hinsichtlich Ökonomischer Fragestellungen also, dass man sich seiner Verantwortung bewusst wird – nicht nur als wirtschaftlicher Akteur, sondern auch für den (geistigen) Rahmen selbst, in dem das konkrete Wirtschaften stattfindet.