Gesellschaft als soziale Plastik | Interview mit Marilena Berends

Shift-TasteFoto: Athul Ben | Unsplash

 

Gesellschaft als soziale Plastik, wir alle als Zukunftskünstler*innen

Interview mit Marilena Berends

Marilena Berends, mit Deinem Podcast setzt Du Dich mit Deinem Team für einen Sinneswandel ein. Was ist der Sinneswandel, den wir brauchen und warum brauchen wir ihn?

Wenn man den Titel hört, denken wahrscheinlich viele, dass mit „Sinneswandel“ lediglich ein individuelles Umdenken gemeint sei, im Sinne von: „Ach, ich habe mir das jetzt anders überlegt“. Um das Überdenken persönlicher Sichtweisen und um die Aneignung neuer Perspektiven geht es auch. Wir verstehen Sinneswandel aber sehr viel weiter: Es geht über das Individuelle hinaus, um gesellschaftlichen Wandel – oder, was man immer häufiger hört: um „Transformation“. Gesellschaft als soziale Plastik | Interview mit Marilena Berends weiterlesen

Mein Geld ist dein Geld | Lino Zeddies

SparschweinFoto: Jude Beck | Unsplash

 

Mein Geld ist dein Geld

Erfahrungen mit einer Finanzkooperative

Text: Lino Zeddies | Gastbeitrag 

Lino Zeddies ist Ökonom, Autor und Aktivist und engagiert sich für ein anderes Geldsystem. Zusammen mit zwei Freund*innen hat er dieses Engagement alltagspraktisch werden lassen: Sie teilen Geld und ihre Einnahmen in einer Finanzkooperative. Kann das gehen? Hört die Freundschaft nicht irgendwann auf, wenn’s ums Geld geht? Sein Erfahrungsbericht. Mein Geld ist dein Geld | Lino Zeddies weiterlesen

Die soziale Frage neu denken | Jörg Soetebeer

"Shut Happens" – SchriftzugFoto: Jason Mowry | Unsplash

 

Die große Bremse

Die soziale Frage neu denken – in schwierigen Zeiten

Text: Jörg Soetebeer | Gastbeitrag

Die Covid-19-Pandemie trifft uns aktuell als Einzelne und als Gesellschaft wie ein kaum je erlebtes Widerfahrnis: Sie verursacht einen Realitätsschock und konfrontiert uns mit sehr grundsätzlichen Fragen unseres Selbstverständnisses sowie unseres gesellschaftlichen Lebens. Dabei wirkt die Pandemie wie eine große Bremse, welche eine seit zweihundert Jahren scheinbar unaufhaltsame Maschine zum Stoppen gebracht hat: den technisch-industriellen Fortschritt seit dem 18. Jahrhundert der Aufklärung. Zugleich erfährt das persönliche und gesellschaftliche Leben durch die Verordnungen kaum vergleichbare Einschränkungen bezogen auf die jüngere Geschichte Deutschlands. Gesellschaftlich eskaliert unter diesen Vorzeichen eine erhitzte Debatte im öffentlichen Raum und in den sozialen Medien – die zunehmend befeuert wird auch durch Demonstrationen über die Bedeutung der Covid-19-Pandemie und die Verordnungen. Damit ist die soziale Frage aus aktuellem Anlass auf der Tagesordnung. Die soziale Frage neu denken | Jörg Soetebeer weiterlesen

Kritik der digitalen Vernunft | Interview mit Ulrich Hemel

Eine digitale Avatarin wird erstellt.Foto: Charles Deluvio | Unsplash

 

Wir brauchen stets eine Art von »Kritik der digitalen Vernunft«

Interview mit Ulrich Hemel

Herr Hemel, vor wenigen Jahren war auf Wahlplakaten einer Partei zu lesen »Digital first, bedenken second«. Warum sollten wir uns nicht erst im Nachhinein über Digitalisierung Gedanken machen?

