Haben Sie das Gefühl, in einer Krise zu sein?” – Der Kapitalismus auf der Couch

Die­ses Behand­lungs­pro­to­koll ist erst­mals ins agora42 1/2017 DER KAPITALISMUS AUF DER COUCH erschie­nen. In die­ser Aus­ga­be wird der Kapi­ta­lis­mus in vier the­ra­peu­ti­schen Sit­zun­gen ana­ly­siert. Die ers­te Sit­zung fasst Chris­ti­an Schü­le zusam­men:
kapitalismus agora42
 

Der depressive Patient
Behandlungs-Protokoll: Systemische Therapie mit gestalttherapeutischen Anteilen

 
 
All­ge­mei­ner Ein­druck des Pati­en­ten:
Pati­ent K ver­hält sich auf­fal­lend auf­fäl­lig. Er kann nicht still sit­zen und springt unver­hofft auf, um wäh­rend des Gehens ohne Punkt und Kom­ma zu reden. Mich nimmt er sel­ten wahr, manch­mal ver­schluckt er Sil­ben. Fra­gen, die sei­nen Mit­tei­lungs­drang unter­bre­chen, igno­riert er. Ein­wän­de sind in sol­chen Momen­ten nicht mög­lich. Eine kla­re Gedan­ken­füh­rung habe ich nicht bemerkt. K ist ner­vös, unge­dul­dig und ver­voll­stän­digt mei­ne Sät­ze, weil ich ihm, wie er sagt, zu schlep­pend rede. Per­ma­nent strei­chelt er mit dem rech­ten Dau­men über das Deck­glas sei­ner Arm­band­uhr. Mein Ein­druck: Ks Leben ist ein streng getak­te­ter Ablauf­plan kurz­fris­ti­ger Arran­ge­ments, die stän­dig koor­di­niert wer­den müs­sen.
 
diktiergeraet
 
Sprach­me­mo 1:

K: Sie müs­sen in jedem Fall über Ihre Gren­zen gehen, wis­sen Sie, es ist ent­schei­dend, dass Sie immer Ihre Gren­zen über­schrei­ten, dar­in liegt der Sinn unse­rer Natur, ohne Grenz­über­schrei­tung hät­te das Leben ja kei­ne …

Ich: Sie mei­nen: hät­te Ihr Leben.

K: … Span­nung. Mein Leben? Mein Leben ist gleich­zu­set­zen mit dem Leben an sich. Wir befin­den uns in einem per­ma­nen­ten Kampf! Da drau­ßen ist Krieg, ver­ste­hen Sie? Da ist der Krieg der Wöl­fe! Da zählt fürs Über­le­ben nur der Sieg.

Ich: Füh­len Sie sich bedroht?

K: Ich bin Top-Per­for­mer und die aller­meis­ten da drau­ßen sind Low-Per­for­mer. Top-Per­for­mer haben das Recht, allen ande­ren vor­ge­zo­gen zu wer­den. Rich­tig, oder? Als Top-Per­for­mer brau­chen Sie die bes­ten Umstän­de, um sich ent­fal­ten zu kön­nen. Ohne Stei­ge­rung führt sich das Sys­tem selbst in die Grüt­ze, weil es die eige­nen Repro­duk­ti­ons­kräf­te hemmt: Es bleibt ste­hen, und alles, was ste­hen bleibt, ist tot. Das ist unbe­streit­bar!

 
 
Notat 1:
Der Fra­ge, ob er sich vor einem Leben ohne Span­nung und Beloh­nung fürch­te, ent­geg­net K gereizt, Furcht sei etwas für die Zukurz­ge­kom­me­nen! Das Prin­zip der Selbst­über­schrei­tung habe er bereits in sei­ner Jugend als vor­teil­haft erkannt und aus­ge­lebt. Es treibt ihn an, erregt ihn, bringt ihm Lust. K ist voll­ends abhän­gig von der Bestä­ti­gung und Auf­merk­sam­keit ande­rer, die er als Bewun­de­rung miss­ver­steht. Er ver­neint mei­ne Fra­ge, ob ihm ein Mensch gleich­wer­tig sein kön­ne. Wert hat für ihn nur, was ihn von allen ande­ren abhebt, vor allem im direk­ten Ver­gleich: Der Bonus ist für ihn die höchs­te Form der Unter­schei­dung und Wert­schät­zung sei­ner Per­son. Er ist ein Fetisch, auf den sich Ks Libi­do-Ener­gie kon­zen­triert. Als Con­sul­tant-Mana­ger einer gro­ßen Media-Agen­tur ent­wi­ckelt K Pro­duk­te, die ihn nicht inter­es­sie­ren. Sein ein­zi­ges Inter­es­se ist die Beschleu­ni­gung der Pro­dukt-Plat­zie­rung und der Vor­teil, den er dadurch hat. „Wer Bedürf­nis­se kre­iert, Men­schen zu deren Befrie­di­gung sti­mu­liert und ihre Lust dann mit pass­ge­nau ent­wi­ckel­ten Pro­duk­ten befrie­digt“, sagt er, „habe nie­mals Fei­er­abend.“ K hat den Ehr­geiz, höhe­re Quo­ten zu erzie­len als die ande­ren Abtei­lun­gen sei­nes Unter­neh­mens; er benutzt dabei das Wort „Spiel“. Durch sei­ne Fixie­rung auf die Beschleu­ni­gung von abs­trak­ten Abläu­fen wur­de K von einer Stei­ge­rungs­lo­gik ver­ein­nahmt, der er nicht mehr ent­kom­men kann. Sie erlaubt ihm nur, ent­we­der nach oben zu lau­fen oder nach unten zu fal­len. Eine ande­re Mög­lich­keit sieht er nicht. K ist Gefan­ge­ner im eige­nen Pan­op­ti­kum: Er hat zwi­schen sich und die Rea­li­tät eine dop­pel­sei­tig spie­gel­ver­glas­te Trenn­wand ein­ge­zo­gen. In den Spie­geln sieht er nur sich selbst.
 
