Drei Schritte zur Einfachheit von Dieter Brandes

Drei Schritte zur Einfachheit

Inter­view mit Die­ter Bran­des

 

 

Anlässlich der neuen agora42 EINFACH LEBEN haben wir ausgewählten Personen zum Thema ein paar Fragen gestellt. Hier die Antworten von Dieter Brandes, Inhaber des Instituts für Einfachheit. Er spricht über das Marketingkonzept “Simplify-your-life”, den Verzicht auf Überflüssiges und die drei Schritte zur Einfachheit …

 

Herr Bran­des, gibt es das ein­fa­che Leben wirk­lich? Oder ver­birgt sich hin­ter dem „Sim­pli­fy-your-life“ nur ein ren­ta­bles Mar­ke­ting­kon­zept?

Das „ein­fa­che Leben“ im Sin­ne von dem, was wirk­lich unter dem Begriff „Ein­fach­heit“ zu ver­ste­hen wäre, gibt es natür­lich nicht. Aber es kann ein Leben för­dern, das ein­fa­cher gestal­tet wird. Ein­fach­heit mag zwar gut zu ver­ste­hen oder zu begrei­fen sein, es zu prak­ti­zie­ren ist aber meist nicht leicht. Ein­fach­heit, wie ich sie ver­ste­he, ist ja nicht eine neue Wis­sen­schaft, Phi­lo­so­phie oder Reli­gi­on. Ein­fach­heit soll nur leich­ter mög­lich machen, dass Absich­ten, Hand­lun­gen und Sys­te­me über­haupt funk­tio­nie­ren und zudem noch mög­lichst effi­zi­ent sind. Dar­über hin­aus schafft Ein­fach­heit fast immer eine Ori­en­tie­rung in der kom­ple­xen Umwelt. Das „Sim­pli­fy-your-life“ ist ein pas­sen­der Bei­trag zum ein­fa­chen Leben und zudem sicher inzwi­schen auch ein net­tes Mar­ke­ting­kon­zept.

 

Big Data und intel­li­gen­te Algo­rith­men sind gera­de in aller Mun­de. Die Hoff­nung ist, dass die Tech­nik in Zukunft „mit­denkt“ und das Leben ver­ein­fa­chen wird. Tei­len Sie die­se Hoff­nung?

Die­ter Bran­des war Geschäfts­füh­rer des Ver­wal­tungs­rats von Aldi Essen sowie der Unter­neh­mens­grup­pen Asko/Metro, Coop und Wen­deln. Heu­te ist er Bera­ter für Stra­te­gie und Orga­ni­sa­ti­on und Grün­der des Insti­tuts für Ein­fach­heit.

Nein. Daten sind oft Hilfs­mit­tel zum Ver­ständ­nis bestimm­ter Erschei­nun­gen. Ent­schei­dend allein bleibt zunächst die intel­li­gen­te Fra­ge zu bestimm­ten The­men oder Erschei­nun­gen. Danach mag man Daten zur Beant­wor­tung und zur Unter­stüt­zung eines bes­se­ren Ver­ständ­nis­ses her­an­zie­hen. Was meint man mit Kapi­ta­lis­mus? Was meint man mit einer Fehl­ent­wick­lung, mit Spe­ku­la­ti­ons­bla­sen etc.?

 

Was macht das Leben wirk­lich ein­fa­cher?

Bes­ser zu fra­gen wäre viel­leicht: Wie macht man das Leben ein­fa­cher? Dazu emp­feh­le ich drei Schrit­te.

Ers­tens: Wirk­lich ver­ste­hen, was Kom­ple­xi­tät ist. Hier in Kurz­form und etwas abs­trakt: vie­le Ele­men­te, die viel­fach mit­ein­an­der ver­bun­den sind, schaf­fen Kom­ple­xi­tät. Es geht dar­um, größt­mög­li­che Klar­heit zu gewin­nen dar­über, was man will, was das Ziel oder die Absich­ten sind. Das erfor­dert eine oft fast aske­ti­sche Bereit­schaft zum Ver­zicht auf Über­flüs­si­ges und Neben­säch­li­ches.

Hat man das geklärt, soll­te man im zwei­ten Schritt prü­fen, wor­auf man bei die­sen Zie­len viel­leicht doch noch ver­zich­ten kann. Dabei geht es nicht dar­um, so viel wie irgend mög­lich zu strei­chen, son­dern das Wesent­li­che in den Blick zu neh­men. Hier hilft ein guter Satz des ame­ri­ka­ni­schen Desi­gners Mil­ton Gla­ser: „Not less is more but just enough is more“.

Im drit­ten Schritt schließ­lich kann man die immer noch vor­han­de­ne Rest­kom­ple­xi­tät zu beherr­schen ver­su­chen durch eine klu­ge Gestal­tung der Akti­vi­tä­ten und Ver­fah­ren oder Vor­ge­hens­wei­sen. Das nen­ne ich Orga­ni­sa­ti­on mit Hil­fe von Dezen­tra­li­sa­ti­on, Über­tra­gung von Ver­ant­wor­tung und Ver­trau­en auf ande­re. Aber auch mit Kon­trol­le, wie das alles klappt. Schließ­lich pas­sen hier auch die wich­tigs­ten Schrit­te der Evo­lu­ti­on: „Ver­such und Irr­tum“. An klei­nen Akti­vi­tä­ten mit gerin­gen Risi­ken ein­fach mal etwas aus­pro­bie­ren.
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So fürchterlich kompliziert ist es im Grunde nicht …” – Interview mit Karen van den Berg

So fürchterlich kompliziert ist es im Grunde nicht …”

Inter­view mit Karen van den Berg

 

 

Anlässlich der neuen agora42 EINFACH LEBEN haben wir ausgewählten Personen zum Thema ein paar Fragen gestellt. Hier die Antworten von Karen van den Berg, Inhaberin des Lehrstuhls für Kunsttheorie & inszenatorische Praxis an der Zeppelin Universität. Sie spricht über die unterschiedlichen Bedeutungen des Wortes “einfach”, die Entstehung von Sinn, die Krise des Kapitalismus, des Liberalismus und der Demokratie sowie einen guten Vorsatz für das einfache Leben …

 

Frau van den Berg, kann man über­haupt ein­fach über Ein­fach­heit spre­chen, oder spricht man da nicht gleich über etwas ziem­lich Kom­pli­zier­tes?

So fürch­ter­lich kom­pli­ziert ist es im Grun­de nicht. Das deut­sche Wort „ein­fach“ hat aber in der Tat ganz unter­schied­li­che Bedeu­tun­gen. Es kann glei­cher­ma­ßen posi­tiv wie nega­tiv besetzt sein. Spricht man bei­spiels­wei­se von einer ein­fa­chen Tätig­keit, so kann das bedeu­ten, sie ist mühe­los und leicht zu bewäl­ti­gen. Aber es kann auch genau­so gut hei­ßen, dass die Tätig­keit anspruchs­los und beschränkt ist. Ist von einem ein­fa­chen Cha­rak­ter die Rede, kann damit im nega­ti­ven Sin­ne Derb­heit und unge­ho­bel­tes Auf­tre­ten gemeint sein. Im posi­ti­ven Sin­ne kann es bedeu­ten, dass jemand ehr­lich, echt, auf­rich­tig oder lau­ter ist. Im Bereich der Ästhe­tik besteht die „Kunst der Ein­fach­heit“ dar­in, etwas bestechend Kla­res her­zu­stel­len, etwas das schlicht wirkt, dem man aber ansieht, dass es ver­dich­te­te Kom­ple­xi­tät ist. Wenn das Redu­zie­ren nicht zugleich eine Ver­dich­tung von For­men und Bedeu­tun­gen ist, dann ist das Ein­fa­che eben lei­der nur banal.

 

Kann man ein­fach leben, ohne dem Leben irgend­ei­ne Struk­tur und Ord­nung zu geben? Kann man ein­fach nur In-Situa­ti­on-Sein, das heißt, in wech­seln­den Situa­tio­nen leben und Sinn fin­den, ohne einen „Gesamt­sinn“ zu unter­stel­len?

Sinn ist nichts, was uns Men­schen irgend­wie plötz­lich zustößt. Sinn ent­steht aus Tätig­kei­ten. Ich wür­de ihn als eine sozia­le Ange­le­gen­heit beschrei­ben, denn Sinn geht ein­her mit einer irgend­wie gear­te­ten Über­ein­stim­mungs­er­fah­rung mit der Welt. Sinn ent­steht, wenn wir Din­ge tun oder erle­ben und in ihnen dabei eine Ord­nung auf­scheint, die über das blo­ße Tun hin­aus­weist und zu einer Iden­ti­fi­ka­ti­on mit dem Den­ken oder Han­deln führt. Auch das Nichts­tun kann als sinn­voll erlebt wer­den. Aber eben nur, wenn es Erfah­run­gen bie­tet, die über das Hier und Jetzt hin­aus­wei­sen.

 

Ist unse­re heu­ti­ge Situa­ti­on nicht erschre­ckend ein­fach? Denn auf­grund der dra­ma­ti­schen Fehl­ent­wick­lun­gen des Kapi­ta­lis­mus – man den­ke nur an die gigan­ti­sche Spe­ku­la­ti­ons­bla­se, die in den letz­ten 40 Jah­ren auf­ge­pumpt wor­den ist – haben wir eigent­lich nur die Wahl zwi­schen einer öko­no­mi­schen Kata­stro­phe oder aber, soll­te irgend­wie das nöti­ge Wachs­tum gene­riert wer­den, einer öko­lo­gi­schen Kata­stro­phe.

