Der Reiz des einfachen Lebens erschließt sich insbesondere jenen, die keines führen.” – Kai-Uwe Hellmann

Der Reiz des einfachen Lebens erschließt sich insbesondere jenen, die keines führen.”

Inter­view mit Kai-Uwe Hell­mann

 

Anlässlich der neuen agora42 EINFACH LEBEN haben wir ausgewählten Personen zum Thema ein paar Fragen gestellt. Hier die Antworten des Soziologen Kai-Uwe Hellmann. Er spricht über die Illusion der Einfachheit, den Wunsch dem Hamsterrad zu entkommen, die verflixte Komplexität und die unbemerkte Einfachheit…

 

Herr Hell­mann, kann man über­haupt ein­fach über Ein­fach­heit spre­chen, oder spricht man da nicht gleich über etwas ziem­li­ch Kom­pli­zier­tes?

Prof. Dr. Kai-Uwe Hell­mann ist Sozio­lo­ge und Kon­sum­for­scher. 2006 begrün­de­te er das Insti­tut für Kon­sum- und Mar­ken­for­schung (IKM) in Ber­lin. Von ihm ist u.a. erschie­nen: Der Kon­sum der Gesell­schaft: Stu­di­en zur Sozio­lo­gie des Kon­sums (Sprin­ger VS 2013). Außer­dem ist er Mit­her­aus­ge­ber der Rei­he Kon­sum­so­zio­lo­gie und Mas­sen­kul­tur.

Mein Ein­druck ist auch: Eine Ant­wort auf die durch­aus schwie­ri­ge Fra­ge nach der Ein­fach­heit fällt kei­nes­wegs leicht. Denn das Ein­fa­che erschließt sich ja erst vom Kom­ple­xen her: Nur durch die Unter­schei­dung vom Nicht-Ein­fa­chen erkennt man die Beson­der­heit des Ein­fa­chen, lernt es sogar schät­zen, sehnt es womög­li­ch her­bei. Fast könn­te man sagen: Das Nicht-Ein­fa­che ist die Vor­aus­set­zung für das Ein­fa­che – was aber nur zum Teil zutrifft, denn viel­mehr ist es die Unter­schei­dung einfach/nicht-einfach, die uns das Ein­fa­che erst erken­nen lässt. Vor die­ser Unter­schei­dung gibt es das Ein­fa­che sozu­sa­gen nicht, und mit der Unter­schei­dung nur als Unter­schie­de­nes. Mit ande­ren Wor­t­en ist das schlicht Ein­fa­che vor die­ser Unter­schei­dung schlicht inexis­tent. Es bedarf somit einer durch­aus auf­wen­di­gen Unter­neh­mung, damit das Ein­fa­che zu Tage tritt, was ihm im Rück­bli­ck jede Ein­fach­heit nimmt. Der prä­re­fle­xi­ve Ein­druck der Ein­fach­heit des Ein­fa­chen ist somit eine Illu­si­on.

 

Gibt es das ein­fa­che Leben wirk­li­ch? Oder ver­birgt sich hin­ter dem „Sim­pli­fy-your-life“ nur ein ren­ta­bles Mar­ke­ting­kon­zept?

Der Reiz des ein­fa­chen Lebens erschließt sich ins­be­son­de­re jenen, die kei­nes füh­ren. Son­st wür­den sie es ja leben. Wobei es das ein­fa­che Leben für jene, die kei­nes füh­ren, durch­aus gibt. Nur füh­ren es ande­re, näm­li­ch sol­che Leu­te, denen es oft gar nicht bewusst ist, dass sie ein ein­fa­ches Leben füh­ren, und gen­au dar­um wer­den sie ja auch benei­det. Für jene, die sich also wün­schen, ein ein­fa­ches Leben zu füh­ren, ergibt sich dar­aus ein Dilem­ma: Zum einen bemes­sen sie die Ein­fach­heit des Lebens sel­ber nach ihrer eige­nen Ent­frem­det­heit von die­ser Vor­stel­lung von der Ein­fach­heit des Lebens, und stre­ben sie dana­ch, dann bemes­sen sie den Grad der Erfül­lung ihrer Vor­stel­lung dana­ch, um wie viel weni­ger sie sich ent­frem­det füh­len. Frei­li­ch bewahrt ihre fort­lau­fen­de Refle­xi­on auf eben die­se Rela­tio­na­li­tät ihnen exakt die­se Ent­frem­det­heit, sie dient ja gen­au dazu, sich selbst von ihrer Ent­frem­dung mög­lichst zu ent­frem­den, um end­li­ch ein­fa­cher leben zu kön­nen, aber dazu brau­chen sie wie­der­um die Refle­xi­on auf ihre Ent­frem­det­heit, so dass sie in ihrer Ent­frem­det­heit qua­si refle­xiv ver­har­ren, und so ent­kom­men sie ihr schlech­ter­dings nicht, nur um eine wei­te­re Illu­si­on allen­falls. Zum ande­ren wäre die voll­kom­me­ne Erfül­lung ihrer Vor­stel­lung von dem Umstand beglei­tet, dass, wenn sie ein wirk­li­ch ein­fa­ches Leben füh­ren wür­den, gen­au dar­um nicht mehr wüss­ten. Damit aber gin­ge ihnen der Trost ver­lo­ren, den sie suchen, weil sie ja gera­de die Ent­frem­dung von der Ent­frem­dung her­bei­seh­nen. Tritt sie aber rea­li­ter ein, mer­ken sie es gar nicht – höchs­tens im Nach­hin­ein, wenn sie kein wah­res ein­fa­ches Leben mehr füh­ren, dann ist es aber eigent­li­ch schon zu spät. Inso­fern han­delt es sich bei der “Simplify-your-life”-Parole um ein veri­ta­bles, durch und durch ren­ta­bles Mar­ke­ting­kon­zept, das Erwar­tun­gen weckt, die ten­den­zi­ell nur ent­täuscht wer­den kön­nen, damit man im Hams­ter­rad schön wei­ter läuft.

 

Ist unse­re heu­ti­ge Situa­ti­on nicht erschre­ckend ein­fach? Denn auf­grund der dra­ma­ti­schen Fehl­ent­wick­lun­gen des Kapi­ta­lis­mus – man den­ke nur an die gigan­ti­sche Spe­ku­la­ti­ons­bla­se, die in den letz­ten 40 Jah­ren auf­ge­pumpt wor­den ist – haben wir eigent­li­ch nur die Wahl zwi­schen einer öko­no­mi­schen Kata­stro­phe oder aber, soll­te irgend­wie das nöti­ge Wachs­tum gene­riert wer­den, einer öko­lo­gi­schen Kata­stro­phe.

