agora42 – Das philosophische Wirtschaftsmagazin

Die aktuelle Ausgabe

Das Krisenbewusstsein wächst: Wirtschaftswachstum? Unverantwortlich! Folgenlose Bedürfnisbefriedigung? Undenkbar! Der Markt wird es schon regeln? Naiv! Aber warum regen sich so wenige über die Verhältnisse auf? Wo sind die neuen Ideen für eine Gesellschaft, die sich grundlegend verändert?

Sie liegen bereits hinter uns – haben aber nichts an Aktualität eingebüßt. Der Blick zurück eröffnet Wege nach vorn, die undenkbar scheinen, weil sie bereits gedacht wurden.

Unruhe

Ralf Konersmann über ein Leitbild der Moderne

Die Unruhe ist da, sie ist überall, tritt aber kaum jemals rein als solche hervor. Und doch wissen wir alle nur zu gut, was es heißt, dass wir vorwärtskommen müssen, dass wer nicht kämpft, schon verloren hat, dass wir die Hände nicht in den Schoß legen dürfen und öfter mal was Neues anfangen müssen. Die alltagssprachlichen Echos der Unruhe sind uns allen vertraut. In diesem Klima fragloser Akzeptanz dient uns das Abc der Unruhe als eine Art Kompass, der uns durch den Tag führt und der uns die Stichworte liefert, wenn es gilt, das Leben so zu leben, wie es heute gelebt sein will. weiterlesen

Arbeit über alles?

Interview mit David Graeber

„Fragt man sich nicht bei unglaublich vielen Jobs, die in den letzten Jahren neu geschaffen wurden, wozu sie eigentlich gut sind? Ein Bullshit-Job ist eine Form der bezahlten Anstellung, die derart sinnlos, unnötig oder gefährlich ist, dass selbst die Person, die sie ausführt, ihre Existenz nicht rechtfertigen kann – obwohl sich diese Person im Rahmen der Beschäftigungsbedingungen verpflichtet fühlt, so zu tun, als sei dies nicht der Fall. Oder um es etwas prägnanter zu formulieren: Ein Bullshit-Job ist ein Job, bei dem derjenige, der ihn macht, heimlich denkt, dass dieser Job nicht existieren sollte.“ weiterlesen

Alles wird infrage gestellt werden

Der Enthüllungsjournalist Günter Wallraff im Interview

„In einer anderen, ganz frühen Tagebucheintragung, die ich erst viel später wiedergefunden habe, schrieb ich:
„Ich bin mein eigener heimlicher Maskenbildner/ setze mir ständig neue Masken auf/ um mich zu suchen/und in einem vor mir zu verbergen. Wenn ich mich gefunden habe/ werde ich mich verlassen.“
Das war alles schon sehr früh angelegt – verrückt! Ich hätte nie gedacht, dass ich das einmal beruflich umsetzen würde …“weiterlesen

Das gute Leben und die Freiheit

Fritz Reheis im Interview

„Neben der Freiheit zu handeln gibt es auch die Freiheit des Willens. Erst über sie kommt man zu einer positiven Freiheit, zu einer Freiheit zu etwas. Zur Willensfreiheit müssen Menschen jedoch erst befähigt werden. Die entscheidende Frage in Hinblick auf diese positive Freiheit müsste lauten: Wie will ich eigentlich leben? Und was kann ich zusammen mit anderen tun, um diese Vorstellung vom guten Leben auch umzusetzen, um aus dem freien Willen ein entsprechend freies Handeln werden zu lassen.“ weiterlesen

„Im Herzen bin ich Anarchist“

Reinhold Messner im Interview

„Dramatisch ist, dass wir dabei sind, den in der Bibel postulierten Anspruch „Macht euch die Erde untertan“ in radikalster Form umzusetzen. Auch wenn der Spruch ganz anders gemeint war, drückt er doch die Haltung aus, die unserem System zugrunde liegt: Wir machen uns die Erde untertan, und zwar ohne Rücksicht auf Verluste. Es ist schwierig, aus der Wachstumsspirale herauszukommen. Die Frage aber ist: Was mache ich besser? Ich investiere nicht in abstrakte Finanzprodukte, verantworte beispielsweise drei Bauernhöfe in den Bergen, die allesamt kaputt waren. Diese Bauernhöfe, die sehr hoch liegen, waren in einer globalisierten Welt schlichtweg nicht mehr rentabel …“ weiterlesen

Die Politik – maßgebend oder maßlos?

Ein Essay von Wolfram Bernhardt

Die Politik hat sich in den letzten Jahren mehr und mehr als Instanz verabschiedet hat, die das richtige Maß zwischen Profitstreben und Gemeinwohl, zwischen Umweltschutz und Ausbeutung der natürlichen Ressourcen vorgibt. Woran liegt das? Sicherlich auch daran, dass in Vergessenheit geraten ist, dass sich Demokratie nur halten kann, „wenn sie nicht direkt vom ökonomischen Wohlstand abhängt“ (Gesine Schwan) … weiterlesen