Nein, die­se Wahl haben wir natür­lich nicht. Und wir müs­sen uns hüten vor sol­chen fata­lis­ti­schen Welt­erklä­rungs­kurz­schlüs­sen, wenn wir nicht selbst zu Dem­ago­gen und Popu­lis­ten wer­den wol­len. Zwei­fel­los sehen wir uns mit extrem bedroh­li­chen glo­ba­len Ent­wick­lun­gen kon­fron­tiert. Dabei sind Kli­ma­wan­del und die wach­sen­de sozia­le Ungleich­heit kei­ne getrenn­ten Phä­no­me­ne. Auch wis­sen wir in Euro­pa, wie sehr wir selbst in die huma­ni­tä­ren Kri­sen im glo­ba­len Süden ver­strickt sind. Gera­de des­halb ste­cken nicht nur Kapi­ta­lis­mus, son­dern auch Libe­ra­lis­mus und Demo­kra­tie ja in einer so schwe­ren Kri­se. Sie gel­ten in ihrer der­zei­ti­gen Form immer weni­ger als durch­weg über­zeu­gen­de Sinn­an­ge­bo­te. Die Popu­la­ri­tät von Theo­re­ti­kern wie Tho­mas Piket­ty, Nou­riel Rou­bi­ni, David Graeber und Eva Ill­ouz, die sich alle mit dem Kapi­ta­lis­mus aus­ein­an­der­set­zen, etwa zeigt, dass hier neue Erklä­rungs­mo­del­le gesucht wer­den.

 

Was macht das Leben wirk­lich ein­fa­cher?

Pla­kat: Dell­brüg­ge & de Moll

Das Künst­ler­duo Dellbrügge/de Moll hat vor eini­gen Jah­ren eine Serie von Pla­ka­ten mit guten Vor­sät­zen ent­wor­fen. Einer lau­te­te: „Wir hören auf, neu­ro­ti­sche Arsch­lö­cher zu sein!“  Ich fin­de, dass ist ein wirk­lich extrem guter Vor­satz für das ein­fa­che Leben! Er wäre aber nur eine not­wen­di­ge und noch kei­ne hin­rei­chen­de Bedin­gung

Nur sehr selten im Leben müssen wir wirklich schnell handeln” – Interview mit Heiko Ernst

Nur sehr selten im Leben müssen wir wirklich schnell handeln”

Inter­view mit Hei­ko Ernst

 

 

Anlässlich der neuen agora42 EINFACH LEBEN haben wir ausgewählten Personen zum Thema ein paar Fragen gestellt. Hier die Antworten des Wissenschaftsjournalisten Heiko Ernst. Er spricht über die Schwierigkeit Dinge einfach zu erklären, die Entrümpelung des Lebens, darüber, sich Zeit zu nehmen und die Wonnen der Gewöhnlichkeit …

 

Herr Ernst, kann man über­haupt ein­fach über Ein­fach­heit spre­chen, oder spricht man da nicht gleich über etwas ziem­lich Kom­pli­zier­tes?

Hei­ko Ernst ist Psy­cho­lo­ge, Wis­sen­schafts­jour­na­list und Sach­buch­au­tor. Er war von 1979 bis 2014 Chef­re­dak­teur der Monats­zeit­schrift Psy­cho­lo­gie Heu­te. Von ihm ist u.a. erschie­nen: Innen­wel­ten. War­um Tag­träu­me uns krea­ti­ver, muti­ger und gelas­se­ner machen (Klett-Cot­ta, 2011).

Kei­ne ein­fa­che Fra­ge! Viel­leicht soll­te man sich an die­se Maxi­me hal­ten: Du sollst immer ver­su­chen zu ver­ein­fa­chen, so weit es mög­lich ist – aber nicht wei­ter! Denn sonst gehörst Du zu den „schreck­li­chen Ver­ein­fa­chern“, den ter­ri­bles sim­pli­fi­ca­teurs, von denen Jacob Burck­hardt sprach.  Unter­kom­ple­xi­tät ist manch­mal schlicht eine Form der Lüge. Als Wis­sen­schafts­jour­na­list hat man mit die­sem Pro­blem stän­dig zu tun – kom­pli­zier­te und kom­ple­xe Din­ge in mög­lichst kla­rer Spra­che zu erklä­ren. Das braucht Zeit und Übung – ist also kei­nes­wegs ein­fach. Sie sehen, man ist schnell in Para­do­xa gefan­gen …

 

Kann man ein­fach leben, ohne dem Leben irgend­ei­ne Struk­tur und Ord­nung zu geben? Kann man ein­fach nur In-Situa­ti­on-Sein, das heißt, in wech­seln­den Situa­tio­nen leben und Sinn fin­den, ohne einen „Gesamt­sinn“ zu unter­stel­len?

Ein­fach leben  h e i ß t  ja gera­de­zu, Struk­tur und Ord­nung zu haben, eben um sich das Leben zu ver­ein­fa­chen. Erst Ord­nung und Klar­heit in man­chen Berei­chen schafft Raum und Zeit, um die neu­en, kom­ple­xen und manch­mal müh­sa­men Din­ge gut zu beden­ken und anzu­ge­hen. Ein­fach­heit ist ein Mit­tel, um sich den Rücken frei­zu­hal­ten. Aber „ein­fach leben“ hat auch wie­der einen Dop­pel­sinn. Es kann im Sin­ne von „sim­pli­fy your life“ gemeint sein, also den All­tag und auch sonst alles „ent­rüm­peln“. Und es kann mei­nen: Lebe ein­fach drauf los, mach Dir nicht so vie­le Sor­gen, im Sin­ne eines ande­ren berühm­ten „Rat­ge­bers“ (Sor­ge Dich nicht, lebe!). Und was die Sinn­su­che betrifft: Die Sinn­fra­ge, so hat der skep­ti­sche Phi­lo­soph Odo Mar­quard befun­den, wer­de am bes­ten „sub­si­di­är“ gelöst. Das heißt, man soll­te sich also nicht stän­dig um einen Gesamt­sinn küm­mern, son­dern Sinn in dem fin­den, was man gera­de als nächs­tes tut und vor­hat. Aus vie­len sol­cher sinn-vol­len Schrit­ten setzt sich dann schon ein „Gesamt­sinn“ zusam­men.

 

Dem mensch­li­chen Stre­ben nach Glück sind nach Sig­mund Freud enge Gren­zen gesetzt: „(…) man möch­te sagen, die Absicht, daß der Mensch »glück­lich« sei, ist im Plan der »Schöp­fung« nicht ent­hal­ten.“ Die Kul­tur ist für Freud eine Quel­le des mensch­li­chen Unbe­ha­gens und zeit­gleich die Not­wen­dig­keit für das (Über-)Leben in der Gemein­schaft. Beschränkt das Aus­maß und die Durch­drin­gung der Kul­tur die Mög­lich­keit des Glücks? Müs­sen wir allein sein, um glück­lich zu sein?

Glück war für den Pes­si­mis­ten Freud vor allem ein Kon­tras­t­er­leb­nis. Oder, um es mit Lau­rel und Har­dy (aka Dick und Doof) zu para­phra­sie­ren: Glück ist, wenn der Schmerz nach­lässt. Kul­tur kann sicher „Unbe­ha­gen“ erzeu­gen, wie Freud mein­te – weil sie uns auch gän­gelt und ein­schränkt und das Aus­le­ben man­cher Impul­se ver­hin­dert. Aber sie kann uns auch Glück ver­schaf­fen – etwa in Form der Sub­li­ma­ti­on, also der Ver­ede­lung von eigent­lich nicht so guten Erfah­run­gen. Aber – um bei Freud zu blei­ben – es gibt auch den Weg in die Ein­fach­heit, den Weg der Regres­si­on, also einen (viel­leicht sogar bewuss­ten) Rück­fall in kind­li­che Mus­ter des Lust­ge­winns, in die „Won­nen der Gewöhn­lich­keit“.

 

Ein­deu­ti­ge Ant­wor­ten sind immer unter­kom­plex, kla­re Hand­lun­gen den­noch not­wen­dig – wie soll man in Zukunft mit die­sem Para­dox umge­hen? Wie kön­nen wir ein­fach Han­deln?

