Wald

Der Wald im Griff der Menschenwelt

Die Natur und ihre Veränderung

von Lia Polotzek

Weltweit sind etwa 30 Prozent der Landfläche mit Wäldern bedeckt. Der Wald ist jedoch relativ ungleich verteilt: Mehr als die Hälfte des weltweiten Waldbestands befindet sich in Russland, Brasilien, Kanada, den USA und China. Doch Wald ist nicht gleich Wald. Etwas mehr als 33 Prozent der Wälder gelten als Urwälder – die Hälfte davon sind Regenwälder. 60 Prozent sind Naturwälder und knapp sieben Prozent der Wälder weltweit sind sogenannte Plantagenwälder. Das sind Industrieplantagen für die Holz-, Papier- und Zellstoffindustrie und die Produktion von Energie. Sie bestehen aus schnell wachsenden Monokulturen, die mit Düngemitteln und Pestiziden behandelt werden. Obwohl es in der Vergangenheit viel Kritik gab, gelten auch sie in der Definition der Vereinten Nationen als Wald. Wald weiterlesen

Luft

Die Luftkomposition

Die Natur und ihre Veränderung

von Lia Polotzek

Wie eine riesige Schutzschicht legt sich die Atmosphäre um die Erde. Gefüllt ist sie mit einem Gasgemisch aus Stickstoff, Sauerstoff, Argon und Kohlenstoffdioxid: der Luft. Aufgrund der massiven weltweiten Luftverschmutzung durch Industrie, Verkehr und die industrielle Landwirtschaft müssen jedoch weltweit neun von zehn Menschen täglich verschmutzte Luft atmen. Luftverschmutzung sorgt dafür, dass jedes Jahr sieben Millionen Menschen vorzeitig an Krankheiten wie Krebs und Schlaganfall sowie Herz- und Lungenerkrankungen sterben.

Feinstaub, Stickoxide (NOx), Schwefeldioxid (SO2), Ozon (O3): Die Liste der Schadstoffe in der Luft ist lang. Viele durch Wirtschaftsaktivitäten freigesetzte Stoffe verändern sich zusätzlich in der Luft. So werden Stickoxide zwar überwiegend als Stickstoffmonoxid (NO) emittiert, anschließend in der Luft aber in Stickstoffdioxid (NO2) umgewandelt. Diese sogenannten sekundären Schadstoffe sind in vielen Fällen noch giftiger als die ursprünglich in die Luft gelangten Stoffe. Luft weiterlesen

Klima

Klimavariationen im Treibhaus Erde

Die Natur und ihre Veränderung

von Lia Polotzek

Das Klima verändert sich extrem schnell. In Paris haben sich die 196 Mitgliedsstaaten der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen 2015 darauf geeinigt, die globale Erderwärmung auf möglichst 1,5 Grad zu begrenzen. Erstmals sind die Staaten außerdem völkerrechtlich verpflichtet, einen nationalen Klimaschutzbeitrag zu erarbeiten. Bleibt es jedoch bei den aktuellen Zusagen der Staaten, würde die globale Temperatur bis zum Ende des Jahrhunderts laut Weltklimarat um 3,2 Grad steigen. Um überhaupt eine Chance zu haben, das 1,5-Grad-Ziel noch zu erreichen, müssten die Treibhausgasemissionen im Jahr 2050 bei Null liegen. Klima weiterlesen

Rettet uns künstliche Intelligenz vor dem Klimawandel? – von Carola Hesse-Marx

Rettet uns künstliche Intelligenz vor dem Klimawandel?

Text von Carola Hesse-Marx

Zunächst scheint es, als haben Klimakatastrophe und künstliche Intelligenz nichts gemein. Doch sind beide Entwicklungen – sowohl die Ausbeutung und Zerstörung der Natur als auch die künstliche Intelligenz – das Resultat menschlicher Hybris. Und letztlich bergen künstliche Intelligenz und Naturzerstörung in sich die Degradierung, möglicherweise sogar die Auslöschung des menschlichen Denkens. Es gilt jetzt, eine Grundsatzdiskussion über die Neubewertung unseres Fortschrittsglaubens zu führen. Rettet uns künstliche Intelligenz vor dem Klimawandel? – von Carola Hesse-Marx weiterlesen

wusoa GmbH: Biogas für Kleinbauern

wusoa GmbH: Biogas für Kleinbauern

Auch Kleinvieh macht Mist.

