Kann man Krisen vorhersagen?

Schein­bar aus dem Nichts gehen die Bör­sen welt­weit in die Knie and aller­orts wer­den Erklä­run­gen für die teils dra­ma­ti­schen Kurs­ein­brü­che gesucht bzw. ange­bo­ten – der US-ame­ri­ka­ni­sche Leit­in­dex hat ges­tern den größ­ten Tages­ver­lust seit sei­nem Bestehen ver­zeich­net. Auch wenn noch nicht sicher ist, ob die­se Kurs­ver­lus­te ledig­lich auf eine soge­nann­te Kurs­kor­rek­tur hin­deu­ten oder ob damit der Anfang einer Kri­se mar­kiert wird, haben wir in unse­rem Archiv doch etwas pas­sen­des zu die­sen Kurs­stür­zen gefun­den: eine Pro­phe­zei­ung.

In der Aus­ga­be 3/2018 BESITZ & EIGENTUM berich­te­ten wir über den Finanz­ma­the­ma­ti­ker (oder Betrü­ger, oder das Genie?) Mar­tin Arm­strong, der bereits zahl­rei­che Kri­sen vor­her­ge­sagt hat. Und wie das so ist mit Vor­her­sa­gen – mal tra­ten sie ein, mal lag er mit sei­ner Pro­gno­se dane­ben. Die Kri­se, die er am 8. Mai 2015 vor­her­sag­te, trat auf jeden Fall nicht ein, aber da die Grün­de für den von ihm pro­phe­zei­ten Beginn der nächs­ten gro­ßen Kri­se (den er für den 1. Okto­ber 2015 vor­her­ge­sagt hat­te) nach wie vor aktu­el­le sind und viel­leicht eine Erklä­rung für die Tur­bu­len­zen an den Bör­sen sein kön­nen, möch­ten wir Ihnen die­se Pro­phe­zei­ung nicht vor­ent­hal­ten. Zumal es ein äußerst kurz­wei­li­ges und infor­ma­ti­ves Lese­ver­gnü­gen ist:

 

Detail des Film­pla­kats The Fore­cas­ter

 

Beginnt die Krise am 1. Oktober 2015?

Filmpremiere von The Forecaster

Der SWR schrieb über den neu­en Film The Fore­cas­ter des Tübin­ger Doku­men­tar­fil­mers Mar­cus Vet­ter: „Wun­der­ba­rer Para­noia Film – mit dem Unter­schied, dass die Ver­schwö­rung wahr sein könn­te.“ Damit wird ein Gefühl zum Aus­druck gebracht, dem man sich selbst als kri­ti­scher und reflek­tier­ter Zuschau­er schwer ent­zie­hen kann, ein Gefühl der Beun­ru­hi­gung, weil man sich zwangs­läu­fig fragt: Was ist wahr an der Geschich­te? Auch wenn der Film vor­wie­gend die Zeit in den Blick nimmt, in der die US-ame­ri­ka­ni­schen Geheim­diens­te in das Leben des Prot­ago­nis­ten Mar­tin Arm­strong tra­ten und somit das bereits außer­ge­wöhn­li­che Leben eines Zah­len­ge­nies in einen Kri­mi ver­wan­del­ten, den sich kein Buch­au­tor bes­ser hät­te aus­den­ken kön­nen, lohnt es sich, einen kur­zen Blick auf die Bio­gra­fie Arm­strongs zu wer­fen: So soll er im zar­ten Alter von vier Jah­ren sei­ne Lei­den­schaft für sel­te­ne und dadurch wert­vol­le Mün­zen ent­deckt haben. Zuge­ge­ben, es ist eher unty­pisch für Kin­der, dass sie sich mit wert­vol­len Mün­zen aus­ein­an­der­set­zen, aber Kin­der kön­nen – wie jeder weiß – schnell zu einem ech­ten Exper­ten wer­den, wenn sie sich für etwas inter­es­sie­ren.

Da Arm­strong sei­ner Lei­den­schaft für Mün­zen treu blieb, ist es schon fast nicht mehr ver­wun­der­lich, dass er knapp zehn Jah­re spä­ter sei­ne bis dahin gewon­ne­nen Erfah­run­gen für sich zu nut­zen wuss­te und sei­ne ers­te Mil­li­on ver­dien­te, indem er sel­te­ne Mün­zen güns­tig kauf­te und teu­er ver­kauf­te. Doch wie man es von einem Zah­len­ge­nie erwar­ten wür­de, wand­te er sich bald abs­trak­te­ren Din­gen zu. In sei­nem Fall waren das die Preis­ent­wick­lun­gen von Roh­stof­fen und ande­ren Han­dels­gü­tern, die er ab Mit­te zwan­zig genau­er unter die Lupe nahm. War die Ver­öf­fent­li­chung die­ser Ana­ly­sen anfangs noch ein rei­nes Hob­by, bil­de­te es bald die Grund­la­ge für einen kos­ten­pflich­ten News­let­ter, den er par­al­lel zu sei­nen Stu­di­en­jah­ren an meh­re­ren Uni­ver­si­tä­ten her­aus­gab. Einen aka­de­mi­schen Abschluss erlang­te er übri­gens nicht. Statt­des­sen ent­wi­ckel­te er sei­ne Ana­ly­sen wei­ter und über­führ­te sie in ein Com­pu­ter­mo­dell. Mit die­sem Modell konn­te Arm­strong gro­ße Bör­sen­crashs und Wäh­rungs­kri­sen vor­her­sa­gen. So pro­phe­zei­te er etwa den Black Mon­day im Herbst 1987, den ers­ten Bör­sen­krach nach dem Zwei­ten Welt­krieg. Damals erlitt der Dow-Jones-Index mit 22 Pro­zent den größ­ten Tages­ver­lust sei­ner Geschich­te. Auch den his­to­ri­schen Nik­kei-Abstieg im Jahr 1989 und die Russ­land-Kri­se in den Jah­ren 1998/1999 hat Arm­strong ziel­si­cher ange­kün­digt.

All dies ist jedoch noch nichts gegen das, was am 29. Sep­tem­ber 1999 sei­nen Anfang nahm. An die­sem Tag wur­de er fest­ge­nom­men, weil man ihn beschul­dig­te, ein Schnee­ball­sys­tem im Umfang von drei Mil­li­ar­den US-Dol­lar auf­ge­baut zu haben. Zahl­rei­che Unre­gel­mä­ßig­kei­ten wäh­rend des Ver­fah­rens, sie­ben Jah­re Beu­ge­haft – ohne Pro­zess oder rich­ter­li­ches Urteil – und danach wei­te­re fünf Jah­re in einem Hoch­si­cher­heits­ge­fäng­nis (ohne Anrech­nung sei­ner bereits ver­büß­ten Zeit) sowie die Tat­sa­che, dass der Vor­wurf, ein Schnee­ball­sys­tems auf­ge­baut zu haben, nie bewie­sen wer­den konn­te, bie­ten Spiel­raum für Spe­ku­la­tio­nen über die Recht­mä­ßig­keit der Anschul­di­gun­gen. Für Arm­strong indes ist der Fall klar: Mit sei­nem Com­pu­ter­pro­gramm und sei­nen Vor­her­sa­gen war er eini­gen Men­schen zu mäch­tig gewor­den. Schließ­lich bie­tet ein Pro­gramm, mit dem man die Preis­ent­wick­lun­gen von Akti­en, Roh­stof­fen oder Wäh­run­gen vor­her­sa­gen kann, gewis­ser­ma­ßen die Mög­lich­keit, Geld zu dru­cken – was alle ande­ren Geld­ver­wal­ter, allen vor­an die mäch­ti­gen Häu­ser der Wall Street, zu poten­zi­el­len Fein­den macht. Außer­dem hat die­ses Wis­sen auch eine poli­ti­sche Spreng­kraft. Wer den Auf­stieg und Fall gan­zer Volks­wirt­schaf­ten vor­her­sa­gen kann, hat geo­po­li­tisch den ande­ren Natio­nen eini­ges vor­aus, was erklärt, war­um das FBI oder ande­re Geheim­diens­te ein so gro­ßes Inter­es­se an sei­nem Com­pu­ter­pro­gramm gehabt haben sol­len. Arm­strong wei­ger­te sich jedoch beharr­lich, sein Pro­gramm zugäng­lich zu machen, sodass er sich mäch­ti­ge Fein­de schuf, die ihn letzt­lich, so sei­ne Über­zeu­gung, für zwölf Jah­re hin­ter Git­ter brach­ten.