 
Sprach­me­mo 2:
Ich: Wenn Sie sich ein­mal betrach­ten – was sehen Sie?

K: Einen High Poten­ti­al Anfang vier­zig.

Ich: Das mei­ne ich nicht.

K: Dann fra­gen Sie prä­zi­ser.

Ich: Was ver­kör­pern Sie für sich selbst?

K: Ich weiß nicht, was die­se Fra­gen sol­len. Ich habe Ihnen das schon so oft gesagt: In mir ver­kör­pert sich unser Sys­tem. In mir zeigt sich der Wohl­stand die­ses Lan­des. Da habe ich doch Respekt ver­dient, mei­nen Sie nicht?

Ich: Ich mein­te nicht, was Sie sind, son­dern wen Sie sehen?

K: Das ist das Glei­che.

Ich: Gut, dann fra­ge ich anders: Haben Sie das Gefühl, in einer Kri­se zu sein?

K: Kri­se? Wenn da eine Kri­se sein soll­te, kann ich sie mir nicht leis­ten. Kri­sen sind dazu da, über­wun­den zu wer­den. Kri­sen und Kri­tik müs­sen ein­ver­leibt, neu­tra­li­siert und sofort pro­duk­tiv umge­setzt wer­den.

 
 
Notat 2:
K kann kei­ner­lei Ver­ständ­nis für Schwa­che auf­brin­gen. Schwä­che eke­le ihn, sagt er wört­lich. Er ver­ach­te Men­schen, die sich per­ma­nent zum Opfer jener Umstän­de sti­li­sie­ren, die er bestimmt. Mei­ne Fra­ge, ob er spü­ren kön­ne, dass sich die Mit­ar­bei­ter sei­ner Abtei­lung von ihm los­ge­sagt hät­ten, ver­neint er vehe­ment. Er glaubt, die Kol­le­gen eifer­ten sei­nem Vor­bild nach und bewun­der­ten ihn für sei­ne Erfolgs­quo­te. Wenn er über­haupt von ande­ren spricht, sind dies aus­nahms­los Män­ner. Er kann sie indi­vi­du­ell nicht kon­tu­rie­ren, aber es ist klar, dass alle, von denen er erzählt, eine Ähn­lich­keit mit ihm selbst besit­zen: das glei­che Alter, das glei­che Äuße­re und die glei­che Pas­si­on, Bedürf­nis­se zu schaf­fen, von denen die Kon­su­men­ten bis­lang nichts wuss­ten. K redet nicht über Mit­bür­ger, son­dern über Pro­dukt­nut­zer. Wenn er redet, ist er grund­sätz­lich nicht in der Lage, die Augen zu schlie­ßen. Wir spra­chen über Ks Träu­me: Er bestand dar­auf, kei­ne Träu­me zu haben, son­dern Visio­nen.
 
couchillu
 
Sprach­me­mo 3:
Ich: Sie sind zu mir gekom­men, weil Sie die Befürch­tung hat­ten, „heiß­zu­lau­fen“.

K: Heiß­zu­lau­fen?

Ich: So haben Sie das gesagt.

K: Ich bin gekom­men, weil mein Arzt mich zu Ihnen geschickt hat. Aber ich bin auf gar kei­nen Fall krank.

Ich: Nun, Sie kön­nen nicht mehr schla­fen! Das fin­de ich durch­aus bedenk­lich.

K: Wir kön­nen uns Schlaf nicht leis­ten. Wozu auch? Schlaf ist Still­stand.

Ich: Ver­ach­ten Sie Mit­men­schen, die nicht mit­hal­ten kön­nen?

