Blockchain & Bitcoin – was noch gesagt werden musste, Teil 3

Blockchain & Bitcoin

 Weiterentwicklung der Blockchain

Eine Fra­ge, um die man nicht her­um­kommt zu stel­len, wenn man sich mit dem The­ma Block­chain beschäf­tigt ist: Wird die Block­chain die Welt ver­än­dern?

 

Die­se Fra­ge ist nahe­lie­gend, wenn man sich nur mal ansieht, wer sich gera­de alles inten­siv mit dem The­ma beschäf­tigt. Die Bank of Eng­land ist ein pro­mi­nen­tes Bei­spiel, wobei die ande­ren Inter­es­sen­ten an der Tech­no­lo­gie nicht weni­ger pro­mi­nent sind. So tüf­teln der­zeit 42 Ban­ken – dar­un­ter die Deut­sche Bank und die Com­merz­bank – gemein­sam an einem tech­ni­schen Stan­dard für Block­chains, weil die­se ihre Arbeit wesent­lich erleich­tern könn­ten. Und die aus­tra­li­sche Bör­se hat gera­de ver­lau­ten las­sen, dass sie die Tech­no­lo­gie tes­ten wird, um letzt­lich den gesam­ten Betrieb auf eine decen­tra­li­sed led­ger tech­no­lo­gy (DLT) umzu­stel­len. Das Inter­es­se für die­se Tech­no­lo­gie ist nicht wei­ter ver­wun­der­lich, wenn man sich ansieht, dass die Bit­co­ins zahl­rei­che zen­tra­le The­men der Finanz­welt betref­fen: z.B. das Mono­pol der Zen­tral­ban­ken der Geld­schaf­fung, die Mög­lich­keit Geld zu trans­fe­rie­ren, usw.

 

Man sieht also, dass die Block­chain im Main­stream ange­kom­men ist und zahl­rei­che wich­ti­ge Akteu­re sich mit der Anwen­dung die­ser Tech­no­lo­gie für ihre jeweils ganz spe­zi­fi­schen kon­kre­ten Anwen­dungs­fel­der beschäf­ti­gen. Doch was man nicht ver­ges­sen darf: Längst beschäf­ti­gen sich zahl­rei­che Per­so­nen mit der Weit­ent­wick­lung die­ser Tech­no­lo­gie. So haben bereits 2014 eini­ge jun­ge Pro­gram­mie­rer eine neue Block­chain-Tech­no­lo­gie ent­wi­ckelt, die weit über die Anwen­dung für eine Kryp­towäh­rung hin­aus­geht. Die­se neue Block­chain-Tech­no­lo­gie wur­de als Platt­form für soge­nann­te Dapps (Dis­tri­bu­t­ed Apps), die aus Smart Con­tracts bestehen, ent­wi­ckelt.

 

Die Idee der „Smart Con­tract“ ist es, gewis­ser­ma­ßen die old-fashio­ned Ver­trä­ge in Papier­form durch ein Com­pu­ter­pro­gramm zu erset­zen, der auto­ma­tisch die vor­her fest­ge­leg­ten Bestim­mun­gen über­prüft und ent­spre­chen­de Aktio­nen ver­an­lasst. Dies ermög­licht es (sofern eine vor­her defi­nier­te Ver­trags­be­din­gung erfüllt ist), dass bestimm­te Aktio­nen (zum Bei­spiel Aus­zah­lun­gen) auto­ma­tisch aus­ge­führt wer­den kön­nen. Wenn man das kon­se­quent vor dem Hin­ter­grund des Inter­net 4.0 zu Ende denkt, also berück­sich­tigt, dass bald mehr als 50 Mil­li­ar­den Maschi­nen unter­ein­an­der ver­netzt sein sol­len, für deren “Kom­mu­ni­ka­ti­on” unter­ein­an­der die Block­chain ein “Betriebs­sys­tem” sein könn­te, dann sieht man schnell, dass Smart Con­tracts den erlauch­ten Kreis der durch die Block­chain vom Aus­ster­ben bedroh­ten Insti­tu­tio­nen und Beru­fe (Zen­tral­ban­ken, Ban­ken) um zahl­rei­che wei­te­re ergän­zen muss (z.B. Nota­re, Bör­sen­händ­ler, Ver­wal­tungs­mit­ar­bei­ter in sämt­li­chen Tätig­keist­fel­dern).

