Die Währung der Ausbeutung | Julien Niemann

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Die Währung der Ausbeutung

Text: Julien Niemann | Gastbeitrag

Bis heute sichern Frankreich und die EU ihren Einfluss in den ehemaligen französischen Kolonien mittels einer Währung ab. Die Unabhängigkeit dieser Länder könnte man beinahe als Farce bezeichnen, da ihnen im Gegenzug Bedingungen aufgezwungen wurden, die ihren wirtschaftspolitischen Gestaltungsspielraum stark einschränken. Wirtschaftliche Entwicklungen werden blockiert und so tragen Frankreich und die EU erhebliche Mitschuld an Armut, politischen Konflikten und mangelnden Entwicklungschancen. Die Währung der Ausbeutung | Julien Niemann weiterlesen

Kritische Theorie und Philosophie | Interview mit Frieder Vogelmann

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Kritische Theorie und Philosophie

Interview mit Frieder Vogelmann

Herr Vogelmann, Sie haben Max Horkheimers Aufsatz Traditionelle und kritische Theorie, 1937 in der Zeitschrift für Sozialforschung erschienen, in der Reclam-Reihe „Great Papers Philosophie“ neu herausgegeben. Warum gehört der Aufsatz in die Reihe?

Weil Horkheimers Aufsatz ein großartiges Stück Philosophie ist – versteht sich! Aber im Ernst, Ihre Frage berührt einen wichtigen und nach wie vor strittigen Punkt, nämlich: Welches Verhältnis besteht zwischen kritischer Theorie und Philosophie? Qua Ausbildung war Max Horkheimer (1895-1973) Philosoph, wobei man berücksichtigen muss, dass die Grenzen zur Soziologie zu seiner Zeit sehr fließend waren und deren Institutionalisierung an den deutschen Hochschulen erst in den 1920er Jahren richtig begonnen hatte. Kritische Theorie und Philosophie | Interview mit Frieder Vogelmann weiterlesen

Den Möglichkeitssinn stärken | Lars Hochmann

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Den Möglichkeitssinn stärken

Text: Lars Hochmann | Gastbeitrag

Die Pandemie lehrt uns Sehnsucht. Das Virus legt offen, was es heißt, uns nach einer sicheren und souveränen Versorgung mit alledem zu sehnen, was zu einem gelingenden Leben gehört: Sicherheit, Begegnung und Austausch etwa; Theater, Clubs und Festivals; Flurgespräche, Restaurants und (Im)Mobilität. Zurück zum Alten, heißt es dieser Tage wiederholt. „Wie wollen wir leben?“, sollte es statt dessen heißen.  Den Möglichkeitssinn stärken | Lars Hochmann weiterlesen

Ökosteuer 2.0 | Reinhard Loske

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Ökosteuer 2.0

Bitte nicht die alten Nonsens-Kämpfe wiederholen!

Text: Reinhard Loske | Gastbeitrag

Der Bundestagswahlkampf gewinnt langsam an Fahrt, dazu gehört auch die klimapolitische Positionierung der Kandidat*innen. Unser Gastautor fürchtet eine Neuauflage unsinniger Streitigkeiten, wo es doch gelte, sozial-ökologische Geschichten des Gelingens zu schreiben.  

Dass über Ökosteuern heftig gestritten wird, ist hierzulande wahrlich nichts Neues, vor allem, wenn es ums Auto geht. Wir hatten diesen Kulturkampf vor fast einem viertel Jahrhundert schon einmal.[1] Dabei ist die Qualität der Gegenargumente nicht besser geworden. Aber auch die Befürworter*innen haben in der Kommunikation nur wenig dazugelernt. Viele verwechseln noch immer Ziele und Mittel. Ökosteuer 2.0 | Reinhard Loske weiterlesen

Man kann hier einen anonymen Tanz des Kapitals beobachten | Interview mit Ole Nymoen und Wolfgang M Schmitt

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Man kann hier einen anonymen Tanz des Kapitals beobachten

Interview mit Ole Nymoen und Wolfgang M. Schmitt zu Influencer: Die Ideologie der Werbekörper (edition suhrkamp, 2021). Die Fragen stellte Julia Sophia Schmid.

Julia Sophia Schmid: Warum habt Ihr Euch zu einer Analyse des Influencertums entschlossen? Warum ein Buch und nicht eine Podcast-Folge? Verfolgt Ihr damit einen Zweck?