K: Sie könn­ten ja mit­hal­ten, aber sie wol­len nicht, ver­ste­hen Sie? Kann nicht, gibt’s nicht! Die wol­len ein­fach nicht und machen den Lea­dern das Leben schwer.

Ich: Sie haben behaup­tet, dass der Wert eines Men­schen dar­in besteht, sich selbst stets zu „inves­tie­ren“.

K: Jeder von uns ist sei­ne eige­ne Aktie. Jeder inves­tiert sich selbst und kas­siert dafür eine Ren­di­te, so geht das Spiel.

 
 
Notat 3:
Im Ver­lauf der Sit­zung wur­de deut­lich, dass sich der Wert des Men­schen für K über sein Kön­nen, oder bes­ser: über sein Kön­nenwol­len defi­niert. Im Gegen­satz zum mora­li­schen Sol­len, mit dem kla­re Vor­ga­ben ver­bun­den sind, ist das Kön­nen­wol­len per defi­ni­tio­nem unbe­grenzt und unend­lich stei­ger­bar. Es hat kei­nen Anfang und kein Ende, son­dern ent­wi­ckelt sich aus sich selbst her­aus ad infi­ni­tum. Kön­nen­wol­len bezeich­net die gren­zen­lo­se Mög­lich­keit des Wer­dens. K bemisst zwar den Wert des Men­schen an sei­nem Kön­nen, kann jedoch nicht defi­nie­ren, was die­ses Kön­nen aus­macht: Jeder müs­se selbst wis­sen, was er kann. Kön­nen heißt für ihn auch, dass jeder Mensch gänz­lich auf sich allein gestellt ist, denn nur der Ein­zel­ne selbst kann das Kön­nen wol­len. Den Men­schen zum per­ma­nen­ten Auf­bruch anzu­trei­ben, ist Aus­druck der Logik, die K dem Leben unter­stellt: Alles, was ist, muss wach­sen. Alles, was wächst, wirft immer etwas ab, sonst wäre es Nega­tiv­wachs­tum. Wenn der ein­zel­ne Mensch nicht zum posi­ti­ven Wachs­tum bei­trägt, dann schei­tert er K zufol­ge an sei­ner Bestim­mung. Immer wie­der weist K dar­auf hin, dass nie­mand ande­res für das Schei­tern haft­bar zu machen ist, als das nicht-kön­nen­wol­len­de Indi­vi­du­um selbst.
 
 
Sprach­me­mo 4:
Ich: Sie sind, laut Ihres Über­wei­sungs­scheins, auch des­halb zu mir gekom­men, weil Ihnen ein schmerz­haf­tes Ereig­nis wider­fah­ren ist.

K: Ich habe kei­ne Schmer­zen.

Ich: Gut, sagen wir: ein für Sie pro­ble­ma­ti­sches Ereig­nis.

K: Pro­ble­me löse ich, ver­ste­hen Sie? Nein, ich bin gekom­men, weil … weil mein Sexu­al­trieb … also, weil die­ser Trieb mich zu oft von der Arbeit ablenkt.

Ich: Das mein­te ich nicht. Sie sind gekom­men, weil Sie zusam­men­bra­chen, nach­dem eine jun­ge Kol­le­gin sich Ihnen wider­setzt hat und –

K: Ich bin kei­nes­falls zusam­men­ge­bro­chen!

Ich: Sie hat­ten einen Wein­krampf.

K: Das ist ein Miss­ver­ständ­nis.

Ich: Wor­in genau besteht die­ses Miss­ver­ständ­nis?

K: Die Kol­le­gin hat nicht ver­stan­den, dass sie schlecht per­formt.

Ich: Hat die Kol­le­gin Sie denn nicht zurück­ge­wie­sen?

K: Nie­mals! Als Low-Per­for­mer schmä­lert sie mein Ergeb­nis. Die­se Frau hat mich nicht ver­dient.

Ich: Was genau hat sie nicht ver­dient?

K: Mei­ne Aner­ken­nung.

Ich: Aber war es nicht gera­de anders­her­um?

K: Wir machen jetzt mal eine Ziga­ret­ten­pau­se.

agora42 Kapitalismus gehirn
 
 
Notat 4:
Nach der kur­zen Unter­bre­chung schil­dert K die Situa­ti­on fol­gen­der­ma­ßen: Er sei sich sicher gewe­sen, dass die jun­ge Kol­le­gin, Mit­te zwan­zig, die seit einem hal­ben Jahr in sei­ner Abtei­lung arbei­tet, ihm zwar wider­ste­hen woll­te, es aber nicht konn­te. Also habe er, um „die Sache abzu­kür­zen“, den direk­ten Weg gewählt und sie an besag­tem Don­ners­tag vor acht Wochen gegen 21 Uhr in sein Büro gebe­ten. Als sie dort nicht erschie­nen sei, habe er sie ange­ru­fen. Die Kol­le­gin ent­geg­ne­te, dass sie bis Punkt 18 Uhr arbei­te und kei­ne Minu­te län­ger. Sie frag­te ihn, ob er das nicht wis­se. Zwei Tage spä­ter, kurz vor sei­nem eige­nen Objec­tive-Talk mit dem CEO, sei sie zum monat­li­chen Ziel­ver­ein­ba­rungs­ge­spräch in sei­nem Büro erschie­nen. Genau­er woll­te K den Vor­gang nicht schil­dern, aber offen­bar hat die jun­ge Kol­le­gin sei­ne Hand von ihrer Brust genom­men, den Kopf schief gelegt und sehr lan­ge künst­lich gegähnt.
 