 

Doch so unglaub­lich das Poten­zi­al die­ser Smart Con­tracts ist, so müs­sen all die­se Anwen­dun­gen erst noch pro­gram­miert wer­den, müs­sen sich Kun­den fin­den, die für die­se Anwen­dun­gen auch bezah­len. Denn von irgend­et­was müs­sen all die Pro­gram­mie­rer ja leben. Da dies jedoch nicht so ein­fach ist, kamen Anfang 2016 eini­ge Pro­gram­mie­rer auf die Idee, eine vir­tu­el­le Betei­li­gungs­fir­ma zu grün­den, die via Crowd­fun­ding Geld von Inves­to­ren ein­sam­melt. Die so kapi­ta­li­sier­te Betei­li­gungs­fir­ma soll­te dann als Inves­tor selbst die Pro­jek­te ihrer Erfin­der finan­zie­ren. Der Clou an der Sache war, dass die­se Betei­li­gungs­fir­ma selbst als Block­chain ange­legt war. Als Inves­tor an die­ser Betei­li­gungs­fir­ma unter­schrieb man kon­se­quen­ter Wei­se auch kei­nen Ver­trag,  der durch einen Notar beglau­bigt und dann im Han­dels­re­gis­ter archi­viert wur­de – nein, viel­mehr erklär­te man durch die Benut­zung die­ser Block­chain-Tech­no­lo­gie sei­ne Zustim­mung zum Gesell­schafts­ver­trag, der nichts ande­res war als der Pro­gramm­code. Die­se Idee ist nicht ganz abwe­gig, denn letzt­lich kann man einen Ver­trag wie einen Pro­gramm­code lesen. Defi­niert ein Ver­trag doch wie ein Code, was zu tun ist, wenn ein vor­her defi­nier­ter Fall ein­tritt. Der Unter­schied ist jedoch (und die­ser wur­de im Zuge des DAO Hacks, den ich wei­ter unten schil­de­re, inten­siv dis­ku­tiert) dass man sich bei der Pro­gram­mie­rung die­ser Betei­li­gungs­fir­ma nicht am gel­ten­den Recht ori­en­tier­te, son­dern an dem, was tech­nisch mach­bar war und als rele­vant für solch ein Unter­fan­gen erach­tet wur­de. Und so hat man sich im Vor­feld auch nicht mit der Fra­ge beschäf­tigt, ob das BGB oder der Pro­gramm­code gilt, wenn ein “Ver­trags­pas­sus” des Pro­gramm­codes für eine Funk­ti­on miss­braucht wird, für die sie nicht beab­sich­tigt war. Viel­leicht wur­de die­se Fra­ge­stel­lung zwar bedacht aber letzt­lich als irrele­vant erach­tet, weil die “Gesell­schaf­ter” die­ser Betei­li­gungs­fir­ma völ­lig anonym sind.

 

Gedacht getan. Die Idee war in der Welt und bis zum 28. Mai 2016 konn­te die Betei­li­gungs­fir­ma mit dem Namen Decen­tra­li­zed Auto­no­mous Orga­ni­sa­ti­on (DAO) ca. 150 Mil­lio­nen US-Dol­lar von über 11.000 Inves­to­ren ein­sam­meln. Was nun folg­te, war ein Wirt­schafts­kri­mi aller­ers­ter Güte. Denn nur drei Wochen spä­ter, am 17. Juni 2016, muss­ten die Grün­der und Inves­to­ren der DAO fest­stel­len, dass durch einen Hack der Soft­ware Gel­der von der DAO abge­zo­gen wur­den. Ins­ge­samt han­del­te es sich um rund 50 Mil­lio­nen US-Dol­lar. Der Hacker hat­te dabei eine Funk­ti­on in der DAO als Sicher­heits­lü­cke ent­deckt, die die Inves­to­ren eigent­lich schüt­zen soll­te. Doch zum Glück gab es eine wei­te­re Schutz­funk­ti­on, die der Com­mu­ni­ty 28 Tage Zeit gab, um das Geld zurück­zu­ho­len. Erst wenn die­se 28 Tage ver­stri­chen wären, hät­te der Hacker auf das abge­zo­ge­ne Geld zugrei­fen kön­nen.