Die Psy­cho­lo­gie kennt das Pro­blem der end­lo­sen Infor­ma­ti­ons­samm­lung – etwa vor wich­ti­gen Ent­schei­dun­gen. Sie spricht von „boun­ded ratio­na­li­ty”, also von begrenzt mög­li­cher Ratio­na­li­tät – wir kön­nen nie alles erfah­ren oder wis­sen und müs­sen auf einer not­wen­dig begrenz­ten Basis ent­schei­den.  Des­halb hat die Intui­ti­on ja so viel Inter­es­se und Zulauf gefun­den – das Bauch­ge­fühl ver­spricht eine Abkür­zung sol­cher Ent­schei­dungs­pro­zes­se. Das ist manch­mal rich­tig –  und manch­mal schwer dane­ben. Aber auch Intui­ti­on greift auf Unmen­gen an gespei­cher­ter, ver­kör­per­ter Infor­ma­ti­on zurück. Das Bes­te ist, Intui­ti­on  u n d  Ratio zu bemü­hen, und sich in wich­ti­gen, kom­ple­xen Fra­gen viel Zeit zu las­sen. Nur sehr sel­ten im Leben müs­sen wir wirk­lich schnell han­deln – so schnell, dass wir nicht nach­den­ken kön­nen. Aber wenn man – nach bes­tem Wis­sen und Gewis­sen – nach­ge­dacht hat, muss man auch zu Pot­te kom­men kön­nen.
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Die aktu­el­le agora42 zum The­ma EINFACH LEBEN ver­schi­cken wir ver­sand­kos­ten­frei. Lesen Sie span­nen­de Bei­trä­ge u.a. von Robert Pfal­ler (“Das nack­te und das gute Leben”), Ulri­ke Gué­rot (“Euro­pa ein­fach machen – ein­fach Euro­pa machen”), Frank Ruda (“Ein­fach nicht ein­fach”) und Mads Pan­kow (“End­lich wei­ter­ma­chen – Wer kei­ne Uto­pi­en hat, dem bleibt nur die Zukunft.”)

 

 

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Der Reiz des einfachen Lebens erschließt sich insbesondere jenen, die keines führen.” – Kai-Uwe Hellmann

Der Reiz des einfachen Lebens erschließt sich insbesondere jenen, die keines führen.”

Inter­view mit Kai-Uwe Hell­mann

 

Anlässlich der neuen agora42 EINFACH LEBEN haben wir ausgewählten Personen zum Thema ein paar Fragen gestellt. Hier die Antworten des Soziologen Kai-Uwe Hellmann. Er spricht über die Illusion der Einfachheit, den Wunsch dem Hamsterrad zu entkommen, die verflixte Komplexität und die unbemerkte Einfachheit…

 

Herr Hell­mann, kann man über­haupt ein­fach über Ein­fach­heit spre­chen, oder spricht man da nicht gleich über etwas ziem­lich Kom­pli­zier­tes?

Prof. Dr. Kai-Uwe Hell­mann ist Sozio­lo­ge und Kon­sum­for­scher. 2006 begrün­de­te er das Insti­tut für Kon­sum- und Mar­ken­for­schung (IKM) in Ber­lin. Von ihm ist u.a. erschie­nen: Der Kon­sum der Gesell­schaft: Stu­di­en zur Sozio­lo­gie des Kon­sums (Sprin­ger VS 2013). Außer­dem ist er Mit­her­aus­ge­ber der Rei­he Kon­sum­so­zio­lo­gie und Mas­sen­kul­tur.

Mein Ein­druck ist auch: Eine Ant­wort auf die durch­aus schwie­ri­ge Fra­ge nach der Ein­fach­heit fällt kei­nes­wegs leicht. Denn das Ein­fa­che erschließt sich ja erst vom Kom­ple­xen her: Nur durch die Unter­schei­dung vom Nicht-Ein­fa­chen erkennt man die Beson­der­heit des Ein­fa­chen, lernt es sogar schät­zen, sehnt es womög­lich her­bei. Fast könn­te man sagen: Das Nicht-Ein­fa­che ist die Vor­aus­set­zung für das Ein­fa­che – was aber nur zum Teil zutrifft, denn viel­mehr ist es die Unter­schei­dung ein­fach/­nicht-ein­fach, die uns das Ein­fa­che erst erken­nen lässt. Vor die­ser Unter­schei­dung gibt es das Ein­fa­che sozu­sa­gen nicht, und mit der Unter­schei­dung nur als Unter­schie­de­nes. Mit ande­ren Wor­ten ist das schlicht Ein­fa­che vor die­ser Unter­schei­dung schlicht inexis­tent. Es bedarf somit einer durch­aus auf­wen­di­gen Unter­neh­mung, damit das Ein­fa­che zu Tage tritt, was ihm im Rück­blick jede Ein­fach­heit nimmt. Der prä­re­fle­xi­ve Ein­druck der Ein­fach­heit des Ein­fa­chen ist somit eine Illu­si­on.

 

Gibt es das ein­fa­che Leben wirk­lich? Oder ver­birgt sich hin­ter dem „Sim­pli­fy-your-life“ nur ein ren­ta­bles Mar­ke­ting­kon­zept?

Der Reiz des ein­fa­chen Lebens erschließt sich ins­be­son­de­re jenen, die kei­nes füh­ren. Sonst wür­den sie es ja leben. Wobei es das ein­fa­che Leben für jene, die kei­nes füh­ren, durch­aus gibt. Nur füh­ren es ande­re, näm­lich sol­che Leu­te, denen es oft gar nicht bewusst ist, dass sie ein ein­fa­ches Leben füh­ren, und genau dar­um wer­den sie ja auch benei­det. Für jene, die sich also wün­schen, ein ein­fa­ches Leben zu füh­ren, ergibt sich dar­aus ein Dilem­ma: Zum einen bemes­sen sie die Ein­fach­heit des Lebens sel­ber nach ihrer eige­nen Ent­frem­det­heit von die­ser Vor­stel­lung von der Ein­fach­heit des Lebens, und stre­ben sie danach, dann bemes­sen sie den Grad der Erfül­lung ihrer Vor­stel­lung danach, um wie viel weni­ger sie sich ent­frem­det füh­len. Frei­lich bewahrt ihre fort­lau­fen­de Refle­xi­on auf eben die­se Rela­tio­na­li­tät ihnen exakt die­se Ent­frem­det­heit, sie dient ja genau dazu, sich selbst von ihrer Ent­frem­dung mög­lichst zu ent­frem­den, um end­lich ein­fa­cher leben zu kön­nen, aber dazu brau­chen sie wie­der­um die Refle­xi­on auf ihre Ent­frem­det­heit, so dass sie in ihrer Ent­frem­det­heit qua­si refle­xiv ver­har­ren, und so ent­kom­men sie ihr schlech­ter­dings nicht, nur um eine wei­te­re Illu­si­on allen­falls. Zum ande­ren wäre die voll­kom­me­ne Erfül­lung ihrer Vor­stel­lung von dem Umstand beglei­tet, dass, wenn sie ein wirk­lich ein­fa­ches Leben füh­ren wür­den, genau dar­um nicht mehr wüss­ten. Damit aber gin­ge ihnen der Trost ver­lo­ren, den sie suchen, weil sie ja gera­de die Ent­frem­dung von der Ent­frem­dung her­bei­seh­nen. Tritt sie aber rea­li­ter ein, mer­ken sie es gar nicht – höchs­tens im Nach­hin­ein, wenn sie kein wah­res ein­fa­ches Leben mehr füh­ren, dann ist es aber eigent­lich schon zu spät. Inso­fern han­delt es sich bei der “Simplify-your-life”-Parole um ein veri­ta­bles, durch und durch ren­ta­bles Mar­ke­ting­kon­zept, das Erwar­tun­gen weckt, die ten­den­zi­ell nur ent­täuscht wer­den kön­nen, damit man im Hams­ter­rad schön wei­ter läuft.

 

Ist unse­re heu­ti­ge Situa­ti­on nicht erschre­ckend ein­fach? Denn auf­grund der dra­ma­ti­schen Fehl­ent­wick­lun­gen des Kapi­ta­lis­mus – man den­ke nur an die gigan­ti­sche Spe­ku­la­ti­ons­bla­se, die in den letz­ten 40 Jah­ren auf­ge­pumpt wor­den ist – haben wir eigent­lich nur die Wahl zwi­schen einer öko­no­mi­schen Kata­stro­phe oder aber, soll­te irgend­wie das nöti­ge Wachs­tum gene­riert wer­den, einer öko­lo­gi­schen Kata­stro­phe.

Ich den­ke inzwi­schen, dass es sich hier­bei nicht (mehr) um eine Fra­ge des Entweder/Oder, son­dern des Sowohl-als-auch han­delt. Wir wer­den die pla­ne­ta­risch exzep­tio­nell-sin­gu­lä­re Erfah­rung machen dür­fen, Mut­ter Erde völ­lig in den Ruin zu wirt­schaf­ten, zumin­dest der­ge­stalt, wie wir die­sen Pla­ne­ten bis­lang wahr­neh­men. Wobei die Ein­fach­heit die­ses Kata­stro­phen­sze­na­ri­os dar­in zu sehen ist, dass der Point of No Return inzwi­schen über­schrit­ten wur­de, wie bei einer Schlamm­la­wi­ne, die sich am Gip­fel­punkt löst und ein­fach den Hang her­un­ter­rutscht und alles unter sich begräbt, was ihren Weg kreuzt. Ein­fa­cher geht es nicht mehr! Ein Natur­schau­spiel son­der­glei­chen, und dies von glo­ba­lem Aus­maß, ähn­lich wie bei der Aus­lö­schung der Dino­sau­ri­er!

 

Was macht das Leben wirk­lich ein­fa­cher?

Nichts, solan­ge man sich die­se Fra­ge stellt. Sie gleicht dem unglück­li­chen Schick­sal Buri­dans Esel: Solan­ge sich die­ses Vieh der Kon­tin­genz die­ser spe­zi­el­len Situa­ti­on aus­setzt, wird es lei­den und schließ­lich ver­hun­gern. Anstel­le des­sen soll­te man sich wün­schen, wie Don Qui­xo­te einer vor­mo­der­nen Zeit anzu­ge­hö­ren, oder wie Oblomow einer unter­ge­hen­den Kas­te. Aber dies bleibt ein from­mer ver­geb­li­cher Wunsch, sowie man die­sen Wunsch drän­gend ver­spürt, weil man dann schon von der Kon­tin­genz die­ser spe­zi­el­len Situa­ti­on gezeich­net ist, die wie ein Sta­chel im Flei­sche, wie der Bal­ken im Auge die Aus­weg­lo­sig­keit der eige­nen Lage vor­weg­nimmt.
 