 
Notat 5:
Die Ohn­macht, die K bei der Zurück­wei­sung durch die Kol­le­gin ver­spür­te, zeigt, dass er ver­wei­ger­ter Aner­ken­nung nicht gewach­sen ist. Das gelang­weil­te Gäh­nen der jun­gen Frau kon­fron­tier­te ihn mit sei­ner eige­nen Bedeu­tungs­lo­sig­keit. Er fühl­te sich nicht ange­grif­fen, son­dern aus­sor­tiert. Die Angst, er könn­te Attrak­ti­vi­tät und Macht ver­lie­ren, wenn die nach­fol­gen­de Gene­ra­ti­on ihn nicht mehr aner­kennt, hat K in die Depres­si­on geführt. Die Kol­le­gin stellt nicht nur sei­ne Rol­le als Heroe der Fir­ma infra­ge, son­dern das Sys­tem, auf dem sein Selbst­wert basiert. Dies führt bei K zu einem Iden­ti­täts­bruch, ver­gleich­bar mit dem Sprung eines Spie­gel­gla­ses. Seit­her kann er die Frag­men­te sei­ner Per­sön­lich­keit nicht mehr zusam­men­den­ken.
K fasst jeg­li­che Beloh­nung als gerecht­fer­tig­te Gra­ti­fi­ka­ti­on nicht nur sei­ner Arbeit, son­dern sei­nes Daseins als sol­chem auf. Bei aus­blei­ben­der Beloh­nung ist er jedoch unre­gu­lier­bar. K ist über­zeugt vom extrem hohen Wert sei­ner Arbeit und unter­schei­det nicht mehr in gute und schlech­te, rich­ti­ge und fal­sche Hand­lun­gen. Er hat sei­ne Selbst­steue­rungs­fä­hig­keit völ­lig ein­ge­büßt. K glaubt, dass er letzt­lich auf ande­re Men­schen ver­zich­ten kann. Durch die dau­er­haf­te Aus­trei­bung des Ande­ren aus sei­ner Wahr­neh­mung ist ihm jedes Maß ver­lo­ren gegan­gen. Schließ­lich ist er in sei­ner Käl­te erst „heiß­ge­lau­fen“ und hat sich dann selbst ver­lo­ren.
 
 
Schluss-Notat:
Auf bis­her prä­ze­denz­lo­se Wei­se ver­mag der Pati­ent sei­ne depres­si­ven Pha­sen so zu neu­tra­li­sie­ren, dass aus dem Akti­vi­täts­ver­lust und der Nie­der­ge­schla­gen­heit über­höh­te Wahn­vor­stel­lun­gen ent­ste­hen. Sein chro­ni­sches Schlaf­de­fi­zit führ­te bis­lang nicht zu einem geschwäch­ten Immun­sys­tem oder zu gestie­ge­ner Anfäl­lig­keit für Krank­hei­ten. K hat aber­mals abge­nom­men, der Gür­tel lässt sich nicht mehr enger schnal­len. Ich habe dem Pati­en­ten ein vier­wö­chi­ges Exer­zi­ti­um im Klos­ter St. Boni­fa­ti­us emp­foh­len und ihm für die Über­gangs­zeit Lithi­um und Neu­ro­lep­ti­ka zur Dämp­fung psy­cho­tisch-wahn­haf­ter Sym­pto­me ver­schrie­ben. Ich sehe zwei trif­ti­ge Grün­de für die Fort­set­zung der The­ra­pie in Form der Ana­ly­se: Ers­tens Ks anhal­ten­de Angst, die jun­ge Kol­le­gin zer­stö­re mit ihrem gering­schät­zi­gen Ver­hal­ten natür­li­che Hier­ar­chi­en und damit sei­ne Lebens­grund­la­ge. Zwei­tens wird er seit der Zurück­wei­sung durch die Kol­le­gin von Panik­at­ta­cken heim­ge­sucht, wäh­rend derer er wähnt, von innen aus­ge­höhlt zu wer­den. In die­sen Momen­ten wie­der­holt er stän­dig ihre Fra­ge nach dem gesell­schaft­li­chen Nut­zen sei­ner Arbeit und damit sei­nes Lebens.

Um Punkt 15 Uhr zog K sei­nen Kamel­haar­man­tel an und ging.
 