Wäh­rend die Com­mu­ni­ty noch berat­schlag­te, tauch­te ein anony­mes Beken­ner­schrei­ben auf, in dem der Hacker dar­auf ver­wies, dass er ledig­lich im Rah­men des von der Tech­no­lo­gie Erlaub­ten gehan­delt habe. Und auch wenn er damit irgend­wie recht hat­te: Das Geld war erst mal weg. Wich­ti­ger noch waren die Fol­gen des Hacks: Denn die Reak­ti­on der DAO hat gezeigt, dass es – auch wenn bis­lang Gegen­tei­li­ges gesagt wur­de – doch mög­lich ist, eine Block­chain zu mani­pu­lie­ren (zumal wenn die­se noch so jung ist wie die, auf der die DAO auf­bau­te und wenn die­se von einer zen­tra­len Stel­le wie der Ethe­re­um Foun­da­ti­on ent­wi­ckelt wird). Denn kurz vor Ablauf der 28 Tage ent­schied man sich, die Block­chain zu mani­pu­lie­ren und so das Geld der Inves­to­ren zu sichern.

 

Damit wur­de zwar das Ver­spre­chen der Block­chain-Tech­no­lo­gie – die Unmög­lich­keit der Mani­pu­la­ti­on von Daten – gebro­chen, aber so para­dox es klin­gen mag, damit wur­de zugleich gezeigt, dass die Block­chain für zahl­rei­che kom­mer­zi­el­le Anwen­dun­gen ver­wen­den lässt. Schließ­lich ist es manch­mal klar von Vor­teil, wenn es eine Instanz gibt, die Feh­ler revi­die­ren kann und gene­rell die Kon­trol­le behält.

 

Wird die Block­chain also die Welt ver­än­dern? Auf die­se Fra­ge will ich hier kei­ne abschlie­ßen­de Ant­wort geben, aber man soll­te die­se Fra­ge bei den fol­gen­den Blog­bei­trä­gen stets im Hin­ter­kopf haben …

 

von Wolf­ram Bern­hardt, der sich über Feed­back wie immer freut  (wbernhardt(at)agora42(Punkt)de), den 30. Mai 2017

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Blockchain & Bitcoin – Was noch gesagt werden musste, Teil 2

Blockchain & Bitcoin

Bitcoin als Spekulationsobjekt

 

Der Grund wes­halb das The­ma Blockchain&Bitcoin so gro­ße Reso­nanz in der Pres­se erfährt, liegt zu einem gro­ßen Teil auch dar­an, dass es wohl kaum solch ein lukra­ti­ves Invest­ment in den ver­gan­ge­nen Jah­ren gab, wie der Kauf von Bit­co­ins – zumin­dest, wenn man früh genug ein­ge­stie­gen ist. Und sofern man den Kauf von Bit­co­ins als Inves­ti­ti­on bezeich­nen kann und nicht als Spe­ku­la­ti­on aller­ers­ter Güte. Denn hät­te man im März 2011 für 1.000 US-Dol­lar Bit­co­ins gekauft, ent­sprä­chen die­se heu­te einem Wert von 3.085.754 US-Dol­lar. Wow!

 

Kurs: unter 4USD/BTC

Ich glau­be mich zu erin­nern, dass ich das ers­te Mal von Bit­co­ins in Jahr 2011 in irgend­wel­chen Finanz­fo­ren im Inter­net gele­sen habe. Ich habe mich damals inten­siv mit sämt­li­chen Deri­va­ten aus­ein­an­der­ge­setzt, die mit­ver­ant­wort­lich für die Finanz­kri­se aus 2007/08 waren und fand dazu eini­ges in Foren, die man getrost als ner­dig bezeich­nen konn­te. Dort las ich das ers­te Mal von der Kryp­towäh­rung Bit­coin, konn­te mir dar­un­ter jedoch nicht wirk­lich etwas vor­stel­len und hielt das gan­ze noch für eine Spie­le­rei der Tech-Com­mu­ni­ty.

 

Kurs: Okto­ber 2013 120 USD/BTC, Dezem­ber 2013 1.150 USD/BTC

Als Ende 2013 in den Medi­en groß über die Platt­form Silk Road, die als vir­tu­el­ler Schwarz­markt in Schlag­zei­len kam, im Zusam­men­hang mit der Ver­haf­tung des mut­maß­li­chen Erfin­ders und Betrei­bers der Platt­form berich­tet wur­de, stol­per­te ich das nächs­te Mal über die Bit­co­ins. War doch die ein­zi­ge Wäh­rung, mit der man bei Silk Road Dro­gen, Waf­fen und Auf­trags­mor­de bezah­len konn­te, der Bit­coin. Nicht zuletzt durch die­se Bericht­erstat­tung erfuhr die Wäh­rung einen mas­si­ven Boom. Inner­halb von nur knapp 2 Mona­ten ver­zehn­fach­te sich fast der Kurs.