Biogas – was ist das? Heutzutage oft ein Ärgernis, wenn man sieht, wie riesige landwirtschaftliche Flächen ver(sch)wendet werden, um darauf Mais zur Biogasproduktion anzubauen, statt diese Flächen für die Lebensmittelproduktion zu nutzen. Dies hat nicht nur katastrophale Folgen für die Biodiversität, sondern hinterlässt zumeist auch ausgelaugte Böden. Doch wäre es völlig falsch, Biogas auf dieses ökologische Desaster zu reduzieren, denn das Grundprinzip einer Biogasanlage ist sehr sinnvoll: Aus vorhandenen und nicht anders verwertbaren organischen Rest- und Abfallstoffen wie etwa Biomüll, Grünschnitt, Speiseabfällen aus der Gastronomie, Gülle und Abwasser kann man Biogas gewinnen – ein verlässlicher Gas-, Wärme- und Stromlieferant im Alltag. wusoa GmbH: Biogas für Kleinbauern weiterlesen

Der Berg ruft nicht – von Philippe Merz

Der Berg ruft nicht

Text und Fotos von Philippe Merz

Trotz hoher Besiedlungsdichte können wir in Deutschland und Europa noch immer einen Rest an zusammenhängender Natur mit Wäldern, Flüssen, Stränden und Bergen erleben, auch wenn der Großteil davon längst kultiviert und ökonomisch verwertet wird. Wann immer wir diese Landschaften besuchen, sind wir nur selten allein: Allerorten treffen wir Spaziergänger, Jogger, Radfahrer, Badefreudige, Wanderer oder Bergsteiger, die die Natur zu genießen scheinen. Ist also nicht alles in bester Ordnung? In den Städten arbeiten wir in unseren mehr oder weniger sinnstiftenden Jobs, und in der Freizeit erholen wir uns eben in der Natur – oder?

Mir scheint, dass dieses harmonische Bild zwar noch fleißig von Tourismusbehörden und Reiseveranstaltern genährt wird, es in Wahrheit aber weniger zutrifft denn je. Denn wenn wir unser Verhalten in der Natur aufrichtig und selbstkritisch beobachten, offenbart sich, dass wir fast all unsere Bequemlichkeiten und unser Anspruchsdenken, unsere Erwartungen an maximale Erlebnisse bei minimalem Einsatz sowie unsere Sehnsucht nach sozialer Anerkennung längst auf die Natur übertragen haben. Mehr noch: Die Natur scheint diejenige Bühne zu sein, auf der wir diese Bedürfnisse oft am aggressivsten auszuleben versuchen. Besonders markant zeigt sich diese Entwicklung an unserem Umgang mit dem alpinen Raum. Gerade hier können wir daher viel über unser grundsätzliches Verhältnis zur Natur lernen – und zugleich mehr über unsere Sehnsüchte und Widersprüche, als uns lieb sein kann. Der Berg ruft nicht – von Philippe Merz weiterlesen

„Der Klimawandel bringt den Kapitalismus an seine Grenzen.“ – Interview mit Hannah Helmke

„Der Klimawandel bringt den Kapitalismus an seine Grenzen.“

Interview mit Hannah Helmke

Das Team von right. entwickelt das sogenannte X-Degree Compatibility („XDC“) Modell, welches für ein Unternehmen berechnet, um wieviel °C sich die Erde erwärmen würde, wenn jedes Unternehmen so emissionsintensiv wirtschaften würde, wie es selbst. Am Beispiel von Apple: Würden alle Unternehmen so emissionsintensiv wirtschaften wie der Tech-Riese aus dem Silicon Valley, würde sich die Erde nach den Berechnungen von right.open bis 2050 um 1,49°C erwärmen. Die DAX 30 Unternehmen schneiden hier mit durchschnittlich 4,94°C deutlich schlechter ab. Durch diese Berechnung wird der Beitrag einzelner Unternehmen / Fonds zur Erderwärmung erstmals wirklich sichtbar und vergleichbar. right.open bietet denen, die von der Notwendigkeit einer systemweiten Veränderung überzeugt sind, eine übergreifende Sprache: Ein Modell zur Bestimmung des Beitrags einer einzelnen Wirtschaftseinheit zum Klimawandel. right.open ist der erste Schritt, um ein solches Modell – das XDC Modell – für alle als open source verfügbar zu machen. Wir sprachen mit der Gründerin und Geschäftsführerin Hannah Helmke über ihre Idee.

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„Wir haben einen unmöglichen Ort geschaffen“ – Das Château d’Orion

„Wir haben einen unmöglichen Ort geschaffen“

Das Château d’Orion ist ein Gästehaus inmitten der südwestfranzösischen Provinz zwischen Biarritz und Pau. Hier sind die Pyrenäen atlantisch, Surfer treffen auf Pilger, Frankreich und Spanien laufen zusammen. 2003 übernahmen Elke und Tobias Premauer das Landschloss aus dem 17. Jahrhundert und gründeten hier einen Ort der Begegnung, der Impulse für ein Europa der Regionen schafft. Es ist die Suche nach einem gelingenden Leben, die Sehnsucht nach einem Raum zum freien Denken sowie das Interesse an Menschen und ihren Geschichten, welche die ehemalige Journalistin und den einstigen Manager hierher getrieben haben.

Das Chateau d’Orion ist mitten in der Natur. Dort veranstalten Sie sogenannte Denkwochen. Ist das Kalkül oder Zufall, dass Sie fernab der Zivilisation zum Denken einladen?