 

So span­nend dies alles auch ist, wünscht man sich im Ver­lauf des Films doch die eine oder ande­re kri­ti­sche Stim­me, die mit etwas Distanz die Figur Arm­strong und deren teils aben­teu­er­li­che The­sen ein­ord­net. Umso erfreu­li­cher war es, dass die Film­pre­mie­re vom Welt­ethos-Insti­tut, dem Kino Muse­um und der Fir­ma Film­per­spek­ti­ve in einen The­men­tag mit zahl­rei­chen Dis­kus­si­ons­run­den ein­ge­bet­tet wur­de und der Prot­ago­nist nach Tübin­gen ange­reist war. So wur­de am 8. Mai 2015 dem Publi­kum die Mög­lich­keit gege­ben, sich ein dif­fe­ren­zier­tes Bild von Mar­tin Arm­strong zu machen.

Am Ende des Abends war es jedoch gar nicht die Per­son Mar­tin Arm­strong, die im Fokus stand, son­dern die neu­es­te Pro­phe­zei­ung sei­nes Com­pu­ter­mo­dells, die an Dra­ma­tik noch nicht ein­mal von Arm­strongs Lebens­ge­schich­te zu über­bie­ten ist:

Arm­strong sagt vor­aus, dass am 1. Okto­ber 2015 die nächs­te Kri­se in Form eines Staats­an­lei­hen­crashs über uns her­ein­bricht.

Und so stand auch die Dis­kus­si­ons­run­de im Anschluss an die Film­prä­sen­ta­ti­on unter dem Titel „Staats­ver­schul­dung – ein gigan­ti­sches Schnee­ball­sys­tem?“ Um eine Ant­wort auf die­se Fra­ge zu fin­den, ver­sam­mel­ten sich Arm­strong selbst, der Bör­sen­ex­per­te Max Otte, Die­ter Schnaas, Chef­re­por­ter der Wirt­schafts­Wo­che, und Claus Dierks­mei­er, Direk­tor des Welt­ethos-Insti­tuts, auf dem Podi­um.

 

von li n. re.: Chris­to­pher Gohl, Claus Dierks­mei­er, Max Otte, Die­ter Schnaas, Mar­tin Arm­strong

Erstaun­li­cher­wei­se herrsch­te unter den Dis­ku­tan­ten voll­kom­me­ne Einig­keit dar­über, dass man bei der titel­ge­ben­den Fra­ge das Fra­ge­zei­chen durch ein Aus­ru­fe­zei­chen erset­zen kann. Schließ­lich ist es schon Jahr­zehn­te her, dass eine der gro­ßen Volks­wirt­schaf­ten Über­schüs­se erwirt­schaf­tet und die­se zur Til­gung ihrer Staats­ver­schul­dung ver­wen­det hat. Statt­des­sen wer­den jedes Jahr immer wei­te­re Schul­den auf­ge­nom­men, um alte Schul­den zu bezah­len. Doch damit nicht genug, wie Schnaas aus­führ­te: Berei­nigt man das Wirt­schafts­wachs­tum um die Neu­ver­schul­dung, so erkennt man, dass wirt­schaft­li­ches Wachs­tum seit Jahr­zehn­ten nur noch über wach­sen­de Schul­den erkauft wird; folg­lich han­de­le es sich dabei nur um eine Wachs­tums­il­lu­si­on.

Wie man in einer sol­chen Zeit den­noch Geld ver­die­nen kann, führ­ten Otte und Arm­strong mit unter­schied­li­cher Akzen­tu­ie­rung aus. Natur­ge­mäß unter­strich Otte die Vor­tei­le von Akti­en als lang­fris­ti­ge Ver­mö­gens­an­la­ge (ist er doch Namen­s­pa­te für einen Fonds über knapp 80 Mil­lio­nen Euro, die fast aus­schließ­lich in Akti­en inves­tiert sind), stimm­te jedoch mit Arm­strong über­ein, dass es für Otto-Nor­mal­in­ves­to­ren immer schwie­ri­ger sei, gegen die Ver­ban­de­lung von Spit­zen­po­li­ti­kern und Wall-Street-Finanz­eli­te anzu­kom­men. Am Bei­spiel von Gold­man Sachs wird dies beson­ders deut­lich. Die­se Bank unter­stützt gegen­wär­tig sowohl den repu­bli­ka­ni­schen Prä­si­dent­schafts­an­wär­ter Jeb Bush wie auch die demo­kra­ti­sche Kon­tra­hen­tin Hil­la­ry Clin­ton. „Who ever wins – Gold­man Sachs is on top.“ (Anmer­kung der Redak­ti­on: Dazu auf youtube.de unbe­dingt den kur­zen Clip „Erwin Pel­zig über Gold­man Sachs“ anse­hen.)

Im Zen­trum der Dis­kus­si­on stan­den jedoch Wachs­tums­il­lu­si­on und Wachs­tums­zwang, die Hand in Hand mit einer stei­gen­den Staats­ver­schul­dung gehen. Beson­ders inter­es­sant waren die unter­schied­li­chen Mei­nun­gen, inwie­weit die­se Ent­wick­lung über­haupt zu beein­flus­sen ist. Phi­lo­so­phisch gese­hen ging es also um die Fra­ge, ob der ein­zel­ne Mensch (und mit­hin auch die Gesell­schaft) die Mög­lich­keit zur Selbst­be­stim­mung hat oder ob die wirt­schaft­li­chen wie auch gesell­schaft­li­chen Ent­wick­lun­gen einem Mus­ter fol­gen, das man letzt­lich nicht beein­flus­sen kann. Da dies eine Fra­ge ist, die auch die agora42-Redak­ti­on seit gerau­mer Zeit umtreibt, freu­ten wir uns, dass wir die Mög­lich­keit hat­ten, dies mit Arm­strong in einem kur­zen Inter­view zu dis­ku­tie­ren. Doch dazu mehr in nächs­ten Blog­bei­trag.

 

Mehr zu dem Film und dar­über hin­aus­ge­hen­den Mate­ri­al fin­den Sie unter: The Fore­cas­ter

Was ist die Krise und wer sind wir danach?

Aus der aktu­el­len Aus­ga­be WIRTSCHAFT IM WIDERSPRUCH 1/2018.