Wolfgang M. Schmitt: Mich hat an diesem Influencer-Thema tatsächlich ein Ereignis getriggert. Das war im Herbst 2019 als es die Idee des Start-ups Einhorn gab, man könne doch das Olympiastadion in Berlin mieten und dort ein großes Petitions-Event abhalten. Das ist dann zwar wegen Corona ausgefallen, jedoch ist uns aufgefallen, dass dieses Event sehr stark von Influencer*innen beworben wurde und man dort gemerkt hat, wie wichtig Influencer*innen inzwischen sind – gesellschaftspolitisch, aber auch generell als Teil von Marketingstrategien. Man kann hier einen anonymen Tanz des Kapitals beobachten | Interview mit Ole Nymoen und Wolfgang M Schmitt weiterlesen

Kooperation und Verantwortungsübernahme sind der Königsweg | Interview mit Friedrich Glauner

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Kooperation und Verantwortungsübernahme sind der Königsweg

Fragen an Friedrich Glauner zu Alles neu. Geschäftsidee, Geschäftsmodell, Unternehmensgründung (UVK Verlag, 2021)

Die Voraussetzung, um im unternehmerischen Bereich „alles neu“ aufzustellen, sei es, die mentalen Barrieren des heutigen ökonomischen Denkens hinter sich zu lassen. Welche Fallen stellt dieses Denken den Unternehmerinnen und Unternehmern?

Egal, mit welcher Brille wir unser wirtschaftliches Handeln betrachten, das heutige ökonomische Denken dreht sich um vier Zentralbegriffe, namentlich um die Vorstellungen von Knappheit, Wettbewerb, Wachstum und Ertrag. Zusammengenommen prägen sie das mentale Modell, mit dem wir unsere wirtschaftlichen Austauschbeziehungen interpretieren. Es unterstellt, dass erfolgreiches Wirtschaften auf einem Wettbewerb gründet, bei dem der gestalterische Umgang mit knappen Mitteln bei jenen zu Erträgen und Wohlstand führt, die die prinzipiell unbegrenzten Wünsche und Bedürfnisse ihrer Kund*innen wecken und besser befriedigen als die Konkurrenz. Im Bann dieser Begriffe besteht unternehmerischer Erfolg aus zwei Bestandteilen. Erstens aus dem Anheizen der Wünsche und Bedürfnisse potentieller Kund*innen. Zweitens aus der Schöpfung von Erträgen. Erträge entstehen aber dabei nur dann, wenn der Rückfluss aus den knappen Mitteleinsätzen höher ist als die zur Befriedigung der Kundenbedürfnisse eingesetzten Mittel. Kooperation und Verantwortungsübernahme sind der Königsweg | Interview mit Friedrich Glauner weiterlesen

Von Klimawahlen zu Klimagerechtigkeitswahlen | Interview mit Fridays for Future Stuttgart

Pappschild mit klimapolitischer Forderung: "CLIMATE JUSTICE NOW!"Foto: Markus Spiske | Unsplash

 

Wir brauchen den Schritt von Klimawahlen zu Klimagerechtigkeitswahlen

Interview mit Lucia Parbel, Moritz Riedacher und Nisha Toussaint-Teachout | Fridays for Future Stuttgart

Am 20. September 2019 habt Ihr bei Eurem Klimastreik weltweit Millionen Menschen auf die Straße gebracht, alleine in Berlin sollen es 270.000 gewesen sein. Am 19. März fand der Siebte Globale Klimastreik statt – in Zeiten der Corona-Pandemie waren es bedeutend weniger. Was bedeutet die Pandemie für Eure Bewegung?

Nisha Toussaint-Teachout: Mit der Coronapandemie sind wir für alle deutlich spürbar im Zeitalter der multiplen Krisen angekommen. In Deutschland konnten viele die Klimakrise noch ignorieren, das ist bei der Coronakrise nicht möglich. Für uns als junge Menschen und als Umweltaktivist*innen ist diese Zeit niederschmetternd, weil wir in unseren Möglichkeiten eingeschränkt sind, weil eine andere Thematik als die Klimakrise die öffentliche Diskussion bestimmt, obwohl das Problem der Erderhitzung nicht verschwunden ist, sondern sich im Gegenteil weiter verschlimmert. Der kleine Lichtschimmer ist, dass in der Coronakrise deutlich wurde, dass drastische Maßnahmen möglich sind – wenn die Bereitschaft dafür da ist. Wir können mit Krisen umgehen, wir können sehr krasse Maßnahmen ergreifen. Als Fridays for Future (FFF) rufen wir dazu auf, drastische Maßnahmen gegen die Klimakrise zu ergreifen, weil sie jetzt noch möglich sind. Wir bemühen uns darum, darauf aufmerksam zu machen. Von Klimawahlen zu Klimagerechtigkeitswahlen | Interview mit Fridays for Future Stuttgart weiterlesen

