Ist der Terminator ein Underperformer? Ein neuer Beitrag aus der Kolumne Finanz & Eleganz.

Ist der Terminator ein Underperformer?

von Bernd Villhauer

 

Maschinen können alles besser. Sie schlagen uns im Schach, stellen Diagnosen für Blasenprobleme, revolutionieren die Kriegsführung, verwalten ganze Häfen, fahren Auto und nun übernehmen sie sogar die Finanzen. Als „Robo-Advisor“ kümmert sich Kollege Computer um die Zukunft unseres Geldes.  Was findet denn da eigentlich statt, ist es erfolgreich – und wollen wir das überhaupt? Diese und andere Fragen werden beantwortet, wenn Sie sich circa zehn Minuten auf einen Text konzentrieren, der HIER beginnt:

 

Wie so oft haben wir es mit fließenden Übergängen zu tun. Schon seit den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts unterstützen Software-Tools die Arbeit von Vermögensverwaltern beziehungsweise Vermögensberatern. Zunächst wurden Daten gesammelt und analysiert, geclustert und  vergleichbar gemacht. Wenn allerdings nicht nur gespeichert, dokumentiert und verglichen wird, sondern Entscheidungen vorbereitet und zum Teil sogar getroffen werden, dann haben wir den entscheidenden Schritt zum Robo-Investment getan. Dann liefern die Algorithmen nicht nur Informationen zur Zusammensetzung eines Portfolios, sondern setzen dieses Portfolio selbst zusammen. Es geht also darum, dass durch Finanztechnologie menschliche Entscheidungen über Anlageformen und Investments künstlicher Intelligenz überlassen werden. Diese KI kann schnell entscheiden und sie verfügt theoretisch über alles quantifizierbare (!) Wissen zu Finanzmärkten, das im Laufe der Jahrhunderte gesammelt wurde.

Bernd Villhauer ist Geschäftsführer des Weltethos Instituts und Autor der Kolumne “Finanz und Eleganz”.

Es gibt verschiedene Ebenen der Einflussnahme künstlicher Finanzintelligenz: auf der ersten Ebene wird nur beraten, auf der zweiten Ebene werden Produkte und Portfolios geschaffen und vermittelt, auf weiteren Ebenen überlässt der Kunde die Anpassung und strategische Entwicklung dem Robo-Advisor.

Allerdings ist es hierzulande gar nicht so einfach, seine finanzielle Mündigkeit outzusourcen – Regulierungen und Verbraucherschutz sorgen dafür, dass in Deutschland nicht ohne Genehmigung der Kunden Umschichtungen bei den Anlagen vorgenommen werden dürfen. Denn bei uns ist ein Robo-Advisor meistens nur ein Finanzanlagenvermittler, kein Vermögensverwalter. Allerdings nehmen auch hier die voll autorisierten Vermögensverwalter zu, die im Robo-Investment engagiert sind.

Und der Markt wächst schnell: Ende 2017 war schon eine runde Milliarde Euro in Deutschland durch Anlage-Roboter verwaltet (so der Branchendienst „techfluence“).

In den USA sind die Zahlen noch beeindruckender: Anfang 2017 lagen dort 164.419 Millionen US-Dollar in den Händen, Verzeihung, Greifzangen, der Robo-Advisors (siehe www.robovergleich.com). Vanguard ist hier der Platzhirsch, weitere wichtige Akteure sind Schwab Intelligent Portfolios, Betterment, Wealthfront und Personal Capital. In Deutschland liegt Scalable an der Spitze, gefolgt von Liqid.

Aber wie gut machen die Maschinen eigentlich ihren Job? Schauen wir auf die Performance. Denn, wie so oft wenn es interessant wird, fangen hier die Probleme erst an. Einige Fragen, die beantwortet müssen, seien hier schon mal vorangestellt: Über welchen Zeitraum reden wir? Wie vergleichbar sind die Robo-Advisors bezüglich ihrer Analyse- und Entscheidungsmöglichkeiten? Um welchen Kundentyp, um welche Art des Investors geht es? Wie hoch sind die Gebühren, also wie viel der Profite wird von den laufenden Kosten aufgefressen? Sollen nur Aktien betrachtet werden oder auch Fonds? Werden Anleihen oder außerbörsliche Engagements erlaubt? Arbeiten die Anbieter mit Anlageformen, die ich auch selbst erwerben und verwalten kann? Geht es um globale, europäische oder deutsche Anlagen? Die Liste ließe sich noch lange fortsetzen.