Was ist die Krise und wer sind wir danach?

 

Die­ser Arti­kel basiert auf einem gleich­na­mi­gen Vor­trag, den ich zusam­men mit mei­nem agora42-Mit­strei­ter Frank Augus­tin bei der Fach­ta­gung des Insti­tuts der Wirt­schafts­prü­fer gehal­ten haben. Wir schil­der­ten dort, war­um wir glau­ben, dass sich unse­re Gesell­schaft am Ende einer Epo­che befin­det – und damit auch am Beginn einer neu­en.

 

Immer kla­rer tritt zuta­ge, dass wir uns am Ende einer Epo­che befin­den. Einer Epo­che, die getra­gen war von dem Glau­ben dar­an, dass durch tech­ni­schen Fort­schritt (mit­hin dem Fort­schritt der Wis­sen­schaf­ten, der Ver­nunft) wirt­schaft­li­ches Wachs­tum geschaf­fen wer­den kann und dass die­ses Wachs­tum zu stei­gen­dem mate­ri­el­len Wohl­stand wie auch zu einem ins­ge­samt freie­ren, bes­se­ren Leben für alle führt. Stich­wor­te: Vor­marsch der Demo­kra­ti­en, Rechts­staat­lich­keit, freie Medi­en etc.

Inzwi­schen tre­ten jedoch die Schat­ten­sei­ten des tech­ni­schen Fort­schritts und des wirt­schaft­li­chen Wachs­tums deut­lich zuta­ge (Stich­wor­te: Erd­er­wär­mung, Umwelt­zer­stö­rung, Ungleich­ver­tei­lung, Zunah­me psy­chi­scher Krank­hei­ten). Zudem ist über­haupt nicht mehr so klar wie frü­her, was Wohl­stand meint. Bedeu­te­te er lan­ge Zeit ein Mehr an mate­ri­el­len Gütern (und gleich­zei­tig auch immer bes­se­re Güter), so tre­ten inzwi­schen ande­re Fak­to­ren in den Vor­der­grund: bei­spiels­wei­se mehr Zeit zu haben, weni­ger abhän­gig zu sein, sau­be­re Luft, sau­be­re Böden, sau­be­res Was­ser etc.

Die Kri­se ist eine Ori­en­tie­rungs­kri­se. Sie ist also nicht bloß eine Wirt­schafts- oder Demo­kra­tie­kri­se, son­dern eine Kri­se, die unser Welt­bild betrifft.

So kann der ers­te Teil der Fra­ge „Was ist die Kri­se und wer sind wir danach?“ ganz ein­fach beant­wor­tet wer­den: Die Kri­se ist eine Ori­en­tie­rungs­kri­se. Sie ist also nicht bloß eine Wirt­schafts- oder Demo­kra­tie­kri­se, son­dern eine Kri­se, die unser Welt­bild betrifft. Dies wol­len wir anhand von sie­ben Ent­wick­lun­gen bezie­hungs­wei­se Phä­no­me­nen illus­trie­ren.

 

1. Die Vernunft ist selbst unvernünftig geworden

Wolf­ram Bern­hardt stu­dier­te BWL mit dem Schwer­punkt auf Finanz- und Kapi­tal­märk­te. Er ist Mit­grün­der und Mit­her­aus­ge­ber der agora42.

Unver­ges­sen sind die berühm­ten Wor­te Ima­nu­el Kants: „Auf­klä­rung ist der Aus­gang des Men­schen aus sei­ner selbst­ver­schul­de­ten Unmün­dig­keit.“ Im Zeit­al­ter der Auf­klä­rung glaub­te man dar­an, durch Ver­nunft, durch ratio­na­les Den­ken die Welt sys­te­ma­tisch ver­bes­sern zu kön­nen. Und tat­säch­lich haben sich die Men­schen seit­dem von Vor­ur­tei­len, über­hol­ten Vor­stel­lun­gen und Ideo­lo­gi­en befreit. Die neu­en Leit­bil­der waren ein Zuwachs an per­sön­li­cher Hand­lungs­frei­heit, Bil­dung, an Bür­ger­rech­ten, all­ge­mei­nen Men­schen­rech­ten, medi­zi­ni­schen und tech­ni­schen Fort­schrit­ten etc. Schreck­li­che Erfah­run­gen wie vor allem die bei­den Welt­krie­ge des letz­ten Jahr­hun­derts haben die­sen Glau­ben erschüt­tert, aber nicht zu Fall gebracht. Im Gegen­teil: Der Glau­be an den Fort­schritt boom­te, man den­ke dabei ins­be­son­de­re an die tech­ni­schen Ent­wick­lun­gen (Mond­ra­ke­te oder Com­pu­ter).

Wie sieht es heu­te aus?

  • Für poli­ti­sche Füh­rer wie Trump, Erdo­gan oder Putin zäh­len „ver­nünf­ti­ge Argu­men­te“ nicht län­ger.
  • Fak­ten sind kei­ne Fak­ten mehr. Der Glau­be an so etwas wie Objek­ti­vi­tät geht ver­lo­ren. Selbst in den Wis­sen­schaf­ten gilt inzwi­schen: Zu jeder „gut beleg­ten“ The­se gibt es eine ent­spre­chend gut beleg­te Gegen­the­se, zu jeder Stu­die, die die­ses oder jenes „beweist“, fin­det man eine, die das Gegen­teil „beweist“ (Stich­wor­te: post­fak­ti­sches Zeit­al­ter, alter­na­ti­ve Fak­ten).
  • Die Über­hö­hung der Ratio hat zu einer extrem redu­zier­ten Sicht auf die Welt geführt, vie­le Pro­ble­me erst ver­ur­sacht und Erfül­lung und Sinn zuguns­ten der Errei­chung irgend­wel­cher Key-Per­for­mance-Indi­ka­to­ren aus dem Leben gedrängt.

Dabei ist die Ver­nunft­kri­se nicht plötz­lich über uns gekom­men, vie­le Den­ker haben bereits vor den Kon­se­quen­zen der Herr­schaft der Ratio­na­li­tät gewarnt. Da die Ratio­na­li­tät nur das gel­ten lässt, was mit­tels der ratio­na­len Logik (der Kau­sal­me­cha­nik des Wenn-Dann) erklärt wer­den kann, muss sie ent­we­der die Welt in die­ses star­re Kor­sett pres­sen oder sie muss wich­ti­ge Berei­che des mensch­li­chen Zusam­men­le­bens aus­blen­den. Wenn man jedoch alles aus­blen­det, was man nicht mit die­ser Logik fas­sen kann – wie Soli­da­ri­tät, Gerech­tig­keit, Wür­de, Sinn etc. –, bringt jede noch so gute Argu­men­ta­ti­on nichts, da sich rein ratio­nal oft auch das Gegen­teil begrün­den lässt. Dann kann man mit­tels ver­nünf­ti­ger Argu­men­ta­tio­nen alles Mög­li­che begrün­den, weil jeg­li­che nor­ma­ti­ve Wer­tung fehlt.

Dem­entspre­chend zeigt sich die Ver­nunft­kri­se beson­ders deut­lich, wenn es immer schwe­rer fällt, Ent­schei­dun­gen zu tref­fen.