Leserbrief: Genossenschaftsgesetz

Briefkasten in den BergenFoto: Chad Peltola | Unsplash

 

Leserbrief: Genossenschaftsgesetz

Liebes agora42-Team,

bei der Lektüre der aktuellen Ausgabe (2/2021; Anm. der Red.) fehlte mir, als BWL-Dozent an einer genossenschaftlich orientierten Hochschule (ADG), ein Verweis oder eine Stimme zum Genossenschaftsgesetz, welches nicht ohne Grund einen sehr hohen Stellenwert in unserer Rechtsprechung und damit auch in dem Diskurs der Thematik „neues Wirtschaften“ innehat, so denke ich. Leserbrief: Genossenschaftsgesetz weiterlesen

Ökonomie der Biodiversität | Reinhard Loske

UmweltverschmutzungFoto: Chris LeBoutillier | Unsplash

 

Ökonomie der Biodiversität

Warum der Erhalt der biologischen Vielfalt die Voraussetzung für erfolgreiches Wirtschaften ist

Text: Reinhard Loske | Gastbeitrag

Es ist noch nicht lange her, dass namhafte Politiker*innen hierzulande glaubten, sie müssten ihre ökonomische Kompetenz durch abfällig-ironische Bemerkungen über Naturschutzziele zum Ausdruck bringen. Ob die Mopsfledermaus oder das Haselhuhn eine Autobahnplanung zu verhindern drohten, der Feldhamster oder der Kammmolch die Erschließung eines Gewerbegebietes verzögerten, eine Orchideenwiese oder ein Feuchtgebiet dem zügigen Bau einer Fabrik im Wege standen oder sich Schweinswale partout dort herumtrieben, wo ein großer Offshore-Windpark vorgesehen war, stets wurde von den vermeintlich wirtschaftskompetenten Spaßvögeln das gleiche Klischee gepflegt: Von solcherlei Kinkerlitzchen und Sentimentalitäten könne man sich doch beim Verfolgen großer Projekte der Wirtschaftsförderung nun wirklich nicht aufhalten lassen. Und überhaupt sei der Eingriff ja an anderer Stelle wieder auszugleichen.

Wie hoffnungslos altbacken und falsch eine Sichtweise ist, die Naturschutz als weiches Luxusthema deklariert, hat nun eindrucksvoll ein Bericht im Auftrag der britischen Regierung gezeigt. Das dortige Finanzministerium, das Schatzamt Ihrer Majestät, hat von dem renommierten Cambridge-Ökonomen Partha Dasgupta eine Zusammenschau des Wissens über das Verhältnis von Ökonomie und biologischer Vielfalt erbeten, deren Ergebnisse nun seit einigen Wochen vorliegen. Ökonomie der Biodiversität | Reinhard Loske weiterlesen

Gesellschaft als soziale Plastik | Interview mit Marilena Berends

Shift-TasteFoto: Athul Ben | Unsplash

 

Gesellschaft als soziale Plastik, wir alle als Zukunftskünstler*innen

Interview mit Marilena Berends

Marilena Berends, mit Deinem Podcast setzt Du Dich mit Deinem Team für einen Sinneswandel ein. Was ist der Sinneswandel, den wir brauchen und warum brauchen wir ihn?

Wenn man den Titel hört, denken wahrscheinlich viele, dass mit „Sinneswandel“ lediglich ein individuelles Umdenken gemeint sei, im Sinne von: „Ach, ich habe mir das jetzt anders überlegt“. Um das Überdenken persönlicher Sichtweisen und um die Aneignung neuer Perspektiven geht es auch. Wir verstehen Sinneswandel aber sehr viel weiter: Es geht über das Individuelle hinaus, um gesellschaftlichen Wandel – oder, was man immer häufiger hört: um „Transformation“. Gesellschaft als soziale Plastik | Interview mit Marilena Berends weiterlesen