 
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Christian Schuele

Chris­ti­an Schü­le ist frei­er Autor und Publi­zist und lebt in Ham­burg. Seit Anfang 2015 lehrt er im Fach­be­reich Kul­tur­wis­sen­schaft an der Uni­ver­si­tät der Küns­te Ber­lin. Zuletzt von ihm erschie­nen: Was ist Gerech­tig­keit heu­te? Eine Abrech­nung (Patt­loch Ver­lag, 2015).

 

 

Das Böse kommt nicht vom Kapitalismus – Interview mit Ruth Hagengruber

Anläss­lich der aktu­el­len Aus­ga­be zum The­ma “DER KAPITALISMUS AUF DER COUCH” haben wir aus­ge­wähl­ten Per­so­nen drei Fra­gen zu die­sem The­ma gestellt – dar­un­ter auch Prof. Dr. Ruth Hagen­gru­ber. Sie hält die gän­gi­ge Kapi­ta­lis­mus­schel­te für einen Vor­bo­ten natio­na­ler auto­ri­tä­rer Bewe­gun­gen und plä­diert dafür den Kapi­ta­lis­mus nicht zu dämo­ni­sie­ren, son­dern zu demo­kra­ti­sie­ren.

 

Das Böse kommt nicht vom Kapitalismus – Interview mit Ruth Hagengruber

 

1. Frau Hagen­gru­ber, wel­chen Aspekt des Kapi­ta­lis­mus fin­den Sie am inter­es­san­tes­ten und am ehes­ten zu beden­ken?

Die heu­te ver­brei­te­te Kapi­ta­lis­mus­schel­te darf gewiss mehr als Trend denn als Ein­sicht ange­se­hen wer­den. Wer den Kapi­ta­lis­mus gar ins Reich des Bösen ver­weist, ist sich der Zustim­mung der Vie­len und daher auch der Medi­en gewiss. So ein­fach ist es nicht. Kein Zwei­fel, auf Trug gebau­te Kapi­tal­ak­ku­mu­la­tio­nen, Intrans­pa­renz ver­stö­ren den „Nor­mal­bür­ger“, der es sich nur im Rah­men sei­ner Ein­künf­te leis­ten kann, die eige­nen Ide­en zu rea­li­sie­ren. Und der über­zeugt ist: Das Gute im Leben kann mit Kapi­tal nicht erkauft wer­den. In die­ser Span­ne zwi­schen Ent­täu­schung und über­zo­ge­nen Hoff­nun­gen ermög­licht uns die phi­lo­so­phi­sche Per­spek­ti­ve wie­der einen neu­en Blick auf die Öko­no­mie­ge­schich­te und auf das, was unter Kapi­tal über­haupt zu ver­ste­hen ist. Dabei ist es wohl nicht zufäl­lig, dass ihr Begrün­der, Adam Smith ein Moral­phi­lo­soph war. Phi­lo­so­phie und Öko­no­mie sind schon seit der Anti­ke, also seit dem Anfang der Phi­lo­so­phie eng ver­zahnt. Kein gerin­ge­rer als Sokra­tes hin­ter­ließ fol­gen­de Anwei­sung, das Ver­mö­gen zu meh­ren: auxein ton oikon. Das über­lie­fert Xeno­phon. Klug, wie die­se anti­ken Den­ker waren – übri­gens waren es auch Den­ke­rin­nen, denn in eben die­sem Buch bezeich­net Sokra­tes Aspa­sia als sei­ne Leh­re­rin – wis­sen sie, dass die Ver­meh­rung des Ver­mö­gens zwar das Ziel der Öko­no­mie dar­stellt, aber auch, dass es dabei nicht um quan­ti­ta­ti­ve, son­dern um qua­li­ta­ti­ve Wer­te geht.

Ruth Hagengruber

Ruth Hagen­gru­ber habi­li­tier­te mit einem wirt­schafts­phi­lo­so­phi­schen The­ma (Nut­zen und All­ge­mein­heit) und lei­tet seit 2005 den For­schungs­be­reich EcoTech­Gen­der an der Uni­ver­si­tät Pader­born. Sie publi­ziert regel­mä­ßig zu The­men der Wirt­schaft, Infor­ma­tik und zu Fra­gen der Geschlech­ter­ge­rech­tig­keit (sie­he web­page). Seit 2013 lehrt sie in einem Pro­jekt: Ethik Den­ken Öko­no­mie regel­mä­ßig zu The­men der Wirt­schafts­phi­lo­so­phie.

