Der Reiz des einfachen Lebens erschließt sich insbesondere jenen, die keines führen.” – Kai-Uwe Hellmann

Der Reiz des einfachen Lebens erschließt sich insbesondere jenen, die keines führen.”

Inter­view mit Kai-Uwe Hell­mann

 

Anlässlich der neuen agora42 EINFACH LEBEN haben wir ausgewählten Personen zum Thema ein paar Fragen gestellt. Hier die Antworten des Soziologen Kai-Uwe Hellmann. Er spricht über die Illusion der Einfachheit, den Wunsch dem Hamsterrad zu entkommen, die verflixte Komplexität und die unbemerkte Einfachheit…

 

Herr Hell­mann, kann man über­haupt ein­fach über Ein­fach­heit spre­chen, oder spricht man da nicht gleich über etwas ziem­lich Kom­pli­zier­tes?

Prof. Dr. Kai-Uwe Hell­mann ist Sozio­lo­ge und Kon­sum­for­scher. 2006 begrün­de­te er das Insti­tut für Kon­sum- und Mar­ken­for­schung (IKM) in Ber­lin. Von ihm ist u.a. erschie­nen: Der Kon­sum der Gesell­schaft: Stu­di­en zur Sozio­lo­gie des Kon­sums (Sprin­ger VS 2013). Außer­dem ist er Mit­her­aus­ge­ber der Rei­he Kon­sum­so­zio­lo­gie und Mas­sen­kul­tur.

Mein Ein­druck ist auch: Eine Ant­wort auf die durch­aus schwie­ri­ge Fra­ge nach der Ein­fach­heit fällt kei­nes­wegs leicht. Denn das Ein­fa­che erschließt sich ja erst vom Kom­ple­xen her: Nur durch die Unter­schei­dung vom Nicht-Ein­fa­chen erkennt man die Beson­der­heit des Ein­fa­chen, lernt es sogar schät­zen, sehnt es womög­lich her­bei. Fast könn­te man sagen: Das Nicht-Ein­fa­che ist die Vor­aus­set­zung für das Ein­fa­che – was aber nur zum Teil zutrifft, denn viel­mehr ist es die Unter­schei­dung ein­fach/­nicht-ein­fach, die uns das Ein­fa­che erst erken­nen lässt. Vor die­ser Unter­schei­dung gibt es das Ein­fa­che sozu­sa­gen nicht, und mit der Unter­schei­dung nur als Unter­schie­de­nes. Mit ande­ren Wor­ten ist das schlicht Ein­fa­che vor die­ser Unter­schei­dung schlicht inexis­tent. Es bedarf somit einer durch­aus auf­wen­di­gen Unter­neh­mung, damit das Ein­fa­che zu Tage tritt, was ihm im Rück­blick jede Ein­fach­heit nimmt. Der prä­re­fle­xi­ve Ein­druck der Ein­fach­heit des Ein­fa­chen ist somit eine Illu­si­on.

 

Gibt es das ein­fa­che Leben wirk­lich? Oder ver­birgt sich hin­ter dem „Sim­pli­fy-your-life“ nur ein ren­ta­bles Mar­ke­ting­kon­zept?

Der Reiz des ein­fa­chen Lebens erschließt sich ins­be­son­de­re jenen, die kei­nes füh­ren. Sonst wür­den sie es ja leben. Wobei es das ein­fa­che Leben für jene, die kei­nes füh­ren, durch­aus gibt. Nur füh­ren es ande­re, näm­lich sol­che Leu­te, denen es oft gar nicht bewusst ist, dass sie ein ein­fa­ches Leben füh­ren, und genau dar­um wer­den sie ja auch benei­det. Für jene, die sich also wün­schen, ein ein­fa­ches Leben zu füh­ren, ergibt sich dar­aus ein Dilem­ma: Zum einen bemes­sen sie die Ein­fach­heit des Lebens sel­ber nach ihrer eige­nen Ent­frem­det­heit von die­ser Vor­stel­lung von der Ein­fach­heit des Lebens, und stre­ben sie danach, dann bemes­sen sie den Grad der Erfül­lung ihrer Vor­stel­lung danach, um wie viel weni­ger sie sich ent­frem­det füh­len. Frei­lich bewahrt ihre fort­lau­fen­de Refle­xi­on auf eben die­se Rela­tio­na­li­tät ihnen exakt die­se Ent­frem­det­heit, sie dient ja genau dazu, sich selbst von ihrer Ent­frem­dung mög­lichst zu ent­frem­den, um end­lich ein­fa­cher leben zu kön­nen, aber dazu brau­chen sie wie­der­um die Refle­xi­on auf ihre Ent­frem­det­heit, so dass sie in ihrer Ent­frem­det­heit qua­si refle­xiv ver­har­ren, und so ent­kom­men sie ihr schlech­ter­dings nicht, nur um eine wei­te­re Illu­si­on allen­falls. Zum ande­ren wäre die voll­kom­me­ne Erfül­lung ihrer Vor­stel­lung von dem Umstand beglei­tet, dass, wenn sie ein wirk­lich ein­fa­ches Leben füh­ren wür­den, genau dar­um nicht mehr wüss­ten. Damit aber gin­ge ihnen der Trost ver­lo­ren, den sie suchen, weil sie ja gera­de die Ent­frem­dung von der Ent­frem­dung her­bei­seh­nen. Tritt sie aber rea­li­ter ein, mer­ken sie es gar nicht – höchs­tens im Nach­hin­ein, wenn sie kein wah­res ein­fa­ches Leben mehr füh­ren, dann ist es aber eigent­lich schon zu spät. Inso­fern han­delt es sich bei der “Simplify-your-life”-Parole um ein veri­ta­bles, durch und durch ren­ta­bles Mar­ke­ting­kon­zept, das Erwar­tun­gen weckt, die ten­den­zi­ell nur ent­täuscht wer­den kön­nen, damit man im Hams­ter­rad schön wei­ter läuft.