Ja, das war und ist beabsichtigt, weit weg vom Alltag, abgelegen einen Raum zu schaffen der grenzenloses Denken zulässt. Die Idee der Denkwochen basiert ja genau darauf, dass wir uns mit Fragen beschäftigen, zu denen wir in der Hektik des „normalen“ Lebens nicht kommen. Auch wenn wir uns mit literarischen Themen wie Dr. Faustus und die Musik beschäftigen, geht es immer darum, was hat das mit der heutigen Gesellschaft zu tun, welche Prozesse sind darin erkennbar. Wie werden festgefahrene Meinungen, die wir uns in der Regel aus Erfahrungen oder selektiven Wahrnehmungen angeeignet haben Haltungen und Erkenntnisse, die denkbar vernünftig und fühlbar sind. Die Ausschließlichkeit liegt im Argen, das sowohl als auch zu erkennen, das soll in einer Denkwoche erlebbar werden. Und dazu ist es gut, sich auf den Weg zu machen. Außerdem liegt Château d’Orion in einer reichen Kulturlandschaft mit vielen Brüchen, deren Irritation die Wirren des Lebens deutlich machen und in unsere Reflexionen integrierbar sind. Nicht die schiere Idylle wird hier erlebt, sondern Inspiration und Irritation. Wissen allein genügt nicht, wir müssen den Willen zur Transformation haben. „Wir haben einen unmöglichen Ort geschaffen“ – Das Château d’Orion weiterlesen

Pflegeethik Initiative e.V. – Pflege ist mehr als Versorgung

Pflegeethik Initiative e.V.

Pflege ist mehr als Versorgung

Früher oder später trifft es jeden: Eigene Fähig- und Fertigkeiten versagen ihre Dienste und man ist auf die Hilfe und Pflege anderer Menschen angewiesen. Die Zahl der dementen Pflegebedürftigen steigt – Demenz ist die Hauptursache für Pflegebedürftigkeit geworden. Für den Menschen im Kontroll- und Hochleistungszeitalter, der Körper und Geist gerne seinem Willen unterstellt, ist der Verlust der Entscheidungsfreiheit der blanke Horror. Die Angst vor der Vergesslichkeit und Verwirrtheit ist so gewaltig, dass alle etablierten Parteien das Thema Pflege lieber ganz im Wahlkampf meiden. Mit fatalen Folgen für unser menschliches Miteinander: Denn Krankenkassen, Wohlfahrtsverbände, sowie private oder kommunale Leistungsanbieter zahlen nur noch für eine effiziente technokratisch-medikamentöse Versorgung, nicht aber für ausreichend Zuwendung. Dies führt dazu, dass Pflegebedürftige zu Kunden werden, die jede Abwechslung als „Einzelmaßnahme“ buchen müssen. Pflegeethik Initiative e.V. – Pflege ist mehr als Versorgung weiterlesen

Natur, Kapitalismus und das Neue – Reinhard Loske im Interview

Natur, Kapitalismus und das Neue

 Interview mit Reinhard Loske

 

Herr Loske, welche Bedeutung hat die Natur in der Wirtschaft?

In der Ideengeschichte der Ökonomie gibt es ganz verschiedene Naturvorstellungen. Die Physiokraten waren der Meinung, dass die Natur der einzige produktive Faktor ist: Nur Grund und Boden können der Ursprung des Reichtums eines Landes sein. Demgegenüber ist die Natur im Marxismus wie auch im Kapitalismus auf die Funktion der Quelle und der Senke reduziert, wird also bloß als Ressource oder als Aufnahmemedium für Abwässer, Abgase und Abfälle begriffen. Der Gedanke, dass die Wirtschaft auf die physischen Grundlagen bezogen ist, ist also bei den Physiokraten viel stärker ausgeprägt. Der Marxismus und der Kapitalismus neigen systematisch dazu, die Rolle der Natur bei der Wertschöpfung zu reduzieren oder gar auszublenden. Man kann also von einer Naturvergessenheit der ökonomischen Theorie der Moderne sprechen.

Ist es dann zu begrüßen, wenn die ökonomische Bewertung der Natur immer mehr an Bedeutung gewinnt?

Das ist ein schmaler Grat. Auf der einen Seite ist es zu begrüßen, wenn man sich bewusst macht, dass die Natur uns zahlreiche Güter und Dienstleistungen gratis zur Verfügung stellt – stabiles Klima, gutes Wasser, saubere Luft, produktive Böden, biologische Vielfalt etc. Doch man läuft auch Gefahr, dass man sich in diese instrumentelle beziehungsweise utilitaristische Sichtweise verrennt. Dann geht das Unwägbare in der Natur verloren, all das, was eine besondere Saite in uns zum Schwingen bringt. Das ist ein echtes Defizit. Insofern braucht es eine umfassendere Ökonomie, die auch dieses Unwägbare miteinbezieht, ohne es direkt in Wert zu setzen oder ihm eine Dienstleistungsfunktion zuzuschreiben. Natur, Kapitalismus und das Neue – Reinhard Loske im Interview weiterlesen