Dem­entspre­chend zeigt sich die Ver­nunft­kri­se beson­ders deut­lich, wenn es immer schwe­rer fällt, Ent­schei­dun­gen zu tref­fen. Soll eine Bank ver­staat­licht wer­den oder nicht? Soll der euro­päi­sche Leit­zins gesenkt oder ange­ho­ben wer­den? Soll die Auto­in­dus­trie sub­ven­tio­niert wer­den oder nicht? Soll man spa­ren oder noch mehr Schul­den machen? – Es fin­den sich vie­le „ver­nünf­ti­ge“ Argu­men­te, sowohl dafür als auch dage­gen. Zu vie­le, um sagen zu kön­nen, wel­che Ent­schei­dung denn nun die rich­ti­ge wäre. Wie soll man ent­schei­den kön­nen, wenn jeder die Ver­nunft für sich gepach­tet zu haben scheint?

 

2. Fortschritt, der zugleich Rückschritt ist

Man kann nicht bestrei­ten, dass der tech­ni­sche Fort­schritt dafür gesorgt hat, dass es uns in vie­ler­lei Hin­sicht bes­ser geht, dass Lösun­gen für Pro­ble­me gefun­den wur­den, die unlös­bar schie­nen und man nicht mehr auf das Wohl­wol­len der Göt­ter ver­trau­en muss. Inso­fern ver­wun­dert es nicht, dass es vie­le Men­schen gibt, die glau­ben, dass Tech­nik prin­zi­pi­ell die Lösung für alle Pro­ble­me bie­tet und man auch mit­tels der Tech­nik der zuneh­men­den Kom­ple­xi­tät Herr wer­den kann. Dies zeigt sich beson­ders deut­lich bei der ange­streb­ten Ver­net­zung aller Lebens­be­rei­che (Stich­wort: Indus­trie 4.0): Man glaubt, dass Algo­rith­men alles wesent­lich effi­zi­en­ter steu­ern kön­nen als der Mensch bezie­hungs­wei­se eine Kom­ple­xi­tät beherr­schen kön­nen, die der Mensch schon lan­ge nicht mehr durch­schaut.

Dabei ver­gisst man nur all­zu ger­ne, dass der tech­ni­sche Fort­schritt selbst Grund für vie­le die­ser Pro­ble­me ist und auch die Kom­ple­xi­tät in vie­len Berei­chen auf den tech­ni­schen Fort­schritt zurück­zu­füh­ren ist. Die pro­mi­nen­tes­ten Bei­spie­le für die­se Pro­ble­me sind wohl die Atom­ener­gie, deren radio­ak­ti­ve und finan­zi­el­le Alt­las­ten uns noch lan­ge Zeit vor Pro­ble­me stel­len wer­den, sowie die Neu­en Medi­en, mit denen inzwi­schen weni­ger Arbeits­er­leich­te­rung, son­dern viel­mehr Stress ver­bun­den wird (Stich­wor­te: dau­ern­de Erreich­bar­keit, Aus­wei­tung der Arbeit auf den pri­va­ten Bereich, Über­wa­chung etc.).

Hin­sicht­lich der Kom­ple­xi­tät ist exem­pla­risch die Ver­net­zung der Strom- und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­net­ze zu nen­nen, deren Risi­ken Marc Els­berg in dem Roman Black­out ein­drück­lich beschrie­ben hat.

Doch der Fort­schritt muss wei­ter­ge­hen – um jeden Preis. So lau­tet das moder­ne Zau­ber­wort: Daten! Denn die Daten sei­en das Öl einer neu­en indus­tri­el­len Revo­lu­ti­on. Es ist also nur kon­se­quent, wenn kürz­lich auf einem Wahl­pla­kat zu lesen war:

DIGITAL FIRST.

BEDENKEN SECOND.

So fan­gen wir an zu ver­net­zen und zu algo­rith­mi­sie­ren, was das Zeug hält. Irgend­wann sol­len dann die Maschi­nen alle Auf­ga­ben erle­di­gen, die wir ger­ne abge­ben wol­len.

 

Aller­dings: Was wird pas­sie­ren, wenn wir tat­säch­lich beden­ken­los alles der Digi­ta­li­tät über­ant­wor­ten? Ich möch­te ein beson­ders dras­ti­sches Bei­spiel anfüh­ren: Mit­te August 2017 haben sich Elon Musk und der Mit­grün­der von Goog­le Deep­Mind Mus­ta­fa Suley­man sowie 114 wei­te­re Exper­ten auf dem Gebiet der künst­li­chen Intel­li­genz mit einem offe­nen Brief an die UNO gewandt. Sie for­dern ein Ver­bot von Kil­ler-Robo­tern, soge­nann­ten auto­no­men Waf­fen. Kon­kret geht es dabei um Kampf-Droh­nen, auto­no­me Pan­zer und auto­ma­ti­sier­te Maschi­nen­ge­weh­re, die alle­samt von künst­li­cher Intel­li­genz gesteu­ert wer­den, also um bewaff­ne­te Robo­ter, die selbst­stän­dig Zie­le aus­wäh­len und angrei­fen kön­nen. In dem Brief heißt es: „Uns bleibt nicht viel Zeit um zu Han­deln. Ist die­se Box der Pan­do­ra erst mal offen, wird es schwer wer­den, die­se wie­der zu schlie­ßen.“ Laut Roger Carr, dem Auf­sichts­rats­vor­sit­zen­den des bri­ti­schen Rüs­tungs­kon­zerns BAE, arbei­ten bereits 40 Natio­nen an der­ar­ti­gen „Kil­ler-Robo­tern“. Das gab Carr im Rah­men einer Dis­kus­si­on auf dem Welt­wirt­schafts­fo­rum 2016 in Davos bekannt. Wel­che Fol­ge­run­gen man aus die­sem Bei­spiel zieht, sei jedem selbst über­las­sen …

 

3. Das Ende der Arbeit, wie wir sie kennen

Das Ende der Arbeit, wie wir sie ken­nen, ist nicht das Ende der Arbeit. Aber es spricht eini­ges dafür, dass künf­tig viel Arbeit weg­fällt und die Bedeu­tung der Arbeit sich grund­le­gend wan­delt. Natür­lich spie­len auch hier wie­der die Digi­ta­li­sie­rung und die Auto­ma­ti­sie­rung eine zen­tra­le Rol­le. Häu­fig heißt es ja: Wie bei den bis­he­ri­gen indus­tri­el­len Revo­lu­tio­nen wer­den zwar Arbeits­plät­ze ver­schwin­den, dafür aber auch neue und even­tu­ell sogar mehr ent­ste­hen. Aller­dings gehen vie­le Stu­di­en davon aus, dass es die­ses Mal nicht so sein wird. Viel­mehr sei­en etwa die Hälf­te aller heu­ti­gen Arbeits­plät­ze von der Digi­ta­li­sie­rung und ihren Fol­gen bedroht. Dies ist gemäß dem Frank­fur­ter Öko­no­men Bertram Sche­fold unter ande­rem dar­auf zurück­zu­füh­ren, dass heu­ti­ge Tech­no­lo­gi­en kei­ne neu­en Indus­tri­en ent­ste­hen las­sen, mit denen die Schaf­fung vie­ler neu­er Arbeits­plät­ze ver­bun­den ist. Frü­he­re Inno­va­tio­nen wie die Erfin­dung des Autos hät­ten enor­me Sekun­där­ef­fek­te aus­ge­löst: Es muss­ten Stra­ßen gebaut wer­den, Park­häu­ser oder Tank­stel­len. Repa­ra­tur­be­trie­be ent­stan­den und Auto­me­cha­ni­ker hat­ten ihr Aus­kom­men. Das sei zum Bei­spiel beim Smart­pho­ne nicht der Fall. Im Gegen­teil: Es mache sogar eine Viel­zahl über­kom­me­ner Gerä­te über­flüs­sig, vom Foto­ap­pa­rat bis zur Taschen­lam­pe. Gleich­zei­tig wird das Smart­pho­ne in hoch­au­to­ma­ti­sier­ten Fabri­ken gefer­tigt, sodass auch in der Pro­duk­ti­on immer mehr Jobs weg­fal­len wer­den.