 

Ist unse­re heu­ti­ge Situa­ti­on nicht erschre­ckend ein­fach? Denn auf­grund der dra­ma­ti­schen Fehl­ent­wick­lun­gen des Kapi­ta­lis­mus – man den­ke nur an die gigan­ti­sche Spe­ku­la­ti­ons­bla­se, die in den letz­ten 40 Jah­ren auf­ge­pumpt wor­den ist – haben wir eigent­lich nur die Wahl zwi­schen einer öko­no­mi­schen Kata­stro­phe oder aber, soll­te irgend­wie das nöti­ge Wachs­tum gene­riert wer­den, einer öko­lo­gi­schen Kata­stro­phe.

Ich den­ke inzwi­schen, dass es sich hier­bei nicht (mehr) um eine Fra­ge des Entweder/Oder, son­dern des Sowohl-als-auch han­delt. Wir wer­den die pla­ne­ta­risch exzep­tio­nell-sin­gu­lä­re Erfah­rung machen dür­fen, Mut­ter Erde völ­lig in den Ruin zu wirt­schaf­ten, zumin­dest der­ge­stalt, wie wir die­sen Pla­ne­ten bis­lang wahr­neh­men. Wobei die Ein­fach­heit die­ses Kata­stro­phen­sze­na­ri­os dar­in zu sehen ist, dass der Point of No Return inzwi­schen über­schrit­ten wur­de, wie bei einer Schlamm­la­wi­ne, die sich am Gip­fel­punkt löst und ein­fach den Hang her­un­ter­rutscht und alles unter sich begräbt, was ihren Weg kreuzt. Ein­fa­cher geht es nicht mehr! Ein Natur­schau­spiel son­der­glei­chen, und dies von glo­ba­lem Aus­maß, ähn­lich wie bei der Aus­lö­schung der Dino­sau­ri­er!

 

Was macht das Leben wirk­lich ein­fa­cher?

Nichts, solan­ge man sich die­se Fra­ge stellt. Sie gleicht dem unglück­li­chen Schick­sal Buri­dans Esel: Solan­ge sich die­ses Vieh der Kon­tin­genz die­ser spe­zi­el­len Situa­ti­on aus­setzt, wird es lei­den und schließ­lich ver­hun­gern. Anstel­le des­sen soll­te man sich wün­schen, wie Don Qui­xo­te einer vor­mo­der­nen Zeit anzu­ge­hö­ren, oder wie Oblomow einer unter­ge­hen­den Kas­te. Aber dies bleibt ein from­mer ver­geb­li­cher Wunsch, sowie man die­sen Wunsch drän­gend ver­spürt, weil man dann schon von der Kon­tin­genz die­ser spe­zi­el­len Situa­ti­on gezeich­net ist, die wie ein Sta­chel im Flei­sche, wie der Bal­ken im Auge die Aus­weg­lo­sig­keit der eige­nen Lage vor­weg­nimmt.
 

 

 

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Gestatten, Müll!” – Der lange Schatten des Menschen

 
 
 
 
 

Gestatten, Müll”

Der lange Schatten des Menschen

von Chris­ti­an Unver­zagt

 

 

 

 

Nach­dem der Mensch sich auf­ge­rich­tet und somit bei­de Hän­de frei hat­te, begann er Din­ge weg­zu­wer­fen: Bana­nen­scha­len, abge­nag­te Kno­chen, abge­nutz­te Faust­kei­le, zer­bro­che­ne Pfeil­spit­zen. Der Müll folg­te dem Men­schen wie ein treu­er Gefähr­te. Wo immer er kam­pier­te und Feu­er mach­te, ließ der Mensch ihn wie­der zurück. Aber nie wur­de er ihn auf Dau­er los. Man­ches ver­rot­te­te, ande­res blieb Jah­re und Jahr­tau­sen­de erhal­ten, sodass die Archäo­lo­gie, die durch die Erde hin­durch zurück in die Ver­gan­gen­heit blickt, die ers­ten Spu­ren des Men­schen in sei­nem Müll ent­deck­te. Noch bevor er Fels­wän­de bemal­te, Grä­ber aus­hob oder sich gar zum Bau von auf­wen­di­gen Paläs­ten anhal­ten ließ, mach­te der Mensch Müll.