Grund der Ral­ly ist das zuneh­men­de Inter­es­se von Anle­gern aus Chi­na und den Ver­ei­nig­ten Staa­ten, wäh­rend gleich­zei­tig immer mehr Händ­ler Bit­co­ins akzep­tie­ren. Mitt­ler­wei­le kann mit ihnen im Inter­net alles Mög­li­che bezahlt wer­den — von Gum­mi­bär­chen bis zu Stu­di­en­ge­büh­ren.

Mei­len­stei­ne ver­mit­teln ten­den­zi­ell eine gewis­se Vali­die­rung, selbst wenn sie abso­lut will­kür­lich sind”, schrieb Nicho­las Colas, Chef-Markt­stra­te­ge von Con­verg-Ex Group in einer E-Mail. „1000 Dol­lar für einen Bit­coin zieht Auf­merk­sam­keit auf sich und gibt den Leu­ten, die der Wäh­rung gegen­über posi­tiv ein­ge­stellt sind, einen wei­te­ren Grund den Schwarz­se­hern mit­ten ins Gesicht zu lachen.”

 

Kurs: Janu­ar (2015) 220 USS/BTC

Nach die­ser spek­ta­ku­lä­ren Kurs­ex­plo­si­on ging der Kurs ein­mal in den Kel­ler. Die­se Nega­tiv­ten­denz wur­de durch die Fest­nah­me von zwei Betrei­bern von unab­hän­gig von­ein­an­der ope­rie­ren­den Tausch­bör­sen für Bit­co­ins unter­stützt. Doch zugleich akzep­tier­ten immer mehr Fir­men die Bit­co­ins als Zah­lungs­mit­tel – dar­un­ter das Rei­se­por­tal Expe­dia, die tages­zei­tung TAZ, die Wiki­me­dia Foun­da­ti­on und sogar Micro­soft. Den­noch trat zunächst ein­mal eine Ernüch­te­rung ein, was den Wech­sel­kurs bzw. den Wert der Wäh­rung betraf.

 

Kurs: Mai (2016) 450 UUS/BTC

Im Novem­ber 2015 schien sich der Kurs des Bit­co­ins wie­der zu erho­len und sta­bi­li­sier­te sich bis Mai 2016 um +/- 400 USD. Für die wei­te­ren Bei­trä­ge soll jedoch bereits dar­auf ver­wie­sen wer­den, dass bis Febru­ar 2016 die Fir­ma Namen Digi­tal Asset Hol­ding ihre ers­te Kapi­tal­run­de erfolg­reich schloss: Von insti­tu­tio­nel­len Inves­to­ren sam­mel­te die Fir­ma rund 60 Mil­lio­nen USD ein, dar­un­ter JP Mor­gan, Accen­ture PLC. Deut­sche Bank, Gold­man Sachs und IBM. Frei­lich waren das kei­ne Inves­ti­tio­nen in Bit­co­ins, son­dern in die zugrun­de­lie­gen­de Tech­no­lo­gie der Block­chain, ist es doch das Ziel der Fir­ma, die­se für Anwen­dun­gen in der Finanz­in­dus­trie nutz­bar zu machen.

 

Kurs: Mai (2017) 2.344 USD/BTC

Ab Juni 2016 setz­te dann ein erneu­ter Höhen­flug der Bit­co­ins ein, der bis­lang noch unge­bro­chen ist. Aus die­ser Zeit will ich nur auf die erstaun­li­che Ent­wick­lung rund die Grün­dung der Ethe­re­um Platt­form ver­wei­sen und in des­sen Zusam­men­hang auf die DAO – bei­des wer­de ich eben­so in spä­te­ren Arti­kel aus­führ­lich beschrei­ben.

Gleich­zei­tig wur­den zahl­rei­chen ETFs bei der SEC, also bei der US-ame­ri­ka­ni­schen Bör­sen­auf­sicht, zur Prü­fung ange­mel­det.  Was sich mit ETF so kom­pli­ziert anhört, ist letzt­lich nichts ande­res als ein Wert­pa­pier, des­sen Kurs sich fix aus dem Kurs von irgend­et­was ande­rem ergibt: Roh­stof­fen, Akti­en, gan­ze Akti­en­in­di­zes (DAX) oder eben auch – so die Idee all der Antrag­stel­ler – Bit­co­ins. Der Grund dafür, dass die Bit­coin Com­mu­ni­ty die­ser Aner­ken­nung so her­bei­sehn­te, ist, weil ab die­sem Zeit­punkt auch insti­tu­tio­nel­le Inves­to­ren in die “Wäh­rung” Bit­coin inves­tie­ren kön­nen. Dabei ver­steht man unter insti­tu­tio­nel­len Inves­to­ren gro­ße Ver­mö­gens­ver­wal­ter, Ban­ken, Ver­si­che­run­gen etc. Und genau die­se Inves­to­ren sit­zen gera­de auf enorm viel Geld, das nach Anla­ge­mög­lich­kei­ten sucht.