Das Ende der Arbeit, wie wir sie ken­nen, ist nicht das Ende der Arbeit.

Aber auch die neu geschaf­fe­nen Jobs ste­hen in per­ma­nen­ter Kon­kur­renz mit einer sich rasend schnell ent­wi­ckel­ten künst­li­chen Intel­li­genz – zahl­rei­che Stu­di­en pro­gnos­ti­zie­ren, dass bei­spiels­wei­se in weni­gen Jah­ren 90 Pro­zent des welt­wei­ten Bör­sen­han­dels von Algo­rith­men getä­tigt wird. Wie vie­le Arbeits­plät­ze auch immer betrof­fen sein wer­den, in jedem Fall muss man sich über­le­gen, woher der Staat sein Geld bekommt, wenn ein gro­ßer Teil der Ein­nah­men (Lohn­steu­er) weg­fal­len wer­den.

Doch damit nicht genug: Auch jenen, die Arbeit haben, kann sie immer sel­te­ner einen Halt im Leben geben. Dies wird bei­spiels­wei­se durch eine stei­gen­de Zahl von Krank­heits­ta­gen deut­lich, die auf psy­chi­schen Stress am Arbeits­platz zurück­zu­füh­ren sind (psy­chi­sche Erkran­kun­gen ste­hen längst an zwei­ter Stel­le bei den Fehl­zei­ten). Die­se Zah­len brin­gen eine Para­do­xie zum Aus­druck, die der moder­nen Arbeit inne­wohnt: So ist die moder­ne Arbeit immer mehr zum Zen­trum unse­rer Iden­ti­tät und des Selbst­wert­ge­fühls gewor­den und wir ver­spre­chen uns Erfül­lung durch sie. Zugleich aber ent­leert uns die Arbeit (Stich­wort: Burn-out) und wir brau­chen die Frei­zeit, um unse­re Akkus durch Ent­span­nung oder Abwechs­lung wie­der auf­zu­fül­len. Doch auch die Erho­lung kann uns kei­nen Sinn und kei­ne Erfül­lung bie­ten, sie ist bloß die ande­re Sei­te der Arbeits­me­dail­le. So erle­ben wir uns als zuneh­mend ent­wur­zelt, als aus­wech­sel­ba­res Räd­chen in einer gro­ßen Maschi­ne. Damit wird der gesell­schaft­li­che Zusam­men­halt ins­ge­samt gefähr­det.

 

4. Entfesselte Finanzwirtschaft

Seit der Libe­ra­li­sie­rung der Finanz­märk­te, also begin­nend in den 1980er Jah­ren, haben ver­schie­de­ne Ent­wick­lun­gen dazu geführt, dass es heu­te einen Anla­ge­not­stand gibt. Sprich: Es gibt zu wenig Anla­ge­mög­lich­kei­ten für die enor­me Geld­men­ge, die glo­bal maro­diert. Dies hat dazu geführt, dass nicht nur die Ren­di­ten vie­ler Staats­an­lei­hen auf his­to­risch nied­ri­gem Niveau lie­gen, son­dern es gleich­zei­tig zu einer Infla­ti­on der Ver­mö­gens­prei­se gekom­men ist, wie man an den Immo­bi­li­en­prei­sen und den Akti­en­märk­ten able­sen kann. Auch wenn die­se Infla­ti­on zuletzt auf die Nied­rig­zins­po­li­tik der EZB und ande­rer Noten­ban­ken zurück­zu­füh­ren ist, so hat sich doch schon seit den 1980er Jah­ren eine Super­bla­se – wie es der Hedge­fonds-Mana­ger Geor­ge Soros nennt – auf­ge­pumpt, die nach wie vor zum Zer­rei­ßen gespannt ist.
Mit die­ser Super­bla­se meint er das Ver­hält­nis des Finanz­ver­mö­gens zur Wirt­schafts­leis­tung. Die­ses lag Anfang der 1980er Jah­re noch bei ca. 1,2 zu 1, im Jahr 2015 hin­ge­gen bei ca. 3,7 zu 1 – Deri­va­te nicht mit­ge­rech­net. Wür­de man die­se mit­re­chen, läge das Ver­hält­nis 2015 bei ca. 10,5 zu 1.

War­um ist das rele­vant? Nun, der wah­re Wert eines Ver­mö­gens bemisst sich danach, wie viel Ren­di­te es jähr­lich abwirft. Die Ren­di­te setzt sich bei­spiels­wei­se bei Akti­en aus der jähr­li­chen Divi­den­de und der Wert­stei­ge­rung der Aktie zusam­men.

Was aber, wenn immer mehr Finanz­ver­mö­gen Anspruch auf Divi­den­den aus real­wirt­schaft­li­chen Tätig­kei­ten erhebt und die Real­wirt­schaft nicht im glei­chen Tem­po wächst wie die Finanz­ver­mö­gen? Rich­tig, man fängt an zu spe­ku­lie­ren: dar­auf, dass die Wert­stei­ge­rung des Ver­mö­gens­ti­tels (Akti­en, Immo­bi­li­en, Kryp­towäh­rung) wei­ter anhält. Oder aber man erfin­det ganz neue Ertrags­quel­len. Letz­te­res lässt sich an der Bilanz der Deut­schen Bank her­vor­ra­gend nach­voll­zie­hen: Der größ­te Pos­ten im Jahr 2016 ent­fällt auf Deri­va­te, ca. 540 Mil­li­ar­den Euro (ca. 33 Pro­zent der Bilanz­sum­me), der zweit­größ­te Pos­ten sind Dar­le­hen an ande­re Kre­dit­in­sti­tu­te (rund 25 Pro­zent). Bei dem ers­ten Pos­ten han­delt es sich letzt­lich um pure Spe­ku­la­ti­on, und auch die Dar­le­hen an ande­re Kre­dit­in­sti­tu­te stel­len kei­ne Inves­ti­ti­on in die Real­wirt­schaft dar. Dem­entge­gen ent­fal­len auf Kre­di­te an Häus­le­bau­er oder Unter­neh­mer nur ca. zehn Pro­zent der Gesamt­sum­me.

Die Bilanz der Deut­schen Bank steht also sym­pto­ma­tisch für die Super­bla­se, von der Geor­ge Soros sprach.

Die Bilanz der Deut­schen Bank steht also sym­pto­ma­tisch für die Super­bla­se, von der Geor­ge Soros sprach.

