EMMA – Kreativzentrum Pforzheim

EMMA – Kreativzentrum Pforzheim

Pforzheim, die Stadt am nördlichen Rand des Schwarzwalds, ist für vieles bekannt: für findige Tüftler und zahlreiche Patentanträge, für erstklassigen Schmuck und innovative Uhren, die von hier in die ganze Welt exportiert werden oder auch für das beste Europawahl-Ergebnis der AfD. Diese unterschiedlichen Facetten machen die Stadt zu einem besonders fruchtbaren Ort für Kreativschaffende. Hier tummeln sich Designer, Künstler und Freigeister, die politische Diskussionen anstoßen wollen, unkonventionelle Blicke auf soziale Brennpunkte richten und mutige Ausstellungen organisieren. Das Herz dieser kreativen Szene ist das EMMA – Kreativzentrum Pforzheim. Hier werden Wissenschaft, Mittelstand und Designer aus der Region an einen Tisch gebracht, Kooperationen beschlossen und neue Projekte gefördert. Auf einer Fläche von 3.000m² stehen Studierenden, Existenzgründern, Agenturen und Jungunternehmern Werkstatt- und Coworking-Arbeitsplätze, Büros und Ateliers zur Verfügung. Die Spanne der aktuellen Mieter reicht von Schmuck- und Modedesignern, über Grafikdesigner, Filmemacher, Fotografen, Webprogrammierer bis hin zu Bildenden Künstlern. Das EMMA ist ein besonderer Ort, der Räume der Begegnung schafft, und alternative Zukunftsentwürfe präsentiert.

 

Nachgefragt bei Almut Benkert, Leitung Kreativzentrum:

Frau Benkert, wir leben in einer Zeit der Veränderung – wie können Kreativzentren dabei helfen, Veränderung aktiv zu gestalten?

Im EMMA arbeiten viele verschiedene Kreative unter einem Dach, und wir arbeiten auch eng mit anderen Institutionen wie zum Beispiel der Hochschule Pforzheim oder regionalen Unternehmen zusammen. Aus dem Zusammentreffen unterschiedlicher Personen aus verschiedenen Bereichen entstehen Ideen und Projekte. Dabei ist es wichtig, dies zu unterstützen und zu fördern, denn wir brauchen langfristige mutige Visionen für diese Stadt. Das EMMA ist dahingehend eine wichtige Keimzelle, die Entwicklungen in diese Richtung vorantreibt.

 

Wie kann mithilfe von gestalterischen Disziplinen ein Zusammenhalt innerhalb der Gesellschaft gefördert werden?

Gestalterische Disziplinen wie Kunst oder Design können da ansetzen, wo man mit Worten nicht weiterkommt, um Sachverhalte zu vermitteln und erlebbar zu machen. Aus diesem Grund schaffen wir ab Herbst 2019 im Alfons-Kern-Turm, einem ehemaligen denkmalgeschützen Treppenhausturm, einen Ort, an dem gesellschaftlich relevante Fragestellungen mittels Kunst und Design reflektiert werden. In wechselnden Ausstellungen werden aktuelle Themen behandelt, darüber hinaus forscht der Studiengang „Master of Design and Future Making“ der Hochschule Pforzheim im Turm an Zukunftsthemen.

Ein weiteres konkretes Beispiel ist das Projekt „Talk to Strangers“ der Modedesignerin Cina Dilber in Kooperation mit dem EMMA – Kreativzentrum Pforzheim. Talk to Strangers ist eine Ermutigung, in Kommunikation und Kooperation mit dem Fremden zu treten und dabei neue Designansätze zu erarbeiten. In einem wöchentlichen Handarbeitskreis, treffen sich Menschen aus unterschiedlichen Kulturen, so entsteht eine neue Art der Kommunikation jenseits von Sprachbarrieren. Die Ergebnisse aus diesen Begegnungen werden von der Designerin Cina Dilber in ihrer Kollektion in einen visuellen Dialog gesetzt.

 

Sie schreiben seit 2016 das Stipendienprogramm „Designers in Residence“ für internationale Nachwuchsdesigner aus. Was ist das Besondere daran?

Die Stadt Pforzheim lädt jedes Jahr von April bis Juni in Kooperation mit der Fakultät für Gestaltung der Hochschule Pforzheim und dem Design-Center Baden-Württemberg drei internationale Nachwuchsdesigner aus den Bereichen Schmuck-, Mode-, Accessoire- und Industriedesign nach Pforzheim zu einer dreimonatigen Arbeitsphase ins EMMA ein. Dort können sie an voll ausgestatteten Arbeitsplätzen an ihren Projekten arbeiten, die dann in einer Ausstellung präsentiert werden.