Mit der digitalen Transformation stehen wir heute vor einem echten Epochenbruch, vergleichbar dem Übergang vom Nomadentum zur bäuerlichen Gesellschaft. Das bedeutet, dass sich alle Bereiche des Lebens, vom Alltag bis zum Beruf, radikal ändern. Wir erleben schon heute eine analog-digitale Mischform des Lebens. Manche Personen gehen sogar mit ihrem Smartphone ins Bett. Und weil eine hybride Form der menschlichen Existenz zum Normalfall wird, müssen wir uns mit dieser neuen Technik auch in ihren sozialen und ethischen Auswirkungen auseinandersetzen. Und das sollten wir tun, bevor wir es mit nicht bedachten Nebenfolgen einer neuen Technik zu tun bekommen. Also: Nachdenken first, Handeln second. Kritik der digitalen Vernunft | Interview mit Ulrich Hemel weiterlesen

Verschwörungsmythen sind nicht erst seit der Corona-Pandemie weit verbreitet | Interview mit Katharina Nocun

Schriftzug auf HolzwandFoto: The Blowup | Unsplash

 

Verschwörungsmythen sind nicht erst seit der Corona-Pandemie weit verbreitet

Interview mit Katharina Nocun

Frau Nocun, Sie sind Ökonomin und Netzaktivistin, Ihre Mitautorin Pia Lamberty ist Psychologin. In Ihrem Buch Fake Facts. Wie Verschwörungstheorien unser Denken bestimmen (Quadriga Verlag, 2020) weisen Sie darauf hin, dass nicht einige wenige Sonderlinge für Verschwörungserzählungen anfällig sind, sondern wir alle. Was macht uns anfällig?

Also grundsätzlich muss man verstehen, dass Verschwörungsgläubige sich nicht sonderlich vom Durchschnitt der Bevölkerung unterscheiden. Es gibt zwar Besonderheiten, aber grundsätzlich tragen wir alle Veranlagungen in uns, die dazu führen können, dass wir solche Erzählungen in bestimmten Situationen unseres Lebens attraktiv finden. Verschwörungsmythen sind nicht erst seit der Corona-Pandemie weit verbreitet | Interview mit Katharina Nocun weiterlesen

Zusammenhänge | Wolf Lotter

Austern für alle?Austern für alle? Foto: Ben Stern | Unsplash

 

Alle sollen Austern essen können

Fragen an Wolf Lotter

Herr Lotter, in Ihrem neuen Buch Zusammenhänge. Wie wir lernen, die Welt wieder zu verstehen geht es um den Begriff der »Kontextkompetenz«. Er verbinde das Ich mit dem Wir. Was ist Kontextkompetenz? Wie hilft diese Kompetenz uns, Zusammenhänge zu durchschauen?

Kontextkompetenz kann man vielleicht am besten mit David Foster Wallace Gleichnis aus »This is water« erklären:  Zwei junge Fische im Meer können auf die freundliche Frage eines alten Fisches, wie denn heute das Wasser sei, nichts entgegnen können und – ziemlich unhöflich – einfach weiterschwimmen, bis einer den anderen fragt: »Was zum Teufel ist eigentlich Wasser?« So geht es uns ja vielfach auch. Wir leben in einer Welt, in der die grundlegendsten Dinge unklar bleiben. Kontextkompetenz bedeutet, dass man fragt, wie es ist – ganz grundsätzlich, eher im Sinne einer Allgemeinbildung für eine Wissensgesellschaft, die immer abgehobener wird – weil sie Fachwissen nicht mehr mit anderen teilen kann. Wir bräuchten Fische, die nicht einfach das, was ist, hinnehmen, sondern fragen, warum es ist und was es nützt – oder wie man es ändert. Das ist Kontextkompetenz. Zusammenhänge | Wolf Lotter weiterlesen

Was wir aus der Debatte um das Lieferkettengesetz lernen können | Lia Polotzek

Kakao: menschenrechtskonforme Lieferkette?Foto: Rodrigo Flores | Unsplash

 

Feuer löschen ohne Wasser?