 

 

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Die aktu­el­le agora42 zum The­ma EINFACH LEBEN ver­schi­cken wir ver­sand­kos­ten­frei. Lesen Sie span­nen­de Bei­trä­ge u.a. von Robert Pfal­ler (“Das nack­te und das gute Leben”), Ulri­ke Gué­rot (“Euro­pa ein­fach machen – ein­fach Euro­pa machen”), Frank Ruda (“Ein­fach nicht ein­fach”) und Mads Pan­kow (“End­lich wei­ter­ma­chen – Wer kei­ne Uto­pi­en hat, dem bleibt nur die Zukunft.”)

 

 

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Alles nicht so einfach: Wie entscheiden wir in komplexen Situationen?

Entscheiden in komplexen Situationen

von Marc Linz­ma­jer

Was ler­nen wir aus der Beschäf­ti­gung mit unse­rem Gehirn über die Art und Wei­se, wie wir Ent­schei­dun­gen tref­fen?

 

 

Sci­en­tists have final­ly dis­co­ve­r­ed what’s wrong with the brain: on the left side, the­re is not­hing right, and on the right side, the­re is not­hing left …“

Anony­mous

 

Pro­ble­me ratio­na­ler Ent­schei­dungs­fin­dung

Lie­be agora42-Leser, wie tref­fen Sie Ent­schei­dun­gen? Wenn Sie zur Beant­wor­tung die­ser Fra­ge die ein­schlä­gi­ge Lite­ra­tur über ratio­na­les Urtei­len, Den­ken oder Ver­hal­ten zura­te zie­hen, wer­den Sie wahr­schein­lich fol­gen­des lesen: Gute, „rich­ti­ge“ Ent­schei­dun­gen fol­gen den Regeln der Logik, den Geset­zen der Wahr­schein­lich­keits­theo­rie oder der Maxi­mie­rung des erwar­te­ten Nut­zens. Die­se Prin­zi­pi­en prä­gen in sämt­li­chen Berei­chen das Bild vom ver­nünf­ti­gen Men­schen – ange­fan­gen von der Öko­no­mie, der Phi­lo­so­phie, der Risi­ko­for­schung über die kogni­ti­ve Psy­cho­lo­gie und die Poli­tik­wis­sen­schaft bis hin zu Moral­theo­ri­en. Wenn Ihr Den­ken von die­sen Prin­zi­pi­en abweicht, ste­hen Sie im Ver­dacht, „falsch“ oder irra­tio­nal zu urtei­len. Die­se Prin­zi­pi­en waren jah­re­lang die Eck­pfei­ler der öko­no­mi­schen Theo­rie, anhand derer Model­le erstellt wur­den, die erklär­ten, wie wir Ent­schei­dun­gen tref­fen.

Komplexität

Die­ser Arti­kel ist erst­mals in agora42 Was macht das Leben kom­plex? erschie­nen. Die­se Aus­ga­be erhal­ten Sie gra­tis dazu, wenn Sie das aktu­el­le Heft zum The­ma EINFACH LEBEN bestel­len.

Doch bereits der gro­ße bri­ti­sche Öko­nom Alfred Mar­shall (1842–1924) erläu­ter­te im Vor­wort sei­nes bekann­tes­ten Werks, den Princi­ples of Eco­no­mics, dass die Öko­no­mie sich sowohl mit der Fra­ge nach dem mate­ri­el­len Wohl­stand befas­sen müs­se als auch mit der Fra­ge nach dem Wesen des Men­schen an sich. In die­ser Tra­di­ti­on defi­nier­te 1979 der US-ame­ri­ka­ni­sche Öko­nom Her­bert Simon den Kern der Wirt­schafts­wis­sen­schaf­ten wie folgt: Sie – die Öko­no­mie – beto­ne die mensch­li­che Ver­nunft, ins­be­son­de­re die Anwen­dung der mensch­li­chen Ver­nunft zur mög­lichst effek­ti­ven und effi­zi­en­ten Ver­wen­dung knap­per Res­sour­cen. Wenn Sie sich vor Augen füh­ren, wie Sie tag­täg­lich Ent­schei­dun­gen tref­fen, kön­nen Sie bestimmt bestä­ti­gen, dass Sie Ent­schei­dun­gen nicht anhand eines voll­stän­di­gen Wis­sens der Situa­ti­on, eines per­fek­ten Gedächt­nis­ses und einer Rechen­leis­tung, die jener der neu­es­ten Super­com­pu­ter gleicht, tref­fen. Wir fol­gen oft Gewohn­hei­ten, Dau­men­re­geln („Pi mal Dau­men“) oder ver­las­sen uns auf das Urteil ande­rer. Para­do­xer­wei­se zeigt sich sogar, dass, je mehr Fak­to­ren wir iden­ti­fi­zie­ren, wel­che einer kom­ple­xen Ent­schei­dung zugrun­de lie­gen, wir des­to weni­ger in der Lage sind, die­se zu berück­sich­ti­gen – wir fan­gen dann auto­ma­tisch an, die­se zu redu­zie­ren. Die­se Sack­gas­se, in die uns die öko­no­mi­schen Ent­schei­dungs­mo­del­le führ­ten, erkann­te der berühm­te Essay­ist und Sozio­bio­lo­ge Edward Wil­son und argu­men­tier­te in einem Auf­satz im Jah­re 1998, dass wir, um zu ver­ste­hen, wie wir in unse­rem kul­tu­rel­len und sozia­len Umfeld Ent­schei­dun­gen tref­fen, die Evo­lu­ti­ons­theo­rie, die Human­ge­ne­tik und vor allem die Hirn­for­schung befra­gen müs­sen.

Wir fol­gen oft Gewohn­hei­ten, Dau­men­re­geln („Pi mal Dau­men“) oder ver­las­sen uns auf das Urteil ande­rer.

Nun, wir waren bei der Fra­ge: Wie tref­fen Sie Ent­schei­dun­gen? Sehen Sie sich jede Alter­na­ti­ve genau an, den­ken Sie über alle mög­li­chen Kon­se­quen­zen nach, und schät­zen Sie jedes Mal ab, mit wel­cher Wahr­schein­lich­keit die­se ein­tre­ten wer­den? Rech­nen Sie sich den (erwar­te­ten) Nut­zen sorg­fäl­tig ab und rech­nen die­sen die (erwart­ba­ren) Risi­ken gegen? Ver­hal­ten Sie sich also so, wie es gemäß der Defi­ni­ti­on des Homo oeco­no­mi­c­us zu erwar­ten wäre? Wenn nein: kei­ne Sor­ge, Sie ste­hen mit Ihrem Ent­schei­dungs­ver­hal­ten nicht allei­ne da. Zahl­rei­che Bei­spie­le wider­le­gen das Bild vom Homo oeco­no­mi­c­us. Ein beson­ders beein­dru­cken­des beschreibt Gerd Gige­ren­zer, deut­scher Psy­cho­lo­ge und Direk­tor am Max-Planck-Insti­tut für Bil­dungs­for­schung in Ber­lin. Bei beson­ders wich­ti­gen Ent­schei­dun­gen, wie zum Bei­spiel der Ent­schei­dung, eine Ehe ein­zu­ge­hen, schei­nen wir nach beson­ders weni­gen Infor­ma­tio­nen zu suchen. So haben etwa 75 Pro­zent aller heu­te 50- bis 60-jäh­ri­gen Ame­ri­ka­ner die ers­te (!) Freun­din dann auch gehei­ra­tet. Bei den 40- bis 50-jäh­ri­gen sind es immer noch 50 Pro­zent und bei den 30- bis 40-jäh­ri­gen 33 Pro­zent. Bar­ba­ra Bush, die Gat­tin des frü­he­ren Prä­si­den­ten der USA, Geor­ge H. W. Bush, erklär­te ein­mal: „I mar­ried the first man I ever kis­sed.“ Wäre es nicht ratio­nal, mehr poten­zi­el­le Part­ner zu tes­ten, um sich über so vie­le Alter­na­ti­ven wie mög­lich bewusst zu wer­den? Auf die­se Wei­se soll der Astro­nom Johan­nes Kep­ler vor­ge­gan­gen sein: Als er nach einer unglück­li­chen ers­ten Ehe eine zwei­te Frau such­te, hat er sich ein bis zwei Jah­re Zeit genom­men, um etwa ein Dut­zend Frau­en genau­er zu stu­die­ren …

Ist weni­ger Suche, weni­ger Infor­ma­ti­on bes­ser? Oder umge­kehrt? Ist der deut­sche Wald von Steu­er­ge­set­zen bes­ser als ein ein­fa­che­res und damit durch­schau­ba­re­res Sys­tem? Könn­te nicht durch Ein­fach­heit mehr Trans­pa­renz erzeugt und damit das Ver­trau­en der Bür­ger in das Sys­tem gestärkt wer­den? Oder soll­te man auf kom­ple­xe Pro­ble­me auch mit kom­ple­xen Lösun­gen reagie­ren?

