Das Auto im Kopf | Frank Augustin

Spielzeugauto im SonnenuntergangFoto: Sreekumar P | Unsplash

 

Das Auto im Kopf

Oder: Das Ende einer großen Liebe

Text: Frank Augustin

Die großen Autobauer und ihre Lobby fanden mit ihrem Wunsch nach einer Kaufprämie auch für Verbrenner kein Gehör. Diese ungewohnte Abfuhr ist ein weiteres Zeichen für die Implosion der deutschen Leitindustrie. Deren Niedergang hat auch mit moralischen Verfehlungen und strategischen Fehlentscheidungen zu tun – aber nicht nur. Es geht um Grundsätzlicheres: Das Ende der großen Amour fou zwischen uns Konsument*innen und dem Auto. Das Auto im Kopf | Frank Augustin weiterlesen

Die Macht der Autolobby ist geschwunden | Interview mit Weert Canzler

Welches Autos sollen gekauft werden?Foto: Ryan Searle | Unsplash

 

Die Macht der Autolobby ist geschwunden

Interview mit Weert Canzler

Herr Canzler, gerade wurde heftig darüber debattiert, ob und in welcher Weise der Staat der Autoindustrie unter die Arme greifen soll. Nun ist die von den Autoherstellern vorgeschlagene Abwrackprämie auch für Verbrenner zwar vom Tisch. Stattdessen soll es eine so genannte „Innovationsprämie“ für E-Autos und Hybride geben. Könnte eine solche Prämie ein Schritt zu einer ökologischen Verkehrswende sein?

Ob überhaupt eine Kaufprämie nötig ist, ist die erste Frage. Aber diese Frage wird von kaum jemanden gestellt, Kaufanreize sind offenbar gesetzt. Schauen wir vor diesem Hintergrund auf die Beschlüsse der Bundesregierung zur Konjunkturförderung, sehen wir Licht und Schatten: Nun ist der worst case, dass nämlich auf Halde produzierte Verbrenner mit Steuergeldern „abverkauft werden“, nicht eingetreten. Das ist eine gute Nachricht. Sie zeigt auch, dass die Macht der Autolobby geschwunden ist. Dass aber nun neben reinen E-Autos auch Hybridfahrzeuge, die bekanntlich meistens im Verbrennmodus genutzt werden, zusätzlich gefördert werden sollen und das Dienstwagenprivileg sogar noch ausgeweitet wird, hilft der Verkehrswende nicht. Hilfreich sind aber Investitionshilfen für die Ladeinfrastruktur und die Flottenaustauschprogramme für gemeinnützige Träger und Handwerker. Viele dieser Firmen könnten sofort auf E-Fahrzeuge umstellen, brauchen aber einen Stups. Wenn mit einer Prämie jedoch wirklich Verkehrspolitik im Sinne eines ökologischen Umsteuerns gemacht werden soll, dann ist eine Mobilitätsprämie für den Kauf oder die Reparatur eines Fahrrades oder auch als Zuschuss für die Bahncard und das ÖPNV-Zeitticket sinnvoll. Autos gibt es wahrlich genug. Eine solche Mobilitätsprämie könnte den einen oder die andere dazu bringen, auf das Rad oder auf die Schiene umzusteigen, der oder die sowieso schon mit diesem Gedanken spielt. Noch wichtiger für die Verkehrswende sind allerdings so altbekannte Themen wie der Abbau des Steuerprivilegs für Dieseltreibstoff, mehr und sichere Radwege, eine flächendeckende Parkraumbewirtschaftung und eine nach Antriebsvarianten und Fahrzeuggrößen gestaffelte City-Maut sowie eine konsequente Umschichtung der Verkehrsinvestitionen vom Straßen- auf den Schienenausbau. Das klingt viel langweiliger als eine „Innovationsprämie“, ist aber besser angelegtes öffentliches Geld. Die Macht der Autolobby ist geschwunden | Interview mit Weert Canzler weiterlesen

Denken in der Krise | Silja Graupe

Der Denker von Auguste RodinFoto: Avery Evans | Unsplash

 

Denken in der Krise

Für ein neues Erkenntnisparadigma und grundlegenden Bildungswandel

Text: Silja Graupe | Gastbeitrag

Wieder einmal eine Krise. Diesmal ist es Covid-19. In den Jahren 2008/2009 waren es faule Kredite und Bankenpleiten. Davor, während und danach waren es ökologische Krisen: Angefangen bei der Vermüllung unseres Planten über die Zerstörung ganzer Lebensräume bis hin zu gravierenden Klimaveränderungen. Und immer sind die Reaktionen ähnlich: Zunächst mangelt es an der Fähigkeit, Veränderungen wahrzunehmen, bevor sie zu Problemen auswachsen. Dann wird die Existenz dieser Probleme geleugnet, bis die Ereignisse nur noch wie Schocks über Gesellschaften hereinbrechen. In der akuten Not verhindert der Gemeinsinn glücklicherweise oft das Schlimmste. Doch dieses kurze Aufflackern wird sogleich erstickt, und wir fallen wieder in die alten (kognitiven) Strukturen zurück. Nach der Krise ist vor der Krise. Denken in der Krise | Silja Graupe weiterlesen

Es geht uns darum, das Ganze umzubauen | Interview mit Silke Helfrich und Matthias Schmelzer

Pappschild: Klima- oder Systemwandel?Foto: Mika Baumeister | Unsplash

 

Es geht uns darum, das Ganze umzubauen

Interview mit Silke Helfrich und Matthias Schmelzer vom Netzwerk Oekonomischer Wandel (NOW)

Eigentlich haben sich die Grenzen des Wachstums längst abgezeichnet, man denke an den Bericht des Club of Rome aus dem Jahr 1972. Per Design ist es nicht gelungen, den selbstzerstörerischen Wachstumskurs zu ändern. Wird jetzt in Folge der Corona-Pandemie das Wachstum per Desaster beendet?