Was wir aus der Debatte um das Lieferkettengesetz lernen können

Text: Lia Polotzek

Unsere Weltwirtschaft ist weder sozial noch ökologisch gerecht. Das ist kein Geheimnis und auch keine neue Erkenntnis. Die Kakaoernte in Ghana und Côte d’Ivoire findet häufig durch Kinderarbeit statt. Das haben schon viele Studien belegt. Palmöl aus Indonesien und Malaysia zerstört die Regenwälder und der Anbau von Ananas vergiftet in Costa Rica die Böden. Auch hierüber gibt es unzählige Dokumentationen, Berichte und Analysen. An einigen habe ich selbst mitgewirkt. Aufgerüttelt hat viele Menschen vor sieben Jahren der Rana-Plaza-Fabrikeinsturz in Bangladesch, bei dem mehr als 1000 Menschen starben. In der Fabrik wurde auch für den deutschen Markt Kleidung produziert. Im Moment ist es vor allem der brennende Amazonas, der Menschen weltweit bewegt. Auch an diesem Beispiel zeigen sich die Auswirkungen einer ausbeuterischen und rücksichtslosen Wirtschaftsweise: Denn in Brasilien werden Regenwälder unter anderem mit dem Zweck brandgerodet, Soja als Tierfutter für die deutsche Massentierhaltung anzubauen. Es ist eine Lieferkette des Schreckens, die vom rechten brasilianischen Präsidenten Bolsonaro und seiner Agrarlobby direkt bis zum deutschen Fleischfabrikanten Tönnies reicht. Was wir aus der Debatte um das Lieferkettengesetz lernen können | Lia Polotzek weiterlesen

Arbeit als Schlüssel der Transformation | Sarah Mewes

GartenarbeitFoto: Annie Spratt | Unsplash

 

Arbeit als Schlüssel der Transformation der Wirtschaft

Rezension des Buches Tätigsein in der Postwachstumsgesellschaft

Text: Sarah Mewes | Gastbeitrag

Gesellschaften überall auf der Welt suchen nach einem Weg einen nachhaltigen Wandel einzuleiten. VertreterInnen der Postwachstumsökonomie, wie die HerausgeberInnen des Buches Tätigsein in der Postwachstumsgesellschaft (Metropolis Verlag, 2019) Angelika Zahrnt und Irmi Seidl, nehmen die Problematik des Wirtschaftswachstums zum Ausgangspunkt ihrer Nachhaltigkeitsüberlegungen. Endloses Wachstum auf einem endlichen Planeten ist nicht möglich. Klingt einleuchtend. Aber gilt das auch im Sozialen? Welche Auswirkungen hat eine nachhaltige Abkehr vom Wachstumsdruck auf die Welt der Arbeit? Arbeit als Schlüssel der Transformation | Sarah Mewes weiterlesen

Um welches Ziel es in der Ökonomie geht, ist also bestimmbar | Interview mit Katrin Hirte

Krankenhäuser: für die Menschen oder für den Profit?Foto: Camilo Jimenez | Unsplash

 

„Um welches Ziel es in der Ökonomie geht, ist also bestimmbar“

Fragen an Katrin Hirte

Sie attestieren den Wirtschaftswissenschaften „Reflexionsprobleme“ – wo sind die blinden Flecken? Was wird ausgeblendet?

Hier ist es ratsam, von der grundsätzlichen Beziehung zwischen Wissenschaften und ihren Reflexionsleistungen auszugehen: Wissenschaften reflektieren auf das Bestehende und gleichzeitig entwickelt sich das Bestehende ständig weiter. Die Wissenschaften selbst haben beispielsweise mit ihren Expertisen daran auch einen beträchtlichen Anteil und das ist ja auch so gewollt. Der Einfluss der Wissenschaften auf gesellschaftliche Entwicklungen wird mittlerweile als so groß eingeschätzt, dass man von „Wissensgesellschaften“ spricht. Um welches Ziel es in der Ökonomie geht, ist also bestimmbar | Interview mit Katrin Hirte weiterlesen