 

Schon früh war Müll zwei­er­lei: das Unbrauch­ba­re und das Unrei­ne. Letz­te­res bedeu­tet, dass der Mensch sich nicht nur aus Platz­grün­den von sei­nem Müll tren­nen muss­te. Lan­ge Zeit waren es vor allem Reli­gio­nen, die Gebo­te zur Rein­hal­tung und Rei­ni­gung erlie­ßen. Sie konn­ten nicht ein für alle Male erfüllt wer­den, denn Abfall ist das, was per­ma­nent anfällt. So auch die Rei­ni­gung von ihm. Rhyth­misch wie das Ein- und Aus­at­men muss sie sich wie­der­ho­len. Der Mensch lebt im Rhyth­mus von Müll machen und Müll ent­sor­gen. Wäh­rend sich Hygie­ne­maß­nah­men gegen das Unrei­ne all­mäh­lich von der Reli­gi­on lös­ten, wur­de die Ent­sor­gungs­tech­nik immer wich­ti­ger. Als Men­schen sich in Sied­lun­gen und schließ­lich Städ­ten ansam­mel­ten, zeig­te auch der Müll – wie ein Dou­ble des Men­schen – sei­nen Hang zur Ansamm­lung, der sich noch heu­te an jeder wil­den Müll­kip­pe beob­ach­ten lässt. Der Müll for­der­te sei­ne Infra­struk­tur, die mit den Städ­ten wuchs: Müll­hau­fen wur­den aus­ge­la­gert, sor­tiert, kom­pos­tiert, depo­niert, ver­brannt, dann wur­den Stra­ßen gepflas­tert und regel­mä­ßig gerei­nigt, Kloa­ken wur­den ange­legt etc. Wie ein län­ger und län­ger wer­den­der Schat­ten beglei­te­te der Müll den Men­schen.

 

Das kata­stro­phi­sche Auf­tau­chen des Mülls

Chris­ti­an Unver­zagt ist Phi­lo­soph und lebt als frei­er Autor wis­sen­schaft­li­cher, essay­is­ti­scher und bel­le­tris­ti­scher Schrif­ten in Hei­del­berg. 1991 ver­öf­fent­lich­te er zusam­men mit Vol­ker Grass­muck Das Müll-Sys­tem. Eine metarea­lis­ti­sche Bestands­auf­nah­me. Seit­her hat er sich dem The­ma in ver­schie­de­nen Auf­sät­zen und Vor­trä­gen gewid­met. Wei­te­re Schrif­ten von ihm fin­den Sie auf sei­ner Home­page.

Die Geschich­te des Mülls ver­läuft jedoch nicht line­ar. Müll will ver­ges­sen wer­den. Er ist das Nicht-The­ma schlecht­hin. Das erfor­dert immer wie­der Bewusst­seins­sprün­ge, die durch Skan­da­le erzwun­gen wer­den. Eine Kon­stan­te in der Geschich­te des Mülls ist sein kata­stro­phi­sches Auf­tau­chen. Im Jah­re 1185 ließ der fran­zö­si­sche König Phil­ipp II. die wich­tigs­ten Stra­ßen von Paris pflas­tern, nach­dem er durch auf­stei­gen­des Faul­gas einen Ohn­machts­an­fall erlit­ten hat­te. An ande­ren Orten und zu ande­ren Zei­ten waren es Pest und Cho­le­ra, die den Stadt­be­woh­nern die Not­wen­dig­keit einer orga­ni­sier­ten Müll­ent­sor­gung erneut vor Augen führ­ten. Im 20. Jahr­hun­dert wur­de der Fort­schritts­op­ti­mis­mus der Indus­trie­ge­sell­schaft zum ers­ten Mal in den 60er-Jah­ren mit dem Hin­weis auf die Begrenzt­heit ihrer Res­sour­cen gede­mü­tigt. Noch bevor man dar­an dach­te, dass eines Tages das Erd­öl aus­ge­hen könn­te, war der Raum für den Abfall knapp gewor­den. Depo­ni­en waren über­füllt, über­all ent­stan­den wil­de Müll­kip­pen – und mit ihnen Gefahr für Leib und Leben der Bevöl­ke­rung.