Ich greife einige interessante Punkte heraus, die vielleicht Licht auf die Dimensionen der Robo-Rendite werfen:

  • Die Robo-Angebote gibt es erst seit circa zwei Jahren. Wir können also über die Langfrist-Performance wenig sagen und müssen abwarten, wie sich das Konzept in verschiedenen Marktlagen bewährt.
  • Verglichen mit dem Benchmark MSCI (einem weltweiten Index ähnlich dem Dax), gelang es 2017 nur ungefähr der Hälfte der Anbieter, überdurchschnittlich abzuschneiden.
  • Bei positiver Entwicklung der Gesamtbörsensituation kommen bisher (in dem kurzen Zeitraum, der sich überblicken lässt) viele der Maschinen gut mit. Outperformer, die den „Markt schlagen“, sind selten zu sehen, häufiger jedoch automatisierte Absteiger.
  • In turbulenten Zeiten (Kurssturz Anfang des Jahres) agieren die meisten KIs einfallslos, was dazu führt, dass viele sich nicht so gut behaupten konnten wie die besten aktiv gemanagten Fonds.
  • Die Robo-Advisors greifen zumeist auf ETFs zu, also auf Produkte, die einen Index abbilden. Das sorgt für solide, aber überschaubare Entwicklung. Zudem kann dies auch jeder Einzelne, jede Einzelne für sich selbst organisieren – für noch weniger Geld.
  • Die Gebühren und Strukturen sind höchst unterschiedlich, einen guten Überblick gibt beispielsweise www.brokervergleich.de, wo man auch einen Vergleich der Rendite-Erfolge findet

Robo-Advisors müssen billig sein – und bei intelligentem Einsatz der Technologie können sie das auch. Das ist ihre große Stärke, neben der ständigen Weiterentwicklung und der guten Marktübersicht. Die Crux ist aber, dass nicht alles automatisiert werden kann, denn je stärker auf standardisierte Produkte zurückgegriffen wird, um so schwieriger wird die Anpassung bei überraschenden krisenhaften Entwicklungen. Und an der Börse ist das Unnormale der Normalfall. Aber die Entwicklung der Künstlichen Intelligenz hat ja gerade erst begonnen und wir sehen im Augenblick, wie Robo-Advisors immer weitere Felder des finanziellen Engagements erobern.

Nicht zu vernachlässigen ist aber die Frage: Was können Robo-Advisors nicht – und was können sie niemals können? Wird es zum Beispiel gelingen, moralische Entscheidungen in Algorithmen abzubilden – und zwar mit der Flexibilität und Lernfähigkeit, die uns dazu befähigt, den moralischen Kompass in ganz unterschiedlichen Landschaften des Lebens zu benutzen? Wollen wir die Entscheidungen über große Investments einem automatisierten Anleger überlassen, der nicht versteht, dass nicht jeder Park zum Parkplatz werden sollte? Wollen wir, dass bei sinkenden Renditen automatisiert Geld aus Ländern abgezogen und so die nächste Währungskrise getriggert wird?

Die KI schlägt uns beim Schach und sie kann sicherlich in 95% der Fälle kluge Vorschläge für Investmententscheidungen machen, wenn wir ihr unsere Wünsche in Form von orientierenden Leitplanken für finanzielles Engagement klar mitgeben. Was unser Investment an der Schnittstelle zwischen Geldwelt und Menschenwelt aber genau bewirken soll und welche ethischen  Fragen wir uns nicht nehmen lassen, das müssen wir selbst entscheiden. Der Robo-Advisor ist so gut wie wir ihn sein lassen.

Geschrieben bei einer Tasse Tee am 11.04.18

 

In der Kolumne “Finanz & Eleganz” geht Bernd Villhauer den Zusammenhängen von eleganten Lösungen, Inszenierungen, Symbolen und Behauptungen einerseits sowie dem Finanzmarkt andererseits nach. Grundsätzliche Überlegungen zu der Kolumne finden Sie in der Einführung.