Wenn wir Men­schen in kom­ple­xen Situa­tio­nen gera­de auf­grund der Kom­ple­xi­tät nicht in der Lage sind, ratio­nal zu han­deln – weil es bei­spiels­wei­se zu vie­le Infor­ma­tio­nen gibt, die sich dann auch noch rasch ändern –, was befä­higt uns dann über­haupt noch zu han­deln? Sind es Dau­men­re­geln, derer wir uns in Ent­schei­dungs­si­tua­tio­nen bedie­nen? Ist es die Intui­ti­on, wie der Stra­te­gie­for­scher Karl Weick vor­schlägt? Sind Ent­schei­dun­gen abhän­gig von einem bio­lo­gisch regu­lier­ten Signal­sys­tem, das auf unse­ren Erfah­run­gen beruht – Fach­leu­te spre­chen hier von der Theo­rie der soma­ti­schen Mar­ker, die 1991 von dem Neu­ro­wis­sen­schaft­ler Anto­nio Dama­sio ein­ge­führt wor­den ist? Es scheint nicht mög­lich, eine end­gül­ti­ge Ant­wort auf die Fra­ge zu geben, wie wir kom­ple­xe Ent­schei­dun­gen tref­fen.

Soll­ten Sie den­noch wei­ter­le­sen, wer­den Sie eine Idee davon bekom­men, wie For­scher heu­te ver­su­chen, durch die Betrach­tung bis­lang ver­bor­ge­ner Pro­zes­se im Gehirn von Indi­vi­du­en in Zukunft bes­ser ver­ste­hen und erklä­ren zu kön­nen, wie wir Ent­schei­dun­gen tref­fen.

 

Das Wis­sen um das Wis­sen des Gehirns

Der Ver­such, die Hand­lungs­lo­gik des Indi­vi­du­ums im öko­no­mi­schen Kon­text durch neu­ro­na­le Pro­zes­se zu erklä­ren, ist der Aus­gangs­punkt einer gera­de ent­ste­hen­den Dis­zi­plin: der Neu­ro­öko­no­mie. Der Name ergibt sich dar­aus, dass die­se Dis­zi­plin die bis­her iso­liert neben­ein­an­der exis­tie­ren­den Dis­zi­pli­nen Bio­lo­gie (ins­be­son­de­re ihrer Aus­prä­gung als Hirn­for­schung) und Öko­no­mie ver­bin­det. Ziel die­ser Dis­zi­plin ist es, mit­hil­fe neu­ro­wis­sen­schaft­li­cher Ver­fah­ren her­aus­zu­fin­den, wie Kauf­ent­schei­dun­gen (und damit auch kom­ple­xe Ent­schei­dun­gen) von Kon­su­men­ten zustan­de kom­men. Sie haben Angst? Soll­ten Sie auch, denn die Neu­ro­öko­no­mie macht Ihre tiefs­ten Geheim­nis­se beob­acht­bar: War­um und unter wel­chen Umstän­den kau­fen Sie ein bestimm­tes Pro­dukt? Wenn die­se unbe­wuss­te Dimen­si­on Ihrer Ent­schei­dun­gen tat­säch­lich erkannt wer­den kann, was hin­dert dann bei­spiels­wei­se Unter­neh­men dar­an, die­se Ent­schei­dun­gen zu mani­pu­lie­ren? Kein Wun­der, dass die Neu­ro­öko­no­mie in der Öffent­lich­keit zunächst neu­gie­rig, dann zuse­hends kri­tisch dis­ku­tiert wur­de.

War­um kau­fen Sie ein bestimm­tes Pro­dukt? Sind wir bald alle Opfer des Neu­ro­mar­ke­tings und wan­deln wie Zom­bies durch die Shop­ping­mei­len der Innen­städ­te?

Die­se neu ent­stan­de­ne Dis­zi­plin bedient sich dabei einer Tech­nik, die in den letz­ten Jah­ren mit zuneh­men­dem Erfolg in der Hirn­for­schung ein­ge­setzt und als funk­tio­nel­le Magnet­re­so­nanz­to­mo­gra­fie bezeich­net wird. Mit­hil­fe die­ses Ver­fah­rens wer­den die Akti­vi­tä­ten in bestimm­ten Hirn­area­len, die durch äuße­re Impul­se (die Bewäl­ti­gung sozia­ler Kon­flikt­si­tua­tio­nen, öko­no­mi­scher Ent­schei­dungs­druck, Mar­ken­ver­glei­che) her­vor­ge­ru­fen wer­den, sicht­bar gemacht. Die Beob­ach­tun­gen eines ein­zel­nen Indi­vi­du­ums (Gehirns) die­nen dabei als Grund­la­ge, um auf ver­all­ge­mei­ner­ba­re Hand­lungs­lo­gi­ken aller Indi­vi­du­en (Gehir­ne) zu schlie­ßen. Nun ver­geht kein Tag mehr, an dem die stau­nen­de Öffent­lich­keit nicht mit neu­en Befun­den über die Eigen­mäch­tig­kei­ten des Gehirns unter­rich­tet wird, illus­triert durch gelb und rot „feu­ern­de“ Neu­ro­nen in grau­er Hirn­mas­se. Es liegt in der Natur der Sache, dass die Erkennt­nis­se aus der Neu­ro­öko­no­mie auch die Fan­ta­si­en der Mana­ger und Mar­ke­ting­ex­per­ten beflü­gelt. Exper­ten im Bereich des Neu­ro­mar­ke­tings beschäf­ti­gen sich nun damit, Schleich­we­ge um die „ratio­na­len“ Ent­schei­dungs­pro­zes­se der Kun­den her­um zu fin­den, um die­se zu irra­tio­na­len Käu­fen zu ver­füh­ren.

Was nun? Sind wir bald alle Opfer des Neu­ro­mar­ke­tings und wan­deln wie Zom­bies durch die Shop­ping­mei­len der Innen­städ­te und fin­den uns nach einer Sams­tag­nach­mit­tag­shop­ping­tour mit lau­ter unnüt­zem Kram wie­der, von dem wir nicht mehr wis­sen, wann und war­um wir ihn gekauft haben?

 

Sind wir alle Zom­bies?

Die Vor­stel­lung eines Schal­ters, den man nur betä­ti­gen muss, um per Reflex ein gewünsch­tes Ver­hal­ten zu erzie­len, ist zu kurz gegrif­fen. Gäbe es den, wäre in der Tat die Neu­ro­wis­sen­schaft ethisch äußerst bedenk­lich für das Mar­ke­ting. Es stün­de zu befürch­ten, dass dies leid­lich aus­ge­nutzt wer­den wür­de. Zugleich wer­den die fas­zi­nie­ren­den Ein­sich­ten in die Arbeits­wei­se des mensch­li­chen Gehirns durch die Redu­zie­rung auf Mar­ke­ting­stra­te­gi­en tri­via­li­siert, und die höchst kom­ple­xe For­schung wird damit um ihre eigent­li­che Bedeu­tung gebracht. Zu einem gewis­sen Grad hängt das Neu­ro­mar­ke­ting der Illu­si­on nach, den Men­schen unbe­merkt Bedürf­nis­se ein­zu­pflan­zen, wel­che die Unter­neh­men dann ohne viel Pfle­ge nur noch zu ern­ten brau­chen. Nein, die bun­ten Bil­der aus der funk­tio­nel­len Magnet­re­so­nanz­to­mo­gra­fie lie­fern noch längst kei­ne voll­stän­di­ge Beschrei­bung des indi­vi­du­el­len Gehirns – und damit kei­ne umfas­sen­de und all­ge­mein­gül­ti­ge Vor­her­sa­ge über das Ver­hal­ten einer bestimm­ten Per­son. Denn Gehir­ne orga­ni­sie­ren sich auf­grund gene­ti­scher Unter­schie­de und nicht repro­du­zier­ba­rer Prä­gungs­vor­gän­ge durch Umwelt­ein­flüs­se selbst – und zwar auf sehr unter­schied­li­che Wei­se und indi­vi­du­el­len Bedürf­nis­sen sowie einem indi­vi­du­el­len Wer­te­sys­tem fol­gend.

Nein, die bun­ten Bil­der aus der funk­tio­nel­len Magnet­re­so­nanz­to­mo­gra­fie lie­fern noch längst kei­ne voll­stän­di­ge Beschrei­bung des indi­vi­du­el­len Gehirns – und damit kei­ne umfas­sen­de und all­ge­mein­gül­ti­ge Vor­her­sa­ge über das Ver­hal­ten einer bestimm­ten Per­son.

Die neu­ro­öko­no­misch gewon­ne­nen Befun­de im Rah­men wirt­schafts­wis­sen­schaft­li­cher Expe­ri­men­te sind in einer Hin­sicht jedoch höchst bemer­kens­wert: Wird die neu­ro­na­le Akti­vi­tät bei wirt­schaft­li­chen Ent­schei­dungs­pro­zes­sen beob­ach­tet, stellt sich regel­mä­ßig her­aus, dass Men­schen sich von tief ver­an­ker­ten sozia­len Prä­fe­ren­zen, von Gefüh­len und offen­sicht­lich auch von kul­tu­rel­len Lern­pro­zes­sen lei­ten las­sen. Damit lie­fern sie, wie schon die Befun­de der Ver­hal­tens­öko­no­mie, wei­te­re gewich­ti­ge Argu­men­te, die dem Stan­dard­theo­rem der Wirt­schafts­wis­sen­schaf­ten (ratio­na­le Hand­lung) wider­spre­chen.