Mas­sen­pro­duk­ti­on und Mas­sen­kon­sum unter dem Vor­zei­chen unbe­ding­ten Wachs­tums hin­ter­lie­ßen ihre Spu­ren. Mit dem rein quan­ti­ta­ti­ven Anwach­sen des Müll­bergs ging aber noch eine ande­re Gefahr ein­her: Die Indus­trie­ge­sell­schaft hat­te die Stoff­zu­sam­men­set­zung der Din­ge ver­än­dert. Noch vor den gro­ßen Unfäl­len von Seve­so (1976) und Tscher­no­byl (1986) dran­gen durch loka­le Skan­da­le Bot­schaf­ten einer neu­en Gefahr ins gesell­schaft­li­che Bewusst­sein. Konn­te in vor­in­dus­tri­el­ler Zeit der aus­ge­la­ger­te Müll als ver­schwin­den­des Phä­no­men behan­delt wer­den, so war er nun zur pro­ble­ma­ti­schen Mate­rie gewor­den. Der Müll erschien plötz­lich als unbe­zähm­ba­res Unge­heu­er, das den Lebens­raum des Men­schen bedroh­te, als gif­ti­ge Hydra, der zwei Häup­ter nach­wach­sen, wenn man ihr eines abschlägt.

 

Ver­mei­den – Ver­wer­ten – Ver­schwin­den­las­sen

Der Mensch nahm den Kampf auf. Gegen den Müll, den er zunächst als Feind behan­del­te, besann er sich auf Stra­te­gi­en – die zwar nicht wirk­lich neu waren, aber neu ent­deckt, erneu­ert und neu ange­wen­det wur­den.

Das Nächst­lie­gen­de schien zu sein, Müll ein­fach zu ver­mei­den. Aller­dings ent­hüll­te die Idee der Müll­ver­mei­dung auf den zwei­ten Blick, dass sie genau­so groß wie unrea­lis­tisch ist. Die­se Idee, heu­te als Text­bau­stein unver­zicht­bar, lie­fe bei ihrer Rea­li­sie­rung auf ein Ver­mei­den der Indus­trie­ge­sell­schaft selbst hin­aus. Die­se Ein­sicht führ­te zu der Erkennt­nis, dass der Müll, der eben noch als Feind des Men­schen iden­ti­fi­ziert wor­den war, plötz­lich als sein Alter Ego erschien. Bei der Vor­stel­lung eines Lebens ohne Müll ent­deck­te der Mensch, dass jener zu sei­ner Wür­de gehört. Bedeu­tet nicht: mehr Müll = mehr Mensch? Die aus­tra­li­schen Urein­woh­ner hat­ten außer ein­fa­chen Grab­stö­cken und Bume­rangs kaum Din­ge, ent­spre­chend kaum Müll. Sie waren der Mei­nung, dass die Din­ge irgend­wann Besitz von den Men­schen ergrei­fen wür­den; die Indus­trie­ge­sell­schaft ist es nicht. Es kann also nur um eine Ver­mei­dung des Mülls „im Rah­men des Mög­li­chen und Mach­ba­ren“ gehen. Die­ser Rah­men lässt zur­zeit am Indus­trie­stand­ort Deutsch­land jähr­lich rund 385 Mil­lio­nen Ton­nen Müll zu.

Die Ein­sicht, dass man den Müll nicht ver­mei­den kann, weil er zur Con­di­tio huma­na gehört, kann als der gro­ße Augen­öff­ner einer Epo­che betrach­tet wer­den, die durch öko­lo­gi­sche Erkennt­nis­se in tie­fe Selbst­zwei­fel gestürzt wor­den war. Auf ein­mal taten sich ver­söhn­li­che Per­spek­ti­ven auf. War der Kampf mit dem Müll nicht ein Bru­der­kampf mit Hoff­nung auf Befrie­dung? Es ist doch eine Welt, in der wir leben eine Erde, der wir alle – Mensch und Din­ge – ent­stam­men. Die­ser Gedan­ke stand Pate bei der Lieb­lings­idee der Epo­che, dem Recy­cling. Der Traum: dass sich alles wie­der­ver­wer­ten lässt; dass mit­hil­fe der Tech­nik es an uns ist, die Mate­rie als Müll oder als Roh­stoff zu defi­nie­ren; dass sich ein Kreis­lauf von Ver- und Ent­sor­gung schlie­ßen lässt.

 

 

Aber: Zum einen blie­ben zu vie­le Pro­duk­te durch ihre Stoff­zu­sam­men­set­zung von der Mög­lich­keit des Recy­clings aus­ge­schlos­sen. Zum andern sind mit dem Recy­cling Kos­ten und ein erneu­tes Müll­auf­kom­men ver­bun­den, bei unter Umstän­den leicht dege­ne­rier­ten Pro­duk­ten.