 

Was kann man nun aus all­dem fol­gern?

Jeder soll­te schon ein­mal von Bit­co­ins gehört haben, denn die Idee der Kryp­towäh­rung ist nicht mehr aus der Welt zu den­ken. Die Fra­ge, ob man solch eine “Wäh­rung”, als das Bit­co­ins gemein­hin bezeich­net wer­den, über­haupt braucht, stellt kei­ner – die Kurs­ent­wick­lung ist so spek­ta­ku­lär, dass sich die­se Fra­ge zu erüb­ri­gen scheint. Ja, soll­ten die Bit­coin-ETFs in abseh­ba­rer Zeit zuge­las­sen wer­den – wovon die Com­mu­ni­ty fest über­zeugt ist – ist zu erwar­ten, dass der Kurs auch locker die 5.000 USD/BTC sprengt. Wer spe­ku­lie­ren will, fin­det hier sei­ne Bestim­mung.

Der zwei­te Punkt ist die erstaun­li­che Tat­sa­che, dass bereits eini­ge Per­so­nen zu Mil­lio­nä­ren wur­den, ein­zig und allein des­halb, weil sie früh genug tat­säch­li­ches Geld – Euro, US-Dol­lar – in etwas gesteckt haben, was nicht mehr ist, als ein ver­dammt lan­ger Com­pu­ter­code. Im Jahr 2013 lagen auf 1.350 Kon­ten mehr als 1.000 Bit­co­ins von denen heu­te jeder USD-Mil­lio­när sein dürf­te. Und offen­sicht­lich gab es zu dem Zeit­punkt auch ein Kon­to dem 111.111 Bit­co­ins zuge­rech­net wur­den. Ange­nom­men der Besit­zer des Kon­tos hat sie immer noch, dann darf er sich inzwi­schen über ein Ver­mö­gen von ca. 260 Mil­lio­nen US-Dol­lar freu­en. Das dum­me an den Bit­co­ins ist nur: Wenn man sein Pass­wort zu sei­nem Kon­to ver­ges­sen hat, dann darf man sich zwar als Mil­lio­när füh­len aber hat kei­ne Mög­lich­keit mehr, an das Geld zu kom­men.

 

von Wolf­ram Bern­hardt, der sich über Feed­back wie immer freut  (wbernhardt(at)agora42(Punkt)de), den 30. Mai 2017

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Blockchain & Bitcoin – Was noch gesagt werden musste, Teil 1

Blockchain & Bitcoin

Start einer Blogserie

 

Ver­gan­ge­nen Sonn­tag stol­per­te ich per Zufall – sofern man in die­sem Fall von stol­pern spre­chen kann – über einen Twit­ter Account, der es offen­sicht­lich zur Auf­ga­be hat, Wer­bung für Kryp­towäh­run­gen zu machen. Als ich mir die­sen Twit­ter Account ansah, fie­len mir zwei Din­ge auf: Ers­tens, der Boom um Kryp­towäh­run­gen als Spe­ku­la­ti­ons­ob­jekt ist nach wie vor unge­bro­chen und zwei­tens, die Block­chain, als die zugrun­de­lie­gen­de Tech­no­lo­gie der Kryp­towäh­run­gen dient nach wie vor als Sto­ry, um den Hype um Bit­co­ins und Co. zu recht­fer­ti­gen. Bei­des ver­wun­dert mich nicht. Aber da ich in mei­nem Arti­kel “To block­chain or not to block­chain, that is the ques­ti­on” in der Aus­ga­be DIGITLAISIERUNG damit ende­te, dass man gut bera­ten ist, die Ent­wick­lun­gen um Bit­coin und Block­chain zu ver­fol­gen, möch­te ich ger­ne noch paar Gedan­ken zu die­sem The­ma for­mu­lie­ren, die nicht mehr in besag­ten Arti­kel Platz fan­den. Die­se Gedan­ken wer­de ich in loser Abfol­ge zu Papier – bzw. zu Tas­ta­tur, zu Bild­schirm zu was auch immer man heu­te ver­wen­det – brin­gen.