Ich den­ke inzwi­schen, dass es sich hier­bei nicht (mehr) um eine Fra­ge des Entweder/Oder, son­dern des Sowohl-als-auch han­delt. Wir wer­den die pla­ne­ta­ri­sch exzep­tio­nell-sin­gu­lä­re Erfah­rung machen dür­fen, Mut­ter Erde völ­lig in den Ruin zu wirt­schaf­ten, zumin­dest der­ge­stalt, wie wir die­sen Pla­ne­ten bis­lang wahr­neh­men. Wobei die Ein­fach­heit die­ses Kata­stro­phen­sze­na­ri­os dar­in zu sehen ist, dass der Point of No Return inzwi­schen über­schrit­ten wur­de, wie bei einer Schlamm­la­wi­ne, die sich am Gip­fel­punkt löst und ein­fach den Hang her­un­ter­rutscht und alles unter sich begräbt, was ihren Weg kreuzt. Ein­fa­cher geht es nicht mehr! Ein Natur­schau­spiel son­der­glei­chen, und dies von glo­ba­lem Aus­maß, ähn­li­ch wie bei der Aus­lö­schung der Dino­sau­ri­er!

 

Was macht das Leben wirk­li­ch ein­fa­cher?

Nichts, solan­ge man sich die­se Fra­ge stellt. Sie gleicht dem unglück­li­chen Schick­sal Burid­ans Esel: Solan­ge sich die­ses Vieh der Kon­tin­genz die­ser spe­zi­el­len Situa­ti­on aus­setzt, wird es lei­den und schließ­li­ch ver­hun­gern. Anstel­le des­sen soll­te man sich wün­schen, wie Don Qui­xo­te einer vor­mo­der­nen Zeit anzu­ge­hö­ren, oder wie Oblomow einer unter­ge­hen­den Kas­te. Aber dies bleibt ein from­mer ver­geb­li­cher Wunsch, sowie man die­sen Wunsch drän­gend ver­spürt, weil man dann schon von der Kon­tin­genz die­ser spe­zi­el­len Situa­ti­on gezeich­net ist, die wie ein Sta­chel im Flei­sche, wie der Bal­ken im Auge die Aus­weg­lo­sig­keit der eige­nen Lage vor­weg­nimmt.
 

 

 

_______________________________________

Die aktu­el­le ago­r­a42 zum The­ma EINFACH LEBEN ver­schi­cken wir ver­sand­kos­ten­frei. Lesen Sie span­nen­de Bei­trä­ge u.a. von Robert Pfal­ler (“Das nack­te und das gute Leben”), Ulri­ke Gué­rot (“Euro­pa ein­fach machen – ein­fach Euro­pa machen”), Frank Ruda (“Ein­fach nicht ein­fach”) und Mads Pan­kow (“End­li­ch wei­ter­ma­chen – Wer kei­ne Uto­pi­en hat, dem bleibt nur die Zukunft.”)

 

 

Für den schma­len Geld­beu­tel bie­ten wir außer­dem das ago­r­a42-Pro­be­abo an: Spa­ren Sie 39% gegen­über dem Ein­zel­kauf und erhal­ten Sie die Aus­ga­be LEITBILDER gra­tis dazu.

 

 

Wer nicht einfach über Einfachheit sprechen kann, sollte lieber schweigen” – Rebekka Reinhard

Wer nicht einfach über Einfachheit sprechen kann, sollte lieber schweigen”

Inter­view mit Rebek­ka Rein­hard

 

Anlässlich der neuen agora42 EINFACH LEBEN haben wir ausgewählten Personen zum Thema ein paar Fragen gestellt. Hier die Antworten der Philosophin Rebekka Reinhard. Sie spricht über das einfache Leben, die Sinnsuche, den Weg zum Glück und eine vernachlässigte Tugend: den Mut …

 

Frau Rein­hard, kann man über­haupt ein­fach über Ein­fach­heit spre­chen, oder spricht man da nicht gleich über etwas ziem­li­ch Kom­pli­zier­tes?

Rebek­ka Rein­hard ist pro­mo­vier­te Phi­lo­so­phin, Bera­te­rin und Redak­teu­rin des Phi­lo­so­phie-Maga­zins Hohe Luft. Von ihr zum The­ma erschie­nen: Die Sinn-Diät – War­um wir schon alles haben, was wir brau­chen (Heyne Ver­lag, 2011). Foto: Peter Lind­bergh

Wer nicht ein­fach über Ein­fach­heit spre­chen kann, soll­te lie­ber gleich schwei­gen. Schwei­gen ist kei­ne schlech­te Stra­te­gie für den, der nichts Schwie­ri­ge­res als das Ein­fa­che kennt. Wer schweigt, muss nichts ver­ste­hen (nicht mal sei­ne eige­nen Worte). Er ist frei, zu stau­nen, zu han­deln, Ver­ant­wor­tung zu über­neh­men. Laut Ema­nu­el Lévinas heißt ethi­sche Ver­ant­wor­tung „han­deln, bevor man ver­steht“. Und das ist ziem­li­ch ein­fach. Oder?

 

Kann man ein­fach leben, ohne dem Leben irgend­ei­ne Struk­tur und Ord­nung zu geben? Kann man ein­fach nur In-Situa­ti­on-Sein, das heißt, in wech­seln­den Situa­tio­nen leben und Sinn fin­den, ohne einen „Gesamt­s­inn“ zu unter­stel­len?

Nein. Dass in jeder Situa­ti­on der glei­che Sinn steckt, davon soll­te man schon aus­ge­hen. Dann jeden­falls, wenn man ein gutes Leben will. Ich kann aus jedem „Cha­os“ einen „Kos­mos“ machen – sobald ich anfan­ge, das Leben als Roh­ma­te­ri­al zu betrach­ten, das ich, je nach Sach­la­ge, durch mei­ne Akti­vi­tä­ten (Den­ken, Tan­zen, Strei­ten, Lachen, Arbei­ten etc.) gestal­ten kann.

 

Dem mensch­li­chen Stre­ben nach Glück sind nach Sig­mund Freud enge Gren­zen gesetzt: „(…) man möch­te sagen, die Absicht, daß der Men­sch »glück­li­ch« sei, ist im Plan der »Schöp­fung« nicht ent­hal­ten.“ Die Kul­tur ist für Freud eine Quel­le des mensch­li­chen Unbe­ha­gens und zeit­gleich die Not­wen­dig­keit für das (Über-)Leben in der Gemein­schaft. Beschränkt das Aus­maß und die Durch­drin­gung der Kul­tur die Mög­lich­keit des Glücks? Müs­sen wir allein sein, um glück­li­ch zu sein?

Glück kann Vie­les sein. Ein Moment. Die Erin­ne­rung an eine Som­mer­nacht. Vier­ein­halb Jah­re Zufrie­den­heit ohne nen­nens­wer­te Zwi­schen­fäl­le. Der Weg zum Glück hat mit einem Zuviel oder Zuwe­nig an Kul­tur nichts zu tun und steht auch Neu­ro­ti­kern offen. Es gibt kaum etwas Ein­fa­che­res als Glück: Glück ist eine inne­re Akti­vi­tät. Was? Wie? Wo ist das Glück, und wann kommt es end­li­ch? Je län­ger ich war­te, desto unglück­li­cher wer­de ich.

 

Was macht das Leben wirk­li­ch ein­fa­cher?

Sei­nen All­tag an Pla­tons Vie­rer­sche­ma, den Kar­di­nal­tu­gen­den aus­zu­rich­ten: Weis­heit, Mäßi­gung, Gerech­tig­keit, Tap­fer­keit. Statt Tap­fer­keit kann man auch Mut sagen. Mut zählt heu­te zu den am meis­ten unter­ent­wi­ckel­ten Tugen­den über­haupt. Ohne Mut kei­ne Kom­ple­xi­täts­re­duk­ti­on, kei­ne Ein­fach­heit.