So sam­melt sich der Müll wei­ter an. Lie­ßen sich die in Deutsch­land pro­du­zier­ten 385 Mil­lio­nen Müll-Ton­nen in gro­ße Fäs­ser ver­pa­cken, reich­ten sie mehr­fach um den Äqua­tor. Dafür aber ist der Äqua­tor nicht gedacht. Die Men­ge muss redu­ziert wer­den, und für den Rest müs­sen ande­re Orte gefun­den wer­den. Müll­ver­bren­nungs­an­la­gen (MVAs) und Depo­ni­en sol­len in der stra­te­gi­schen Auf­stel­lung gegen den Müll wie zwei Backen einer Zan­ge zusam­men­wir­ken.

Müll-Ver­bren­nung gab es schon in der Stein­zeit. Bereits damals setz­te man peri­odisch Müll­hal­den in Brand, wahr­schein­lich weni­ger, um ihr Volu­men zu redu­zie­ren, als mehr, um der Geruchs­be­läs­ti­gung und der Unge­zie­fer­pla­ge Herr zu wer­den. Die ers­te moder­ne MVA wur­de 1870 in Eng­land (Pad­ding­ton) in Betrieb genom­men. Rich­tig in Gang kam die Müll­ver­bren­nung aber erst mit der Kon­sum­ge­sell­schaft. 1971 waren es in West­deutsch­land schon 30 MVAs, im Jahr 1981 dann 42. Im Jahr 2008 hat­te man auf 71 erhöht. Wie kam es zu die­sem Boom? Durch heu­ti­ge MVAs lässt sich 1. die beim Ver­bren­nungs­vor­gang frei­ge­setz­te Ener­gie in Strom oder Heiz­wär­me umset­zen; 2. wird durch die Ver­bren­nung eine Volu­men­re­duk­ti­on des Mülls auf 30 Pro­zent, manch­mal sogar auf bis zu 10 Pro­zent erreicht.

Jedoch: Die Schad­stoff­bi­lanz des Mülls ent­hüllt bei nähe­rer Betrach­tung ein ihm eige­nes Ver­la­ge­rungs­ge­setz. Wäh­rend das Fort­schritts­den­ken eine unauf­halt­sa­me Per­fek­tio­nie­rung nicht nur der indus­tri­el­len Pro­duk­ti­ons-, son­dern auch der Müll­ent­sor­gungs­tech­ni­ken sieht, ver­la­gert der Müll hart­nä­ckig die eben noch tech­nisch schein­bar gelös­ten Pro­ble­me. Eine MVA ist ein che­mi­scher Reak­tor, in dem Stof­fe nicht ein­fach ver­nich­tet, son­dern umge­setzt wer­den. Das Trans­for­ma­ti­ons­ele­ment Feu­er setzt den Müll in das Trans­port­ele­ment Luft um. Bei der Ver­bren­nung wer­den Sub­stan­zen frei­ge­setzt und es ent­ste­hen neue Ver­bin­dun­gen – bis­her in ihrer Gefähr­lich­keit noch nicht gekann­te Stof­fe. Die ver­meint­li­che Besei­ti­gung des Mülls ver­un­rei­nigt die Ele­men­te. Ele­men­tar gewor­den, wird er zum Alles­durch­drin­ger. Was sich nicht „in Luft auf­löst“ – von Rauch­gas­rei­ni­gungs­an­la­gen abge­fan­gen und zu Rest- und Fest­müll kon­den­siert –, wird wie­der zu Erde, nun aber zu hoch­gif­ti­ger.

Auch die Depo­nie­rung von Müll gab es bereits in der Stein­zeit. Das waren mehr oder weni­ger wil­de Müll­kip­pen, wie wir heu­te sagen wür­den, noch kei­ne geord­ne­ten Depo­ni­en. Das änder­te sich in Deutsch­land erst in den 60er-Jah­ren des vori­gen Jahr­hun­derts (!). Davor kipp­te man den Müll ein­fach außer­halb der Städ­te in Ton- oder Kies­gru­ben, alte Stein­brü­che, Sümp­fe, Moo­re oder was einem sonst als pas­sen­der Ort erschien. Inzwi­schen ist man nicht nur von die­sen Orten abge­kom­men, die Grund­idee der Depo­nie scheint der Rea­li­tät des Mülls nicht mehr stand zu hal­ten. Eigent­lich war die Depo­nie als Ort für des­sen Weg­sein gedacht. Doch genau­so wie die MVA ist die Depo­nie immer auch Aus­gangs­punkt für die Ele­men­tar­wer­dung des Mülls. Nichts ver­schwin­det durch die Lage­rung, nichts bleibt für immer aus­ge­schie­den. Die im Müll gebun­de­nen Stof­fe las­sen sich weder in Lagern ver­nich­ten noch dau­er­haft spei­chern. Sie ent­wei­chen aus der Erde als Gase in die Luft, sie sickern in Rich­tung Grund­was­ser ab. Am Ende steht ein Traum: der vom End­la­ger. Der Rest der Res­te lan­det in der unter­ir­di­schen Hoch­si­cher­heits­de­po­nie, wo er defi­ni­tiv aus der Welt des Men­schen ver­bannt und von allem Ein­fluss auf das irdi­sche Leben abge­schot­tet wer­den soll. De fac­to han­delt es sich, da die Erde kei­ne abge­schot­te­ten Räu­me kennt, immer nur um ein durch Sprach­müll auf­ge­rüs­te­tes Zwi­schen­la­ger.