Da die Finanz­ver­wal­ter jedoch nicht dumm sind, haben sie sich alter­na­tiv zur Spe­ku­la­ti­ons­stra­te­gie noch etwas ande­res über­legt, um ihre Ren­di­te­er­war­tun­gen befrie­di­gen zu kön­nen: Sie stei­gen zuneh­mend in die Real­wirt­schaft ein, die in die­sem Zuge aus­schließ­lich nach der Pro­fit­ma­xi­mie­rung aus­ge­rich­tet wird. Ein Bei­spiel: 2012 grün­de­te der welt­weit größ­te Ver­mö­gens­ver­wal­ter Black­rock die Fir­ma Invi­ta­ti­on Homes und kauf­te im gro­ßen Stil Immo­bi­li­en in den USA. Heu­te, knapp fünf Jah­re spä­ter, gehört Invi­ta­ti­on Homes bereits zu den größ­ten Immo­bi­li­en­be­sit­zern der USA.

Wir sehen also nicht nur die Gefahr, dass die Bla­se bei den Ver­mö­gens­prei­sen irgend­wann wie­der platzt, weil die­se die Ren­di­te­ver­spre­chun­gen nicht erfül­len kann, son­dern auch die Gefahr, dass die Real­wirt­schaft bezie­hungs­wei­se sämt­li­che Berei­che des gesell­schaft­li­chen Lebens ein­zig der Logik der Finanz­wirt­schaft unter­ge­ord­net wird, die bekannt­lich lau­tet: Pro­fit­ma­xi­mie­rung.

 

5. Erderwärmung und Umweltzerstörung

Kom­men wir zur Erd­er­wär­mung – oder, wie Donald Trump es nennt: zu den Wet­ter­ex­tre­men. Auf dem Kli­ma­gip­fel in Paris 2015 wur­de beschlos­sen, die glo­ba­le Erwär­mung auf zwei Grad Cel­si­us zu begren­zen. Da die glo­ba­le Erwär­mung seit Beginn der Indus­tria­li­sie­rung etwa 1,2 Grad Cel­si­us beträgt, ver­blei­ben noch 0,8 Grad, um das Zwei-Grad-Ziel ein­zu­hal­ten. Dafür müss­ten die welt­wei­ten Treib­haus­gas-Emis­sio­nen bis 2050 um min­des­tens 50 Pro­zent sin­ken, in den Indus­trie­län­dern um 80 bis 95 Pro­zent (jeweils gegen­über dem Stand von 1990).

Was aber tun wir? Wir machen wei­ter. Die Fir­ma BP geht davon aus, dass die CO2-Emis­sio­nen bis zum Jahr 2035 welt­weit um 29 Pro­zent zuneh­men. Das hat zur Fol­ge, dass aus­ge­rech­net die Regio­nen, in denen die Bevöl­ke­rung wei­ter­hin am stärks­ten wach­sen wird, am stärks­ten von die­sen Fol­gen betrof­fen sein wer­den. Das bedeu­tet: In einer Gene­ra­ti­on wer­den die Flücht­lings­strö­me nicht mehr zu len­ken sein. Der Glo­ba­li­sie­rungs­ex­per­te Franz-Josef Rader­ma­cher geht von rund 200 Mil­lio­nen Kli­ma­flücht­lin­gen im Jahr 2050 aus.
Und die Umwelt­zer­stö­rung? Auch hier­zu nur eini­ge Stich­wor­te, denn das meis­te dürf­te bekannt sein:

  • Welt­weit gehen jähr­lich etwa zehn Mil­lio­nen Hekt­ar Acker­flä­che ver­lo­ren – eine Flä­che von rund 14 Mil­lio­nen Fuß­ball­fel­dern. Ein Vier­tel der glo­ba­len Boden­flä­che ent­hält heu­te schon deut­lich weni­ger Humus und Nähr­stof­fe als vor 25 Jah­ren oder lässt sich gar nicht mehr als Acker­land nut­zen.
  • Trink­was­ser wird immer knap­per, viel zu viel Was­ser wird für die Land­wirt­schaft benö­tigt.
  • Müll, Atom­müll, Gift­müll – ein rie­si­ges Pro­blem, mit dem man locker eine gan­ze agora42 fül­len könn­te. Wohin damit? Den Müll ver­bren­nen? Dadurch wird die Luft ver­schmutzt und es ent­ste­hen gefähr­li­che neue che­mi­sche Ver­bin­dun­gen in den Fil­ter­an­la­gen. Den Müll ver­gra­ben? Ins Meer wer­fen?
  • Bie­nen ver­hel­fen uns zu mehr als einem Vier­tel der welt­weit benö­tig­ten Lebens­mit­tel. Ihr Wert­schöp­fungs­an­teil liegt bei etwa 200 Mil­li­ar­den Dol­lar. Leben und Gesund­heit von Mil­lio­nen Men­schen hän­gen davon ab, dass die Bie­nen ihre Arbeit machen. Doch lei­der nimmt die welt­wei­te Popu­la­ti­on dra­ma­tisch ab.

Sum­ma sum­ma­rum und kurz gesagt: Kli­ma­wan­del und Umwelt­zer­stö­rung ber­gen Kata­stro­phen­po­ten­zi­al.

 

6. Wüsten und blühende Landschaften. Oder: Viel zu wenig und viel zu viel von allem

Der World Food Report der UNO besagt, dass die Welt­land­wirt­schaft heu­te fast zwölf Mil­li­ar­den Men­schen, also fast das Dop­pel­te der Welt­be­völ­ke­rung, ernäh­ren könn­te. Den­noch hun­gern welt­weit vie­le Men­schen, was nicht zuletzt dar­an liegt, dass 28 Pro­zent des welt­weit genutz­ten Acker­lan­des genutzt wird, um Nah­rungs­mit­tel zu pro­du­zie­ren, die auf dem Müll lan­den (Stu­die UNO). Ein gro­ßer Teil der poten­zi­el­len Men­schen­nah­rung wird über­dies von Tie­ren ver­speist (Stich­wort: Mas­sen­tier­hal­tung).

Aber nicht nur Essen wird für die Müll­hal­de pro­du­ziert, die Kon­su­men­ten kau­fen gene­rell viel mehr, als sie brau­chen: Der Durch­schnitts­deut­sche kauft pro Jahr fünf Paar Schu­he, wech­selt ca. alle 18 Mona­te sein Han­dy, 40 Pro­zent der Klei­dungs­stü­cke in den Klei­der­schrän­ken wer­den nie getra­gen – und den­noch wer­den jedes Jahr mehr Tex­ti­li­en pro­du­ziert und ver­kauft als im Jahr zuvor. Wenn soviel pro­du­ziert und sogar gekauft wird, müss­te dann nicht jeder einen Job haben, von dem er oder sie leben kann? Nun, man muss nicht aus­füh­ren, dass das eine mit dem ande­ren nichts zu tun hat. Reich wird an Schu­hen und Kla­mot­ten bei­spiels­wei­se Aman­cio Orte­ga (Pri­vat­ver­mö­gen: 63,7 Mil­li­ar­den Euro) – nicht die­je­ni­gen, die für ihn und sein Unter­neh­men ZARA Klei­dung und Schu­he pro­du­zie­ren.