 

 

 

_______________________________________

Die aktu­el­le ago­r­a42 zum The­ma EINFACH LEBEN ver­schi­cken wir ver­sand­kos­ten­frei. Lesen Sie span­nen­de Bei­trä­ge u.a. von Robert Pfal­ler (“Das nack­te und das gute Leben”), Ulri­ke Gué­rot (“Euro­pa ein­fach machen – ein­fach Euro­pa machen”), Frank Ruda (“Ein­fach nicht ein­fach”) und Mads Pan­kow (“End­li­ch wei­ter­ma­chen – Wer kei­ne Uto­pi­en hat, dem bleibt nur die Zukunft.”)

 

 

Für den schma­len Geld­beu­tel bie­ten wir außer­dem das ago­r­a42-Pro­be­abo an: Spa­ren Sie 39% gegen­über dem Ein­zel­kauf und erhal­ten Sie die Aus­ga­be LEITBILDER gra­tis dazu.

 

 

Alles nicht so einfach: Wie entscheiden wir in komplexen Situationen?

Entscheiden in komplexen Situationen

von Marc Linz­ma­jer

Was ler­nen wir aus der Beschäf­ti­gung mit unse­rem Gehirn über die Art und Wei­se, wie wir Ent­schei­dun­gen tref­fen?

 

 

Sci­en­tists have final­ly dis­co­ver­ed what’s wrong with the brain: on the left side, the­re is not­hing right, and on the right side, the­re is not­hing left …“

Anony­mous

 

Pro­ble­me ratio­na­ler Ent­schei­dungs­fin­dung

Lie­be ago­r­a42-Leser, wie tref­fen Sie Ent­schei­dun­gen? Wenn Sie zur Beant­wor­tung die­ser Fra­ge die ein­schlä­gi­ge Lite­ra­tur über ratio­na­les Urtei­len, Den­ken oder Ver­hal­ten zura­te zie­hen, wer­den Sie wahr­schein­li­ch fol­gen­des lesen: Gute, „rich­ti­ge“ Ent­schei­dun­gen fol­gen den Regeln der Logik, den Geset­zen der Wahr­schein­lich­keits­theo­rie oder der Maxi­mie­rung des erwar­te­ten Nut­zens. Die­se Prin­zi­pi­en prä­gen in sämt­li­chen Berei­chen das Bild vom ver­nünf­ti­gen Men­schen – ange­fan­gen von der Öko­no­mie, der Phi­lo­so­phie, der Risi­ko­for­schung über die kogni­ti­ve Psy­cho­lo­gie und die Poli­tik­wis­sen­schaft bis hin zu Moral­theo­ri­en. Wenn Ihr Den­ken von die­sen Prin­zi­pi­en abweicht, ste­hen Sie im Ver­dacht, „fal­sch“ oder irra­tio­nal zu urtei­len. Die­se Prin­zi­pi­en waren jah­re­lang die Eck­pfei­ler der öko­no­mi­schen Theo­rie, anhand derer Model­le erstellt wur­den, die erklär­ten, wie wir Ent­schei­dun­gen tref­fen.

Komplexität

Die­ser Arti­kel ist erst­mals in ago­r­a42 Was macht das Leben kom­plex? erschie­nen. Die­se Aus­ga­be erhal­ten Sie gra­tis dazu, wenn Sie das aktu­el­le Heft zum The­ma EINFACH LEBEN bestel­len.

Doch bereits der gro­ße bri­ti­sche Öko­nom Alfred Mar­shall (1842–1924) erläu­ter­te im Vor­wort sei­nes bekann­tes­ten Werks, den Prin­ci­ples of Eco­no­mics, dass die Öko­no­mie sich sowohl mit der Fra­ge nach dem mate­ri­el­len Wohl­stand befas­sen müs­se als auch mit der Fra­ge nach dem Wesen des Men­schen an sich. In die­ser Tra­di­ti­on defi­nier­te 1979 der US-ame­ri­ka­ni­sche Öko­nom Her­bert Simon den Kern der Wirt­schafts­wis­sen­schaf­ten wie folgt: Sie – die Öko­no­mie – beto­ne die mensch­li­che Ver­nunft, ins­be­son­de­re die Anwen­dung der mensch­li­chen Ver­nunft zur mög­lichst effek­ti­ven und effi­zi­en­ten Ver­wen­dung knap­per Res­sour­cen. Wenn Sie sich vor Augen füh­ren, wie Sie tag­täg­li­ch Ent­schei­dun­gen tref­fen, kön­nen Sie bestimmt bestä­ti­gen, dass Sie Ent­schei­dun­gen nicht anhand eines voll­stän­di­gen Wis­sens der Situa­ti­on, eines per­fek­ten Gedächt­nis­ses und einer Rechen­leis­tung, die jener der neu­es­ten Super­com­pu­ter gleicht, tref­fen. Wir fol­gen oft Gewohn­hei­ten, Dau­men­re­geln („Pi mal Dau­men“) oder ver­las­sen uns auf das Urteil ande­rer. Para­do­xer­wei­se zeigt sich sogar, dass, je mehr Fak­to­ren wir iden­ti­fi­zie­ren, wel­che einer kom­ple­xen Ent­schei­dung zugrun­de lie­gen, wir desto weni­ger in der Lage sind, die­se zu berück­sich­ti­gen – wir fan­gen dann auto­ma­ti­sch an, die­se zu redu­zie­ren. Die­se Sack­gas­se, in die uns die öko­no­mi­schen Ent­schei­dungs­mo­del­le führ­ten, erkann­te der berühm­te Essay­ist und Sozio­bio­lo­ge Edward Wil­son und argu­men­tier­te in einem Auf­satz im Jah­re 1998, dass wir, um zu ver­ste­hen, wie wir in unse­rem kul­tu­rel­len und sozia­len Umfeld Ent­schei­dun­gen tref­fen, die Evo­lu­ti­ons­theo­rie, die Human­ge­ne­tik und vor allem die Hirn­for­schung befra­gen müs­sen.

Wir fol­gen oft Gewohn­hei­ten, Dau­men­re­geln („Pi mal Dau­men“) oder ver­las­sen uns auf das Urteil ande­rer.