 

 

Der Zwi­schen­la­ger gibt es vie­le. Noch im Gift­müll­zeit­al­ter baut man auf die Zau­ber­kraft des Mee­res, um Din­ge ver­schwin­den zu las­sen – obwohl wir wis­sen, dass alles auch wie­der auf­taucht: in Form von Algen­blü­ten, Rob­ben­ster­ben und über die Nah­rungs­mit­tel­ket­te als Erkran­kun­gen und schlei­chen­de Erb­gut­ver­än­de­run­gen an Land. Hun­dert- und Aber­hun­dert­tau­sen­de Ton­nen von Gift­müll­fäs­sern, ros­ten­de Schiffs­wracks mit gefähr­li­chen Mate­ria­li­en, dar­un­ter ato­mar betrie­be­ne oder ato­mar bewaff­ne­te U-Boo­te etc. pp. war­ten auf dem Mee­res­grund gedul­dig auf die Frei­set­zung ihrer Stof­fe. Ver­schwin­den lässt das Meer all das nur aus unse­rem Bewusst­sein – bis zu sei­nem kata­stro­phi­schen Wie­der­auf­tau­chen.

Auf­ge­taucht ist unter­des­sen im Pazi­fik ein neu­er Kon­ti­nent. Durch Hoch­druck und Strö­mun­gen bedingt, gibt es auf den Mee­ren rie­si­ge Stru­del, von denen einer im Pazi­fik eine Plas­tik­in­sel aus Müll in der Grö­ße von Mit­tel­eu­ro­pa hat ent­ste­hen las­sen. Im Jahr 2008 soll die­se Insel aus ca. 100 Mil­lio­nen Ton­nen Kunst­stoff­müll bestan­den haben. Mitt­ler­wei­le schwimmt im Meer sechs­mal mehr Plas­tik als Plank­ton, was nicht nur Walen, Schild­krö­ten und See­vö­geln zum Ver­häng­nis wird. Hin­zu kommt, dass in Was­ser nicht lös­li­ches DDT und PCB sich ger­ne an Plas­tik setzt, was dort zu einer mil­lio­nen­fach höhe­ren Kon­zen­tra­ti­on der Dau­er­gif­te im Ver­gleich zum rest­li­chen Was­ser führt. Nun, irgend­wo müs­sen die 125 Mil­lio­nen Ton­nen Kunst­stoff hin, die jedes Jahr welt­weit pro­du­ziert wer­den. Nicht alle lan­den beim Recy­cling oder in der MVA. Der Rest ver­schwin­det irgend­wo, im Nir­gend­wo, das über­all ist.

 

Wol­len wir den tota­len Müll?

Die­ser Arti­kel ist erst­mals in der Aus­ga­be DAS UNSICHTBARE erschie­nen. Wei­te­re The­men fin­den Sie in unse­rem Shop.

Auch das wäre eine Besei­ti­gung des Mülls: dass sich sein Begriff in einer voll­stän­dig ver­müll­ten Welt auf­lös­te. Der Aus­blick dar­auf wird eher woan­ders als daheim deut­lich, zum Bei­spiel in Chi­na, wo der Haus­müll von fast einer Mil­li­ar­de Men­schen kaum getrennt oder behan­delt wird; wo ca. 500 Mil­lio­nen Men­schen kei­nen Zugang zu sau­be­rem Trink­was­ser haben; wo auf einem Drit­tel des Ter­ri­to­ri­ums die Wüs­ten wach­sen; wo 90 Pro­zent der Flüs­se, die Städ­te durch­que­ren, ver­dreckt sind; und wo in fast jeder zehn­ten Fami­lie Miss­bil­dun­gen bei Neu­ge­bo­re­nen vor­kom­men. Wenn man das, was sich mit Geld wie­der gut machen lässt, berech­net, kommt man auf Zah­len, die das gan­ze Wirt­schafts­wachs­tum rück­wir­kend wie­der schlu­cken.