Die­se Tat­sa­che hat dazu geführt, dass die Ungleich­heit immer mehr zunimmt, was OXFAM jedes Jahr in sei­nen Stu­di­en zur Ungleich­ver­tei­lung von Ein­kom­men und Ver­mö­gen anpran­gert. Über­tra­gen wir die OXFAM-Zah­len auf ein Spiel, das Sie alle ken­nen: Mono­po­ly. Ange­nom­men, es gäbe zehn Mit­spie­ler, dann sähe die Spiel­si­tua­ti­on wie folgt aus: Einem Spie­ler wür­den 90 Pro­zent aller Stra­ßen, Häu­ser und Hotels gehö­ren, vier wei­te­re wür­den die rest­li­chen zehn Pro­zent unter sich auf­tei­len – und die ver­blie­be­nen fünf Spie­ler besä­ßen nichts. Dann wäre nur ver­ständ­lich, wenn zumin­dest die fünf mit­tel­lo­sen Mit­spie­ler bei die­sem Spiel nicht mit­spie­len wol­len. Zumal die Ungleich­ver­tei­lung von Ein­kom­men und Ver­mö­gen über­dies

  • eine Ungleich­ver­tei­lung von Chan­cen bedeu­tet,
  • mit einer Ungleich­ver­tei­lung hin­sicht­lich des Zugang zu Netz­wer­ken ver­bun­den ist,
  • die Mög­lich­keit bezie­hungs­wei­se Unmög­lich­keit impli­ziert, auf die Gesetz­ge­bung Ein­fluss zu neh­men und sich recht­li­chen Bei­stand zu sichern.

Dumm nur, wenn es ums Über­le­ben geht und das Nicht-Mit­spie­len kei­ne Opti­on ist …

 

7. Wem vertrauen?

Ver­trau­en ist das unsicht­ba­re Band, das die Gesell­schaft zusam­men­hält. Ist das Ver­trau­en weg, bedarf es immer kom­pli­zier­te­rer Ver­trags­wer­ke, umfang­rei­cher Com­pli­an­ce Kata­lo­ge, dann wird über­all die For­de­rung nach Trans­pa­renz laut.

Wo ste­hen wir heu­te? Das Ver­trau­en der Men­schen in die poli­ti­schen und gesell­schaft­li­chen Insti­tu­tio­nen ero­diert. Poli­ti­kern, Mana­gern, Nicht­re­gie­rungs­or­ga­ni­sa­tio­nen und auch den Medi­en wird immer weni­ger ver­traut. Die Mehr­heit der Men­schen, ins­be­son­de­re die 85 Pro­zent weni­ger wohl­ha­ben­den Men­schen, glaubt inzwi­schen, dass das „Sys­tem“ nicht mehr funk­tio­niert. Die­se Ein­schät­zung basiert nicht auf irgend­ei­ner Stu­die mit schma­ler Daten­ba­sis, son­dern auf dem „Edel­man Trust Baro­me­ter“, einer Umfra­ge unter mehr als 32.000 Men­schen in 28 Län­dern der Welt, die zwi­schen Mit­te Okto­ber und Mit­te Novem­ber 2016 durch­ge­führt wur­de.

Ein Schelm, der nun fra­gen wür­de, ob es vor die­sem Hin­ter­grund ein Wun­der ist, dass die Geheim­diens­te welt­weit immer mehr Men­schen aus­spio­nie­ren

Kann man da noch von Ver­trau­en spre­chen? Ein Schelm, der nun fra­gen wür­de, ob es vor die­sem Hin­ter­grund ein Wun­der ist, dass die Geheim­diens­te welt­weit immer mehr Men­schen aus­spio­nie­ren – mit Wis­sen und Geneh­mi­gung der Regie­run­gen und in Koope­ra­tio­nen mit pri­va­ten Sicher­heits­un­ter­neh­men? Zeigt dies nicht deut­lich, wie es um das Ver­trau­en der Eli­ten in die Mas­sen bestellt ist? Galt lan­ge Zeit der Grund­satz der Unschulds­ver­mu­tung, so wird die­ser Grund­satz sys­te­ma­tisch ins Gegen­teil ver­kehrt: Ver­däch­tig ist unter dem Vor­wand des „Ter­ror­ver­dachts“ prin­zi­pi­ell jeder.

Wie sieht es in der Wirt­schaft aus? Wie steht es um das Ver­trau­en in den Arbeit­ge­ber? Einer Unter­su­chung der Unter­neh­mens­be­ra­tung Ernst & Young zufol­ge ver­trau­en nur 44 Pro­zent der Mit­ar­bei­ter in Deutsch­land ihrem Unter­neh­men und nur 47 Pro­zent ihrem Chef. Die Fol­ge: Die Mit­ar­bei­ter zie­hen sich in die inne­re Emi­gra­ti­on zurück – sie machen Dienst nach Vor­schrift und hören auf, sich mit Ide­en und beson­de­rer Leis­tungs­be­reit­schaft in das Unter­neh­men ein­zu­brin­gen. Ent­schei­den­der aber ist – wie der Sozio­lo­ge Heinz Bude es cha­rak­te­ri­siert – der Über­gang vom Kapi­ta­lis­mus zum Finanz­ka­pi­ta­lis­mus. Dies ist des­we­gen von her­aus­ra­gen­der Bedeu­tung, weil im Finanz­ka­pi­ta­lis­mus nicht mehr der Unter­neh­mer die Leit­fi­gur der Gesell­schaft ist, son­dern der Geld­ver­mö­gens­be­sit­zer. Im Gegen­satz zum Unter­neh­mer, der mit Men­schen und Din­gen zu tun hat und zu dem inso­fern zumin­dest ein Grund­ver­trau­en besteht, ver­traut man dem Geld­ver­mö­gens­be­sit­zer nicht mehr, weil er nur an der (abs­trak­ten) Meh­rung des Gel­des inter­es­siert ist. Ent­spre­chend muss sich auch die Wirt­schaft vor die­sem Hin­ter­grund Sor­gen machen, dass ihr in der Zukunft der gesell­schaft­li­che Kon­sens ent­zo­gen wird, auf deren Basis sie Geschäf­te macht.

 

Die zuvor geschil­der­ten sie­ben Entwicklungen/Phänomene sind kei­nes­wegs neu. Aber im All­tag ver­liert man sie leicht aus dem Blick. Dies ändert jedoch nichts dar­an, dass sie – nimmt man sie alle zusam­men – das Ende der Welt bedeu­ten, wie wir sie ken­nen.

Doch das Ende der Welt, wie wir sie ken­nen, ist nicht das Ende der Welt.

Doch das Ende der Welt, wie wir sie ken­nen, ist nicht das Ende der Welt. Eine neue Welt wird zwangs­läu­fig an ihre Stel­le tre­ten. Mit dem Ver­blas­sen der alten Gesetz­mä­ßig­kei­ten und Gewiss­hei­ten wer­den neue in Erschei­nung tre­ten. Die Zukunft muss erst noch zei­gen, wel­chem Men­schen- und Welt­bild wir fol­gen wol­len. So ist der zwei­te Teil der Titel­fra­ge – „Wer sind wir danach? “ – rein spe­ku­la­ti­ver Natur. Und so sind auch fol­gen­de drei Sze­na­ri­en pure Spe­ku­la­tio­nen, denn ers­tens kommt es immer anders und zwei­tens als man denkt.

 

Szenario 1: Es geht alles weiter wie bisher

Die zuvor beschrie­be­nen Ent­wick­lun­gen sind bekannt. Zahl­rei­che Exper­ten haben in Stu­di­en, Kon­fe­ren­zen und öffent­li­chen Auf­ru­fen auf die Gefah­ren hin­ge­wie­sen, die mit ihnen jeweils ver­bun­den sind. Allein, ein ent­schlos­se­nes Umlen­ken bezie­hungs­wei­se eine Poli­tik, die die­sen Ent­wick­lun­gen Rech­nung trägt, ist nir­gend­wo zu beob­ach­ten. Inso­fern ist die plau­si­bels­te aller Annah­men die, dass es wei­ter­geht wie bis­her.