 

Die­se Gedan­ken betref­fen ganz unter­schied­li­che Berei­che, wie den nahe­lie­gen­den, das Kryp­towäh­run­gen wei­ter­hin zu Spe­ku­la­ti­ons­zwe­cken gekauft und ver­kauft wer­den, wie aber auch Fra­ge­stel­lun­gen, ganz ande­rer Natur:

  • Kön­nen Kryp­towäh­run­gen als Geld­ersatz die­nen?
  • Ist die Block­chain eine welt­ver­än­dern­de Tech­no­lo­gie?
  • Gibt es einen Wett­be­werb der unter­schied­li­chen Block­chain Stan­dards?
  • Inwie­fern füh­ren die digi­ta­len Tech­no­lo­gi­en zu einer Ver­fla­chung der Welt?
  • Wird das Rea­le die Hoheit über das Vir­tu­el­le behal­ten?

 

Der Arti­kel “To block­chain or not to block­chain, that is the ques­ti­on” erschien in der Aus­ga­be DIGITALISIERUNG 2/17

Dabei will ich mit die­ser Lis­te kei­nen Anspruch auf Voll­stän­dig­keit erhe­ben. Ich bin über­zeugt, dass die­se Lis­te umso län­ger wird, je län­ger ich mich mit Blockchain&Bitcoin beschäf­ti­ge. Auch bin ich offen für Vor­schlä­ge (am bes­ten via E-Mail: wbernhardt(at)agora42(Punkt)de), immer­hin begin­ne ich gera­de erst an der Ober­flä­che des­sen zu krat­zen, was in die­sem Zusam­men­hang noch wert wäre, Erwäh­nung zu fin­den.

Als Start der Rei­he möch­te ich ger­ne besag­ten Arti­kel “To block­chain or not to block­chain, that is the ques­ti­on” in vier kur­zen Blog­bei­trä­gen zusam­men­fas­sen. Und ja, ich weiß sehr wohl, dass es kor­rekt “To be or not to be” heißt. Aber was viel­leicht nicht expli­zit im Arti­kel aus­ge­drückt wird, ist, dass es mir genau dar­um geht: Ganz oder gar nicht. Die Block­chain ist nicht ein­fach nur scheib­chen­wei­se zu bekom­men. Es geht inso­fern sehr wohl um die Wurst. 99% Block­chain ist immer noch nicht Block­chain, es müs­sen 100% sein – wie bei­spiels­wei­se gera­de die Bör­se von Aus­tra­li­en zeigt, die gera­de auf Block­chain Tech­no­lo­gi­en umstellt. Aber da ich das erst im Nach­gang zum Arti­kel her­aus­fand, will ich nicht vor­grei­fen.

 

Was ist die Blockchain?

Die wich­tigs­te Fra­ge, wenn man sich mit der Block­chain aus­ein­an­der­setzt ist, was die Block­chain eigent­lich ist. Hier die Ant­wort: Die Block­chain ist die abge­si­cher­ten Ver­ket­tung ein­zel­ner zu Blö­cken zusam­men­ge­fass­ter Daten und baut auf einer dezen­tra­len digi­ta­len Daten­bank auf, die man auch mit einem Jour­nal oder Regis­ter der Buch­füh­rung ver­glei­chen kann. Dies kann man sich ganz ein­fach anhand der Funk­ti­ons­wei­se von Bit­co­ins vor­stel­len, denen die ältes­te Block­chain zugrun­de liegt. So wer­den in die­ser Block­chain bei­spiels­wei­se die Besitz­rech­te an den Bit­co­ins sowie Trans­ak­tio­nen der jewei­li­gen Bit­co­ins fest­ge­schrie­ben, damit man wie bei einer guten Finanz­buch­hal­tung jeder­zeit nach­voll­zie­hen kann, wo jeder ein­zel­ne Geld­be­trag her­kommt und wohin er wie­der ver­schwin­det. Das beson­de­re an die­ser Art der Buch­füh­rung ist nun, dass es zahl­rei­che sol­cher Bücher oder Daten­ban­ken gibt, weil die „Buch­ein­trä­ge“ in zahl­rei­cher Aus­fer­ti­gung und dezen­tral gespei­chert wer­den und dass alles voll­stän­dig auto­ma­ti­siert und anony­mi­siert von stat­ten geht.