Der Müll ent­hüllt den Reich­tum der Indus­trie­ge­sell­schaf­ten rück­wir­kend als von der Zukunft „gelie­hen“. Eigent­lich ist es, da die Zukunft nicht gefragt wur­de, ein Raub – der para­do­xer­wei­se in einer „Gabe“ besteht: dem der Zukunft über­las­se­nen Müll. Der die Welt-Sub­stanz durch­drin­gen­de Müll ist mehr als nur Mate­rie. Er offen­bart sich als Welt-Ver­hält­nis, in dem sich ein erschre­cken­des Selbst­ver­hält­nis ver­birgt; genau­er: ein Gene­ra­tio­nen­ver­hält­nis. Die Ent­sor­gungs­ge­sell­schaft eig­net sich ihren Reich­tum von ihrer Nach­welt an. Alle Umwelt-Pro­ble­me sind Pro­ble­me, die auch der Mit­welt berei­tet wer­den, vor allem aber: der Nach­welt.

 

Die Nach­welt

Müss­ten wir die Nach­welt war­nen? Könn­ten wir es? Wer wäre der Ansprech­part­ner in Tau­sen­den von Jah­ren, wenn Atom­müll­be­häl­ter oder gut ver­sie­gel­te, hoch­gif­ti­ge Ver­bren­nungs­rück­stän­de von Haus­müll immer noch nicht geöff­net wer­den dür­fen? Es gab noch kei­ne mensch­li­che Kul­tur, kein Zei­chen­sys­tem, das Infor­ma­tio­nen über Zig­tau­sen­de von Jah­ren – Zeit­räu­me, die indus­tri­ell gefer­tig­ter Müll dau­ert – hät­te über­lie­fern kön­nen. Nicht nur dem Blick zurück in die Ver­gan­gen­heit, son­dern auch dem vor­aus in die Zukunft zeigt sich: Der Müll über­dau­ert uns. Es hät­te uns schon die ers­te archäo­lo­gi­sche Erkennt­nis leh­ren kön­nen, dass der Müll einst an die Stel­le des Men­schen tre­ten könn­te.

Denk­bar ist aller­dings auch umge­kehrt, dass der Mensch nur der evo­lu­tio­nä­re Platz­hal­ter des Mülls war, der uns vor­über­ge­hend für sein Ein­drin­gen in die Ele­men­te brauch­te. Wer hat am Ende wen gemacht? Das Nach­sin­nen über die Nach­welt macht den Müll als unse­ren Ava­tar in einer vom Geist oder auch nur unse­rer mensch­li­chen Hül­le ver­las­se­nen Welt denk­bar. Genau­so gut aber könn­ten wir der sei­ne in „unse­rer“ geschäf­ti­gen Welt gewe­sen sein.

Oder aber soll­te – als hät­te sich mit der Gefahr auch ein Ret­ten­des bereit gemacht – eine Nach­welt von genia­len Müll­ver­wer­tern den Müll nicht län­ger als unlieb­sa­men Gefähr­ten behan­deln, son­dern ihn als Schatz will­kom­men hei­ßen? Eine Nach­welt, für die der heu­te noch stin­ken­de Unter­grund unse­rer Welt zum wert­vol­len Roh­stoff gewor­den wäre.

 

Die tri­um­pha­le Rück­kehr des Mülls

Lebt die­se genia­le Nach­welt gar schon mit­ten unter uns? Der Fackel­trä­ger der Hoff­nung, dass das Schreck­ge­spenst Müll zum Ver­schwin­den gebracht wer­den kann, ist – die Wirt­schaft, der gro­ße Um- und Auf­wer­ter. Müll ist ein Wirt­schafts­gut, wie ande­re Din­ge auch. Er erschien nur als unpas­sen­des Mate­ri­al, weil er zur fal­schen Zeit am fal­schen Ort war. Die Wirt­schaft, der alles, was sie anfasst, zu Gold wird, ver­wan­delt ihn in ein pas­sen­des, mehr noch: in ein ein­träg­li­ches Gut. End­lich „rech­net“ sich die Müll­ent­sor­gung wie­der. Sie ist nicht der lan­ge Schat­ten des Wachs­tums, son­dern selbst ein Wachs­tums­fak­tor. Nun ist es kei­ne schmerz­haf­te Selbst­er­kennt­nis mehr, son­dern fro­he Bot­schaft, dass die Indus­trie­ge­sell­schaft ohne Müll gar nicht denk­bar ist. Die Welt der Wirt­schaft darf wie­der an sich selbst als ein abgrund­lo­ses Kon­ti­nu­um glau­ben, in dem es immer wei­ter­geht.