Ver­mö­gens­meh­rung aus die­ser phi­lo­so­phi­schen Per­spek­ti­ve meint näm­lich, die sub­jek­ti­ve ganz per­sön­li­che Beur­tei­lung und Ein­schät­zung über eine Sache. Sokra­tes bringt dafür anschau­li­che Bei­spie­le: Es nützt nichts, wenn einer ein Pferd besitzt, das ihn tritt! Obwohl quan­ti­ta­ti­ver Besitz, ist es kein Ver­mö­gen, son­dern einen Scha­den! Selbst, wer kei­nen direk­ten Scha­den nimmt, aber auch kei­nen Vor­teil, han­delt unwei­se. Wer eine Flö­te besitzt, die er nicht spie­len kann, scha­det sich und sei­nem Ver­mö­gen.

Was Xeno­phon hier durch den Mund des Sokra­tes mit­teilt ist die Ein­sicht, dass unser Urteil der Aus­druck des Wis­sens über Nut­zen und Gebrauch eines Dings ist. Es ist ein ganz per­sön­li­ches Urteil, das vom Urtei­len­den abhängt. Das Urteil spie­gelt sozu­sa­gen den Urtei­len­den. Die­ser Mehr­wert, den der Urtei­len­de rekla­miert, spie­gelt sein Wis­sen um die Sache und rezi­prok. Die Ver­mö­gens­meh­rung, damit das Kapi­tal, kommt folg­lich aus die­sem Wis­sen, nicht aus der Sache. Das war die idea­le Auf­fas­sung Xeno­phons.

Aus die­ser Ein­sicht las­sen sich vie­le inter­es­san­te Urtei­le ablei­ten. Z.B. auch die­je­ni­ge, dass Kapi­tal sich nicht auf Geld oder Boden oder Pro­duk­ti­ons­mit­tel beschrän­ken lässt. Der wah­re Grund des Kapi­tals ist der qua­li­ta­tiv zuge­mes­se­ne Mehr­wert, der sich in der Sache ver­ding­licht. Nut­zen und Gebrauch wer­den sozu­sa­gen erfun­den. Zucker­berg und Gates, Rubin­stein, Goog­le und Sky­pe prä­sen­tie­ren heu­te in dem von ihnen kre­ierten Kapi­tal die Trans­for­ma­ti­on der Ide­en zu Kapi­tal. Wir kre­ieren den Mehr­wert. Wir kre­ieren das Kapi­tal. Heu­te ist prak­tisch allen klar, dass Kapi­tal nicht im Geld liegt. Das wah­re Kapi­tal ist Wis­sen. Was wir als Kapi­tal anse­hen, wan­delt sich. Wenn wir wol­len, kön­nen wir den ganz  gro­ßen Kapi­ta­lis­ten unse­ren Zuspruch ent­zie­hen – jeden­falls, wenn wir die demo­kra­ti­sche Kon­trol­le aus­üben kön­nen und ver­ste­hen ler­nen, dass der Kapi­ta­lis­mus, wie alles und wir selbst, not­wen­dig kor­rek­tur­be­dürf­tig sind.

Der demo­kra­ti­schen Kor­rek­tur des Kapi­ta­lis­mus geht es daher um die gro­ße Streu­ung des Zugangs zum Kapi­tal, das idea­ler­wei­se in vie­len Län­dern die­ser Welt aktiv ist und dabei zugleich die Auf­lö­sung auto­ri­tä­rer oder und patri­ar­cha­ler Herr­schaft mit sich führt.

Die­ser eigent­lich demo­kra­ti­sche, aber auch glo­ba­le Pro­zess beflü­gelt die Angst des Ein­zel­nen in den Wohl­stands­län­dern, sie möch­ten dabei ihr „biss­chen Kapi­tal“ ver­lie­ren. Die glo­ba­le Stra­te­gie des moder­nen und par­ti­ku­lar ori­en­tier­ten Kapi­ta­lis­mus wird von den neu­en natio­na­lis­ti­schen Bewe­gun­gen bekämpft. Sie sind Bewe­gun­gen, denen die Streu­ung und Par­ti­ku­la­ri­sie­rung des Kapi­tals zuwi­der ist.

Das Kapi­tal hat das Bür­ger­tum von der Adels­herr­schaft befreit und Chi­na zum Glo­bal Play­er gemacht. Das Kapi­tal kann alte Ord­nun­gen ver­wer­fen. Die ande­ren ver­spre­chen das Gute, wenn sie das Kapi­tal in der Hand hal­ten. Hier kommt es dar­auf an, für wen wir uns ent­schei­den, solan­ge wir die Chan­ce haben, uns zu ent­schei­den, wem wir unser Kapi­tal anver­trau­en. Selbst die Grü­nen ver­spre­chen, „Ren­te geht auch grün“. Kapi­tal kann man in jeder Ver­si­on anspa­ren und ver­meh­ren, je nach­dem für wel­ches „gute“ man sich ent­schei­det, solan­ge es einem noch frei steht, sich zu ent­schei­den. Wer will die­se Ver­tre­ter der neu­en Bewe­gun­gen als zen­tra­le Ver­wal­ter der dann wie­der deut­schen Finanz­kraft? Der freie Bür­ger wird dann weni­ger frei sein, sein biss­chen Ver­mö­gen nach sei­nen eige­nen Vor­stel­lun­gen zu ver­meh­ren. Man muss den Kapi­ta­lis­mus demo­kra­ti­sie­ren, nicht zen­tra­li­sie­ren.