In diesem Jahr haben sich über 240 Designer aus 50 Ländern beworben, was uns zeigt, wie groß der Bedarf vonseiten der Designer an einem solchen Format ist. Aber auch das EMMA und Pforzheim profitieren von den internationalen Designern, die mit ihren innovativen Designansätzen neue Impulse einbringen und ihre Begeisterung über Pforzheim als Designstandort weitertragen.

 

Im Herbst feiert das EMMA 5-jähriges Bestehen. Wie ist Ihre Bilanz und was wünschen Sie sich noch für die Zukunft?

Seit der Eröffnung im Oktober 2014 wird das EMMA sehr gut angenommen, sowohl was die Auslastung der Werkstätten, Büros und Ateliers angeht, also auch das Beratungsangebot. Mit Workshops, Seminaren oder Netzwerkveranstaltungen unterstützen wir junge Unternehmen aus dem Bereich der Kreativwirtschaft dabei, Fuß zu fassen und sich weiterzuentwickeln. Hierbei arbeiten wir auch eng mit der Hochschule zusammen, um sicherzustellen, dass Gründer von Anfang an Unterstützung erhalten.

Damit sich Pforzheim im Wettbewerb mit anderen Städten um Nachwuchskräfte messen kann, brauchen wir noch mehr Offenheit für die Ideen und Bedürfnisse der Kreativschaffenden, die durch ihre Impulse einen wesentlichen Beitrag zur Stadtentwicklung leisten können.

Das EMMA – Kreativzentrum Pforzheim stellen wir in der aktuellen Ausgabe zum Thema SINN in der Rubrik „Land in Sicht“ vor.

3/2019 SINN

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3/2019 SINN

Wie lässt sich sinnvoll wirtschaften? Muss die Arbeit einen Sinn haben? Hat der Fortschritt seinen Sinn verloren? Und was ist der Sinn des Ganzen? Diese Ausgabe fragt nach dem, was erst bewusst wird, wenn es fehlt: Wo ist er hin, der Sinn?

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Beschreibung

„Was geschieht, wenn uns die Arbeit ausgeht? Wird das Leben dann sinnlos?“, fragt gleich zu Beginn dieser Ausgabe der Gesellschaftswissenschaftler Jacob Schmidt im Hinblick auf Roboter, die Menschen künftig die Arbeit abnehmen.

Dem hält der Soziologe Armin Nassehi entgegen: „Die Welt hat keinen Sinn, den es bloß zu entdecken gälte. Der Sinn der Welt entsteht in der Sinnhaftigkeit des Beobachters.“

Aber warum erscheint die Welt immer sinnloser? „Wo ist er hin, der Sinn?“, fragt agora42-Mitgründer Frank Augustin und spricht von der Wirtschaft als einer „Sinndeponie“.

Andere halten es in Zeiten großer Veränderung für das sinnvollste, flexibel zu bleiben und die eigene Anpassungsfähigkeit zu schulen. Die Kommunikationstrainerin Constanze Eich hält dem entgegen: Sinn erfährt der, der sich einer großen Sache widmet – und im Dialog mit seinen Mitmenschen bleibt.

„Wie sinnvoll ist die Suche nach dem Sinn überhaupt? Oder braucht es nicht vielmehr Widersinn?“, fragt der Philosoph Christian Unverzagt.

Und die Ökonomin Janina Urban zeigt, dass Sinn nicht immer vernünftig und geplant erzeugt wird, sondern einen manchmal auch plötzlich erwischen kann: Die Radikalität der Liebe kann dem Leben unverhofft Sinn geben.

Ein mögliche Perspektive stellen die Ökonomie-Professoren Silja Graupe und Stephan Panther zur Diskussion: die Gemeinsinn-Ökonomie. Sie schreiben: „Gemeinsinn ist sowohl der Gegenpol zum bloß eigennützigen Privatsinn des homo oeconomicus, als auch zum Kaltsinn, der gesellschaftliches Zusammenleben nur als blinde Routine begreift.“

Diese und viele weitere Stimmen finden Sie in der Ausgabe zum Thema SINN versammelt.

Im Interview sprechen wir mit Aysel Osmanoglu, Vorstandsmitglied der GLS-Bank, über den Sinn des Schenkens, Gemeinschaftsbildung in digitalen Zeiten sowie den Übergang vom partikularen Eigenwohl hin zum kollektiven Gemeinwohl.