Die Erkennt­nis­se der Neu­ro­öko­no­mie sind jedoch dahin­ge­hend begrenzt, dass eine gewis­se Por­ti­on Ratio­na­li­tät kei­nem Kun­den abge­spro­chen wer­den kann, ohne ihn auf einen rei­nen Reiz-Reak­ti­ons-Zom­bie zu redu­zie­ren. So bie­tet die Neu­ro­öko­no­mie vor allem die Mög­lich­keit, Pro­zes­se, die zu einer Ent­schei­dung füh­ren, dif­fe­ren­zier­ter betrach­ten zu kön­nen. Auch wenn der Trans­fer für die Wirt­schafts­wis­sen­schaf­ten (Stich­wort: Neu­ro­mar­ke­ting) das momen­tan wohl am meis­ten beach­te­te Teil­ge­biet der Neu­ro­wis­sen­schaf­ten ist, so sind die For­schungs­ge­bie­te so viel­fäl­tig wie das Leben und rei­chen von den natur­ge­ge­be­nen Grund­la­gen mensch­li­cher Lern­pro­zes­se über gene­ti­sche Vor­be­din­gun­gen des Den­kens bis hin zu Kon­se­quen­zen von Hirn­schä­di­gun­gen. Der­ar­ti­ge Stu­di­en illus­trie­ren sehr anschau­lich, dass der Begriff der „Neu­ro­öko­no­mie“ erst ein­mal nur die Beob­ach­tung von neu­ro­na­len Pro­zes­sen wäh­rend wirt­schaft­li­cher Hand­lun­gen defi­niert und nicht unbe­dingt mit jenen Vor­stel­lun­gen ver­ein­bar ist, die als Träu­me vom ent­rät­sel­ten Kun­den­hirn in den Köp­fen man­cher Mana­ger und Mar­ke­ting­ex­per­ten her­um­spu­ken.

Bei allem Fort­schritt kann die wah­re Natur kom­ple­xer Ent­schei­dun­gen noch nicht gänz­lich durch einen Blick in unser wich­tigs­tes Ent­schei­dungs­or­gan – das Gehirn – ergrün­det wer­den. Folgt man aber aktu­el­len Erkennt­nis­sen, soll­ten Sie vor wich­ti­gen (kom­ple­xen) Ent­schei­dun­gen eini­ge Din­ge beher­zi­gen: Schla­fen Sie aus (Har­r­i­son and Hor­ne 2000), essen Sie kein Junk­food (David­son et al. 2011), rau­chen Sie nicht (Kühn et al. 2010), und, natür­lich, berück­sich­ti­gen Sie alle zur Ver­fü­gung ste­hen­den Infor­ma­tio­nen …

 

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- Inklu­si­ve der aktu­el­len Aus­ga­be EINFACH LEBEN

- Außer­dem erhal­ten Sie die Aus­ga­be LEITBILDER mit State­ments von Rein­hold Mess­ner, Micha­el Win­ter­hoff (“War­um unse­re Kin­der Tyran­nen wer­den”), Marc Els­berg (“Black­out”), Kat­ja Frit­sche (Lei­te­rin JVA Adels­heim), uvm. gra­tis

 

Die Welt neu denken und gestalten – Interview mit Fredmund Malik

Anläss­lich der aktu­el­len Aus­ga­be haben wir aus­ge­wähl­ten Per­so­nen zum The­ma “SYSTEME” ein paar Fra­gen gestellt. Hier die Ant­wor­ten von Prof. Dr. Fred­mund Malik, Grün­der und Inha­ber des Malik Insti­tu­te, Unter­neh­mer, Wis­sen­schaft­ler und Autor für Kom­ple­xi­täts­ma­nage­ment, Gover­nan­ce und Lea­dership. Von ihm stammt auch der Arti­kel „Euro­pas Gro­ße Transformation21“ in der agora42 EUROPA 2/2014. Sein neus­tes Buch “Navi­gie­ren in Zei­ten des Umbruchs” ist 2015 im Cam­pus Ver­lag erschie­nen.

 

Die Welt neu denken und gestalten

Interview mit Prof. Dr. Fredmund Malik

 

Abs­trak­te kom­ple­xe Gebil­de wer­den heu­te schnell als Sys­te­me bezeich­net, ohne zu wis­sen, was dar­un­ter genau zu ver­ste­hen ist. Gan­ze Wis­sen­schaf­ten erfor­schen Ent­ste­hung, Ent­wick­lung, Ein­fluss und Beein­flus­sung von Sys­te­men. Was bringt uns das Nach­den­ken über Sys­te­me?

 

Fredmund Malik

Foto: Thal­mann

Um den Schluss der Fra­ge vor­weg­zu­neh­men: Sys­tem­den­ken bringt eine oft voll­kom­men ande­re Welt­sicht, ein neu­es Ver­ste­hen, oder über­haupt erst­mals ein Ver­ste­hen. Es ermög­licht oft ganz neue Per­spek­ti­ven, und es bringt auch die Fähig­keit, Per­spek­ti­ven zu ver­än­dern und sie spie­le­risch zu vari­ie­ren, um mehr und mehr über sie zu erfah­ren — und wie­der­um, durch all das, immer bes­ser zu ver­ste­hen.

Sys­tem­den­ken ist ganz­heit­li­ches Den­ken. Es gibt ein schö­nes Zitat von Prof. Dr. Hans Ulrich, dem Pio­nier der sys­tem­ori­en­tier­ten Manage­ment­leh­re an der schwei­ze­ri­schen Uni­ver­si­tät St. Gal­len, der einer mei­ner wich­ti­gen Leh­rer war. Er sag­te: Ganz­heit­li­ches Den­ken ist radi­kal, weil es so vie­les, das wir für selbst­ver­ständ­li­che Wahr­heit hiel­ten, als blos­ses Pro­dukt unse­rer beschränk­ten Erkennt­nis ent­larvt. Ganz­heit­li­ches Den­ken ist krea­tiv, weil es bis­her unver­bun­den Gedach­tes ver­bin­det und so erst Mus­ter schafft, in die wir das Ein­zel­ne ein­ord­nen und damit ver­ste­hen kön­nen.

Nicht nur abs­trak­te, son­dern auch sehr kon­kre­te Gebil­de wer­den als Sys­tem bezeich­net. Wich­tig ist, dass man es „ernst“ meint und Sys­te­me nicht nur so bezeich­net, son­dern sie als sol­che auch wahr­nimmt. Nur so lässt sich her­aus­zu­fin­den, wo die Ver­stär­kungs­ele­men­te und „Toten Punk­te“ lie­gen, wie man ver­schach­tel­te Rück­kop­pe­lungs­krei­se auf­spü­ren kann, wel­che Ver­hal­tens­dy­na­mik Sys­te­me haben und wo die sta­bi­len und die insta­bi­len Zonen sind. Man erfährt, wo und wie man in Sys­te­me ein­grei­fen und je nach Situa­ti­on auch ver­än­dern kann. Dies ist umso inter­es­san­ter, und für das Ver­ste­hen auch not­wen­dig, je kom­ple­xer ein sol­ches Gebil­de ist, je mehr es mit Unsi­cher­heit, Unge­wiss­heit, Unpro­gnos­ti­zier­bar­keit, daher auch mit Über­ra­schun­gen, Risi­ken, mit Dyna­mik, Ver­net­zung und Ver­än­de­rung zu tun hat. Man lernt dabei recht schnell, was Kom­ple­xi­tät bedeu­tet, wenn man mit der Kom­ple­xi­tät von Sys­te­men kon­fron­tiert ist – mit der enor­men Anzahl von Ver­hal­tens­mög­lich­kei­ten und mit Viel­falt.

Wich­tig ist, dass man Sys­te­me nicht ohne ihre eige­ne Kyber­ne­tik ver­ste­hen kann, d.h ohne das, was das Sys­tem im Inners­ten zusam­men­hält, was sei­ne Funk­ti­ons­wei­se regu­liert, sei­ne Sta­bi­li­tät aber gleich­zei­tig auch Anpas­sungs­fä­hig­keit her­bei­führt. Die Kyber­ne­tik eines Sys­tems sind jene Regeln und Geset­ze, die ein Sys­tem zu einem kohä­ren­ten Gan­zen macht, und es befä­higt, sich selbst zu regu­lie­ren, sich selbst zu orga­ni­sie­ren, und sich selbst zum Bei­spiel auch zu hei­len, etwa nach einer Ver­let­zung.

Eine der bes­ten Vor­stel­lun­gen ist ein leben­der Orga­nis­mus in sei­nem natür­li­chen Umfeld. Wenn ich den Orga­nis­mus aus dem Umfeld her­aus­lö­se, dann ver­liert er sei­ne Sys­tem­haf­tig­keit, denn erst Orga­nis­mus und Umwelt zusam­men bil­den das rele­van­te Sys­tem. So ist ein Tiger im Dschun­gel etwas ande­res als ein Tiger in einem Käfig. Vie­len ver­ur­sacht es Schwie­rig­kei­ten, dass man nie genau weiß und nie genau wis­sen kann, wo die Umwelt beginnt und wo sie endet, und man kann auch nicht genau sagen, wo ein Orga­nis­mus beginnt und wo er endet. Letzt­lich ist es aber kein so gro­ßes Pro­blem, wie man­che behaup­ten, son­dern es gehört im Gegen­teil zur Sys­tem­haf­tig­keit dazu, es schafft sie und es bedingt sie. Auch ist es inso­fern kein Pro­blem, als Men­schen ganz natür­lich so den­ken, so lan­ge sie noch nicht durch fächer­ori­en­tier­ten Schul­un­ter­richt ver­bil­det sind.