Der Lauf der Din­ge fin­det als tri­um­pha­le Rück­kehr des Mülls statt. Der Müll kehrt zurück und wird emp­fan­gen wie der ver­lo­re­ne Sohn. Als „Zei­chen zuneh­men­der euro­päi­scher Inte­gra­ti­on“ (Umwelt­bun­des­amt) wur­den 2008 ins­ge­samt mehr als 20 Mil­lio­nen Ton­nen Müll nach Deutsch­land impor­tiert, sei es zur Depo­nie­rung, Ver­bren­nung oder Ver­wer­tung. Auch wenn Müll heu­te längst nicht mehr nur das Ver­nutz­te ist, son­dern wesent­lich auch das aus Pres­ti­ge- oder Steu­er­grün­den zu Ver­schrot­ten­de (fast neue Autos, Com­pu­ter, Gerä­te aller Art), so wird Deutsch­land allei­ne die Müll­nach­fra­ge sei­ner MVAs auch in Zukunft nicht bedie­nen kön­nen. Heu­te schon brau­chen die deut­schen MVAs zwei Mil­lio­nen Ton­nen mehr Müll, als in Deutsch­land anfal­len. Für das Jahr 2020 rech­net man mit einer Über­ka­pa­zi­tät von acht Mil­lio­nen Ton­nen. Augen­zwin­kernd lässt sich daher schon wie­der von einer neu­en Sor­ge spre­chen: „In Deutsch­land wird der Müll knapp!“ Nach dem Öko-Pes­si­mis­mus der 80er-Jah­re klingt das wie ein gro­ßes Auf­at­men. Bald schon wird Deutsch­land als Müll­ma­gnet nicht mehr nur auf Ita­li­en und die Nie­der­lan­de wir­ken, son­dern auch auf Chi­na und Indi­en; wegen der welt­weit höchs­ten Ent­sor­gungs­stan­dards. Mit den Über­ka­pa­zi­tä­ten der MVAs aber wird ein neu­es Modell Deutsch­land („Der Müll­meis­ter“) export­fä­hig und es wird in naher Zukunft Kon­kur­renz geben. Wäh­rend die einen noch als bil­li­ge Metho­de, Son­der­müll zu ent­sor­gen, alte Com­pu­ter als „Ent­wick­lungs­hil­fe“ in die Drit­te Welt schi­cken, setzt par­al­lel eine gegen­läu­fi­ge Bewe­gung ein, in der die Indus­trie­län­der um den Müll der Bevöl­ke­rungs- und daher Markt­gi­gan­ten buh­len.

 

Die fata­le Liai­son

Der Mensch ist nicht ohne Müll und der Müll nicht ohne Mensch denk­bar. Dass der Mensch mal ver­sucht, den Müll mit allen Mit­teln los­zu­wer­den, und ihn dann wie­der bei sei­ner Heim­kehr innig umarmt, lässt an eine fata­le Liai­son den­ken. In solch schick­sal­haf­ten Bezie­hun­gen fin­den immer auch Selbst­be­geg­nun­gen statt, aber ohne Selbst­er­kennt­nis.

Zwei Aspek­te wei­sen in die Rich­tung der nöti­gen Kor­rek­tur die­ses Ver­hält­nis­ses:

  1. Müll über­dau­ert – auch den Men­schen in sei­ner phy­si­schen Exis­tenz. Als das, was sei­ne phy­si­sche Exis­tenz über­dau­ern soll­te, hat­te der Mensch schon früh sei­ne See­le gedacht. Die­se ver­langt von ihm, mit sich ins Rei­ne zu kom­men. Das wie­der­um, so lehrt der Müll, lässt sich nicht durch den Ver­such der Aus­mer­zung des Unrei­nen bewerk­stel­li­gen; nicht dadurch, dass der Mensch sich rei­nigt, indem er die Erde ver­un­rei­nigt und sein Geschäft auf Kos­ten der Zukunft macht – die sei­ne Nach­welt ist. Der Mensch muss ler­nen, mit sei­nem Müll zu leben.
  2. Müll wan­delt sich – nicht nur in sei­ner mate­ri­el­len Zusam­men­set­zung. Zugleich wan­delt sich bestän­dig das Ver­hält­nis des Men­schen zum Müll. Wäh­rend der Mensch die­ses Ver­hält­nis zu kor­ri­gie­ren ver­sucht, macht ihn die mate­ri­el­le Ver­wand­lung des Mülls, zum Bei­spiel durch MVAs, zum Gefan­ge­nen der Ver­gan­gen­heit. Um die Macht der Müll-Mate­rie zu bre­chen, mobi­li­siert der Mensch die Tech­nik; sie aber unter­liegt dem Ver­la­ge­rungs­ge­setz und lässt die Macht des Mülls sich in stets neu­em Gewand ent­fal­ten. Ler­nen, dem Müll kei­ne Macht zu geben, hie­ße, an den Din­gen vor ihrer Müll­wer­dung anzu­set­zen, das heißt, bevor sie dem Ver­la­ge­rungs­ge­setz unter­ste­hen.

 

Was nötig wäre, ist eine men­ta­le Wen­de. Befrei­te sich der Mensch von sei­ner Beses­sen­heit von den Din­gen, so lie­ße auch der Müll von ihm ab und wüch­se nicht mehr über ihn hin­aus. Im 21. Jahr­hun­dert steht der Mensch vor einer über-mensch­li­chen Her­aus­for­de­rung: die Din­ge sein zu las­sen.

 

 

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