Nun, wir waren bei der Fra­ge: Wie tref­fen Sie Ent­schei­dun­gen? Sehen Sie sich jede Alter­na­ti­ve gen­au an, den­ken Sie über alle mög­li­chen Kon­se­quen­zen nach, und schät­zen Sie jedes Mal ab, mit wel­cher Wahr­schein­lich­keit die­se ein­tre­ten wer­den? Rech­nen Sie sich den (erwar­te­ten) Nut­zen sorg­fäl­tig ab und rech­nen die­sen die (erwart­ba­ren) Risi­ken gegen? Ver­hal­ten Sie sich also so, wie es gemäß der Defi­ni­ti­on des Homo oeco­no­mi­cus zu erwar­ten wäre? Wenn nein: kei­ne Sor­ge, Sie ste­hen mit Ihrem Ent­schei­dungs­ver­hal­ten nicht allei­ne da. Zahl­rei­che Bei­spie­le wider­le­gen das Bild vom Homo oeco­no­mi­cus. Ein beson­ders beein­dru­cken­des beschreibt Gerd Gige­ren­zer, deut­scher Psy­cho­lo­ge und Direk­tor am Max-Planck-Insti­tut für Bil­dungs­for­schung in Ber­lin. Bei beson­ders wich­ti­gen Ent­schei­dun­gen, wie zum Bei­spiel der Ent­schei­dung, eine Ehe ein­zu­ge­hen, schei­nen wir nach beson­ders weni­gen Infor­ma­tio­nen zu suchen. So haben etwa 75 Pro­zent aller heu­te 50- bis 60-jäh­ri­gen Ame­ri­ka­ner die ers­te (!) Freun­din dann auch gehei­ra­tet. Bei den 40- bis 50-jäh­ri­gen sind es immer noch 50 Pro­zent und bei den 30- bis 40-jäh­ri­gen 33 Pro­zent. Bar­ba­ra Bush, die Gat­tin des frü­he­ren Prä­si­den­ten der USA, Geor­ge H. W. Bush, erklär­te ein­mal: „I mar­ried the first man I ever kis­sed.“ Wäre es nicht ratio­nal, mehr poten­zi­el­le Part­ner zu tes­ten, um sich über so vie­le Alter­na­ti­ven wie mög­li­ch bewusst zu wer­den? Auf die­se Wei­se soll der Astro­nom Johan­nes Kep­ler vor­ge­gan­gen sein: Als er nach einer unglück­li­chen ers­ten Ehe eine zwei­te Frau such­te, hat er sich ein bis zwei Jah­re Zeit genom­men, um etwa ein Dut­zend Frau­en genau­er zu stu­die­ren …

Ist weni­ger Suche, weni­ger Infor­ma­ti­on bes­ser? Oder umge­kehrt? Ist der deut­sche Wald von Steu­er­ge­set­zen bes­ser als ein ein­fa­che­res und damit durch­schau­ba­re­res Sys­tem? Könn­te nicht durch Ein­fach­heit mehr Trans­pa­renz erzeugt und damit das Ver­trau­en der Bür­ger in das Sys­tem gestärkt wer­den? Oder soll­te man auf kom­ple­xe Pro­ble­me auch mit kom­ple­xen Lösun­gen reagie­ren?

Wenn wir Men­schen in kom­ple­xen Situa­tio­nen gera­de auf­grund der Kom­ple­xi­tät nicht in der Lage sind, ratio­nal zu han­deln – weil es bei­spiels­wei­se zu vie­le Infor­ma­tio­nen gibt, die sich dann auch noch rasch ändern –, was befä­higt uns dann über­haupt noch zu han­deln? Sind es Dau­men­re­geln, derer wir uns in Ent­schei­dungs­si­tua­tio­nen bedie­nen? Ist es die Intui­ti­on, wie der Stra­te­gie­for­scher Karl Weick vor­schlägt? Sind Ent­schei­dun­gen abhän­gig von einem bio­lo­gi­sch regu­lier­ten Signal­sys­tem, das auf unse­ren Erfah­run­gen beruht – Fach­leu­te spre­chen hier von der Theo­rie der soma­ti­schen Mar­ker, die 1991 von dem Neu­ro­wis­sen­schaft­ler Anto­nio Dama­sio ein­ge­führt wor­den ist? Es scheint nicht mög­li­ch, eine end­gül­ti­ge Ant­wort auf die Fra­ge zu geben, wie wir kom­ple­xe Ent­schei­dun­gen tref­fen.

Soll­ten Sie den­no­ch wei­ter­le­sen, wer­den Sie eine Idee davon bekom­men, wie For­scher heu­te ver­su­chen, durch die Betrach­tung bis­lang ver­bor­ge­ner Pro­zes­se im Gehirn von Indi­vi­du­en in Zukunft bes­ser ver­ste­hen und erklä­ren zu kön­nen, wie wir Ent­schei­dun­gen tref­fen.

 

Das Wis­sen um das Wis­sen des Gehirns

Der Ver­su­ch, die Hand­lungs­lo­gik des Indi­vi­du­ums im öko­no­mi­schen Kon­text durch neu­ro­na­le Pro­zes­se zu erklä­ren, ist der Aus­gangs­punkt einer gera­de ent­ste­hen­den Dis­zi­plin: der Neu­ro­öko­no­mie. Der Name ergibt sich dar­aus, dass die­se Dis­zi­plin die bis­her iso­liert neben­ein­an­der exis­tie­ren­den Dis­zi­pli­nen Bio­lo­gie (ins­be­son­de­re ihrer Aus­prä­gung als Hirn­for­schung) und Öko­no­mie ver­bin­det. Ziel die­ser Dis­zi­plin ist es, mit­hil­fe neu­ro­wis­sen­schaft­li­cher Ver­fah­ren her­aus­zu­fin­den, wie Kauf­ent­schei­dun­gen (und damit auch kom­ple­xe Ent­schei­dun­gen) von Kon­su­men­ten zustan­de kom­men. Sie haben Angst? Soll­ten Sie auch, denn die Neu­ro­öko­no­mie macht Ihre tiefs­ten Geheim­nis­se beob­acht­bar: War­um und unter wel­chen Umstän­den kau­fen Sie ein bestimm­tes Pro­dukt? Wenn die­se unbe­wuss­te Dimen­si­on Ihrer Ent­schei­dun­gen tat­säch­li­ch erkannt wer­den kann, was hin­dert dann bei­spiels­wei­se Unter­neh­men dar­an, die­se Ent­schei­dun­gen zu mani­pu­lie­ren? Kein Wun­der, dass die Neu­ro­öko­no­mie in der Öffent­lich­keit zunächst neu­gie­rig, dann zuse­hends kri­ti­sch dis­ku­tiert wur­de.

War­um kau­fen Sie ein bestimm­tes Pro­dukt? Sind wir bald alle Opfer des Neu­ro­mar­ke­tings und wan­deln wie Zom­bies durch die Shop­ping­mei­len der Innen­städ­te?

Die­se neu ent­stan­de­ne Dis­zi­plin bedient sich dabei einer Tech­nik, die in den letz­ten Jah­ren mit zuneh­men­dem Erfolg in der Hirn­for­schung ein­ge­setzt und als funk­tio­nel­le Magnet­re­so­nanz­to­mo­gra­fie bezeich­net wird. Mit­hil­fe die­ses Ver­fah­rens wer­den die Akti­vi­tä­ten in bestimm­ten Hirn­area­len, die durch äuße­re Impul­se (die Bewäl­ti­gung sozia­ler Kon­flikt­si­tua­tio­nen, öko­no­mi­scher Ent­schei­dungs­druck, Mar­ken­ver­glei­che) her­vor­ge­ru­fen wer­den, sicht­bar gemacht. Die Beob­ach­tun­gen eines ein­zel­nen Indi­vi­du­ums (Gehirns) die­nen dabei als Grund­la­ge, um auf ver­all­ge­mei­ner­ba­re Hand­lungs­lo­gi­ken aller Indi­vi­du­en (Gehir­ne) zu schlie­ßen. Nun ver­geht kein Tag mehr, an dem die stau­nen­de Öffent­lich­keit nicht mit neu­en Befun­den über die Eigen­mäch­tig­kei­ten des Gehirns unter­rich­tet wird, illus­triert durch gelb und rot „feu­ern­de“ Neu­ro­nen in grau­er Hirn­mas­se. Es liegt in der Natur der Sache, dass die Erkennt­nis­se aus der Neu­ro­öko­no­mie auch die Fan­ta­si­en der Mana­ger und Mar­ke­ting­ex­per­ten beflü­gelt. Exper­ten im Bereich des Neu­ro­mar­ke­tings beschäf­ti­gen sich nun damit, Schleich­we­ge um die „ratio­na­len“ Ent­schei­dungs­pro­zes­se der Kun­den her­um zu fin­den, um die­se zu irra­tio­na­len Käu­fen zu ver­füh­ren.