Was bedeu­tet das kon­kret? In nicht all zu fer­ner Zukunft wird die ers­te Bom­be plat­zen (sie­he Punk­te 1 bis 7), die dann eine Ket­ten­re­ak­ti­on aus­lö­sen wird (Domi­no­ef­fekt). Glo­ba­le Lie­fer­ket­ten wer­den zusam­men­bre­chen. Arbeits­lo­sig­keit wird zur Nor­ma­li­tät – genau wie Natur­ka­ta­stro­phen und gewal­ti­ge Flücht­lings­strö­me. Ver­si­che­run­gen gehen plei­te. Der Zusam­men­halt in der Gesell­schaft zer­fällt. Bür­ger­krie­ge und Krie­ge zwi­schen Staa­ten bre­chen aus.

 

Szenario 2: Erlösung durch die Matrix oder: Gegen die menschliche Unvernunft!

Der Digi­ta­li­sie­rung wird oft eine „game-chan­ging“ Fähig­keit zuge­schrie­ben. Neh­men wir die Digi­ta­li­sie­rung also ernst und geste­hen ihr zu, den Lauf der Din­ge ändern zu kön­nen. Es wäre also durch­aus vor­stell­bar, dass wir den Algo­rith­men die Macht über­tra­gen, damit sie dafür sor­gen, dass wir nicht über unse­re Ver­hält­nis­se leben, dass die Erd­er­wär­mung die Gren­ze von zwei Grad Cel­si­us nicht über­steigt, dass sozia­le Miss­stän­de beho­ben wer­den. Kurz: Die Algo­rith­men wer­den dafür sor­gen, dass alles ver­nünf­tig zugeht, dass Ruhe und Sicher­heit herr­schen und wir Aus­sicht auf eine halb­wegs huma­ne Zukunft haben.

Das bedeu­tet jedoch auch, dass wir einen Teil unse­rer Selbst­be­stim­mung abge­ben müs­sen, dass vie­le Frei­hei­ten weg­fal­len. Aber letzt­lich wäre das nur kon­se­quent – sofern wir nicht begrei­fen, dass mit Frei­heit auch immer Ver­ant­wor­tung ver­bun­den ist.

 

Szenario 3: Eine gemeinsame Zukunft

Die bei­den geschil­der­ten Sze­na­ri­en erschei­nen aus heu­ti­ger Sicht plau­si­bel. Aber will man psy­chisch gesund blei­ben und nicht zum Zyni­ker wer­den, soll­te unser Zukunfts­ent­wurf anders aus­se­hen. Bei aller Schel­te des Öko­no­mi­schen hilft ein öko­no­mi­scher Blick auf die Situa­ti­on, also eine Ana­ly­se des Ange­bots und der Nach­fra­ge, um zu erken­nen, dass eine ganz ande­re Zukunft mög­lich ist. Die­se Ana­ly­se offen­bart eine rie­si­ge, bis­her nicht ein­mal in den Ansät­zen befrie­dig­te Nach­fra­ge nach Sinn. Klar, wenn die plau­si­bels­te Annah­me die kol­lek­ti­ve Kata­stro­phe ist, wel­chen Sinn soll man dem eige­nen Leben dann schon geben kön­nen? Zwar mag man mei­nen, dass die­ser Nach­fra­ge bereits eini­ges an Sinn-Ange­bo­ten gegen­über­steht – man den­ke nur an das Kon­zept des grü­nen Wachs­tums, an ein Erstar­ken der Zivil­ge­sell­schaft, an eso­te­ri­sche Mög­lich­kei­ten der Selbst­er­fah­rung. Aber all die­se Ange­bo­te sind gewis­ser­ma­ßen zahn­lo­se Tiger, weil sie sug­ge­rie­ren, dass es prin­zi­pi­ell so wei­ter­ge­hen kön­ne wie bis­her. Dies ist erstaun­lich, denn wie in Sze­na­rio 1 gesagt: Das „Wei­ter so“ ist kei­ne Opti­on. Was dann?

Aus der Trau­er­ar­beit ist bekannt, wel­che Pha­sen Pati­en­ten durch­ma­chen, deren Krank­heit unaus­weich­lich zum Tode führt: Wut, Leug­nen, Feil­schen, Depres­si­on und schließ­lich Akzep­tanz. Akzep­tie­ren wir also, dass das Welt­bild, das uns jahr­zehn­te­lang Ori­en­tie­rung gege­ben hat, uns die­se nicht mehr bie­ten kann. Anstatt am Alten fest­zu­hal­ten, soll­ten wir sehen, dass wir mate­ri­el­le Wohl­stands­ver­lus­te durch eine höhe­re Qua­li­tät des Zusam­men­le­bens über­kom­pen­sie­ren kön­nen: mehr Zeit, mehr Ruhe, Freund­schaft, Arbeit am Men­schen, gemein­sa­me Orga­ni­sa­ti­on des Zusam­men­le­bens etc.

Erken­nen wir, dass wir die neue Welt nur gemein­sam erschaf­fen kön­nen.

Erken­nen wir, dass wir die neue Welt nur gemein­sam erschaf­fen kön­nen. Kon­zep­te, was getan wer­den müss­te und könn­te, gibt es zuhauf. Die­se beinhal­ten bei­spiels­wei­se eine Besteue­rung des Natur­ver­brauchs, die Har­mo­ni­sie­rung der Steu­ern und Sozi­al­stan­dards (zumin­dest in der EU), die Nut­zung von Was­ser, Saat­gut, Com­pu­ter­codes und vie­lem mehr als Com­mons, eine Revo­lu­ti­on der Bil­dungs- und Aus­bil­dungs­sys­te­me, die Regu­lie­rung der Finanz­märk­te und die Wie­der­ent­de­ckung des­sen, was in der Anti­ke unter dem Kon­zept der Vita activa ver­stan­den wur­de: also die Wie­der­ent­de­ckung des täti­gen Lebens im Sin­ne der poli­ti­schen Gestal­tung unse­rer Lebens­pra­xis mit dem Ziel, ein gutes Leben zu füh­ren.

Man­ches davon mag noch fern oder abs­trakt erschei­nen. Aber sobald man beginnt, sich für die Umset­zung sol­cher Kon­zep­te zu enga­gie­ren, die über einen selbst hin­aus­wei­sen, wird sich der Sinn, die Erfül­lung im Leben auto­ma­tisch ein­stel­len.

 

Die letz­te Fra­ge mag nun lau­ten: Woher rührt die Hoff­nung, dass das klap­pen kann? Und ich ver­ra­te Ihnen ger­ne, dass sich die­se Hoff­nung letzt­lich aus der sehr per­sön­li­chen Erfah­rung des agora42-Pro­jek­tes speist. Die agora42 ist nur mög­lich, weil sie von Men­schen getra­gen wird, die der Ansporn eint, etwas zu schaf­fen, was über einen selbst hin­aus­weist und so eine Ahnung von einer ande­ren Welt ver­mit­telt – einer Welt jen­seits der Kri­se.