Matthias Schmelzer (MS): Nicht automatisch. Es hängt davon ab, wie wir – als Gesellschaft – auf die Pandemie reagieren. Denn in der Tat verdichten sich die Belege dafür, dass Nachhaltigkeit und globale Gerechtigkeit nur erreicht werden können, wenn wir den Übergang hin zu einer solidarischen Postwachstumsökonomie in Angriff nehmen. Es geht uns darum, das Ganze umzubauen | Interview mit Silke Helfrich und Matthias Schmelzer weiterlesen

Neben einer Flugscham ist eine Bauscham angebracht | Interview mit Daniel Fuhrhop

Soll das Bauen verboten werden?Foto: Saad Salim | Unsplash

 

Neben einer Flugscham ist eine Bauscham angebracht

Interview mit Daniel Fuhrhop

Herr Fuhrhop, soeben ist die Neuauflage von „Verbietet das Bauen!“ erschienen. Warum wollen Sie uns das Bauen verbieten?

Zunächst einmal ist Neubau immer teuer: Bei Baugebieten kosten allein Planung und Erschließung etwa 80.000 Euro je Wohnung, dazu kommen die eigentlichen Baukosten von zwei- bis dreitausend Euro je Quadratmeter. Im Vergleich dazu kann man erheblich günstiger zusätzlichen Platz in Altbauten schaffen. Doch Verschwendung ist nicht verboten, darum reichen die ökonomischen Argumente nicht für ein Bauverbot.

Anders sieht das bei den ökologischen Folgen aus, denn die Klimakatastrophe zwingt uns, auf die Wissenschaft zu hören. Zwanzig bis dreißig Prozent der Treibhausgase werden durch Bauen und Gebäude erzeugt, allein acht Prozent durch die Zementherstellung. Neben einer Flugscham ist darum eine Bauscham angebracht. Neben einer Flugscham ist eine Bauscham angebracht | Interview mit Daniel Fuhrhop weiterlesen

Mehr Mitmenschlichkeit wagen! | Carola Hesse-Marx

Ein SpiegelbildFoto: Noah Buscher | Unsplash

 

Mehr Mitmenschlichkeit wagen!

Die psychischen Auswirkungen der Corona-Krise

Text: Carola Hesse-Marx | Gastbeitrag

Weltweit ist die wirtschaftliche Aktivität auf einem Tiefpunkt. Beinahe vollständig heruntergefahren, ist unsere industrielle Gesellschaftsstruktur von einem Moment auf den anderen eingebrochen, körperliche Nähe, wirkliche zwischenmenschliche Begegnungen sind plötzlich gefährlich. Viele Menschen fühlen sich in einen Albtraum versetzt, andere wiederum genießen erstaunt die unverhofft eingekehrte Ruhe. Nach über einem Monat beginnt allmählich das Erwachen aus einer unwirklichen nicht zu fassenden Situation: Der Ruf nach einer Strategie, die uns aus dem (Alb)Traum zurück in den Alltag führen soll, wird immer drängender. Doch in welchen Alltag? Viele Menschen glaubten, wir könnten nach einigen Wochen wieder in unser altes Leben zurückkehren. Nun begreifen wir langsam: Der Mensch hat die Natur nicht unter Kontrolle. Vielmehr ist es umgekehrt: Die Natur hat den Menschen im Griff. Mehr Mitmenschlichkeit wagen! | Carola Hesse-Marx weiterlesen

Wir stehen als Gesellschaft an einem Scheidepunkt | Interview mit Lino Zeddies

Ladenschild: UtopiaFoto: Alexandre Brondino | Unsplash

 

Wir stehen als Gesellschaft an einem Scheidepunkt

Interview mit Lino Zeddies

Im Januar haben wir mit Lino Zeddies, dem Initiator der Tagung „Der nächste Crash als Chance – Szenarien und Reformpotentiale“, über die Möglichkeiten gesprochen, sich auf einen Crash der Weltwirtschaft und des Finanzsystems vorzubereiten. Mit der Verbreitung des Corona-Virus‘ ist eine ganz andere Krise eingetreten, die jedoch ebenfalls grundsätzliche Fragen zur vorherrschenden Wirtschafts- und Produktionsweise aufwirft. Wir haben daher mit Lino Zeddies darüber gesprochen, welche Reformnotwendigkeiten, aber auch Möglichkeiten sich abzeichnen. Wir stehen als Gesellschaft an einem Scheidepunkt | Interview mit Lino Zeddies weiterlesen

Corona und Care | Christine Bauhardt

Care-Arbeit: Krankenpflegerin versorgt eine PatientinFoto: Creators Collective | Unsplash

 

Corona und Care – Feministische Überlegungen in düsteren Zeiten

Text: Christine Bauhardt | Gastbeitrag

Niemals hätte ich gedacht, einen Artikel in einer Zeit zu schreiben, die empirisch das bestätigt, was feministische Ökonominnen theoretisch immer vertreten haben: Grundlage allen wirtschaftlichen Handelns ist das Versorgen von Menschen und ihrer unmittelbaren Lebensbedürfnisse. Aber nur Zyniker*innen hätten sich einen empirischen Beweis gewünscht, wie ihn uns die Viruspandemie in ungeahntem Ausmaß vor Augen führt. Corona und Care | Christine Bauhardt weiterlesen