Was nun? Sind wir bald alle Opfer des Neu­ro­mar­ke­tings und wan­deln wie Zom­bies durch die Shop­ping­mei­len der Innen­städ­te und fin­den uns nach einer Sams­tag­nach­mit­tag­shop­ping­tour mit lau­ter unnüt­zem Kram wie­der, von dem wir nicht mehr wis­sen, wann und war­um wir ihn gekauft haben?

 

Sind wir alle Zom­bies?

Die Vor­stel­lung eines Schal­ters, den man nur betä­ti­gen muss, um per Reflex ein gewünsch­tes Ver­hal­ten zu erzie­len, ist zu kurz gegrif­fen. Gäbe es den, wäre in der Tat die Neu­ro­wis­sen­schaft ethi­sch äußer­st bedenk­li­ch für das Mar­ke­ting. Es stün­de zu befürch­ten, dass dies leid­li­ch aus­ge­nutzt wer­den wür­de. Zugleich wer­den die fas­zi­nie­ren­den Ein­sich­ten in die Arbeits­wei­se des mensch­li­chen Gehirns durch die Redu­zie­rung auf Mar­ke­ting­stra­te­gi­en tri­via­li­siert, und die höchst kom­ple­xe For­schung wird damit um ihre eigent­li­che Bedeu­tung gebracht. Zu einem gewis­sen Grad hängt das Neu­ro­mar­ke­ting der Illu­si­on nach, den Men­schen unbe­merkt Bedürf­nis­se ein­zu­pflan­zen, wel­che die Unter­neh­men dann ohne viel Pfle­ge nur noch zu ern­ten brau­chen. Nein, die bun­ten Bil­der aus der funk­tio­nel­len Magnet­re­so­nanz­to­mo­gra­fie lie­fern noch längst kei­ne voll­stän­di­ge Beschrei­bung des indi­vi­du­el­len Gehirns – und damit kei­ne umfas­sen­de und all­ge­mein­gül­ti­ge Vor­her­sa­ge über das Ver­hal­ten einer bestimm­ten Per­son. Denn Gehir­ne orga­ni­sie­ren sich auf­grund gene­ti­scher Unter­schie­de und nicht repro­du­zier­ba­rer Prä­gungs­vor­gän­ge durch Umwelt­ein­flüs­se selbst – und zwar auf sehr unter­schied­li­che Wei­se und indi­vi­du­el­len Bedürf­nis­sen sowie einem indi­vi­du­el­len Wer­te­sys­tem fol­gend.

Nein, die bun­ten Bil­der aus der funk­tio­nel­len Magnet­re­so­nanz­to­mo­gra­fie lie­fern noch längst kei­ne voll­stän­di­ge Beschrei­bung des indi­vi­du­el­len Gehirns – und damit kei­ne umfas­sen­de und all­ge­mein­gül­ti­ge Vor­her­sa­ge über das Ver­hal­ten einer bestimm­ten Per­son.

Die neu­ro­öko­no­mi­sch gewon­ne­nen Befun­de im Rah­men wirt­schafts­wis­sen­schaft­li­cher Expe­ri­men­te sind in einer Hin­sicht jedoch höchst bemer­kens­wert: Wird die neu­ro­na­le Akti­vi­tät bei wirt­schaft­li­chen Ent­schei­dungs­pro­zes­sen beob­ach­tet, stellt sich regel­mä­ßig her­aus, dass Men­schen sich von tief ver­an­ker­ten sozia­len Prä­fe­ren­zen, von Gefüh­len und offen­sicht­li­ch auch von kul­tu­rel­len Lern­pro­zes­sen lei­ten las­sen. Damit lie­fern sie, wie schon die Befun­de der Ver­hal­tens­öko­no­mie, wei­te­re gewich­ti­ge Argu­men­te, die dem Stan­dard­theo­rem der Wirt­schafts­wis­sen­schaf­ten (ratio­na­le Hand­lung) wider­spre­chen.

Die Erkennt­nis­se der Neu­ro­öko­no­mie sind jedoch dahin­ge­hend begrenzt, dass eine gewis­se Por­ti­on Ratio­na­li­tät kei­nem Kun­den abge­spro­chen wer­den kann, ohne ihn auf einen rei­nen Reiz-Reak­ti­ons-Zom­bie zu redu­zie­ren. So bie­tet die Neu­ro­öko­no­mie vor allem die Mög­lich­keit, Pro­zes­se, die zu einer Ent­schei­dung füh­ren, dif­fe­ren­zier­ter betrach­ten zu kön­nen. Auch wenn der Trans­fer für die Wirt­schafts­wis­sen­schaf­ten (Stich­wort: Neu­ro­mar­ke­ting) das momen­tan wohl am meis­ten beach­te­te Teil­ge­biet der Neu­ro­wis­sen­schaf­ten ist, so sind die For­schungs­ge­bie­te so viel­fäl­tig wie das Leben und rei­chen von den natur­ge­ge­be­nen Grund­la­gen mensch­li­cher Lern­pro­zes­se über gene­ti­sche Vor­be­din­gun­gen des Den­kens bis hin zu Kon­se­quen­zen von Hirn­schä­di­gun­gen. Der­ar­ti­ge Stu­di­en illus­trie­ren sehr anschau­li­ch, dass der Begriff der „Neu­ro­öko­no­mie“ erst ein­mal nur die Beob­ach­tung von neu­ro­na­len Pro­zes­sen wäh­rend wirt­schaft­li­cher Hand­lun­gen defi­niert und nicht unbe­dingt mit jenen Vor­stel­lun­gen ver­ein­bar ist, die als Träu­me vom ent­rät­sel­ten Kun­den­hirn in den Köp­fen man­cher Mana­ger und Mar­ke­ting­ex­per­ten her­um­spu­ken.