 

2. War­um konn­ten sich die Men­schen so schnell und unbe­merkt für das kapi­ta­lis­ti­sche Den­ken begeis­tern? Ent­spricht der Kapi­ta­lis­mus unse­rer Natur?

Die Frei­heit für einen Men­schen wächst mit sei­ner Mög­lich­keit, sei­ne eige­nen Vor­stel­lun­gen zu  rea­li­sie­ren. Kapi­tal ist einer­seits genau das, was wir dank unse­res eige­nen Ver­mö­gens in den Din­gen sehen. Unser Blick auf die Din­ge der Welt und wie wir sie für unse­re Inter­es­sen nut­zen kön­nen, gehört wesent­lich zu unse­ren Akti­vi­tä­ten. Noch erfreu­li­cher ist es, wenn sich die Welt nach unse­rem Urteil for­men lässt. Das ist letzt­lich der Wunsch der Men­schen, sozu­sa­gen anthro­po­lo­gi­sche Deter­mi­nan­te. Die Din­ge nach der eige­nen Vor­stel­lung zu bewer­ten, ist ein Teil der Selbst­ver­wirk­li­chung. Wir rea­li­sie­ren uns und ver­ding­li­chen unser Ego auf die­se Wei­se in den Din­ger der Welt. Das Ich ver­ding­licht sich im Nicht-Ich, sagen die Phi­lo­so­phen. Damit rea­li­siert sich das säku­la­re Glück im Hier und Jetzt und nicht im Jen­seits. Dem Indi­vi­du­um scheint es, als könn­te es sich damit ver­ewi­gen.

Nun ent­brann­te mit Rawls, aller­dings nicht zum ers­ten Mal in der Phi­lo­so­phie, die Debat­te, ob die natür­li­che Ver­schie­den­heit der Men­schen nicht unge­recht und daher der Aus­gleich der natür­li­chen Vor­tei­le „zen­tral“ gesteu­ert wer­den müs­se. Die natür­li­che Ver­schie­den­heit aus­zu­glei­chen ist nun zur Auf­ga­be all deren gewor­den, die sich auf den quan­ti­ta­ti­ven Aus­gleichs spe­zia­li­sie­ren. Wer aber kann es quan­ti­fi­zie­ren? Alle fischen im Trü­ben. Aris­to­te­les und Tho­mas Hob­bes ver­tra­ten die Auf­fas­sung, die Ver­schie­den­heit der Men­schen sei per sei die Vor­aus­set­zung und frucht­ba­re Grund­la­ge aller Gemein­schaf­ten. Gleich­heit hin­ge­gen mache sie unmög­lich, oder, wie bei Hob­bes, mache die Idee der natür­li­chen Gleich­heit sogar „mör­de­risch“. Nach Aris­to­te­les kann es kei­ne Gemein­schaft geben „mit zwei Bau­ern, oder zwei Ärz­ten“. Es braucht einen Arzt und einen Bau­ern, damit der Aus­gleich statt­fin­den kann. Die Ver­schie­den­heit ist selbst Ursa­che der Ent­wick­lung der eige­nen Fähig­kei­ten und der Dif­fe­ren­zie­rung der Tätig­kei­ten.

Das Pro­blem des gegen­wär­ti­gen Kapi­ta­lis­mus sind sei­ne Stö­run­gen. Zwi­schen „gut“ und „böse“ wer­den die Eigen­schaf­ten des Kapi­ta­lis­mus tariert, als hiel­te man einen Gott in den Hän­den. In der Tat, die Mög­lich­kei­ten, die sich durch die Kapi­ta­li­sie­rung erschlie­ßen, sind gewal­tig. Wir aber befin­den uns erst in den Kin­der­jah­ren der Ent­wick­lung. Die Smart­pho­nes bie­ten theo­re­tisch inter­es­san­te Mög­lich­kei­ten einer demo­kra­ti­schen Dis­tri­bu­ti­on, aber auch hier hat­ten die ver­bre­che­ri­schen Absich­ten schnel­ler die Hand auf den Gerä­ten, als die auf­ge­klär­te Bür­ge­rin. Sie und poli­ti­sche Gewalt stö­ren die­sen Markt, wie wir täg­lich hören. Sie spio­nie­ren, mal­trä­tie­ren, und wol­len sein Schei­tern, aber nur für den ein­zel­nen Bür­ger, für ihre eige­nen Vor­tei­le wol­len sie sein Funk­tio­nie­ren, damit sie wie­der eines haben: Kon­trol­le, Auto­ri­tät, Kapi­tal, Macht, ande­re für ihre Zwe­cke zu miss­brau­chen.