Saul Gorn, einer der bedeu­ten­den Pio­nie­re der Infor­ma­ti­ons­theo­rie sag­te sinn­ge­mäß ein­mal: Sein ers­tes Lebens­jahr ver­bringt der Mensch damit, zu ler­nen, dass er an sei­ner Haut endet. Den Rest sei­nes Lebens ver­bringt er damit, zu ler­nen, dass das nicht stimmt.

Und was weiss man, wenn man weiss, dass ein Gegen­stand aus etwa 15 kg Koh­le, 4 kg Stick­stoff, 1 kg Kalk, 1/2 kg Phos­phor und Schwe­fel, etwa 200 g Salz, 150 g Kali und Chlor und etwa 15 ande­ren Mate­ria­li­en sowie aus 4 – 5 Eimern Was­ser besteht? Ich lade nicht nur dazu ein, die Ant­wort selbst zu fin­den, son­dern vor allem dar­über hin­aus auch noch nach­zu­den­ken, was die Ant­wort zu einer Ant­wort macht. Wer die­ses klei­ne Rät­sel lösen kann, hat Sys­te­me ziem­lich gut ver­stan­den.

Wor­um es geht, wird viel­leicht kla­rer, wenn ich zuerst den Begriff „Sys­tem“ mit dem Begriff „Objekt“  kon­tras­tie­re. Typi­scher­wei­se ler­nen wir – unter ande­rem durch die Spra­che – die Welt in Objek­te ein­zu­tei­len. Also Mut­ter, Tisch, Stuhl usw. In mei­nen ers­ten  Schul­jah­ren war die Schu­le für mich ein Gebäu­de mit einem Spiel­platz, einem Klas­sen­zim­mer und einem Leh­rer – also eine Ansamm­lung von Objek­ten.  An den Geruch des geöl­ten Bodens erin­ne­re ich mich aller­dings noch heu­te. Viel­leicht war das schon eine klei­ne Vor­ah­nung in die Sys­tem­welt. Es dau­er­te eini­ge Zeit, bis ich dann ver­stan­den hat­te, in wel­che gro­ße Zahl von ande­ren Zusam­men­hän­gen, in wel­ches dich­te Bezie­hungs­netz mei­ne klei­ne Dorf­volks­schu­le ein­ge­bun­den war, z. B. dass sie Teil des Bil­dungs­sys­tems und der Berufs­welt war, dass sie eng mit der Kir­che zusam­men­hing und dass die gan­ze Gemein­de­be­völ­ke­rung durch die­se Schu­le gegan­gen war, dass sie eine Geschich­te hat­te,  und dass sie das Leben von zahl­rei­chen Men­schen geprägt hat. Das alles gemein­sam und in einer chro­no­lo­gi­schen Ordung war es, was die­ses – für sich genom­men – ganz unwich­ti­ge Gebäu­de zu einer Schu­le mach­te.

Bei mei­ner Arbeit mit Füh­rungs­kräf­ten spielt unter ande­rem das The­ma Orga­ni­sa­ti­on eine ent­schei­den­de Rol­le. Die­ses behand­le ich meis­tens schon in einem frü­hen Sta­di­um und dabei kom­men Sys­te­me und Sys­tem­den­ken natür­lich vor – und zwar ganz rele­vant für die unmit­tel­ba­re Pra­xis die­ser Men­schen. Wenn ich die­se Frau­en und Män­ner bit­te: „Zeich­nen Sie für sich Ihr Sys­tem gra­fisch auf“, kom­men die Leu­te fast aus­nahms­los mit Abbil­dun­gen ihrer Orga­ni­gram­me. Ich las­se die­se dann prä­sen­tie­ren, fra­ge aber zum Bei­spiel: „Ja, haben Sie denn kei­ne Fami­lie?“  Ant­wort: „Ja, doch, doch!“ Und ich muss nicht mal mehr erklä­ren, dass die Berufs­aus­übung jeder ein­zel­nen Füh­rungs­kraft von sei­ner fami­liä­ren Situa­ti­on beein­flusst wird und umge­kehrt. Das liegt ja dann auf der Hand.

Nach die­ser ein­fa­chen Übung öff­nen sich die Hori­zon­te, denn dann fällt vie­len sogar ein, dass sie auch noch im Ver­eins­vor­stand ihres loka­len Sport­ver­eins sind oder sich ehren­amt­lich ander­wei­tig enga­gie­ren. Nach kur­zer Zeit haben wir dann für die prak­ti­sche Wei­ter­ar­beit genü­gend gut „das Sys­tem“ und nicht nur „das Orga­ni­gramm“ im Kopf – ohne „ihr“  Sys­tem zu sehen, kön­nen Füh­rungs­kräf­te unse­rer Kom­ple­xi­täts­ge­sell­schaft ihre Auf­ga­ben heu­te nicht mehr wirk­sam wahr­neh­men

 

Wor­an bemerkt man Sys­te­me im All­tag? Sind Sie in Ihrem Leben ein­mal einem Sys­tem begeg­net, haben sich dar­an ges­toßen oder wur­den dadurch gar unter­stützt? Wie sind Sie damit umge­gan­gen?

Ich bin da befan­gen, denn ich habe mich mein gan­zes Leben lang mit Sys­te­men beschäf­tigt – die Sys­tem­wis­sen­schaf­ten und die Kyber­ne­tik – ange­wandt auf Orga­ni­sa­tio­nen jeg­li­cher Art, vor allem auch Wirt­schafts­un­ter­neh­men, sind ja sowohl mei­ne aka­de­mi­schen Spe­zi­al­ge­bie­te, als auch die The­men­fel­der mei­ner unter­neh­me­ri­schen Tätig­kei­ten. Ich bewe­ge mich nicht nur in mei­nem All­tag immer in Sys­te­men, ich beschäf­ti­ge mich auch immer damit.

Wäh­rend mei­nes Uni­ver­si­täts­stu­di­ums in St. Gal­len habe ich bereits die sys­tem­ori­en­tier­te Manage­ment­leh­re von den Pio­nie­ren gelernt. Ich habe dann auf die­sem Gebiet dok­to­riert und habi­li­tiert, sys­tem­ky­ber­ne­ti­sches Manage­ment war mein aka­de­mi­sches Lehr­fach an der Uni­ver­si­tät St. Gal­len,  heu­te leh­re ich das z. B. auch an chi­ne­si­schen Uni­ver­si­tä­ten. Mei­ne eige­ne 40 Jah­re For­schung und Arbeit mit und an Manage­ment­sys­te­men beschäf­tigt sich mit der Fra­ge, was unter kom­ple­xen Bedin­gun­gen rich­ti­ges und was fal­sches Manage­ment ist, und was kom­ple­xe Insti­tu­tio­nen in kom­ple­xen Umwel­ten brau­chen, um zu zweck­ent­spre­chend zu funk­tio­nie­ren? Beson­ders wich­tig – ja viel­leicht sogar wich­ti­ger – ist für mich dabei mei­ne sys­tem­ky­ber­ne­ti­sche Arbeit in und für die Pra­xis.

Längst leben wir ja nicht mehr in einer ein­fa­chen Gesell­schaft von Per­so­nen, son­dern in einer hoch­kom­ple­xen Gesell­schaft von Orga­ni­sa­tio­nen. Was immer Men­schen tun, tun sie nicht als Indi­vi­du­en, son­dern als Mit­glie­der oder als Nut­zer von Orga­ni­sa­tio­nen. Ohne funk­tio­nie­ren­de Orga­ni­sa­tio­nen droht ein Kol­laps des Funk­tio­nie­rens. Das Risi­ko ist real. Denn Mor­pho­lo­gie und Funk­ti­ons­prin­zi­pi­en der meis­ten heu­ti­gen Orga­ni­sa­tio­nen haben ihren Ursprung noch weit im vori­gen Jahr­hun­dert. Den Her­aus­for­de­run­gen der heu­ti­gen Kom­ple­xi­tät, Geschwin­dig­keit und Dyna­mik sind sie daher immer weni­ger gewach­sen. Für die Trans­for­ma­ti­on sind sie zu lang­sam und zu schwer­fäl­lig, zu wenig effi­zi­ent und nicht anpas­sungs­fä­hig genug. Ent­schei­dungs­pro­zes­se wir­ken gelähmt und blo­ckie­ren sich selbst. Es man­gelt an kol­lek­ti­ver Intel­li­genz, Krea­ti­vi­tät, Inno­va­ti­on und Chan­ge­fä­hig­keit, Selbst-Koor­di­na­ti­on, Selbst-Regu­lie­rung und Selbst-Orga­ni­sa­ti­on. Wür­de man bei den her­kömm­li­chen unsys­te­mi­schen Denk­wei­sen und Metho­den ver­har­ren, so wäre ein sozia­les Desas­ter pro­gram­miert.