Bei allem Fort­schritt kann die wah­re Natur kom­ple­x­er Ent­schei­dun­gen noch nicht gänz­li­ch durch einen Bli­ck in unser wich­tigs­tes Ent­schei­dungs­or­gan – das Gehirn – ergrün­det wer­den. Folgt man aber aktu­el­len Erkennt­nis­sen, soll­ten Sie vor wich­ti­gen (kom­ple­xen) Ent­schei­dun­gen eini­ge Din­ge beher­zi­gen: Schla­fen Sie aus (Har­ri­son and Hor­ne 2000), essen Sie kein Junk­food (David­son et al. 2011), rau­chen Sie nicht (Kühn et al. 2010), und, natür­li­ch, berück­sich­ti­gen Sie alle zur Ver­fü­gung ste­hen­den Infor­ma­tio­nen …

 

_______________________
+++ Das ago­r­a42-Pro­be­abo: 39% güns­ti­ger als der Ein­zel­kauf +++

- Inklu­si­ve der aktu­el­len Aus­ga­be EINFACH LEBEN

- Außer­dem erhal­ten Sie die Aus­ga­be LEITBILDER mit State­ments von Rein­hold Mess­ner, Micha­el Win­ter­hoff (“War­um unse­re Kin­der Tyran­nen wer­den”), Marc Els­berg (“Black­out”), Kat­ja Frit­sche (Lei­te­rin JVA Adels­heim), uvm. gra­tis

 

EINFACH LEBEN – die Sommerausgabe ist da!

 Neue Ausgabe: EINFACH LEBEN

EINFACH LEBEN – die Som­mer­aus­ga­be ist da! Mit fan­tas­ti­schen Auto­rin­nen und Auto­ren, drei (!) aus­führ­li­chen Inter­views und 42 knap­pen Ant­wor­ten auf die Fra­ge “Was macht das Leben ein­fa­cher”?

Ein­fach leben, oder was wollt ihr?” heißt gleich der ers­te Arti­kel von Con­stan­ze Eich. Und in der Tat: Ist heu­te nicht alles zu viel, zu kom­pli­ziert, gar kom­plex? Wäre nicht weni­ger mehr: weni­ger Arbeit, weni­ger Kom­mu­ni­ka­ti­on, weni­ger Kon­sum? Zurück zur Natur – ein­fach, direkt, inten­siv?

Es könn­te aber auch umge­kehrt sein: Vor­wärts in eine Zukunft, in der die sinn­vol­le Nut­zung von Daten das Leben unend­li­ch ver­ein­facht! So ist Andre­as Wei­gend, ehe­ma­li­ger Chef­ent­wick­ler von Ama­zon, der Ansicht, dass smar­te Algo­rith­men nicht nur den All­tag erleich­tern, son­dern auch dabei hel­fen kön­nen, Freun­de zu fin­den und sich selbst bes­ser ken­nen­zu­ler­nen.

Oder ist Ein­fach­heit eine Illu­si­on? Viel­leicht dreht es sich gar nicht um Ein­fach­heit, son­dern um ein Leben, das die­sen Namen auch ver­dient; um ein Leben “gesel­li­gen Glücks”, ein groß­ar­ti­ges, ver­schwen­de­ri­sches Leben, wie es Robert Pfal­ler beschreibt. Ent­spre­chend fragt Frank Ruda im Inter­view, ob wir die Fra­ge nicht mehr stel­len, was das Leben wert­voll macht. Fehlt dem Leben der Sinn?

Eines ist sicher: Es ist nicht so ein­fach mit der Ein­fach­heit. Zum Glück!

 

Ihr

Frank Augus­tin

 

 

 

 

_______________________


+++ Das ago­r­a42-Pro­be­abo: 39% güns­ti­ger als der Ein­zel­kauf +++

- Inklu­si­ve der aktu­el­len Aus­ga­be EINFACH LEBEN

- Außer­dem erhal­ten Sie die Aus­ga­be LEITBILDER mit State­ments von Rein­hold Mess­ner, Micha­el Win­ter­hoff (“War­um unse­re Kin­der Tyran­nen wer­den”), Marc Els­berg (“Black­out”), Kat­ja Frit­sche (Lei­te­rin JVA Adels­heim), uvm. gra­tis

Blockchain & Bitcoin – was noch gesagt werden musste, Teil 3

Blockchain & Bitcoin

 Weiterentwicklung der Blockchain

Eine Fra­ge, um die man nicht her­um­kommt zu stel­len, wenn man sich mit dem The­ma Block­chain beschäf­tigt ist: Wird die Block­chain die Welt ver­än­dern?

 

Die­se Fra­ge ist nahe­lie­gend, wenn man sich nur mal ansieht, wer sich gera­de alles inten­siv mit dem The­ma beschäf­tigt. Die Bank of Eng­land ist ein pro­mi­nen­tes Bei­spiel, wobei die ande­ren Inter­es­sen­ten an der Tech­no­lo­gie nicht weni­ger pro­mi­nent sind. So tüf­teln der­zeit 42 Ban­ken – dar­un­ter die Deut­sche Bank und die Com­merz­bank – gemein­sam an einem tech­ni­schen Stan­dard für Block­chains, weil die­se ihre Arbeit wesent­li­ch erleich­tern könn­ten. Und die aus­tra­li­sche Bör­se hat gera­de ver­lau­ten las­sen, dass sie die Tech­no­lo­gie tes­ten wird, um letzt­li­ch den gesam­ten Betrieb auf eine decen­tra­li­sed led­ger tech­no­lo­gy (DLT) umzu­stel­len. Das Inter­es­se für die­se Tech­no­lo­gie ist nicht wei­ter ver­wun­der­li­ch, wenn man sich ansieht, dass die Bit­co­ins zahl­rei­che zen­tra­le The­men der Finanz­welt betref­fen: z.B. das Mono­pol der Zen­tral­ban­ken der Geld­schaf­fung, die Mög­lich­keit Geld zu trans­fe­rie­ren, usw.

 

Man sieht also, dass die Block­chain im Main­stream ange­kom­men ist und zahl­rei­che wich­ti­ge Akteu­re sich mit der Anwen­dung die­ser Tech­no­lo­gie für ihre jeweils ganz spe­zi­fi­schen kon­kre­ten Anwen­dungs­fel­der beschäf­ti­gen. Doch was man nicht ver­ges­sen darf: Längst beschäf­ti­gen sich zahl­rei­che Per­so­nen mit der Weit­ent­wick­lung die­ser Tech­no­lo­gie. So haben bereits 2014 eini­ge jun­ge Pro­gram­mie­rer eine neue Block­chain-Tech­no­lo­gie ent­wi­ckelt, die weit über die Anwen­dung für eine Kryp­towäh­rung hin­aus­geht. Die­se neue Block­chain-Tech­no­lo­gie wur­de als Platt­form für soge­nann­te Dapps (Dis­tri­but­ed Apps), die aus Smart Con­tracts bestehen, ent­wi­ckelt.

 

Die Idee der „Smart Con­tract“ ist es, gewis­ser­ma­ßen die old-fashio­ned Ver­trä­ge in Papier­form durch ein Com­pu­ter­pro­gramm zu erset­zen, der auto­ma­ti­sch die vor­her fest­ge­leg­ten Bestim­mun­gen über­prüft und ent­spre­chen­de Aktio­nen ver­an­lasst. Dies ermög­licht es (sofern eine vor­her defi­nier­te Ver­trags­be­din­gung erfüllt ist), dass bestimm­te Aktio­nen (zum Bei­spiel Aus­zah­lun­gen) auto­ma­ti­sch aus­ge­führt wer­den kön­nen. Wenn man das kon­se­quent vor dem Hin­ter­grund des Inter­net 4.0 zu Ende denkt, also berück­sich­tigt, dass bald mehr als 50 Mil­li­ar­den Maschi­nen unter­ein­an­der ver­netzt sein sol­len, für deren “Kom­mu­ni­ka­ti­on” unter­ein­an­der die Block­chain ein “Betriebs­sys­tem” sein könn­te, dann sieht man schnell, dass Smart Con­tracts den erlauch­ten Kreis der durch die Block­chain vom Aus­ster­ben bedroh­ten Insti­tu­tio­nen und Beru­fe (Zen­tral­ban­ken, Ban­ken) um zahl­rei­che wei­te­re ergän­zen muss (z.B. Nota­re, Bör­sen­händ­ler, Ver­wal­tungs­mit­ar­bei­ter in sämt­li­chen Tätig­keist­fel­dern).