Die­se Trans­ak­tio­nen oder Buch­ein­trä­ge wer­den dann zu Blö­cken zusam­men­ge­fasst und chro­no­lo­gisch gespei­chert, gewis­ser­ma­ßen wie Ket­ten­glie­der, die inein­an­der­grei­fen – daher auch der Name „chain“ (deutsch: Ket­te). Durch die auf­ein­an­der auf­bau­en­de Spei­che­rung von Daten in einer Block­chain kön­nen die Daten nicht nach­träg­lich geän­dert wer­den, ohne die Inte­gri­tät der betref­fen­den Block­chain ins­ge­samt zu beschä­di­gen. Hier­durch wird die Mani­pu­la­ti­on von Daten erheb­lich erschwert – und so erüb­rigt sich auch eine drit­te Instanz zur Bestä­ti­gung der Inte­gri­tät von Trans­ak­tio­nen.

An die­sem Bei­spiel wird bereits deut­lich, dass die Idee der Kryp­towäh­rung nicht funk­tio­niert, wenn sie nur zu 50% über eine Block­chain abge­wi­ckelt wird – also: ganz oder gar nicht. Glei­ches gilt übri­gens auch für die Bit­coin als Spe­ku­la­ti­ons­ob­jekt, was ich in dem nächs­ten Bei­trag zei­gen wer­de.

 

von Wolf­ram Bern­hardt, den 15.März 2017

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Bei einer Sintflut muss man Schiffe bauen, nicht Deiche – Interview mit Gunter Dueck zur Digitalisierung

agora42_DigitalisierungAnläss­lich der neu­en Aus­ga­be DIGITALISIERUNG haben wir aus­ge­wähl­ten Per­so­nen zum The­ma ein paar Fra­gen gestellt. Hier die Ant­wor­ten von Prof. Dr. Gun­ter Dueck:

Gunter Dueck Digitalisierung

Bei einer Sintflut muss man Schiffe bauen, nicht Deiche – Interview mit Gunter Dueck zur Digitalisierung

 

Herr Dueck, wel­che Hoff­nun­gen ver­bin­den Sie mit der Digi­ta­li­sie­rung?

Ich ver­bin­de sie nicht mit Hoff­nun­gen. Die Welt ver­än­dert sich, und wir soll­ten bemüht sein, das Bes­te dar­aus zu machen. Wir soll­ten also beherzt han­deln. Von Deutsch­land wird aber durch­weg gesagt, dass es hin­ter­her­hinkt – wahr­schein­lich, weil sich mit der Digi­ta­li­sie­rung zu weni­ge Hoff­nun­gen ver­bin­den. Man will nur dann los­ge­hen, wenn es für alle bes­ser wird. An die­sen Punkt kom­men wir bald, näm­lich wenn es uns wegen Hin­ter­her­hin­kens schlecht geht. Dann ist die Hoff­nung des Auf­ho­lens für alle bes­ser. Und dann gehen wir schon, weil wir irgend­wie nicht Hoff­nun­gen in Taten umset­zen, son­dern lau­fen, wenn man uns von hin­ten tritt.

 

Was erach­ten Sie als die größ­te Bedro­hung durch die Digi­ta­li­sie­rung?

Gunter Dueck

Gun­ter Dueck lebt als frei­er Schrift­stel­ler, Phi­lo­soph, Busi­ness Angel und Speaker bei Hei­del­berg. Nach einer Kar­rie­re als Mathe­ma­tik­pro­fes­sor arbei­te er fast 25 Jah­re bei der IBM, zuletzt bei sei­nem Wech­sel in den Unru­he­stand als Chief Tech­no­lo­gy Offi­cer. Er ist für humor­voll-sati­risch-kri­tisch-unver­blüm­te Reden und Bücher bekannt, zuletzt „Das Neue und sei­ne Fein­de“ und „Schwarm­dumm“. Mehr auf sei­ner Home­page www.omnisophie.com

Sehen Sie? Gleich kommt wie­der die­se deut­sche Fra­ge oder die Pro­blem­stel­lung der Ger­man Angst. War­um fra­gen Sie nicht, was getan wer­den muss? Das sage ich schon seit vie­len Jah­ren – unwi­der­spro­chen übri­gens: Wir müs­sen alle (!) bil­dungs­mä­ßig bes­ser sein als der Com­pu­ter, weil die Rou­ti­ne­ar­beit weg­fällt. Die­sen Fakt sehen nun vie­le als Bedro­hung, aber nicht als Hand­lungs­auf­for­de­rung. Die Bedro­hung liegt also nicht in der Digi­ta­li­sie­rung an sich, son­dern an unse­rer Akti­ons­un­wil­lig­keit mit­ten im Wan­del. Bei einer Sint­flut muss man Schif­fe bau­en, nicht Dei­che. Deich­bau­er agie­ren wie Bedroh­te und han­deln aus die­ser Sicht ganz falsch. Der Blick auf das Pro­blem ist manch­mal ent­schei­dend.

