4/2016 SEIN & FLEISCH

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Fleisch! Das ist ein ganz besonderer Stoff, der unser ganzes Sein betrifft.
Wir essen es, wir produzieren es in Massen und, ja, wir handeln uns dadurch eine Menge Probleme ein, sowohl in ökologischer wie auch in moralischer Hinsicht. Die Fleischproduktion wirft zugleich philosophische Fragen nach dem Sein des Menschen im Unterschied zum Tier wie auch nach Sinn des Wirtschaftens auf.
Eines scheint sicher: Die Tage der industriellen Fleischproduktion sind gezählt. Doch was kommt danach?

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Beschreibung

Geld kann man nicht essen.
Und doch behandeln wir es, als ob es unsere Hauptnahrungsquelle wäre. Wir hüten und mehren es wie vormals unser Vieh und das Getreide auf unseren Feldern. Statt food first gilt heute – davon zeugen paradigmatisch global agierende Agrarunternehmen und Lebensmittelhersteller – money first. Dabei ist offenkundig, dass die Art und Weise, wie Nahrung zumeist produziert wird, nämlich profitorientiert, der Menschheit gleichermaßen gewaltigen wie unnötigen Schaden zufügt. Das zeigt sich, wie in dieser Ausgabe nachzulesen ist, nirgends deutlicher als bei der Fleischproduktion.

All das hat mit vernünftigem Wirtschaften und gesundem Egoismus nichts zu tun, sondern ist schlichtweg verrückt. Und doch entbehrt diese Art der Produktion nicht einer eigenen Logik. Denn Geld ist viel mehr als ein Tauschmedium, das bloß der Warenvermittlung dient. Längst ist es selbst zur Ware mutiert. Nicht nur das: Es ist zur heiligen Ware geworden, zur einzig wahren Ware, deren Mehrung alle anderen Waren zu dienen haben.

Um die Zukunft zu gewinnen, wird man diesem monetären Fundamentalismus abschwören müssen. Aber das heißt auch, einer Form des Wirtschaftens den Rücken zu kehren, die der Mehrung des Geldes dient. So muss Wachstum in der Fleischindustrie, wie in vielen anderen Bereichen der Wirtschaft auch, absolut vermieden werden. Im Gegenteil, ein kräftiges Schrumpfen ist angesagt. Statt Export billigen Fleischs und Wachstum um jeden Preis brauchen wir ein Mehr an Qualität.

Für unsere Ernährung bedeutet dies, regionale und bäuerliche Lebensmittel zu konsumieren – und Fleisch, das von Tieren stammt, die auf der Wiese standen und nicht in einer Fabrik. Dass eine solch grundlegende Neuausrichtung des Wirtschaftens mit der Entwicklung neuer Formen der privaten Lebensgestaltung und des gesellschaftlichen Zusammenlebens verbunden werden muss, versteht sich von selbst. Beispiele für eine solche Neuausrichtung gibt es inzwischen zu Hauf und der Erfolg gibt ihnen Recht.

Barbara Unmüßig und Christine Chemnitz von der Heinrich-Böll-Stiftung geben in ihrem Artikel „Der globale Hunger auf Fleisch“ einen eindrücklichen Überblick über die Folgen der industriellen Fleischproduktion.

Melanie Joy, die den Begriff des Karnismus geprägt hat, untersucht die Ideologie des Fleischkonsums: Fleisch zu essen sei dieser Ideologie zufolge „normal, natürlich und notwendig“ – doch nichts davon treffe zu.

Dem Sozialwissenschaftler Michael Kopatz zufolge muss sich der Rahmen ändern, in dem die Fleischproduktion und der Fleischkonsum stattfinden. Die Wirtschaft muss weg vom Wachstumsdogma.

Dieses Mal findet sich kein Ökonom oder Philosoph im Porträt, sondern: das Schwein. Wie nah und wie fern uns das Schwein ist, darüber schreibt Thomas Macho, Professor für Kulturgeschichte an der Humboldt-Universität.

Dass die industrielle Tierhaltung – ganz entgegen der Intuition – überhaupt nicht effizient ist, sondern viel zu hohe Kosten für die Allgemeinheit verursacht, darauf macht der Agrarwissenschaftler Felix zu Löwenstein aufmerksam.

Wir wünschen Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, viel Freude auf der Reise durch eine Ausgabe, die die Widersprüchlichkeit des heutigen Wirtschaftens besonders deutlich vor Augen führt. Wir werden nun die Drucklegung mit einem gemeinsamen Abendessen feiern: Scheinesteak mit Münzkartoffeln, zum Nachtisch Virtuelles von Bulle und Bär. Mh, lecker!