 

Doch so unglaub­li­ch das Poten­zi­al die­ser Smart Con­tracts ist, so müs­sen all die­se Anwen­dun­gen erst noch pro­gram­miert wer­den, müs­sen sich Kun­den fin­den, die für die­se Anwen­dun­gen auch bezah­len. Denn von irgend­et­was müs­sen all die Pro­gram­mie­rer ja leben. Da dies jedoch nicht so ein­fach ist, kamen Anfang 2016 eini­ge Pro­gram­mie­rer auf die Idee, eine vir­tu­el­le Betei­li­gungs­fir­ma zu grün­den, die via Crowd­fun­ding Geld von Inves­to­ren ein­sam­melt. Die so kapi­ta­li­sier­te Betei­li­gungs­fir­ma soll­te dann als Investor selbst die Pro­jek­te ihrer Erfin­der finan­zie­ren. Der Clou an der Sache war, dass die­se Betei­li­gungs­fir­ma selbst als Block­chain ange­legt war. Als Investor an die­ser Betei­li­gungs­fir­ma unter­schrieb man kon­se­quen­ter Wei­se auch kei­nen Ver­trag,  der durch einen Notar beglau­bigt und dann im Han­dels­re­gis­ter archi­viert wur­de – nein, viel­mehr erklär­te man durch die Benut­zung die­ser Block­chain-Tech­no­lo­gie sei­ne Zustim­mung zum Gesell­schafts­ver­trag, der nichts ande­res war als der Pro­gramm­code. Die­se Idee ist nicht ganz abwe­gig, denn letzt­li­ch kann man einen Ver­trag wie einen Pro­gramm­code lesen. Defi­niert ein Ver­trag doch wie ein Code, was zu tun ist, wenn ein vor­her defi­nier­ter Fall ein­tritt. Der Unter­schied ist jedoch (und die­ser wur­de im Zuge des DAO Hacks, den ich wei­ter unten schil­de­re, inten­siv dis­ku­tiert) dass man sich bei der Pro­gram­mie­rung die­ser Betei­li­gungs­fir­ma nicht am gel­ten­den Recht ori­en­tier­te, son­dern an dem, was tech­ni­sch mach­bar war und als rele­vant für sol­ch ein Unter­fan­gen erach­tet wur­de. Und so hat man sich im Vor­feld auch nicht mit der Fra­ge beschäf­tigt, ob das BGB oder der Pro­gramm­code gilt, wenn ein “Ver­trags­pas­sus” des Pro­gramm­codes für eine Funk­ti­on miss­braucht wird, für die sie nicht beab­sich­tigt war. Viel­leicht wur­de die­se Fra­ge­stel­lung zwar bedacht aber letzt­li­ch als irrele­vant erach­tet, weil die “Gesell­schaf­ter” die­ser Betei­li­gungs­fir­ma völ­lig anonym sind.

 

Gedacht getan. Die Idee war in der Welt und bis zum 28. Mai 2016 konn­te die Betei­li­gungs­fir­ma mit dem Namen Decen­tra­li­zed Auto­no­mous Orga­ni­sa­ti­on (DAO) ca. 150 Mil­lio­nen US-Dol­lar von über 11.000 Inves­to­ren ein­sam­meln. Was nun folg­te, war ein Wirt­schafts­kri­mi aller­ers­ter Güte. Denn nur drei Wochen spä­ter, am 17. Juni 2016, muss­ten die Grün­der und Inves­to­ren der DAO fest­stel­len, dass durch einen Hack der Soft­ware Geld­er von der DAO abge­zo­gen wur­den. Ins­ge­samt han­del­te es sich um rund 50 Mil­lio­nen US-Dol­lar. Der Hacker hat­te dabei eine Funk­ti­on in der DAO als Sicher­heits­lü­cke ent­deckt, die die Inves­to­ren eigent­li­ch schüt­zen soll­te. Doch zum Glück gab es eine wei­te­re Schutz­funk­ti­on, die der Com­mu­ni­ty 28 Tage Zeit gab, um das Geld zurück­zu­ho­len. Erst wenn die­se 28 Tage ver­stri­chen wären, hät­te der Hacker auf das abge­zo­ge­ne Geld zugrei­fen kön­nen.

Wäh­rend die Com­mu­ni­ty noch berat­schlag­te, tauch­te ein anony­mes Beken­ner­schrei­ben auf, in dem der Hacker dar­auf ver­wies, dass er ledig­li­ch im Rah­men des von der Tech­no­lo­gie Erlaub­ten gehan­delt habe. Und auch wenn er damit irgend­wie recht hat­te: Das Geld war erst mal weg. Wich­ti­ger noch waren die Fol­gen des Hacks: Denn die Reak­ti­on der DAO hat gezeigt, dass es – auch wenn bis­lang Gegen­tei­li­ges gesagt wur­de – doch mög­li­ch ist, eine Block­chain zu mani­pu­lie­ren (zumal wenn die­se noch so jung ist wie die, auf der die DAO auf­bau­te und wenn die­se von einer zen­tra­len Stel­le wie der Ethe­reum Foun­da­ti­on ent­wi­ckelt wird). Denn kurz vor Ablauf der 28 Tage ent­schied man sich, die Block­chain zu mani­pu­lie­ren und so das Geld der Inves­to­ren zu sichern.

 

Damit wur­de zwar das Ver­spre­chen der Block­chain-Tech­no­lo­gie – die Unmög­lich­keit der Mani­pu­la­ti­on von Daten – gebro­chen, aber so para­dox es klin­gen mag, damit wur­de zugleich gezeigt, dass die Block­chain für zahl­rei­che kom­mer­zi­el­le Anwen­dun­gen ver­wen­den lässt. Schließ­li­ch ist es manch­mal klar von Vor­teil, wenn es eine Instanz gibt, die Feh­ler revi­die­ren kann und gene­rell die Kon­trol­le behält.

 

Wird die Block­chain also die Welt ver­än­dern? Auf die­se Fra­ge will ich hier kei­ne abschlie­ßen­de Ant­wort geben, aber man soll­te die­se Fra­ge bei den fol­gen­den Blog­bei­trä­gen stets im Hin­ter­kopf haben …

 

von Wolf­ram Bern­hardt, der sich über Feed­back wie immer freut  (wbernhardt(at)agora42(Punkt)de), den 30. Mai 2017

________________________________________________________________

Probeabo-Digialisierung2
+++ Jetzt gibt es die neue Aus­ga­be DIGITALISIERUNG auch im güns­ti­gen PROBEABO +++

Leitbilder Probeabo- Inklu­si­ve der aktu­el­len Aus­ga­be DIGITALISIERUNG

- 39% güns­ti­ger als der Ein­zel­kauf!