 

3. In unse­rer aktu­el­len Aus­ga­be liegt der Kapi­ta­lis­mus auf der Couch. Er ist aus­ge­brannt, kaum jemand glaubt noch ernst­haft an ihn, immer häu­fi­ger fragt man sich “wozu”, Kri­sen­stim­mung macht sich breit. Ist die Blü­te­zeit des Kapi­ta­lis­mus vor­über?

Die gegen­wär­tig modi­sche aber häu­fig ideo­lo­gi­sche Kapi­ta­lis­mus­schel­te besteht aus einer Rei­he von Schuld­zu­wei­sun­gen, die den Kapi­ta­lis­mus per se nicht tref­fen, son­dern sei­nen Miss­brauch und sei­ne Akteu­re. Der ver­brei­te­te Anti­ka­pi­ta­lis­mus unse­rer Gesell­schaft ist eine Vor­stu­fe der poli­ti­schen Bewe­gun­gen, die wir heu­te beob­ach­ten, die auto­ri­tä­re Ten­den­zen ver­fol­gen. Für sie ist die welt­weit gestreu­te Kapi­tal­macht eben­so wie die Demo­kra­tie eine Her­aus­for­de­rung.

Kapi­tal ist gefähr­lich, wenn es in der Hand weni­ger liegt und eigent­lich ist Kapi­ta­lis­mus dann gar nicht mehr mög­lich. Der Kapi­ta­lis­mus ist umso weni­ger ent­fal­tet, je mehr er die Ein­zel­nen aus dem Markt­zu­gang aus­schließt und je mehr nur weni­ge defi­nie­ren, was denn das (Gute) ist, das mit dem Kapi­tal erzeugt wer­den soll. Intrans­pa­renz und Akku­mu­la­ti­on ver­hin­dern, dass sich Men­schen mit ihren Fähig­kei­ten ein­brin­gen. Das sind die wirk­li­chen Stö­run­gen. Das hat aber gar nichts damit zu tun, ob ein Fuß­ball­spie­ler oder ein Vor­stands­chef 15 Mil­lio­nen im Jahr ver­die­nen darf oder zehn. Die­se Leu­te ver­die­nen ihr Geld auf dem Markt, der wenigs­tens inso­fern frei ist, als wir zu die­sem Pro­zess nicht bei­tra­gen müs­sen. Wer die Ver­si­che­rung wech­seln kann, geht zu der, die die effi­zi­en­tes­te für ihn ist. Viel­leicht ist es die, bei der der Vor­stand 5 Mil­lio­nen ver­dient, viel­leicht jene, wo er 15 ver­dient. Schlimm wird es, wenn wir kei­ne Aus­wahl mehr haben, wenn wir auf ein Pro­dukt ange­wie­sen sind. Dann hat die demo­kra­ti­sche Kon­trol­le ver­sagt.

Auch in unse­rer Gesell­schaft herr­schen auto­ri­tä­re Aus­schlüs­se. Das betrifft die Frau­en, das betrifft z.B. aber auch alle jene Men­schen, die in die­ses  Land kom­men woll­ten, und ihre Arbeit anbie­ten woll­ten, wie es Imma­nu­el Kant in sei­ner Schrift vom Ewi­gen Frie­den gefor­dert hat. Die Gerech­tig­keit des Mark­tes zu erhö­hen, hat auch damit zu tun, den Markt zu öff­nen und trans­pa­ren­ter zu machen. Das Gegen­teil ist aber der Fall und wird von vie­len gefor­dert. Opel soll in Bochum blei­ben, Nokia soll nicht in Rumä­ni­en pro­du­zie­ren und die Flücht­lin­ge sol­len nicht die Arbeits­plät­ze weg­neh­men. Die natio­na­le und zen­tra­le und auto­ri­tä­re Ver­wal­tung des Kapi­tals folgt dem Wunsch der Stun­de.

Wir ste­hen im Zei­chen des Umbruchs. Wenn wir es schaf­fen, eine brei­te und krea­ti­ve Kapi­tal­wirt­schaft zu erhal­ten, sind wir poli­tisch – im glo­ba­len Rah­men — sta­bi­ler. Die Ten­den­zen der natio­na­len und auch der patri­ar­chal begrün­de­ten Zen­tra­li­sie­run­gen lau­fen jedoch die­sem Ziel ent­ge­gen. Dabei gibt es die­sen Zusam­men­hang zwi­schen einer demo­kra­ti­schen, kapi­ta­lis­ti­schen und indi­vi­dua­lis­ti­schen Gesell­schaft auf der einen Sei­te und der anti­ka­pi­ta­lis­ti­schen, auto­ri­tä­ren Gesell­schaft auf der ande­ren. Die Dämo­ni­sie­rung des Kapi­ta­lis­mus war nur ein Vor­spiel zu den poli­ti­schen Bewe­gun­gen der Gegen­wart.