 

Big Data, Block­chain, KI und Co. geben kei­ne Ant­wort dar­auf, wie wir in Zukunft leben wol­len. Gesell­schaft­li­che Uto­pi­en sind im Ver­gleich zu Tech­ni­ku­to­pi­en gera­de Man­gel­wa­re. Wie möch­ten Sie im tech­nik­ge­präg­ten Zeit­al­ter leben?

Die Digi­ta­li­sie­rung ver­än­dert unser Leben ja nicht so sehr. Statt der Kas­se an der Bank habe ich den Auto­ma­ten, statt 100 TV-Pro­gram­men eben Stream. Das Gril­len und Fei­ern bleibt doch gleich, aber die Leis­tungs­er­brin­gung ändert sich stark, eben durch die genann­ten Tech­no­lo­gi­en. Es fin­det mehr ein Umbau der Arbeits­welt statt. Gesell­schaft­li­che Uto­pi­en sind Man­gel­wa­re, weil die Geis­tes­wis­sen­schaft­ler oder Intel­lek­tu­el­len sich inter­net­phob tot­stel­len und sich nur ab und zu für Bedro­hungs­jam­mer­kla­gen raus­wa­gen. Zu mei­ner Bil­dungs­gret­chen­fra­ge: Die Intel­lek­tu­el­len haben sich immer an der Auf­klä­rung ergötzt. Ja, Enligh­ten­ment für alle! Wis­sen für alle! Nun brau­chen wir als posi­ti­ve Uto­pie aber viel wei­ter­ge­hen­der “Empower­ment für alle” und die Mög­lich­keit zu Self-Empower­ment für alle! Das kann man doch sogar als Bibel­le­ser gut fin­den? Die Intel­lek­tu­el­len wol­len aber irgend­wie immer nur, dass der uto­pi­sche Mensch alles DARF, nun aber MUSS er Bil­dung haben. Wahr­schein­lich behagt ihnen die­se Pflicht nicht, spe­ku­lie­re ich.

 

Edu­ard Käser schreibt in agora42: “Einst hat­ten wir Pro­ble­me und erfan­den Gerä­te zu ihrer Lösung. Heu­te haben wir Gerä­te und erfin­den zu ihnen pas­sen­de Pro­ble­me.” – Haben wir nicht schon alles erfun­den, was wir brau­chen? War­um erfin­den wir lau­fend neue Gerä­te und Tech­no­lo­gi­en?

Die­se Fra­ge wird immer gestellt. Stel­len Sie sich die Fra­ge vor zehn Jah­ren vor. Da hät­ten wir sagen kön­nen: Wir haben doch alles. Heu­te sagen wir: Ohne Smart­pho­ne ist das Leben gar nicht mehr so schön. Und in fünf­zehn Jah­ren sagen wir: Selbst­fahr­au­tos sind toll, gera­de für die altern­de Gesell­schaft. Mit 90 noch zu den Enkeln gebracht wer­den! Ich will sagen: Das, was wir schon neu bekom­men und in unser Leben inte­griert haben, wol­len wir nicht mehr her­ge­ben, aber das, was gera­de neu erfun­den wird, sehen wir als Unsinn oder Bedro­hung. Die­ser Man­gel an Phan­ta­sie und Wan­de­lun­lust lässt sich als Phi­lo­so­phie ver­kau­fen, weil man natür­lich kri­ti­sie­ren kann, dass heu­te im Sili­con Val­ley nur um des Mil­li­ar­den­ma­chens wil­len erfun­den wird. Das ist eben so im Umbruch, vie­le suchen ihre Chan­ce mit­ten in der Revo­lu­ti­on. Zu ande­ren Zei­ten (also nach Edu­ard Käser: “einst”) wur­de doch auch wegen vor­ge­stell­ter Pro­ble­me geforscht, weil man in den Welt­raum woll­te oder Wett­rüs­ten betrieb – es sind eben die Umbrü­che, die hek­tisch erfin­den las­sen.

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- Mit State­ments von Gun­ter Dueck, Micha­el Win­ter­hoff (“War­um unse­re Kin­der Tyran­nen wer­den”), Rein­hold Mess­ner, Marc Els­berg (“Black­out”), Armin Nas­sehi uvm.

- Inklu­si­ve der aktu­el­len Aus­ga­be DIGITALISIERUNG.