- Aus­ga­be LEITBILDER gra­tis: Mit State­ments von Gun­ter Dueck, Marc Els­berg (“Black­out”), Micha­el Win­ter­hoff (“War­um unse­re Kin­der Tyran­nen wer­den”), Rein­hold Mess­ner, Armin Nas­se­hi uvm.

 

ALGORITHM WATCH — Beobachtungsplattform für digitale „Entscheider“

Aus der Rubrik LAND IN SICHT der Aus­ga­be DGITALISIERUNG 2/17

Egal ob selbst­fah­ren­de Autos, per­so­na­li­sier­te Online­n­ach­rich­ten oder auto­ma­ti­sier­ter Hoch­fre­quenz­han­del an der Bör­se – wenn Maschi­nen ent­schei­den, basiert dies auf Algo­rith­men. Obwohl dem Wort ein fast mys­ti­scher Klang anhaf­tet, ist ein Algo­rith­mus nichts wei­ter als eine genaue Hand­lungs­an­wei­sung, um ein Pro­blem zu lösen. In der Grund­schu­le begeg­nen wir Algo­rith­men wie der schrift­li­chen Sub­trak­ti­on. Im All­tag hel­fen sie uns in Form von Bedie­nungs­an­lei­tun­gen, um Auf­ga­ben wie den Auf­bau von Ikea-Rega­len zu bewäl­ti­gen. Auf die glei­che Wei­se bestim­men Algo­rith­men, dass ein selbst­fah­ren­des Auto bei einem Hin­der­nis aus­weicht, wel­che Nach­richt weit oben im News­feed erscheint oder wel­che Aktie inner­halb von Mil­li­se­kun­den gekauft und wie­der ver­kauft wird.

Was aber, wenn ein selbst­fah­ren­des Auto jeman­den tötet? Wenn spe­zi­fi­sch abge­stimm­te Bot­schaf­ten im News­feed Men­schen dazu bewe­gen, extre­me poli­ti­sche Par­tei­en zu wäh­len oder wenn Hoch­fre­quenz­han­del zu insta­bi­len Märk­ten führt? Maschi­nel­les Ent­schei­den auf der Basis von Algo­rith­men  ndet in immer mehr Berei­chen Anwen­dung. Die gesell­schaft­li­che Debat­te dar­über, wie damit umzu­ge­hen ist, wenn die ursprüng­li­chen Pro­blem­lö­ser selbst Pro­ble­me ver­ur­sa­chen, kommt jedoch nur lang­sam hin­ter­her.

Algo­rithm Watch möch­te das ändern. Eine Phi­lo­so­phin, eine Natur­wis­sen­schaft­le­rin und zwei Jour­na­lis­ten grün­de­ten die­se Platt­form im Mai 2016 auf der re:publica:. In ihrem Mani­fest heißt es, algo­rith­mi­sche Ent­schei­dungs­pro­zes­se sei­en nie­mals neu­tral und müss­ten nach­voll­zieh­bar sein, damit sie demo­kra­ti­scher Kon­trol­le unter­wor­fen wer­den kön­nen. Von Algo­rith­men unter­stütz­te Ent­schei­dun­gen sol­len aber nicht ver­teu­felt wer­den. Es geht den vier Grün­dern viel­mehr dar­um, dass Bür­ger­rech­te geach­tet wer­den. So beschäf­ti­gen sie sich unter ande­rem mit Pre­dic­tive Poli­cing, bei dem die Poli­zei mit­hil­fe von Algo­rith­men ver­sucht, aus gro­ßen Daten­men­gen vor­her­zu­sa­gen, wo zukünf­ti­ge Ver­bre­chen wie Ein­brü­che pas­sie­ren. Auf­grund der kom­ple­xen und tech­ni­schen Natur algo­rith­mi­scher Ent­schei­dungs­pro­zes­se will Algo­rithm Watch ihre Aus­wir­kun­gen nicht nur beob­ach­ten, son­dern auch für eine brei­te Öffent­lich­keit erläu­tern. Sie wol­len Exper­ten zusam­men­brin­gen und mit­ge­stal­ten, wenn es dar­um geht, geeig­ne­te Auf­sichts­or­ga­ni­sa­tio­nen zu ent­wer­fen.

Mehr dazu unter: algorithmwatch.org

Wie wür­den Sie einem Kind erklä­ren, was ein Algo­rith­mus ist?
In Situa­tio­nen, in denen man selbst gera­de kei­ne Zeit oder kei­ne Lust hat, eine Ent­schei­dung zu tref­fen, kann man die­se an jemand ande­ren abge­ben, von dem man denkt, dass er oder sie eine gute Ent­schei­dung tref­fen wird. Die­ser jemand schreibt die Ent­schei­dung dann auf einen Zet­tel und tut sie in eine Kon­ser­ven­do­se. Wenn ich nun die Dose auf­ma­che, dann kommt die Ent­schei­dung her­aus – wie bei einem Algo­rith­mus.

Wann sind Maschi­nen die bes­se­ren Ent­schei­der?
Zunächst ein­mal ent­schei­den Maschi­nen nicht, da sie kei­ne Absich­ten haben. Nur Men­schen kön­nen han­deln und Ent­schei­dun­gen tref­fen. Men­schen han­deln aber nicht immer kon­se­quent. Ein Rich­ter ent­schei­det etwa vor dem Essen anders als nach dem Essen. Bei unse­ren Ent­schei­dun­gen spie­len Sym­pa­thien eine Rol­le und manch­mal ein­fach nur das Wet­ter. Algo­rith­men hin­ge­gen sind kon­se­quent – und das kann ein Vor­teil sein.

Ihr Name deu­tet auf eine Nicht­re­gie­rungs­or­ga­ni­sa­ti­on (NGO) hin. Ist das die Rol­le, in der Sie sich sehen?
Ja, prin­zi­pi­ell schon. Bei man­chen „Watch“-Organisationen ent­steht jedoch der Ein­druck, dass sie dem Objekt der Beob­ach­tung gegen­über eher skep­ti­sch ein­ge­stellt sind. Das ist bei uns nicht der Fall. Wir sehen im Gebrauch von Algo­rith­men einen Mehr­wert für die Gesellschft. Des­halb sehen wir uns in einer ähn­li­chen Rol­le wie die Orga­ni­sa­ti­on Food­watch, die auch nicht prin­zi­pi­ell etwas gegen Essen hat.

War­um haben Sie sich kri­ti­sch zum Vor­schlag für eine EU-Char­ta digi­ta­ler Grund­rech­te geäu­ßert, die unter ande­rem von Mar­tin Schulz, Sascha Lobo und Juli Zeh initi­iert wur­de?
Unser Haupt­kri­tik­punkt ist, dass es Men­schen­rech­te unab­hän­gig vom Medi­um gibt. Sie vom Medi­um abhän­gig zu machen, wie die EU-Char­ta digi­ta­ler Grund­rech­te es sug­ge­riert, bedeu­tet, dass die Grund­rech­te, die wir jetzt haben, online nicht mehr gel­ten. Das scheint mir sowohl aus ethi­schen als auch aus juris­ti­schen Grün­den frag­wür­dig.