Inzwi­schen habe ich ja schon vie­le Gene­ra­tio­nen von Füh­rungs­kräf­ten bei­na­he aller Arten von Orga­ni­sa­tio­nen – Unter­neh­men, Kran­ken­häu­ser, Minis­te­ri­en, Städ­te und Staa­ten – aus­bil­den und mit ihnen zusam­men­ar­bei­ten dür­fen. Ich mei­ne, es wäre grob fahr­läs­sig von mir gewe­sen, die­se Tau­sen­den Füh­rungs­kräf­te ohne die Befä­hi­gung zum Sys­tem­den­ken wie­der in ihre prak­ti­sche Tätig­keit zurück­zu­schi­cken. Das Schlüs­sel­wis­sen in der Kom­ple­xi­täts­ge­sell­schaft besteht dar­in, die Gesetz­mäs­sig­kei­ten kom­ple­xer Sys­te­me zu ver­ste­hen. Die Schlüs­sel­fä­hig­keit wird immer mehr jene sein, die­se Erkennt­nis­se prak­tisch zu nut­zen. Wir müs­sen dafür kei­ne neu­en Eigen­schaf­ten von den Men­schen for­dern, aber neue Fähig­kei­ten, ein ande­res Welt­bild, ande­re Erkennt­nis­se, Metho­den und Tools sowie – dar­auf gestützt – ein ande­res Han­deln. Schein­bar unüber­brück­ba­re Gegen­sät­ze las­sen sich auf die­sem Weg des Den­kens pro­blem­los inte­grie­ren. Kyber­ne­tisch regu­lier­te und gema­nag­te Sys­te­me über­win­den die Para­do­xi­en von Ein­fach­heit und Kom­ple­xi­tät, von Frei­heit und Ord­nung, Viel­falt und Ein­heit, Dezen­tra­li­tät und Zen­tra­li­tät, Gemein­schaft und Indi­vi­du­um, frei­er Wirt­schaft und Kon­trol­le der Exzes­se, von Ver­stand und Intui­ti­on. Das reduk­tio­nis­ti­sche Ent­we­der-oder-Den­ken wird ersetzt oder ergänzt durch das sys­te­mi­sche Sowohl-als-auch-Den­ken.

 

Per­spek­ti­ven und Mei­nun­gen jun­ger Men­schen wer­den in sys­tem­re­le­van­ten Ent­schei­dun­gen – sei es in der Poli­tik, der Wirt­schaft, der Wis­sen­schaft etc. – kaum berück­sich­tigt. Von sys­tem­ver­ur­sach­ten Kri­sen hin­ge­gen sind sie beson­ders betrof­fen (Arbeits­lo­sig­keit, Staats­ver­schul­dung, Ren­ten­aus­fall, Umwelt­zer­stö­rung). Wel­chen Rat geben Sie die­ser Gene­ra­ti­on?

Ich möch­te nicht pau­scha­lie­rend über eine gan­ze Gene­ra­ti­on spre­chen, denn zum Glück ist die­se alles ande­re als homo­gen. Ich habe eine ande­re Mei­nung, weil ich die in der Fra­ge lie­gen­de Mei­nung zwar nicht für falsch hal­te, aber für bedeu­tungs­los, für irrele­vant.

Sind es denn nicht gera­de jun­ge Men­schen, die sich in der prak­ti­schen Anwen­dung von Sys­tem­den­ken beson­ders pro­fi­lie­ren? Die Fir­men gegrün­det haben wie Apple, Goog­le, Face­book usw. und gera­de dabei sind, jene Sys­te­me, die sie nicht hören wol­len, über­flüs­sig zu machen? Das sind alles jun­ge Men­schen, oder sie sind es gewe­sen, als sie begon­nen haben. Und vie­le ande­re fol­gen täg­lich nach. Ich sehe hier ein Aus­mass und ein Niveau von Anwen­dung des Sys­tem­den­kens und vor allen Din­gen der Kyber­ne­tik, die ein­fach gran­di­os ist. Die­se jun­gen Leu­te sind gar nicht drauf ange­wie­sen, von jeman­dem „berück­sich­tigt“ zu wer­den. Son­dern sie fah­ren mit ihren Inno­va­tio­nen all jenen ein­fach davon, die sie nicht hören wol­len.

Die alten Sys­te­me, die sol­che Kri­sen ver­ur­sa­chen – ich nen­ne sie, die Alte Welt – ver­schwin­den ohne­hin, weil sie durch die Neue Welt ver­drängt und ersetzt wer­den. Von den meis­ten unbe­merkt ist ihre Ablö­se schon seit lan­gem im Gan­ge. Seit 1997, als ich in mei­nem Buch über „Gover­nan­ce“ dar­über schrieb, nen­ne ich die­sen Vor­gang „Die Gro­ße Transformation21“. Mein Rat ist daher, sich nicht auf­hal­ten zu las­sen.

 

Seit Luh­manns Sys­tem­theo­rie glaubt nie­mand mehr dar­an, dass sich sozia­le Sys­te­me von Ein­zel­per­so­nen ver­än­dern las­sen. Trotz­dem wächst das Unbe­ha­gen gegen­über Sys­te­men, wie dem Wirt­schafts­sys­tem oder dem Staats­sys­tem. Mal uto­pisch gefragt: Kann es eine sys­tem­freie Zukunft geben?

Zwei Wel­len tref­fen sich im offe­nen Oze­an ­– eine ganz gros­se, alte Wel­le und eine klei­ne, jun­ge Wel­le. Fragt die klei­ne: „Sag mal, bist Du schon mal dem Oze­an begeg­net?“ Sagt die gros­se: „Ach, weisst Du, man redet so viel vom Oze­an, aber begeg­net? Nein, begeg­net bin ich ihm noch nie …“ Dies zur sys­tem­frei­en Zukunft.

Ob sozia­le Sys­te­me von Ein­zel­per­so­nen ver­än­dert wer­den kön­nen, hängt unter ande­rem davon ab, in wel­chem Ent­wick­lungs­sta­di­um ein sozia­les Sys­tem ist, und auch davon, wel­che Mit­tel zur Ver­fü­gung ste­hen – ins­be­son­de­re Mit­tel der Kom­mu­ni­ka­ti­on und der Intel­li­genz­ver­stär­kung. Ist ein Sys­tem in einem labi­len Zustand oder auch in einer bestimm­ten, sich selbst orga­ni­sie­ren­den Eigen­dy­na­mik,  dann kann eine Ein­zel­per­son, deren „Sys­tem­zeit“ gewis­ser­ma­ßen gekom­men ist, eine gigan­ti­sche Ver­än­de­rung aus­lö­sen. Ist ein Sys­tem hin­ge­gen in einem hoch­sta­bi­len Zustand, dann kann es über­haupt nicht ver­än­dert wer­den.

Im Übri­gen wis­sen wir gera­de aus der Sys­tem­theo­rie, dass es auf Per­so­nen gar nicht ankommt, weder auf ein­zel­ne noch auf vie­le. Wor­auf es weit mehr ankommt, sind die Bezie­hun­gen, in denen Per­so­nen – wie­der­um ein­zel­ne oder vie­le – zuein­an­der und zum Sys­tem ste­hen. Auf Per­so­nen als sol­che zu rekur­rie­ren, ist metho­disch meis­tens unsys­te­misch.

Dann kommt es auch noch dar­auf an, wel­che sys­tem­ky­ber­ne­ti­schen Metho­den und Instru­men­te einer oder meh­re­ren Per­so­nen zur Ver­fü­gung ste­hen. Denn es ist weit eher so, dass es die her­kömm­li­chen Metho­den und Instru­men­te der Alten Welt sind, mit denen sich Sys­te­me heu­te nicht mehr ver­än­dern las­sen, weil sie zu schwach sind im Ver­gleich zur heu­te gege­be­nen Kom­ple­xi­tät, der Eigen­dy­na­mik und dem inter­nen Ver­net­zungs­grad von Sys­te­men. Die alten Metho­den sind ein­fach nicht kom­ple­xi­täts­taug­lich genug. Ande­rer­seits gibt es heu­te neue Metho­den, die durch die Nut­zung von bestimm­ten Sys­tem­ge­set­zen, Ver­net­zungs­lo­gi­ken und  Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ei­gen­schaf­ten enor­me sich selbst ver­stär­ken­de Ver­än­de­rungs­wir­kun­gen haben. Erst aus funk­tio­nie­ren­der Ver­net­zung von Sys­te­men resul­tie­ren Intel­li­genz­ver­stär­kung, Adap­ti­vi­tät, Tem­po und Pro­duk­ti­vi­tät. Funk­tio­nie­ren­de Ver­net­zung hat Ganz­heit­lich­keit ein­ge­baut, so wie das dazu­ge­hö­ri­ge Manage­ment auch. Das ist es, was die Mil­lio­nen von Orga­ni­sa­tio­nen unse­rer moder­nen Kom­ple­xi­täts­ge­sell­schaft her­aus­for­dert. Ich mei­ne, ein men­schen­ge­rech­tes als auch ein funk­tio­nie­ren­des Zusam­men­le­ben in unse­ren Gesell­schaf­ten ist mög­lich – jen­seits mecha­nis­ti­schen Den­kens, aber auch jen­seits der mehr als 200 Jah­re alten und fest­ge­fah­re­nen poli­ti­schen Ideo­lo­gi­en.